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Der Hexenglauben in Bisseliusʽ Lyrikwerk "Deliciae Veris"

Title: Der Hexenglauben in Bisseliusʽ Lyrikwerk "Deliciae Veris"

Term Paper , 2014 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Paolo Parisi (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Das lateinisch verfasste Lyrikwerk "Deliciae Veris" (1638, 1640), auf Deutsch ʼFrühlingsfreudenʽ, des oberschwäbischen Jesuiten Johannes Bisselius (1601-1682) ist thematisch, kompilatorisch und ästhetisch betrachtet als ein herausragender Elegien-Zyklus der deutschen neulateinischen Lyrik anzusehen, der gerade auch kulturhistorisch bedeutende Einblicke gewährt.
In der bisherigen Forschung zur bayerisch-schwäbischen Jesuitenkultur fand das Werk von Bisselius bisher nur beiläufig Erwähnung. So erschien erst im Jahre 2013 eine zufriedenstellend übersetzte und kommentierte Edition der "Deliciae Veris", die von Claren, Eickmeyer, Kühlmann und Wiegand herausgegeben wurde.

Die kompilatorische Eigenheit der "Deliciae Veris" besteht einerseits darin, dass die verschiedensten Themen wie Meteorologisches, Lokales, Flora und Fauna, Maria und Christus, Legenden und biblische Themen, Feiertage und Kirchengeschichte, Anekdoten und Schwankhaftes, und auch Persönliches, ja dies alles in einer Darstellung aufgenommen wurde, andererseits auch darin, dass einer Kompositionsstruktur nachgegangen wurde, die die gruppenbildenden Thematiken intratextuell miteinander in Beziehung bringt, die wiederum in ein großes Weltgedicht eingeflochten sind, das dennoch chronologisch fortschreitend wahrgenommen werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thematische Fragestellung

3. Rezeption des Hexenwesens in der frühneuzeitlichen Literatur

4. Hexenglauben in Bisseliusʼ Deliciae Veris

4.1. Elegie III,9 (Ein unheilvoller Spaziergang, der in Donnerschlägen und verzaubertem Hagel endete)

4.1.1. Realität und arkadische Fiktionalität

4.1.2. Authentizitätsbekenntnis

4.1.3. Volksnahe Vorstellungen und Aberglauben

4.1.4. Legitimierte Bestrafung

4.2. Elegie III,10 (Historischen Charakters. Der Bäcker im Mehl)

4.2.1. Zur Hexensalbe und zum Hexenflug

4.2.2. Die Hexenfahrt als Traum?

4.2.3. Interpretationsansätze zum Hexenflug in Elegie III,10

4.2.4. Zwischen Intertextualität zu Apuleiusʼ Metamorphosen und mündlicher Tradition

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung des Hexenglaubens in den Elegien III,9 und III,10 des jesuitischen Autors Johannes Bisselius, wobei der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen volksnahen Vorstellungen und zeitgenössischen dämonologischen Konzepten liegt, um mentalitätsgeschichtliche Einblicke zu gewinnen.

  • Analyse des Hexenglaubens in der frühneuzeitlichen neulateinischen Lyrik.
  • Untersuchung der Verquickung von Alltagsvorstellungen (Milchdiebstahl, Wetterzauber) und Dämonologie.
  • Kontrastierung von fiktionalen Elementen und dem Authentizitätsanspruch des Autors.
  • Intertextuelle Vergleiche zwischen Bisselius' Elegien und antiken Vorbildern wie Apuleius' "Der Goldene Esel".
  • Einordnung in den zeitgenössischen Kontext der Hexenverfolgung und Mentalitätsgeschichte.

Auszug aus dem Buch

4.1.2. Authentizitätsbekenntnis

Bisselius beginnt diese Elegie (III, 9) mit dem Erzähleingang „Es war schon mitten im Mai (IN cursu jam MAIVS erat)“, als handle es sich um ein wahrhaftiges Erlebnis, weshalb Kühlmann 2011 seine literarische Darstellungsart mit einer „fiktionalbiographischen Topik“ erklärt, die zudem durch ein „reflektiertes Erzählverhalten“ charakterisiert ist. Allgemein auf das Werk der Deliciae Veris bezogen bezeichnet Kühlmann 2013 die zweideutige Erzählsituation, in der zum einen ein realer Autor als Ordensbruder in Erscheinung tritt und zum anderen der Erzähler innerhalb einer Handlungsfiktion, als „Fiktionsironie“. Ein reflektiertes Erzählverhalten tritt in unserer Elegie dadurch zu Tage, dass sich das Erlebnishafte des Weiteren im Verlaufe des Erzählten durch weitere bekennende Äußerungen zeigt, die die Wahrhaftigkeit immer mehr zu untermauern versuchen. Diese Erzählweise fördert natürlich die Authentizität des lyrischen Ichs. Weiter heißt es in derselben Elegie „Ich machte einen Spaziergang“ zu Beginn der Hirten-Sequenz und, wie oben bereits angesprochen, ziemlich am Ende der Beschreibung des Hagelwetters „Ich schwöre bei meinem Haupt, auf das ich die Steinbrocken fallen fühlte (Hoc caput, hoc testor, quo saxa ruentia sensi)“. In der narrativen Darstellung gibt sich diese Autorintention ferner durch die Verwendung der ersten Person, sowohl im Singular als auch im Plural, durch die Erzählinstanz zu erkennen. Obgleich nach oben Dargestelltem der Erzählung ein literarischer Charakter nicht abgesprochen werden kann, kann dennoch von keiner Darstellungsweise ausgegangen werden, die in der Art eines magischen Realismus ganz Unscheinbares zu erklären versucht. Ganz im Gegenteil, das Authentizitätsbekenntnis, das der Erzähler in der Form eines Augenzeugenberichtes macht und nicht die Funktion hat, dem impliziten Leser das Fiktive als Realität näher zu bringen, dient dazu, der am Schluss der Elegie erwähnten Hexenverbrennung einen Sinn zu geben und die Existenz von schadenden Hexen zu beweisen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Werk "Deliciae Veris" von Johannes Bisselius wird als bedeutendes neulateinisches Lyrikwerk vorgestellt und in den Kontext der bayrisch-schwäbischen Jesuitenkultur sowie des Hexenglaubens eingeordnet.

