Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus hat in den vergangenen Jahren stets zugenommen. Man denke hierbei nur an Al Qaida oder den sogenannten Islamischen Staat (IS). Untersuchungsgegenstand dieses Essays ist jedoch nicht der islamistische Terrorismus, sondern die Darstellung des Zusammenhangs von Terrorismus und massenmedialer Berichterstattung am Beispiel der Rote(n) Armee Fraktion in der Bundesrepublik Deutschland. Diese vor allem in den 1970er und 1980er Jahren aktive linksextremistische Terrororganisation wirkte durch die Verübung terroristischer Akte in Kombination mit gezielter Propaganda, zu deren Verbreitung sie sich die Massenmedien zu Nutze machte. Am Beispiel der RAF wird exemplarisch eine symbiotische Beziehung zwischen dem Terrorismus und den Medien aufgezeigt, wie sie auch heute noch in Bezug auf die aktuelle terroristische Bedrohung Gültigkeit besitzt. Ferner ergeben sich für zeitgenössische Terroristen durch die weltweite Vernetzung des Internets Möglichkeiten, von denen die RAF nur hätte träumen können. Die Grundlagen der terroristischen Kommunikation sind jedoch gleich geblieben, denn der Terrorist sucht seinen Erfolg primär in der massenmedial unterstützten psychologischen Wirkung. Daraus ergibt sich ein funktionaler Zusammenhang, da die terroristische Tat auf Vermittlung angewiesen ist und somit zunehmend auf die Arbeitsweise und Möglichkeiten der modernen Kommunikationsindustrie ausgerichtet wird. Walter Laqueur hat es pointiert formuliert, indem er sagt: „The media are the terrorist’s best friend. The terrorist’s act by itself is nothing, publicity is all.”
Gliederung
1. Einführung
2. Terrorismus, Kommunikation und Massenmedien
3. Hintergrund und Einordnung der RAF
4. Die Kommunikationsstrategie der RAF im Zeitalter der Massenmedien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Essays ist die Untersuchung der symbiotischen Beziehung zwischen terroristischer Kommunikation und massenmedialer Berichterstattung, wobei die Rote Armee Fraktion (RAF) als zentrales Fallbeispiel dient. Dabei wird analysiert, wie terroristische Gruppen gezielte Medienstrategien in ihr Gesamtkonzept integrieren, um psychologische Wirkungen zu erzielen und politische Aufmerksamkeit zu generieren.
- Analyse der Rolle der Massenmedien bei terroristischen Aktionen
- Unterscheidung zwischen Guerilla-Taktiken und terroristischer Kommunikation
- Die RAF als Vorreiter der "Propaganda der Tat" und der Mythenbildung
- Symbolik und Branding als Teil der strategischen Identitätsbildung
- Vergleich der Kommunikationsstrategien historischer und zeitgenössischer Terrororganisationen
Auszug aus dem Buch
Die Kommunikationsstrategie der RAF im Zeitalter der Massenmedien
Die Kommunikationsstrategie der RAF lässt sich am besten mit dem Begriff „Propaganda der Tat“ umschreiben – ein Terminus, der auf die beiden russischen Anarchisten Bakunin und Kropotkin zurückgeht. Diese erkannten bereits, dass die terroristische Tat an sich eine äußerst wirksame Form der Kommunikation darstellt, welche die Aufmerksamkeit einer großen Zielgruppe im Sinne der Terroristen erreicht, sofern diese sich zu der Tat bekennen und deren Absichten erklären.
Die terroristische Aktion der RAF zielte dabei gerade auf eine harte Reaktion des Staates ab, der seinerseits zu drakonischen Gegenmaßnahmen greifen sollte, um damit sein wahres (also im Sinne der RAF totalitär-menschenverachtendes) Gesicht zu enthüllen, so zumindest das Kalkül der Terroristen. Dadurch versuchte die RAF vor allem Sympathisanten und Unterstützer zu gewinnen, wobei der sogenannte „interessierte Dritte“ für die Terrorgruppe eine wesentliche Rolle spielte. Gemeint ist ein neutraler bis wohlwollender Betrachter der terroristischen Tat, auf den insbesondere durch die Tatbegründung ein gewünschter Effekt erzielt werden sollte. Obwohl die RAF die westdeutschen Medien offen kritisierte, weil sie diese für vom System unterwandert hielten (und welche folglich imperialistische Indoktrination des Volkes betrieben), waren die Terroristen sich dennoch darüber im Klaren, dass die Massenmedien von Nutzen sein konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die Thematik der massenmedialen Inszenierung von Terrorismus ein und begründet die Relevanz der RAF als historisches Fallbeispiel für die heutige politische Kommunikation.
