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Wie aus Zuschauern Regisseure und aus Regisseuren Zuschauer wurden: "Call Cutta"

Rimini Protokoll

Titel: Wie aus Zuschauern Regisseure und aus  Regisseuren Zuschauer wurden: "Call Cutta"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 19 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Holger Köhler-Kaeß (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 2. April 2005 hatte das Theaterstück Call Cutta von dem Regietrio Rimini Protokoll in Berlin seine Deutschlandpremiere. Schon mit dem ersten Satz dieser Einleitung ergeben sich bereits Probleme. Denn Call Cutta ist kein klassisches Theaterstück, sondern eher einer Stadtführung verwandt, bei der sich einige Ebenen des Theaters verschieben, überlagern oder gegenseitig aufheben.
Der Besuch von Call Cutta unterscheidet sich zunächst durch äußere Umstände vom Besuch eines traditionellen Theaterstücks, da der Besucher oder die Besucherin für die Teilnahme einen Termin beim Hebbel Theater vereinbaren muss. Dort bekommt der Teilnehmer ein multifunktionales Handy zur Verfügung gestellt und kann wählen, ob er die Tour auf deutsch oder englisch absolvieren möchte. Nach wenigen Minuten bekommt er einen Anruf von einem Callcenter-Agenten aus Kalkutta in Indien, der ihm Anweisungen und Wegbeschreibungen für einen Spaziergang durch Berlin gibt.
An beiden Enden der Leitung wird gesprochen, so dass der Zuschauer nicht bloß auf Anweisungen reagiert, sondern auch selbst agiert und aktiv eingreifen kann. Der Callcenter-Agent aus Kalkutta ist niemals in Berlin gewesen, beschreibt also den Weg durch eine Stadt, die er bisher nicht mit den eigenen Augen gesehen hat. Während der Berliner Teilnehmer den aktiven Part übernimmt, bleibt der indische Callcenter-Agent statisch und dirigiert die Tour sitzend von seinem Bildschirm aus.
In dieser Arbeit soll kurz die Arbeit des Regietrios Rimini Protokoll vorgestellt werden. Danach wird das Theaterprojekt Call Cutta genauer beschrieben und erklärt. In Call Cutta verschieben sich die klassischen Ebenen des Theaters von Raum, Perspektive und Zeit. Was genau mit diesen drei Ebenen in dem Projekt geschieht, soll in dieser Arbeit untersucht werden, wobei es für Raum, Perspektive und Zeit jeweils ein eigenständiges Kapitel geben wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Regietrio Rimini Protokoll – Eine Einführung

3. Call Cutta – Eine Einführung in das ungewöhnliche Theaterprojekt

4. Der Raum in Call Cutta

5. Die Perspektive in Call Cutta

6. Die Zeit in Call Cutta

7. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Theaterprojekt „Call Cutta“ des Regietrios Rimini Protokoll zu analysieren und zu untersuchen, wie die klassischen theatralen Ebenen von Raum, Perspektive und Zeit in diesem spezifischen Kontext transformiert, verschoben oder aufgehoben werden.

  • Die Arbeitsweise des Regietrios Rimini Protokoll
  • Die strukturelle Analyse des Projekts „Call Cutta“
  • Die Untersuchung der Raumwahrnehmung und -erweiterung im urbanen Raum
  • Die Verschiebung der Perspektiven von Zuschauern, Akteuren und Regisseuren
  • Die fließende und subjektive Zeiterfahrung im interkontinentalen Setting

Auszug aus dem Buch

4. Der Raum in Call Cutta

Ende der 1960er Jahre zog das Theater aus den festen Theatergebäuden aus, um andere Räume zu wählen, die bis dahin anderweitig genutzt wurden. Die neuen Räume hatten keine Vorgaben für das Verhältnis zwischen Akteuren und Zuschauern, wodurch nachdrücklich in den Fokus gebracht wurde, dass es die Aufführung ist, welche das Verhältnis von Schauspielern und Publikum neu definiert sowie Möglichkeiten für Bewegung und Wahrnehmung schafft, dass also vor allen Dingen die Aufführung Räumlichkeit hervorbringt. Die Aufführung entfremdet den Zuschauer von seiner alltäglichen Umwelt, ohne ihm immer Wege zu weisen, wie er zu einer Neuorientierung gelangen könnte. Dieser Zustand kann negativ als auch positiv empfunden werden, denn die Transformationen, die in ihm durchlaufen werden, können sehr unterschiedlich sein. Es ist zu beachten, dass diese Transformationen nur vorübergehend sind und lediglich für die Dauer der Aufführung oder auch nur für eine begrenzte Zeit innerhalb der Aufführung anhalten können.

