Günther Jauch ist einer der berühmtesten und beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Daher bietet es sich an, am Beispiel seiner Talkshow Günther Jauch das Phänomen der Talkshowmoderation zu untersuchen.
Ziel dieser Arbeit ist es Ansätze aufzuzeigen, inwieweit die rhetorische Theorie auf das Format Talkshow sinnvoll zu übertragen ist. Grundlage für diese Betrachtung
sind verschiedene Aufsätze aus dem Historischen Wörterbuch der Rhetorik, welche sich mit dem aus rhetorischer Perspektive relativ neuen Phänomen der Moderation, genauer der Talkshowmoderation, beschäftigen. Darüber hinaus
wird versucht, Schnittpunkte zwischen der klassischen Rhetoriktheorie und dem Phänomen der Talkshowmoderation, am Beispiel von Günther Jauch als Moderator der gleichnamigen Talkshow, aufzuzeigen. Die Schwierigkeit dabei liegt darin, dass es zum momentanen Zeitpunkt eine sehr geringe Auswahl an wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema gibt. Aufgrund dieser schwierigen Quellenlage ist es notwendig auch nicht-wissenschaftliche Artikel der klassischen Medien miteinzubeziehen, hierbei ist eine kritische Vorgehensweise unerlässlich.
Zunächst wird durch die allgemeine Vorstellung des Formats Talkshow ein Überblick über die Thematik gegeben werden, um dann auf die Besonderheiten der Sendung Günther Jauch einzugehen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen zunächst
das Setting und die rhetorische Situation der Sendung, von wo aus der Blick dann auf den Moderator selbst gerichtet wird. In diesem Zusammenhang wird ein kurzer Überblick über die Person Jauch und seinen beruflichen Werdegang gegeben. Danach wird die Rolle Jauchs als Talkshow-Moderator in Bezug
auf die Rhetoriktheorie Knapes thematisiert und die Frage erörtert, inwieweit Jauch als Moderator auch Orator ist, um letztendlich die Frage beantworten zu können, ob eine Analyse des Formats Talkshow aus rhetorische Perspektive möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Format Talkshow
3. Analyse des Settings und der rhetorischen Situation
4. Der Moderator – Günther Jauch
5. Der Moderator als Orator?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Talkshowmoderation am Beispiel der Sendung "Günther Jauch" unter Anwendung rhetorischer Theorien. Das primäre Ziel ist es, Schnittpunkte zwischen klassischer Rhetorik und der modernen Talkshowmoderation aufzuzeigen sowie zu klären, inwieweit der Moderator als Orator fungiert.
- Rhetorische Analyse des Talkshow-Formats
- Untersuchung von Setting und rhetorischer Situation
- Die Rolle des Moderators zwischen journalistischer Vermittlung und rhetorischer Inszenierung
- Übertragbarkeit der Orator-Theorie nach Knape auf die Talkshow
- Bedeutung von Authentizität und Glaubwürdigkeit im Fernsehen
Auszug aus dem Buch
3. Analyse des Settings und der rhetorischen Situation
Das Setting spielt eine entscheidende Rolle, weil es einen großen Wiedererkennungswert darstellt und im Gegensatz zum Thema der Sendung eine bestehende Konstante ist. Günther Jauch als Gastgeber begrüßt zu Beginn einer jeden Sendung seine Gäste und das TV-Publikum in seinem Studio. Bereits zuvor erhalten die TV-Zuschauer in einem circa 20sekündigen Vorspann einen Überblick über das Setting. Berlin wird aus der Vogelperspektive gezeigt, Bilder der berühmten Sehenswürdigkeiten werden eingeblendet. Nach und nach wird der Tag zum Abend und schlussendlich zur Nacht. Die letzten Bilder des Vorspanns sind Nahaufnahmen des Gasometers in Berlin-Schönefeld am Abend, dem Ort der Talkshow. Diese Einleitung ist als filmische Metapher für den Slogan „GÜNTHER JAUCH ist der Polittalk aus dem Herzen der Hauptstadt“ zu verstehen. Der Standort Berlin, als Ort einer politischen Talkshow, soll dem Zuschauer eine unmittelbare Nähe zu den politischen Entscheidungsorganen der Bundesrepublik, dem Bundestag und seinen Abgeordneten, suggerieren. Der denkmalgeschützte Gasometer als Setting ist ein bewusst gewähltes Alleinstellungsmerkmal, um sich von den konkurrierenden Formaten abzusetzen, welche meist in einem klassischen TV-Studio produziert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung der Talkshowmoderation am Beispiel Günther Jauchs und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Herausforderungen der Quellenlage.
2. Das Format Talkshow: Dieses Kapitel definiert das Format Talkshow als Produkt elektronischer Massenmedien und unterscheidet nach Plake zwischen Debatten-, Personality- und Bekenntnis-Show.
3. Analyse des Settings und der rhetorischen Situation: Es wird analysiert, wie das räumliche Setting in Berlin sowie die verschiedenen Kommunikationskreise (innerer Kreis, Präsenzpublikum, TV-Zuschauer) zur rhetorischen Wirkung der Sendung beitragen.
4. Der Moderator – Günther Jauch: Das Kapitel beleuchtet Jauchs beruflichen Werdegang sowie seine Anpassungsfähigkeit und charakterisiert ihn als etablierte Persönlichkeit, deren Moderationsstil maßgeblich zum Erfolg der Sendung beiträgt.
5. Der Moderator als Orator?: Hier wird Knapes Oratortheorie auf das Format übertragen und diskutiert, inwiefern der Moderator als lenkende Instanz fungiert, während die Gäste oft die persuasive Rolle übernehmen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine rhetorische Analyse des Formats teilweise möglich ist, jedoch die klassische Oratortheorie aufgrund der komplexen Kommunikationsstruktur nur bedingt eins zu eins übertragbar bleibt.
Schlüsselwörter
Günther Jauch, Talkshow, Moderation, Rhetorik, Rhetorische Situation, Orator, Kommunikation, Setting, Fernsehen, Medienwissenschaft, Politische Talkshow, Argumentation, Authentizität, Öffentliche Diskurs, Knape
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Talkshowmoderation am Beispiel der ARD-Sendung "Günther Jauch" unter rhetorischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Format Talkshow, die Bedeutung des Settings, die Rolle des Moderators und die Anwendung klassischer Rhetoriktheorien auf moderne Fernsehformate.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, inwieweit rhetorische Theorien, insbesondere die Orator-Theorie nach Joachim Knape, sinnvoll auf das Format Talkshow übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine literatur- und medienwissenschaftliche Analyse, basierend auf Fachliteratur zur Rhetorik sowie ergänzender Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Formats, des Settings, der Rolle von Günther Jauch als Moderator und die theoretische Verortung des Moderators als "Orator" oder "Dirigent" der Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Rhetorik, Talkshowmoderation, Orator, Kommunikationsebenen, mediale Inszenierung und Glaubwürdigkeit.
Inwiefern beeinflusst das Setting die rhetorische Wirkung der Sendung?
Das Setting (Berlin-Gasometer) fungiert als filmische Metapher für politische Nähe und Seriosität, was den Wiedererkennungswert und die Glaubwürdigkeit der Sendung unterstützt.
Warum kritisierte der Programmbeirat der ARD die Gesprächsführung von Günther Jauch?
Die Kritik richtete sich gegen die Verwendung vermeintlich zu einfacher Fragen, den Einsatz von Suggestivfragen und die Tendenz, bei drohenden Konflikten das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.
- Citar trabajo
- Carina Klara Moser (Autor), 2014, Die Talkshow "Günther Jauch" als Moderationsphänomen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288947