2. Thematische Fragestellung: Es wird erörtert, inwiefern die in den Elegien dargestellten volksnahen Vorstellungen tatsächlich authentisch sind oder durch zeitgenössische Hexenverfolgungsdiskurse geprägt wurden.

3. Rezeption des Hexenwesens in der frühneuzeitlichen Literatur: Dieses Kapitel beleuchtet, wie dämonologische Werke und die Literatur des 17. Jahrhunderts den Stoff des Hexenwesens für unterhaltende oder belehrende Zwecke aufbereiteten.

4. Hexenglauben in Bisseliusʼ Deliciae Veris: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die beiden Elegien III,9 und III,10 hinsichtlich ihrer Darstellung von Wetterzauber, Milchdiebstahl, Hexenflug und der Legitimation der anschließenden Bestrafungen.

5. Schluss: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Bisselius den Hexenglauben seiner Zeit voraussetzt und literarisch verarbeitet, wobei die Elegien unterschiedliche Erzählweisen und Abhängigkeiten von antiken sowie volkstümlichen Traditionen aufweisen.

Schlüsselwörter

Johannes Bisselius, Deliciae Veris, Hexenglaube, Hexenverfolgung, frühneuzeitliche Lyrik, Jesuiten, Milchzauber, Wetterzauber, Intertextualität, Apuleius, Mentalitätsgeschichte, Teufelspakt, Hexensalbe, Dämonologie, Fiktionsironie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert zwei Elegien aus dem Lyrikwerk "Deliciae Veris" des Jesuiten Johannes Bisselius, um die Darstellung von Hexenglauben und deren Verbindung zur damaligen Mentalität und Hexenverfolgung zu untersuchen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung behandelt das Wechselspiel zwischen volkstümlichen Aberglauben, theologisch-dämonologischen Diskursen und literarischer Fiktion im 17. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen den in den Elegien geschilderten Phänomenen wie Wetterzauber oder Hexenflug und den realen, durch zeitgenössische Vorstellungen geprägten Hexenprozessen herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Vergleiche, motivgeschichtliche Betrachtungen und die Einbettung in den historischen Kontext der Mentalitätsgeschichte umfasst.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Elegie III,9 (Wetterzauber und Milchdiebstahl) und Elegie III,10 (Hexenflug und Transformation) sowie deren jeweiligen Bezug zur Tradition und zur zeitgenössischen Realität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Johannes Bisselius, Hexenglaube, Jesuitendichtung, Mentalitätsgeschichte, Intertextualität und frühneuzeitliche Dämonologie beschreiben.

Wie bewertet Bisselius in der ersten Elegie die Hexenverbrennung?

Bisselius nimmt in der ersten Elegie eine homodiegetische Erzählrolle ein und kommentiert die Hexenverbrennung zynisch als legitime Bestrafung für die durch die Hexe verursachten Wetterphänomene.

Welche Rolle spielt Apuleius für das Verständnis der zweiten Elegie?

Apuleius dient als intertextuelles Vorbild; die missglückte Hexenfahrt des Bäckers weist signifikante Parallelen zu Motiven in den Metamorphosen auf, was auf eine bewusste literarische Anknüpfung schließen lässt.

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Details

Title
Der Hexenglauben in Bisseliusʽ Lyrikwerk "Deliciae Veris"
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Hexe, Heilige, Herrscherin
Grade
1,3
Author
Paolo Parisi (Author)
Publication Year
2014
Pages
20
Catalog Number
V288996
ISBN (eBook)
9783656895916
ISBN (Book)
9783656895923
Language
German
Tags
Bisselius Jesuitendichtung Hexen Hexenfahrt Wetterhexe Hexenflug
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paolo Parisi (Author), 2014, Der Hexenglauben in Bisseliusʽ Lyrikwerk "Deliciae Veris", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288996
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