"Die Modenschau beginnt, und Siebzehnjährige, die nicht mehr wiegen als ein Magermilchjoghurt, schweben an mir vorbei mit ausdruckslosen Engelsgesichtern, auf denen die Zeit noch keine Zeit gehabt hat, Spuren zu hinterlassen" (von Kürthy 2006: 42).
Soweit die realitätsferne Idealvorstellung der Modeindustrie, bezogen auf eine schöne Frau. Der Alltag vieler Menschen sieht anders aus...
Das Thema dieser Arbeit – "Schönheit kommt von außen. Welche Bedeutung kommt den Massenmedien bei der Entwicklung eines Schönheitsideals zu?" – fragt demnach, ob und wie die von Menschen entwickelten Massenmedien in sozialen Prozessen wirken und ob massenmediale Einflüsse tatsächlich das bestehende Schönheitsideal mit beeinflusst haben. Darüber hinaus soll herausgearbeitet werden, welche weiteren Instanzen, Gruppen oder Institutionen auf die Individuen Einfluss nehmen können und welche pathologischen Ausmaße das derzeitige Ideal im Gegensatz zu früheren Gesellschaften und Völkern annimmt.
Als Ausgangslage wird die These vertreten, dass eine direkte, unreflektierte Beeinflussung der Rezipienten durch die Massenmedien als nicht zutreffend angesehen werden kann.
Durchaus wird der Mensch gelenkt und beeinflusst, allerdings nicht allein durch mediale Reize, sondern durch ganze Märkte (wie Politik, Wirtschaft oder das soziale Umfeld), die an der Schaffung von Illusionen, Bedürfnissen und Idealen beteiligt sind.
Diese Arbeit soll zur Schärfung des Bewusstseins hinsichtlich der bestehenden Schönheitsideale und den damit verbundenen Manipulationen, Machtfragen und Instrumenten beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung des Arbeitstitels
