Das Konzentrationslager Buchenwald ist das bekannteste Arbeitslager auf deutschem Boden. Die Lageranlage befindet sich auf dem Ettersberg bei Weimar und wurde von 1937 bis 1945 als nationalsozialistisches Konzentrationslager verwendet.
Die SS errichtete diese Anlage im Juli 1937
für etwa 8.000 Insassen.
Der bekannteste Häftling seiner Zeit war Ernst Thälmann, der am 18. August 1944 in Buchenwald ermordet wurde.
Auf dieser 40 ha großen Fläche waren hauptsächlich deutsche und österreichische Häftlinge untergebracht.
Im Frühjahr 1945 war die Lageranlage auf dem Ettersberg das größte, noch bestehende Konzentrationslager.
Es waren dort, zu diesem Zeitpunkt, 238.000 Männer und 25.000 Frauen aus über 30 Nationen inhaftiert. Die Truppen der 3. US – Armee erreichten am 11. April 1945 das Konzentrationslager. Nach der Lagerevakuierung befanden sich dort noch 21.000 Häftlinge.
Ein Mythos, welcher das Konzentrationslager über die Grenzen der ehemaligen DDR bekannt gemacht hat, ist die wundersame Errettung eines Kleinkindes durch kommunistische Häftlinge.
Die Bekanntheit dieses Mythos wurde durch den Film „Nackt unter Wölfen“, in dem Frank Beyer Regie Führte, weltweit bekannt. Die Propaganda der DDR erklärte immer wieder, das dieser Film wahrheitsgetreu auf tatsächlichen Fakten beruhe.
Durch die Bekanntheit wurde in dem Konzentrationslager eine Figurengruppe von dem Künstler Fritz Cremer errichtet. In dieser Figurengruppe steht ein kleiner Junge, der als das „Buchenwaldkind“ weltweite Bekanntheit erlangt hat.
Das Thema der Hausarbeit befasst sich mit den Personen Bruno Apitz, dem Autor des Buches, und Stefan Jerzy Zweig, dem realen „Buchenwaldkind“.
Wie sind beide mit dem Ruhm und der Bekanntheit umgegangen? Wie hat sich die ganze Geschichte wirklich zugetragen? [...]
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
1.1) Begriffserklärung: Spielfilm als Quelle
2) Der Inhalt des Filmes „Nackt unter Wölfen“
3) Das Leben des Bruno Apitz
3.1) seine Zeit im Konzentrationslager Buchenwald
3.2) Sein Erfolg mit dem Roman „Nackt unter Wölfen“
4) Die wahre Geschichte des „Buchenwaldkindes“
4.1) Unterschiede zwischen Film und Wahrheit
4.2) Stefan Jerzy Zweig in der Öffentlichkeit
5) Wahrnehmung des Filmes in der Öffentlichkeit
6) Wie veränderte sich die Sicht auf das „Buchenwaldkind“ nach der Wiedervereinigung?
7) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der filmischen Darstellung und der historischen Realität rund um das „Buchenwaldkind“ Stefan Jerzy Zweig. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie der Roman und der darauf basierende Film als Instrument der DDR-Propaganda genutzt wurden und welche psychologischen sowie biografischen Folgen dies für den realen Zeitzeugen hatte.
- Analyse der Entstehungsgeschichte des Romans von Bruno Apitz.
- Gegenüberstellung der fiktiven Filmhandlung mit den dokumentierten Tatsachen.
- Untersuchung der Rezeption und Instrumentalisierung des „Buchenwaldkindes“ in der DDR.
- Kritische Aufarbeitung der Gedenkstättenpolitik und des Wandels der Erinnerungskultur nach 1990.
- Reflektion über die moralischen Konflikte und Vorwürfe gegen Stefan Jerzy Zweig.
Auszug aus dem Buch
4.1) Unterschiede zwischen Film und Wahrheit
Obwohl der Roman und auch der Film einen großen Erfolg erzielt haben, gibt es einige Unterschiede zwischen der Geschichte des Bruno Apitz und der Geschichte des Stefan Jerzy Zweig.
Ein ganz wesentlicher Unterschied ist gleich am Anfang zu sehen. Im Film wird das Kind in einem Koffer von dem Polen Jankowski in das Lager gebracht. Augenscheinlich ist der Vater des Jungen tot. Die SS weiß nichts von der Existenz des kleinen Jungen. Die Wahrheit wahr aber ein bisschen anders. Der Junge ist an der Hand seines Vaters durch das Tor nach Buchenwald gekommen, unter den Augen der SS.
In dem Film waren es ausschließlich die kommunistischen Häftlinge, die dem Kind das Leben retten. In der Wirklichkeit rettete der Vater, Zacharias Zweig, seinem Sohn immer wieder das Leben.
