Erfolgsfaktoren von Morningshows im Radio. Analyse der Sender 1LIVE, Bayern3 und SWR3


Projektarbeit, 2014

53 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitende Worte
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Erfolgsfaktoren von Morningshows im Radio mit Blick auf die Sender 1LIVE, BAYERN 3 und SWR3
2.1 Analyse von Morningshows im Radio: Forschungsleitendes Interesse, Untersuchungsmethode und -design
2.1.1 Rahmenbedingungen
2.1.2 Untersuchungsmethode
2.1.3 Untersuchungsdesign und -dimensionen
2.1.4 Untersuchte Programmelemente
2.1.4.1 Musik
2.1.4.2 Wort
2.1.4.3 Werbung
2.1.4.4 Verpackungselemente
2.1.5 Analysierte Radiosender
2.1.5.1 Der Radiosender 1LIVE
2.1.5.2 Der Radiosender BAYERN 3
2.1.5.3 Der Radiosender SWR3
2.2 Auswertung und Präsentation der Ergebnisse
2.2.1 Allgemeine Auswertungsergebnisse
2.2.2 Analyse Wortanteil
2.2.2.1 1LIVE
2.2.2.2 BAYERN
2.2.2.3 SWR
2.2.3 Analyse Musik
2.2.3.1 1LIVE
2.2.3.2 BAYERN
2.2.3.3 SWR
2.2.4 Analyse Werbung
2.2.4.1 1LIVE
2.2.4.2 BAYERN
2.2.4.3 SWR

3. Fazit und Ausblick

Anhang mit Anlagenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Radionutzung im Tagesverlauf

Abbildung 2: Entwicklung der Hörerzahlen pro Stunde der betrachteten Sender

Abbildung 3: Verteilung von Wort-, Musik- und Werbeanteil der betrachteten Sender

Abbildung 4: Verteilung der Nachrichten auf einzelne Nachrichtensparten

1. Einleitende Worte

In Kapitel 1 erfolgt eine Hinführung auf das Thema, welche die verschiedenen Faktoren beleuchtet, die eine Morningshow im Radio erfolgreich machen. Zunächst wird dabei kurz die aktuelle Situation betrachtet, bevor anschließend die Zielsetzung und der Aufbau der Arbeit dargestellt werden.1 2

1.1 Problemstellung

Wenn der Tag beginnt, dann ist es für viele das Erste, was sie tun: Radio anschalten. Radio begleitet den Gang ins Bad, in die Küche, an den Frühstückstisch und schließlich den Weg zur Arbeit. Radiohören am Morgen gehört für die meisten zum Start in den Tag dazu, vor allem um sich zu informieren. Trotz Internet, Apps und anderer neuer Entwicklungen wird der Hörfunk in Deutschland aktuell so intensiv genutzt wie kein anderes Medium. Das bestätigt die jüngste Media Analyse 2014 II.3 Über drei Viertel der Bevölkerung sind unter der Woche über das Medium Radio erreichbar. Hörer ab 14 Jahre 18hören im Durchschnitt an einem Werktag über vier Stunden Radio.4