Doch wo genau befindet sich der Raum in der Aufführung von Call Cutta und wie werden die neuen Theaterräume eingeordnet? Hans-Thies Lehmann hat sich in seinem Buch Postdramatisches Theater mit den neuen Räumen beschäftigt und versucht sie zu benennen und einzuteilen. In dem Kapitel Raum beschreibt er, wie sich die Räume des postdramatischen Theaters vom dramatischen Theater unterscheiden und in welchen Formen sie seit Ende der 1960er Jahre genutzt werden. So wird laut Lehmann im postdramatischen Theater der Raum als Teil der realen Welt betrachtet, während er im dramatischen als perspektivisches Fenster, dramatisches Symbol und metaphorisches Äquivalent der Welt dient. Lehmann unterscheidet zwischen dem weitläufigen, zentrifugalen Raum, der zu einer Abkehr von illusionistischer Bühnentradition führt (der Zuschauer muss also auswählen, was er sehen oder verpassen will), und dem kleinen, intimen zentripetalen Raum, der den Zuschauer zu tief ins Geschehen hinein zieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Theaterprojekts „Call Cutta“ und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Verschiebung der theatralen Ebenen von Raum, Perspektive und Zeit.

2. Das Regietrio Rimini Protokoll – Eine Einführung: Darstellung der künstlerischen Arbeitsweise des Trios mit Fokus auf dokumentarische Theaterformen und den Einsatz nichtprofessioneller Akteure.

3. Call Cutta – Eine Einführung in das ungewöhnliche Theaterprojekt: Detaillierte Beschreibung des Ablaufs und der konzeptionellen Anlage der telefonisch geführten Stadtführung.

4. Der Raum in Call Cutta: Untersuchung der verschiedenen Raumbegriffe (zentrifugaler, heterogener, virtueller Raum) im Kontext des postdramatischen Theaters.

5. Die Perspektive in Call Cutta: Analyse der verschwimmenden Rollen zwischen Zuschauer, Schauspieler und Passant sowie der Einfluss des Zufalls auf die Aufführung.

6. Die Zeit in Call Cutta: Betrachtung der durch Zeitverschiebung und individuelle Handlungsmöglichkeiten beeinflussten Zeiterfahrung innerhalb der Inszenierung.

7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, wie Rimini Protokoll durch die Vermischung von Raum, Zeit und Perspektive die Grenzen des Theaters neu definiert.

Schlüsselwörter

Rimini Protokoll, Call Cutta, postdramatisches Theater, Raumwahrnehmung, Perspektivwechsel, Zeiterfahrung, dokumentarisches Theater, Stadtraum, Interaktivität, performatives Theater, Medialität, Rollenverteilung, Inszenierung, Berlin, Kalkutta.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Theaterprojekt „Call Cutta“ von Rimini Protokoll und untersucht, wie dieses Stück die traditionellen theatralen Grenzen von Raum, Perspektive und Zeit auflöst oder neu konstruiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Arbeitsweise des Regietrios Rimini Protokoll, die Medialität des Telefons als Inszenierungsinstrument, die Teilhabe des Publikums sowie die theoretische Einordnung in das postdramatische Theater.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Verlagerung des Theaters in den öffentlichen Raum und die Nutzung telekommunikativer Mittel die Wahrnehmung von Zeit und Ort radikal transformiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse auf Basis theaterwissenschaftlicher Literatur durchgeführt, wobei das Projekt „Call Cutta“ unter Anwendung der Kategorien von Hans-Thies Lehmann und Erika Fischer-Lichte untersucht wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert strukturiert die Ebenen des Raums, die Dynamik der Perspektiven (Zuschauer, Anwohner, Regisseure) und die fließende Zeiterfahrung zwischen Berlin und Kalkutta.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Rimini Protokoll, postdramatisches Theater, Raumwahrnehmung, Perspektivwechsel und die Verschiebung von Zeitstrukturen im Kontext öffentlicher Aufführungen.

Wie verändert das Telefonat die Rolle des Teilnehmers?

Der Teilnehmer ist nicht mehr nur passiver Beobachter, sondern wird durch die Anweisungen des Callcenter-Agenten zum aktiven Akteur, der den Verlauf des Stücks durch eigene Entscheidungen (z.B. Routenwahl) maßgeblich beeinflussen kann.

Welche Bedeutung kommt den Anwohnern in „Call Cutta“ zu?

Anwohner fungieren als unbewusstes, unfreiwilliges Publikum, das die Teilnehmer der Stadtführung beobachtet, wodurch diese wiederum zu Schauspielern in einem für die Anwohner fremden, surrealen Kontext werden.

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Details

Titel
Wie aus Zuschauern Regisseure und aus Regisseuren Zuschauer wurden: "Call Cutta"
Untertitel
Rimini Protokoll
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Seminar für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Vertiefungsmodul Theorie und Ästhetik (PS 17 542)
Note
1,3
Autor
Holger Köhler-Kaeß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V289054
ISBN (eBook)
9783656892946
ISBN (Buch)
9783656892953
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zuschauern regisseure regisseuren zuschauer call cutta rimini protokoll
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Holger Köhler-Kaeß (Autor:in), 2014, Wie aus Zuschauern Regisseure und aus Regisseuren Zuschauer wurden: "Call Cutta", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289054
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Leseprobe aus  19  Seiten
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