Bruno Apitz sagt über diesen Punkt: „Ich wollte keinen Vater im Roman haben, weil ein Vater sein Kind natürlich beschützen will. Aber wenn andere das tun, ist das etwas Heldenhaftes, etwas fast Übermenschliches.“
Der Historiker Bill Niven erklärt dazu, „er machte Helden aus Menschen, die vielleicht gar keine waren.“ 18
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Einführung in das historische Umfeld des Konzentrationslagers Buchenwald und Hinführung zum zentralen Thema der Hausarbeit, dem Mythos um das „Buchenwaldkind“.
1.1) Begriffserklärung: Spielfilm als Quelle: Erläuterung der methodischen Herausforderungen bei der Nutzung von Spielfilmen als geschichtswissenschaftliche Primärquelle.
2) Der Inhalt des Filmes „Nackt unter Wölfen“: Zusammenfassung der Filmhandlung, in der Häftlinge versuchen, ein Kind vor der SS zu verbergen.
3) Das Leben des Bruno Apitz: Biografischer Abriss über den Autor Bruno Apitz und seine Inhaftierung in Buchenwald.
3.1) seine Zeit im Konzentrationslager Buchenwald: Schilderung der Haftumstände von Bruno Apitz und seiner Motivation, das Erlebte literarisch zu verarbeiten.
3.2) Sein Erfolg mit dem Roman „Nackt unter Wölfen“: Analyse des Entstehungsprozesses, der Zensur sowie des späteren Welterfolgs des Romans.
4) Die wahre Geschichte des „Buchenwaldkindes“: Darstellung der tatsächlichen Biografie von Stefan Jerzy Zweig und der historischen Hintergründe seiner Rettung.
4.1) Unterschiede zwischen Film und Wahrheit: Kritische Gegenüberstellung der fiktiven Romanhandlung mit den historischen Fakten, insbesondere der Rolle des Vaters.
4.2) Stefan Jerzy Zweig in der Öffentlichkeit: Beschreibung des medialen Drucks und der Rolle als politisches Symbol, in die Zweig in der DDR gedrängt wurde.
5) Wahrnehmung des Filmes in der Öffentlichkeit: Untersuchung der Rezeption und der ideologischen Wirkung des Films in der DDR und im internationalen Kontext.
6) Wie veränderte sich die Sicht auf das „Buchenwaldkind“ nach der Wiedervereinigung?: Analyse der veränderten Erinnerungskultur nach 1990 und der kritischen Auseinandersetzung mit dem DDR-Mythos.
7) Schlussbetrachtung: Fazit zur moralischen Problematik und der Zerstörung des Individuums durch die Instrumentalisierung als politisches Symbol.
Schlüsselwörter
Buchenwald, Stefan Jerzy Zweig, Bruno Apitz, Nackt unter Wölfen, DDR, Antifaschismus, Erinnerungskultur, Zeitzeuge, Propaganda, Konzentrationslager, Historische Aufarbeitung, Widerstand, Ideologie, Gedenkstätte, Trauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis zwischen der filmischen Adaption des Romans „Nackt unter Wölfen“ und der tatsächlichen Geschichte des realen „Buchenwaldkindes“ Stefan Jerzy Zweig.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Themen Erinnerungskultur, die ideologische Instrumentalisierung von Geschichte in der DDR, mediale Wahrnehmung sowie das Spannungsfeld zwischen Fiktion und historischer Wahrheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch literarische und filmische Fiktion ein Mythos geschaffen wurde, der von der DDR als „fleckenfreie“ Heldenlegende instrumentalisiert wurde, und welche Auswirkungen dies auf den Überlebenden hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die Primärquellen (Film), biografische Berichte und wissenschaftliche Literatur kombiniert, um Diskrepanzen aufzudecken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie von Bruno Apitz, die historische Wahrheit des Lebens von Stefan Jerzy Zweig, den Vergleich zwischen Fiktion und Realität sowie die Rezeptionsgeschichte nach der Wiedervereinigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Buchenwald, Stefan Jerzy Zweig, DDR, Propaganda, Erinnerungskultur und Antifaschismus.
Warum wird Stefan Jerzy Zweig als „Opfer“ der Erinnerungskultur bezeichnet?
Er wurde gegen seinen Willen als Symbolfigur der DDR-Propaganda inszeniert, was ihn später im vereinten Deutschland in eine psychisch belastende Rolle drängte, in der er mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen konfrontiert wurde.
Welche Rolle spielt der sogenannte „Opfertausch“ in der Argumentation?
Der „Opfertausch“ ist ein entscheidender historischer Fakt, der nach 1990 aufgedeckt wurde. Er beschreibt, dass ein anderer Junge (Willy Blum) anstelle von Stefan Jerzy Zweig nach Auschwitz deportiert wurde, was im DDR-Film konsequent verschwiegen wurde.
- Citation du texte
- Sylvia Reidemeister (Auteur), 2013, Der Film "Nackt unter Wölfen". Aspekte seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289022