2.1 Massenmedien und Massenkommunikation
2.2 Schönheitsideal
3 Mediengeschichte
4 Schönheitsideale im Wandel der Zeit
4.1 Steinzeit
4.2 Hochkultur Ägypten
4.3 Antike
4.4 Mittelalter
4.5 Renaissance
4.6 Barock
4.7 Rokoko
4.8 19. Jahrhundert
4.9 1920er Jahre
4.10 1950er und 1960er Jahre
4.11 1980er Jahre
4.12 1990er Jahre
4.13 Heute
4.14 Schönheitsideale fernab der westlichen Kultur
5 Attraktivitätsforschung
5.1 Taille-Hüft-Verhältnis
5.2 Die Faszination am schönen Durchschnittsgesicht
5.3 Gesichtssymmetrie
5.4 Kindchenschema
6 Die Bedeutung der Massenmedien im Alltag
6.1 Das Fernsehen
6.2 Internet und Social Media
6.3 Printmedien
7 Werbung
7.1 Werbemittel & Werbeträger
7.2 Werbewirkungsmechanismen
7.3 Werbung damals und heute
8 Modelle der Werbewirkung
8.1 Stimulus-Response-Modell
8.2 Stimulus-Organismus-Response-Modell
8.3 AIDA-Modell
8.4 Sechs-Stufen-Modell
8.5 Modell der persuasiven Kommunikation
8.6 Uses-and-Gratifications-Approach
8.7 Dynamisch-transaktionales Modell
9 Der Beeinflussungsspielraum der Massenmedien
9.1 Der Mythos der wertfreien Massenmedien
9.2 Medienrealität: Nichtmediales und mediales Welterleben
9.3 Das homogenisierte Schönheitsideal der Massenmedien
9.4 Unterschiede zwischen Frauen- und Männermagazinen
9.5 Die Herabsetzung der Frauen im Film
10 Cultural Studies
10.1 Der Forschungsbereich der Cultural Studies
10.2 Der Medienbegriff der Cultural Studies
11 Körperkonzepte: Was ist ein Körper?
12 Die Gesellschaft schreibt sich in den Körper ein
13 Soziales Handeln
13.1 Schönheitshandeln
13.2 Schönheitshandeln in den Medien
13.3 Negative Folgen des Schönheitshandelns
13.3.1 Fitnesswahn
13.3.2 Kosmetika und Körperpflegemittel
13.3.3 Diät, Schlanksein und Gesundheit
13.3.4 Fett-Hass
13.3.5 Schönheitschirurgie
13.3.6 Alter
13.4 Schönheit als soziales Kapital: Der Halo-Effekt
13.5 Der soziale Vergleich
14 Entwicklung eigener Identität am Beispiel der Mead´schen Rollentheorie
15 Der Mensch ist ein Herdentier
16 Das Schönheitsideal: individuell oder universell?
17 Bedeutung der Schönheit erklärt anhand der Theorie von Pierre Bourdieu
18 Körperwahrnehmung und Zufriedenheit
18.1 No fat talk: Wie lassen sich die Medien positiv nutzen?
18.2 Schönheit als Teil des Glücklichseins?
19 Medien als Spiegel der Gesellschaft?
20 Wer hat Schuld am Schönheitswahn?
21 Schlussbetrachtung
22 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Massenmedien bei der Entstehung und Verbreitung von gesellschaftlichen Schönheitsidealen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Medien als alleinige Instanz zur Normierung von Körperbildern fungieren oder ob komplexe ökonomische und soziale Marktkräfte das menschliche Streben nach Schönheit im Sinne der individuellen und gesellschaftlichen Positionierung treiben.
- Einfluss der Massenmedien auf die Etablierung von Schönheitsidealen.
- Historische Entwicklung des Körper- und Schönheitsverständnisses.
- Psychologische und evolutionäre Grundlagen der Attraktivitätsforschung.
- Die Rolle von Werbung, Marketing und der Werbewirkungsforschung.
- Soziologische Betrachtung von Schönheit als Kapital und soziales Handeln.
- Konsequenzen des modernen Schönheitskults für das Individuum und die Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die Modenschau beginnt, und Siebzehnjährige, die nicht mehr wiegen als ein Magermilchjoghurt, schweben an mir vorbei mit ausdruckslosen Engelsgesichtern, auf denen die Zeit noch keine Zeit gehabt hat, Spuren zu hinterlassen (von Kürthy 2006: 42).
Soweit die realitätsferne Idealvorstellung der Modeindustrie, bezogen auf eine schöne Frau. Der Alltag vieler Menschen sieht anders aus. Cellulite machen sich auf den fraulichen Oberschenkeln breit, ein Bierbäuchlein schwappt über den Hosenbund des Mannes, die Brüste hängen – durchaus bei beiden Geschlechtern – und im Spiegel lächeln einem Krähenfüße entgegen. Schön, wer dann noch zurücklächeln kann. Denn hinsichtlich des in den Massenmedien propagierten Schönheitsideals, befinden sich die meisten Menschen fernab vom Weg zum perfekten Körper.
Während die einen, getrieben vom Ehrgeiz, dem Ideal ein Stück näher zu kommen, tagtäglich in Fitnessstudios rennen, um ihre Muskeln auf die Größe von Bowlingkugeln aufzupumpen, dezimieren sich die anderen um die Hälfte ihres Gewichts und schränken die Ernährung auf drei Salatblätter, zwei Weintrauben und fünf Diätpillen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen medial propagierten Idealen und der Lebensrealität und führt in die zentrale Forschungsfrage ein.
2 Begriffsbestimmung des Arbeitstitels: Definition der zentralen Begriffe Massenmedien, Massenkommunikation sowie des Schönheitsideals im wissenschaftlichen Sinne.
3 Mediengeschichte: Überblick über die mediale Entwicklung, um Einflüsse auf Körperbilder historisch einordnen zu können.
4 Schönheitsideale im Wandel der Zeit: Geschichtliche Darstellung von Schönheitsidealen von der Steinzeit bis in die Gegenwart unter Einbeziehung verschiedener Kulturen.
5 Attraktivitätsforschung: Analyse evolutionärer Ansätze zur Attraktivität, wie das Taille-Hüft-Verhältnis, Symmetrie und das Kindchenschema.
6 Die Bedeutung der Massenmedien im Alltag: Untersuchung der Mediennutzung und deren Inhalte im täglichen Leben anhand von Fernsehen, Internet und Printmedien.
7 Werbung: Analyse der Struktur, Mechanismen und Ziele von Werbung sowie deren Einfluss auf den Konsumenten.
8 Modelle der Werbewirkung: Darstellung grundlegender Werbewirkungsmodelle und ihrer Anwendbarkeit auf die heutige Medienrealität.