Gleichwohl haben die Verantwortlichen längst erkannt, dass sich aktuell ein Wandel vollzieht, der mit neuen Herausforderungen einhergeht. Diese sehen sich die Radiomacher vor allem zur Primetime im Radio am Morgen. Zu keiner anderen Tageszeit sind die Einschaltzahlen so hoch wie zwischen sechs und neun Uhr. Der Morgen gilt als das „Zugpferd“, sodass der Morgensendung eines Rundfunksenders eine besonders hohe Bedeutung zugesprochen wird. Die Hörer die nicht zwischen sechs und zehn Uhr den Sender eingeschaltet haben, werden auch den Rest des Tages nur sehr schwer zu gewinnen sein. Je mehr Hörer also in der Morgensendung einschalten, umso mehr steigen die Werbeeinnahmen. Doch wie sieht die perfekte Morningshow aus Sicht der Hörer aus und was macht eine gute Morningshow aus? Wie bekommt man die Hörer dazu den Sender einzuschalten - und auch dabei zu bleiben? Neben veränderten Hörgewohnheiten spielt dabei auch der soziodemographische Wandel eine Rolle. Bis vor einigen Jahren saß die Familie noch versammelt um den Frühstückstisch, während der Vater die Zeitung las, hörte der Rest der Familie Radio. Doch das hat sich gewandelt. Für Valerie Weber, bis Mai 2014 Programmchefin bei Antenne-Bayern, inzwischen Hörfunkdirektorin beim Westdeutschen Rundfunk, ist klar: „ Die Leute lesen ihre Lokalzeitung morgens nicht mehr, es wird mehr kommuniziert als früher. [ … ] Esändert sich gerade die ganze Kommunikationssituation in den Familien. Da können wir dann ein Problem haben, wenn wir als Radiosender auch noch dazwischen labern. “ 5 Zentrale Frage ist es somit, wie Radiosender am Morgen viele Einschalt- und möglichst wenig Umschaltimpulse liefern können.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Vor diesem Hintergrund betrachtet und untersucht die vorliegende Arbeit drei ausgewählte Radio-Morningshows, die seit vielen Jahren am Morgen konstante Hörerzahlen aufweisen. Dabei soll die Bedeutung solcher Sendungen für die Radioprogramme hervorgehoben werden. Mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse werden drei bedeutende Morgensendungen von verschiedenen Radiosendern umfassend beleuchtet und analysiert, deren Bestandteile identifizieren und jeweils miteinander verglichen. Dabei soll aufgezeigt werden, was offensichtlich wichtige Erfolgsfaktoren einer Morningshow sind beziehungsweise sein können.

1.3 Aufbau der Arbeit

Nach einer kurzen Hinführung auf das Thema werden im darauffolgenden Kapitel 2 aktuelle Entwicklungen und bestehende Morningshowangebote von Radiosendern betrachtet. Dabei wird in Kapitel 2.2 die Methode dargestellt, welche Sender warum und nach welchen Kriterien betrachtet werden. Außerdem wird die Methode und Vorgehensweise dieser Analyse erläutert. In Kapitel 2.3 werden schließlich die Untersuchungsergebnisse dargestellt. Abschließend bietet die Arbeit in Punkt 3 eine Reflektion und einen Ausblick auf Morgensendungen im Radio in den nächsten Jahren.

2. Erfolgsfaktoren von Morningshows im Radio mit Blick auf die Sender 1LIVE, BAYERN 3 und SWR3

Eine allgemeingültige Begriffsdefinition zu dem Begriff der Morningshow ist in der Literatur nicht zu finden. Eine Morningshow steht für die Sendezeit in einem Radiosender zwischen fünf und zehn Uhr im Allgemeinen. In der vorliegenden Arbeit umfasst die Betrachtung nur drei Stunden - sie beschränkt sich auf die Zeit zwischen sechs und neun Uhr. Drei ausgewählte solche Morningshows aus der deutschen Radiolandschaft werden nun umfassend betrachtet und analysiert. Zunächst werden jedoch die theoretischen Grundlagen sowohl von Morningshows im Allgemeinen sowie der angewandten wissenschaftlichen Methoden erläutert. Anschließend werden die Ergebnisse präsentiert und dargestellt.

2.1 Analyse von Morningshows im Radio: Forschungsleitendes Interesse, Untersuchungsmethode und -design

Drei ausgewählte Sendungen am Morgen werden analysiert und betrachtet. Mit welcher Methode und auf welche Art und Weise dies geschieht, wird im Folgenden dargelegt.

