Die Lobrede in der Rhetorik


Hausarbeit, 2014

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aristotelische Definition des genus demonstrativum

3. Definitionsvergleich - Antike vs. Moderne

4. Ist das genus demonstrativum noch zeitgemäß?

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Das genus demonstrativum, ist die dritte Redegattung in der aristotelischen Trias. Seit den Sophisten steht sie für die Rhetorik als Kunst, welche die Schönheit der Sprache und Virtuo­sität des Orators in den Mittelpunkt stellt. Keine andere rhetorische Gattung wurde so kon­trovers über die Jahrhunderte hinweg diskutiert. Im Folgenden wird zunächst eine Definition der Lobrede nach der aristotelischen Vorstellung vorgenommen, um dann später in einem Vergleich Antike und Moderne Definitionen gegenüberzustellen und die verschiedenen Kritikpunkte zu vergleichen. Dabei wird auch die Entwicklung der Lobrede beleuchtet, um dann abschließend die Frage zu diskutieren, ob die Lobrede als Gattung noch zeitgemäß ist.

2. Aritotelische Definition des genus demonstrativum

Die Lobrede (genus demonstrativum) dient dazu eine Person oder Sache zu loben oder zu ta­deln. Im Gegensatz dazu stehen die politische Rede (genus deliberativum) und die Gerichts­rede (genus iudiciale), welche meist einen strittigen Sachverhalt thematisieren. Die epideik­tische Redegattung nimmt, dadurch das ihr Redegegenstand unstrittig ist, eine Sonderstel­lung unter den drei aristotelischen Redegattungen ein.[1] Dies wird auch in Aristoteles Rheto­rik' deutlich, im ersten Buch erläutert er die verschiedenen Redegattungen und ihren Zweck.

Der beratenden Rede und der Gerichtsrede räumt er in seinen Ausführungen wesentlich mehr Raum ein als der dritten Gattungen, der Lobrede.[2] Nach Aristoteles definiert sich die Lobrede über den Zuhörer, denn dieser urteilt über das rhetorische Talent des Orator, wel­ches bei der dritten Gattung im Mittelpunkt steht. Weiterhin spricht er der Form des Lobes eine wichtige Rolle zu, er unterscheidet dabei zwischen dem ernsthaften und dem uneigent­lichen Lob.[3] Letzteres war besonders in der griechischen Rhetorik von großer Wichtigkeit, da es dem Orator primär darum ging seine Kunstfertigkeit zu demonstrieren, ganz im Sinne der Rhetorik als Kunst.[4] Im Bezug auf die Form des Lobes erläutert Aristoteles den Tugend­begriff. Er nennt „Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit, Edelmut, innere Größe, Freigebig­keit, Sanftmut, Einsicht und Weisheit“[5] als besonders lobenswerte Tugenden. Durch diese ausführliche Erläuterung der verschiedenen Tugenden zeigt sich, wie wichtig das Ethos im Zusammenhang mit der Lobrede ist, denn das Image des Redners wirkt sich signifikant auf seine Glaubwürdigkeit aus. Außerdem so Ostermann „geht es darum, den Zuhörer die Größe der Tugend (oder des Lasters) vor Augen zu führen, wobei Tugend (arete) keinen absoluten, an objektiver Wahrheit gemessen, sondern einen rationalen, mittleren Wert darstellt“.[6] Zum Tadel schreibt Aristoteles lediglich, dass dieser aus dem Gegenteil des Lobens schöpft und damit das Wichtigste genannt sei.[7] Seine Einteilung der Redegattungen hat aufgrund ihrer Einfachheit und Logik bis heute bestand. Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer wieder Kritik daran geübt, jedoch gelang es keiner anderen Theorie sich gegenüber der aristoteli­schen Trias langfristig durchzusetzen.

3. Definitionsvergleich - Antike vs. Moderne

Nach Walter Jens ist das größte „Problem“ der Lobrede, dass ihr Gegenstand unkritisch ist.[8] Für ihn ist sie daher eine ungenügend Gattung im Vergleich zum genus iudiciale und genus deliberativum. Auch Cicero wollte die Lobrede nicht als vollwertige Redegattung anerken­nen, wie es zuvor Aristoteles mit seiner Einteilung in die drei Gattungen getan hat. Es zeigt sich, dass es die dritte Redegattung ist, die, heute wie damals, für Instabilität in der aristoteli­schen Trias der Redegattungen sorgt. Die Kritik ist jedoch von unterschiedlicher Natur. Cice­ro sieht die epideiktische Gattung als Oberbegriff für unterschiedliche Redeanlässe, welche in keinem Zusammenhang zu dem von ihm für wichtig erachteten anderen beiden Gattungen stehen.[9] Jens, wie bereits erwähnt, bemängelt den unstrittigen Gegenstand der Lobrede. Für ihn muss es zu einer Weiterentwicklung des Lobestopoi kommen, weg von der Einseitigkeit des fraglosen Lobes hin zu einer „kontroversen,streitbaren Form der Lobrede“.[10]

[...]


[1] Zinsmaier, Thomas: Epideiktik zwischen Affirmation und Aristik. Die antike Theorie der feiernden Rede im histori­schen Aufriß. In: Josef Kopperschmidt, Helmut Schanze: Fest und Festrhetorik. Zur Theorie, Geschichte und Praxis der Epideiktik. München 1999. S. 375.

[2] Vgl. Aristoteles: Rhetorik. Übers. und Hrsg. von Gernot Krapinger. Bibliogr. erg. Ausg. Stuttgart 2007.

[3] Valozza, Maddalena: Laudatio. Defintion, Antike. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Hrsg. Gert Ueding. Bd. 5. Tübingen 2001. Sp.51.

[4] Ebd.

[5] Aristoteles: Rhetorik. [1366b] (5)

[6] Ostermann, Eberhard: Die Authentizität des Ästhetischen. Studien zur ästhetischen Transformation der Rhetorik. München 2002. Figuren, Bd.10. S.41.

[7] Vgl. Aristoteles: Rhetorik [1368a] [35]

[8] Vgl. Matuschek, Stefan: Antirhetorik, Propaganda, Streit, Spiel und Ironie. Zur Formengeschichte der Lobrede. In: Fest und Festrhetorik. Zu Theorie, Geschichte und Praxis der Epideitik. Hrsg. Josef Kopperschmidt, Helmut Schan­ze. München 1999. S.181-191.

[9] Götter, Karl-Heinz: Einführung in die Rhetorik. Grundbegriffe - Geschichte - Rezeption. 4., überarb. Aufl. Pader­born 2009. S.21.

[10] Matuschek, Stefan: Lobrede. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Hrsg. Gert Ueding. Bd.5. Tübingen 2001. Sp.396

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Details

Titel
Die Lobrede in der Rhetorik
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Veranstaltung
Einführung in die Rhetorik
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V288946
ISBN (eBook)
9783656891840
ISBN (Buch)
9783656891857
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lobrede, Rhetorik, Antike
Arbeit zitieren
Carina Klara Moser (Autor), 2014, Die Lobrede in der Rhetorik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288946

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