Seit den Ergebnissen der internationalen und nationalen PISA-Studien sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Blickwinkel der bildungspolitischen Debatte gerückt. Das schlechte Abschneiden Deutschlands deutet darauf hin, dass das gegenwärtige Bildungssystem erneut durchschaut werden muss und mehreren Herausforderungen bevorsteht. Aufgrund der noch bestehenden Überrepräsentation von Kindern/
Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Haupt- und Sonderschulen und derer Unterrepräsentation an Realschulen und Gymnasien ist ein relativer Schulmisserfolg und demzufolge eine starke Bildungsbenachteiligung dieser Schülerinnen und Schüler nicht zu bezweifeln (Ceri 2008: 23). Demnach lässt sich die Frage stellen, welche Ursachen für die Bildungsbenachteiligung dieser Kinder verantwortlich sind.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde nach dem zweiten Weltkrieg infolge von angeworbener Gastarbeit, Familiennachzug, Vertreibung aus dem eigenen Land oder Wiederkehr von Zuwanderern zu eines der wichtigsten Ziele von Migranten und Migrantinnen in Europa.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Migration“: Definition und Beschreibung
2.1 Der Übergang vom Ausländer- zum Migrationskonzept
2.2 Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland
3 Die Lage der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulwesen
3.1 Der Besuch ausgewählter Schulen der Sekundarstufe
3.2 Der Besuch von Förderschulen
3.3 Kompetenzniveau der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund im Überblick
3.4 Zusammenfassung
4 Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung von Schülern/ Schülerinnen mit Migrationshintergrund
4.1 Außerschulische Erklärungsansätze
4.1.1 Die kulturell- defizitäre Erklärung
4.1.2 Die humankapitaltheoretische Erklärung
4.2. Innerschulische Erklärungsansätze
4.2.1 Die Erklärung durch Strukturdefizite des deutschen Schulsystems
4.2.2 Die Erklärung durch institutionelle Diskriminierung
5 Strukturelle schulinterne Maßnahmen zur Verringerung der Bildungsdiskrepanz in Deutschland
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Ursachen für die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Zusammenhänge zwischen institutionellen Strukturen, außerschulischen Faktoren und dem tatsächlichen Bildungserfolg dieser Schülergruppe.
- Multikulturelle Gesellschaft und Bildungsdebatte
- Analyse der Schullaufbahnen und Leistungsniveaus
- Außerschulische vs. innerschulische Erklärungsmodelle
- Strukturelle Diskriminierungsmechanismen im Bildungssystem
- Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Die Erklärung durch institutionelle Diskriminierung
Forschungen, die auf die Bildungsinstitutionen, den Erwartungen der Lehrer an ihre Schüler und den Selektionsmechanismen fokussieren, um die Bildungsdiskrepanz in Deutschland zu begründen, gibt es erst seit kurzer Zeit (Diefenbach 2004: 247). Eine empirische Studie hierzu liefert die Autorin von Gomolla & Radke, welche auf Mechanismen der Diskriminierung innerhalb der Schule verweist, bestätigt: Es sind nicht nur die erbrachten Leistungen der Migrantenkinder, die für ihren Schulerfolg bzw. Schulmisserfolg beitragen, sondern auch die Entscheidungspraktiken der Schulen, die in ihre institutionellen und organisatorischen Strukturen eingelassen sind (ebd.: 248).
Um zu diesem Resultat zu kommen, wurden in Bielefeld Interviews mit Lehrern und Repräsentanten der Schulbehörden untersucht. Somit konnte die Entstehung der Diskriminierung von Migrantenkindern als Ergebnis organisatorischen Handelns nachgewiesen werden, die besonders in Übergangsphasen geschehen, wie bei der Einschulung, Überweisung von Kindern auf eine Förderschule und bei dem Übergang in die Sekundarstufe I (ebd.: 248).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Kontext internationaler PISA-Studien dar und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2 „Migration“: Definition und Beschreibung: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffsdefinitionen geklärt und der Wandel vom Ausländer- zum Migrationskonzept in der Bundesrepublik erörtert.
3 Die Lage der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulwesen: Das Kapitel analysiert empirisch die Verteilung von Schülern mit Migrationshintergrund auf verschiedene Schulformen und beschreibt deren Leistungsniveau im Vergleich zu Schülern ohne Migrationshintergrund.
4 Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung von Schülern/ Schülerinnen mit Migrationshintergrund: Hier werden verschiedene Theorien wie kulturell-defizitäre, humankapitaltheoretische und innerschulische Ansätze gegenübergestellt, um die Gründe für den Schulmisserfolg zu beleuchten.
5 Strukturelle schulinterne Maßnahmen zur Verringerung der Bildungsdiskrepanz in Deutschland: Dieses Kapitel stellt konkrete Lösungsansätze vor, die auf einer interkulturellen Ausrichtung des Bildungswesens basieren, um die Bildungsdiskrepanz effektiv zu verringern.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Migration, Migrationshintergrund, deutsches Schulsystem, PISA-Studien, Chancengleichheit, institutionelle Diskriminierung, Humankapital, interkulturelle Pädagogik, Bildungsdiskrepanz, Selektion, Schullaufbahn, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund innerhalb des deutschen Schulsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen gehören die schulische Repräsentation, Kompetenzunterschiede, Theorien zu Bildungsungleichheit und notwendige strukturelle Maßnahmen für eine interkulturelle Schulentwicklung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, welche Faktoren, insbesondere im institutionellen Bereich des deutschen Bildungswesens, für den relativen Schulmisserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund verantwortlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis bestehender empirischer Studien und Datenerhebungen, wie etwa den PISA-Ergebnissen, die Situation analysiert und Erklärungsansätze diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme der schulischen Lage, die theoretische Auseinandersetzung mit außerschulischen sowie innerschulischen Erklärungsmodellen und die Erörterung struktureller Veränderungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte umfassen Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Chancengleichheit, strukturelle Diskriminierung und interkulturelle Bildung.
Warum schneiden türkische und italienische Kinder laut der Untersuchung oft schlechter ab?
Die Arbeit weist darauf hin, dass dies auf komplexe Faktoren wie mangelnde Sprachförderung, Selektionsprozesse an Übergängen und institutionelle Strukturen zurückgeführt werden kann, während einfache kulturelle Erklärungsmodelle oft zu kurz greifen.
Welche Rolle spielt die "institutionelle Diskriminierung"?
Sie beschreibt, wie organisatorische Abläufe und Entscheidungspraktiken in Schulen – beispielsweise bei der Einschulung oder beim Übergang in die Sekundarstufe – Schüler mit Migrationshintergrund benachteiligen können, ohne dass dies notwendigerweise auf einer individuellen bösen Absicht von Lehrkräften beruht.
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- Denise Lie Eck Kuwabara (Author), 2012, Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288914