2.1.1 Rahmenbedingungen

Primetime im Radio ist ausnahmslos am Morgen. „ Wenn man bedenkt, dass die Primetime der Radionutzung am Morgen liegt, dann ist es verständlich, dass die Hauptanstrengungen ( … ) im Morgenprogramm liegen müssen. “ 6 Zwischen sechs und neun Uhr erreichen die Hörerzahlen im Tagesverlauf die höchsten Werte, wie in Abbildung 1 dargestellt. Deswegen kommt der Sendung am Morgen eine so enorme Bedeutung zu: von der redaktionellen Planung, über kreative Themenfindung und - setzung, Ansprache der Hörer bis hin zur Positionierung von Rollen und Persönlichkeiten der Moderatoren. Weiter müssen hauseigene Inhalte und Aktionen verkauft werden und auch Entwicklungen in den sozialen Medien eingebunden werden. Der Hörer am Vormittag ist ein anderer, als der, um kurz nach sieben. Während es am Morgen in erster Linie meist um kurzweilige Informationsaufnahme geht, hat der Hörer am Vormittag mehr Zeit.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Radionutzung im Tagesverlauf8

Neben dem Wunsch nach Information möchte der Hörer am Morgen auch locker unterhalten werden. Laut einer Studie der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) möchten 95 Prozent der Hörer ein Programm am Morgen, welches vor allem unterhaltsam sei. Das Kriterium ‚informativ‘ soll für 89 Prozent erfüllt sein, ‚viel Musik‘ wünschen sich 81 Prozent der Hörer.9

Es ist ein breiter Spagat, den die Radiomacher jeden Morgen hinbekommen müssen, um Hörer zu unterhalten, zu informieren und gleichzeitig mit einem guten Gefühl in den Tag starten lassen.10

Mit dem Aufkommen der klassischen Morningshows in den deutschen Radios vor ungefähr zwanzig Jahren hat auch zunehmend die Doppelmoderation am Morgen Einzug gehalten. Die Moderatoren agieren in einer klaren Rollenbesetzung, um bestimmte Positionen verdeutlichen zu können. Als Stilmittel wird die Doppelmoderation benutzt, um die Sendung am Morgen lebendiger und somit kommunikativer wirken zu lassen. Als Synonym für die Doppelmoderation werden häufig auch die Begriffe Co-Moderator und Sidekick verwendet. Hierzu gibt es in der Literatur keine eindeutige Definition.11 Eine weitere Besonderheit des Radiohörers am Morgen ist die geringe Verweildauer.

„ Verweildauer gibt an, wie lange ein Hörer im Durchschnitt einen Sender hört. Sie wird für jeden Sender aus der Summe der gehörten Viertelstunden (in Minuten) und anschließender Division durch alle Hörer des betreffenden Senders gebildet. Dieser Wert wird in Minuten und gerundet angegeben. “ 12 Die Verweildauer liegt in der Regel in den Stunden zwischen sechs und neun bei rund 20 Minuten.13

Um die Gunst der Radiohörer kämpfen in Deutschland knapp 300 öffentlich-rechtliche und private Radiosender.14 Um den Hörer zu erreichen, muss er das Radio anschalten und zuhören. Gerade am Morgen stellt das die Radiomacher oft vor große Herausforderungen.

In der vorliegenden Arbeit werden drei ausgewählte Radioprogramme am Morgen in der Primetime zwischen sechs und neun Uhr analysiert. Für die Analyse wurden dabei die Sender 1LIVE, BAYERN 3 sowie SWR3 ausgewählt. Diese liegen nicht in einem terrestrischen Konkurrenzgebiet, sondern in unterschiedlichen Bundesländern, so dass es höchstens an den Ländergrenzen zu einem gewissen Konkurrenzdruck kommen könnte. Es soll beleuchtet werden, wie und warum sich die Sender mit ihren nachgewiesen erfolgreichen Sendungen am Morgen platzieren konnten und welche Faktoren dafür eine Rolle spielen. Zusätzlich wurden im Untersuchungszeitraum verschiedenen Programmelemente in einem Protokoll festgehalten, in Kategorien eingeteilt und - soweit dies möglich war - einem Vergleich unterzogen. Für die Untersuchung wurden per Stichprobe im August 2014 per Zufall jeweils einzelne Werktage ausgewählt. Insgesamt wurden je Sender vier Stunden aus Morgensendungen der drei Sender aufgezeichnet und analysiert. Dabei wurden meist ein bzw. zwei Stunden am Stück protokolliert.