2. Terrorismus, Kommunikation und Massenmedien: Hier werden theoretische Grundlagen erarbeitet, indem das Phänomen Terrorismus definiert und von der Guerilla abgegrenzt wird, mit Fokus auf die mediale Vermittlung psychologischer Effekte.
3. Hintergrund und Einordnung der RAF: Dieser Abschnitt skizziert die Entstehungsgeschichte der RAF aus der 68er-Bewegung und fasst die wichtigsten Ereignisse sowie die zentralen Positionspapiere der Gruppe zusammen.
4. Die Kommunikationsstrategie der RAF im Zeitalter der Massenmedien: Das Hauptkapitel analysiert die strategische Nutzung von „Propaganda der Tat“, Mythenbildung und Symbolik als integralen Bestandteil der RAF-Kommunikation.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der innovativen Kommunikationsmethoden der RAF und stellt den Bezug zur heutigen Bedeutung medialer Inszenierung im Kontext aktueller terroristischer Bedrohungen her.
Schlüsselwörter
Terrorismus, RAF, Rote Armee Fraktion, Massenmedien, Propaganda der Tat, politische Kommunikation, Mythenbildung, Stadtguerilla, Medienwirkung, psychologische Effekte, Symbiotische Beziehung, Symbolik, politische Gewalt, Inszenierung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit der engen Wechselwirkung zwischen terroristischen Aktivitäten und der Berichterstattung durch Massenmedien am Beispiel der RAF.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der "Propaganda der Tat", den Mythenbildungen innerhalb terroristischer Gruppierungen sowie der Bedeutung von Branding und Symbolik für die Außenwahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die RAF terroristische Kommunikation und gezielte Medienstrategien zentral benötigte, um ihre politischen Ziele im Rahmen ihres Gesamtkonzepts zu verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die auf Fachliteratur renommierter Experten wie Andreas Elter und Wolfgang Kraushaar basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einordnung des Terrorismus, dem historischen Hintergrund der RAF sowie der detaillierten Analyse ihrer Kommunikationsstrategien (Propaganda, Mythen, Symbole).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Terrorismus, Massenmedien, Propaganda der Tat, Symbiotische Beziehung und Politische Kommunikation.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Guerilla und Terrorist in dieser Arbeit eine Rolle?
Die Abgrenzung ist wichtig, um zu verdeutlichen, dass Terroristen – anders als Guerillakämpfer – primär auf mediale Aufmerksamkeit angewiesen sind, um ihre psychologischen Ziele zu erreichen.
Inwiefern beeinflussten persönliche Hintergründe der RAF-Mitglieder deren Medienarbeit?
Viele Mitglieder kamen aus der intellektuellen Szene oder arbeiteten als Journalisten, was ihnen ein fundiertes Verständnis über die Funktionsweise und Bedürfnisse der modernen Medienindustrie gab.
Welche Rolle spielte das "Logo" der RAF laut der Analyse?
Das Logo erfüllte eine identitätsstiftende Funktion nach innen und diente der martialischen Symbolisierung von Entschlossenheit nach außen, wobei die Verwendung einer deutschen Maschinenpistole eine bewusste ästhetische Entscheidung darstellte.
Was lässt sich laut dem Autor heute noch aus der RAF-Strategie ableiten?
Der Autor stellt fest, dass moderne terroristische Gruppen wie Al-Qaida ähnliche Mechanismen der massenmedialen Inszenierung nutzen, wodurch die Kommunikationsstrategien der RAF bis heute an Aktualität bewahrt haben.
- Citar trabajo
- Ulrich Schaeffer (Autor), 2010, Terroristische Kommunikation im Zeitalter der Massenmedien am Beispiel der Roten Armee Fraktion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288904