9 Der Beeinflussungsspielraum der Massenmedien: Kritische Auseinandersetzung mit der Macht der Massenmedien und deren Einfluss auf die individuelle Wahrnehmung.
10 Cultural Studies: Einführung in die Cultural Studies als theoretisches Analyseraster für Machtstrukturen und Mediennutzung.
11 Körperkonzepte: Was ist ein Körper?: Erörterung dualistischer und ganzheitlicher Körperkonzepte und deren soziologischer Bedeutung.
12 Die Gesellschaft schreibt sich in den Körper ein: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen gesellschaftlichen Leitideen und individueller Körperwahrnehmung.
13 Soziales Handeln: Betrachtung von Schönheit als Instrument des sozialen Handelns und die daraus resultierenden negativen Folgen wie Fitnesswahn oder Schönheitschirurgie.
14 Entwicklung eigener Identität am Beispiel der Mead´schen Rollentheorie: Erklärung der Identitätsbildung durch Rollenübernahme und Kommunikation.
15 Der Mensch ist ein Herdentier: Analyse der menschlichen Tendenz zur Konformität und Nachahmung in sozialen Kontexten.
16 Das Schönheitsideal: individuell oder universell?: Diskussion über die Universalität vs. Relativität von Schönheitsidealen.
17 Bedeutung der Schönheit erklärt anhand der Theorie von Pierre Bourdieu: Untersuchung von Schönheit als soziales Kapital und Distinktionsmerkmal.
18 Körperwahrnehmung und Zufriedenheit: Auswertung empirischer Daten zum Zusammenhang von Körperbild, Selbstzufriedenheit und medialen Einflüssen.
19 Medien als Spiegel der Gesellschaft?: Reflexion über die Rolle der Medien als selektive Instanz bei der Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit.
20 Wer hat Schuld am Schönheitswahn?: Zusammenfassende Betrachtung der Verantwortlichkeiten für den gesellschaftlichen Schönheitsdruck.
21 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur Rolle der Massenmedien im Kontext ökonomischer und gesellschaftlicher Dynamiken.
22 Ausblick: Thematisierung von Hässlichkeit als gesellschaftliches Tabu und Ansatzpunkt für zukünftige Forschungen.
Schlüsselwörter
Schönheitsideal, Massenmedien, Schönheitshandeln, Körperkonzepte, Werbung, Identitätsbildung, Soziale Medien, Attraktivitätsforschung, Konsumgesellschaft, Schönheitschirurgie, Soziologie, Kommunikation, Körperwahrnehmung, Bourdieu, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen der modernen westlichen Gesellschaft, den Massenmedien und der Entwicklung von Schönheitsidealen sowie deren Auswirkungen auf den Einzelnen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Schönheitsideale, psychologische Attraktivitätsforschung, die Rolle von Werbung als Wirtschaftsfaktor sowie soziologische Identitätstheorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, welchen Anteil die Massenmedien an der Konstruktion heutiger Körperbilder haben und ob Schönheit als ökonomisches Kapital zur Positionierung im sozialen Raum genutzt wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die soziologische Theorien (z.B. Mead, Bourdieu) mit medienwissenschaftlichen Modellen und empirischen Studien verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die psychologische Fundierung von Schönheit, eine kritische Untersuchung der Werbewirkung und die soziologische Einbettung von Schönheitshandeln in der modernen Leistungsgesellschaft.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem zentralen Begriff des Schönheitsideals sind dies Schönheitshandeln, Kapitalisierung des Körpers, Medialisierung, Identitätskonzepte und der soziologische Begriff des Habitus.
Welchen Einfluss hat die "No fat talk"-Kampagne?
Die Arbeit führt diese Kampagne als Beispiel für eine bewusste Bewusstseinsschärfung an, die versucht, durch positive Kommunikation den negativen medialen Druck auf das Selbstbild abzumildern.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Medien keine "Allmacht" besitzen, sondern als Verstärker bereits vorhandener gesellschaftlicher Werte fungieren, die durch ökonomische Interessen gesteuert werden.
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- Anonym (Autor:in), 2014, Schönheit kommt von außen. Welche Bedeutung kommt den Massenmedien bei der Entwicklung eines Schönheitsideals zu?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288975