Untersucht werden ausschließlich Morgensendungen an Werktagen zwischen Montag und Freitag. Das Wochenende wurde aus zwei Gründen nicht in der Analyse berücksichtigt. Zum einen ist die Radionutzung an den Wochenenden deutlich später in den Vormittag verschoben. Die Hörerzahlen steigen an den freien Tagen erst zum Ende der üblichen Primetime gegen kurz vor neun Uhr an (vgl. Abbildung 1). Zum anderen fahren die Radiomacher aufgrund anderer Hörgewohnheiten auch entsprechende andere Inhalte und Konzepte in den Sendungen am Morgen. Die klassische Morningshow, wie man sie an normalen Arbeitstagen erlebt, findet am Wochenende nicht statt. Um eine Verfälschung der Analyseergebnisse zu verhindern, wurden Sendungen am Samstag und Sonntag daher nicht zur Auswertung herangezogen.15 16

2.1.2 Untersuchungsmethode

Als Untersuchungsmethode wird die Form der quantitativen Inhaltsanalyse angewendet. Werner Früh definiert die Inhaltsanalyse als „ ...empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen “ . 17 Eine klassische, aber noch heute gültige Aufgabenbeschreibung der Inhaltsanalyse gab Berelson schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts: „ Inhaltsanalyse ist eine Forschungstechnik zur objektiven, systematischen und quantitativen Beschreibung des [ … ] Inhalts von Kommunikation “ . 18

Dabei lassen sich folgende drei wesentliche Eigenschaften einer jeden Inhaltsanalyse festhalten:

- Objektivität meint die eindeutigen Definition der Kategorien, womit das zu analysierende Material codiert wird,
- Systematik versteht die wissenschaftliche Auflage, dass zunächst eine Untersuchungsaufgabe exakt und genau formuliert wird, um dann einen Untersuchungsplan zu erstellen,
- quantitative Beschreibung des manifesten Inhalts meint den operational definierten Inhalt zu erfassen.

Ferner werden zwei grundlegende Formen der Inhaltsanalyse unterschieden:19

- Die quantifizierende Inhaltsanalyse erfasst vor allem wie häufig bestimmte Textpassagen beziehungsweise Aussagen vorkommen. Sie untersucht die Elemente, die tatsächlich erscheinen oder - wie in der vorliegenden Arbeit - zu hören sind.
- Die qualifizierende Inhaltsanalyse erfasst die grundsätzliche Haltung von Massenmedien . Im Mittelpunkt der Forschung stehen dabei die Informationen und Aussagen und wie diese vom Rezipienten wahrgenommen werden.

Im Rahmen dieser Arbeit wird eine quantitative Inhaltsanalyse durchgeführt, um die Programminhalte der Morgensendungen und die Strukturen in den einzelnen Sendestunden zwischen sechs und neun Uhr auszuwerten. Nicht zuletzt erreicht man durch diese Methode auch eine hohe Güte im Hinblick auf Validität, Reliabilität und Objektivität.

Untersuchungen, wie die vorliegende, müssen stets möglichst objektiv, reliabel und valide sein, um belastbare Ergebnisse liefern zu können. Innerhalb dieser Gütekriterien gibt es eine Hierarchie: Objektivität ist notwendig für Reliabilität und Reliabilität für Validität. Objektivität beschreibt, inwieweit ein Untersuchungsergebnis unabhängig vom Prüfer oder Versuchsdurchführenden ist. Reliabilität kennzeichnet den Grad der Genauigkeit des Analyseergebnisses. Die Validität gibt schließlich an, wie gut die Analyse in der Lage ist, auch wirklich das zu messen, was zu messen gewünscht wird.

Nach der Bildung des Codebuchs und der erfolgten Analyse lässt sich dazu folgendes festhalten: Die Objektivität bei den Einordnung der Untersuchungsvariablen erfolgte in den Bereichen nach weitgehend allgemeingültigen Kriterien. Durch die Beschreibung der Untersuchungsvariablen und der Vorgehensweise bei der Analyse wird der Ablauf für Dritte nachvollziehbar und eindeutig.

Die Reliabilität ist dann gegeben, wenn die Anwendung des Codebuchs zu unterschiedlichen Zeitpunkten von unterschiedlichen Prüfern zu den gleichen Ergebnissen führt. Die Messung muss per Definition unter den gleichen Bedingungen stattfinden. Das heißt an einem anderen Tag, von einem anderen Prüfer, aber mit dem gleichen Codebuch, beim selben Sender und zur selben Zeit.

Ein System ist dann valide, wenn es vollständig ist und exakt die Faktoren misst, die es messen muss, um eine spezifische Fragestellung zu beantworten. Aufgrund der Messung der Inhalte zu unterschiedlichen Zeiten lässt sich dies jedoch auf ein Minimum reduzieren. Ein größtmögliches Maß an Validität der Analyse von Morningshows im Radio wurde durch ein umfassendes Kategoriensystem erreicht. Es wurde vor der Analyse getestet und optimiert.

2.1.3 Untersuchungsdesign und -dimensionen

Um anhand der Inhaltsanalyse eine möglichst exakte Betrachtung der drei Morgensendungen zu bekommen, ist ein Codebuch entwickelt worden. Dieses Buch beinhaltet insgesamt sieben Variablen (siehe dazu Anhang 1). Diese lassen sich in drei unterschiedliche Gruppen einteilen: Identifikations-, Formal- und Inhaltsvariablen.

- Die definierten Identifikationsvariablen dienen dazu anhand der Angaben zu erkennen, wann Mitschnitte von Radioprogrammen vorgenommen wurden, also zu welchem Aufnahmedatum und in welchem Aufnahmezeitraum.
- Die formalen Variablen dienen dazu, die jeweilige Untersuchungseinheit zu beschreiben. Zusätzlich werden der Uhrzeitbereich und der Wochentag erfasst. - Bei den inhaltlichen Variablen werden die einzelnen Sendestunden in vier Programmelemente aufgeteilt: Musik, Wort, Werbung und Verpackungselemente. Dabei werden im Bereich Wort Unterressorts gebildet: Nachrichten, Wetter, Verkehr und Moderation.

2.1.4 Untersuchte Programmelemente

Neben dem subjektiven Empfinden eines jeden Hörers spielen auch die objektiv- messbaren inhaltlichen Faktoren eine große Rolle dabei, ob eine Sendung im Radio erfolgreich ist oder nicht. Um eine entsprechende Untersuchung durchführen zu können, wurden hierfür - wie oben bereits genannt - verschiedene Kategorien herausgefiltert.21

2.1.4.1 Musik

Am entscheidendsten, ob ein Hörer den Sender hört, ist das Musikprogramm eines Senders. Hierbei haben sich - vor allem durch den Einfluss des US-Radiomarktes - in den 1980er Jahren folgende Musikformate herauskristallisiert:

- Adult Contemporary (AC): Die Kernzielgruppe liegt hier zwischen 25 und 49 Jahren. Meist laufen hier gängige Pop-, teilweise auch Rocksongs, der maximal letzten 30 Jahre. Ein AC-Programm wird von den Hörern als angenehm und freundlich wahrgenommen. Da die Hörerschaft so am wenigsten irritiert wird, also meist lange den Sender hört, ist mit diesen Formaten im Bereich der Werbewirtschaft auch mit den meisten Einnahmen zu rechnen.

- Contemporary Hit Radio (CHR): Dieses Radioformat setzt auf die aktuellen Songs aus den Charts und richtet sich an eine jüngere Zielgruppe zwischen 14 und 30 Jahren. Die Playlists in diesem Format bestehen aus wesentlich weniger Titeln, als das AC-Format. Teilweise kommen Radiostationen mit weniger als 200 Songs aus. Wortbeiträge und Nachrichten werden auf ein Minimum reduziert, da sie als Aus- und Umschaltfaktor gelten.

Im Laufe eines Tages wird bei der Auswahl zunehmend ein soziodemographischer Nutzungsverlauf angewendet. Das heißt, dass die Sender ihr Musikprogramm entsprechend dem Tagesablauf der Hörer zusammenstellen. Es gibt inzwischen Sender, die am Morgen einfache, eingängige und bekannte Songs spielen, weil dann Radio nebenbei weniger wahrgenommen wird.22 Inzwischen beschäftigt sich ein ganzer Industriezweig mit der richtigen Platzierung der Songs zur richtigen Zeit im Radioprogramm.23 24

2.1.4.2 Wort

Sobald im Radio die Musikstrecke endet, muss gesprochen werden. Der Wortanteil liegt dabei in den deutschen Radios im Durchschnitt bei rund 30 Prozent. Bedingt durch einen kurze Verweildauer und ein ständiges Informieren der Hörer liegt der Wortanteil in den Morgenstunden zwischen sechs und neun Uhr höher. Im Durchschnitt liegt der Wortanteil pro Stunde dann bei rund 35 Prozent, Werbung nicht eingerechnet.25

Hauptanteil im Bereich Wort hat die Moderation. Musik ist - wie oben bereits erwähnt - mit das Hauptkriterium, nach dem die Selektion der Sender passiert. Ob ein Hörer im nächsten Schritt beim Sender bleibt, hängt von der Moderation ab. „ Gute Moderatoren bauen eine Beziehung auf und können [ … ] die Hörer sogarüber unliebsame Programmelemente wie Werbung hinwegziehen. “ 26 Zwar sind die Moderatoren das Aushängeschild für den Radiosender und über einen richtigen oder falschen Moderationsstil lässt sich lange diskutieren, jedoch ist dies sehr häufig subjektives Empfinden, sodass diese Betrachtungsweise in die Analyse dieser Arbeit nicht einfließt.

Dabei richtet sich ein großer Fokus auf die Nachrichten. Historisch bedingt - indem das Radio lange Zeit als das schnellste Informationsmedium galt - kommen den Radionachrichten eine große Bedeutung zu. Da die Fernsehnutzung erst in den Abendstunden beginnt, gehört das Radio in Deutschland während des Tages zu den Hauptinformationsquellen der Bevölkerung.27 Wichtig ist, dass in den Nachrichten Quellen genannt werden, um die Glaubwürdigkeit der Meldung zu gewährleisten. Dabei sind halbbzw. stündliche Nachrichten Standard.

Die Gestaltung der Nachrichten ist dabei unterschiedlich. Welche Schwerpunkte gesetzt werden, ist dabei abhängig von der Ausrichtung des Senders. Unterscheide gibt es auch darin, mit welchen Mitteln dem Hörer die Information vermittelt werden. Geschah dies in den Anfängen der Radiozeit nur durch einen einzelnen Sprecher, so greifen die Nachrichtenredakteure heute auf eine breite Palette an Möglichkeiten zurück.

- Korrespondentenstück: Ein Korrespondent sitzt in einem räumlich entfernten Studio und berichtet über die Geschehnisse vor Ort.
- Original-Ton (auch O-Ton): Ein Experte oder Betroffener vor Ort hat einem Reporter berichtet.
- Reporter-Ton (auch R-Ton): Ein Reporter des Senders ist (angeblich) an dem Geschehen vor Ort und berichtet von dort. Dieses live-vor-Ort-Gefühl kann durch das Einspielen von Hintergrundgeräuschen und einer besonders lebhaften Reportersprache unterstützt. Der Hörer bekommt das Gefühl mitten im Geschehen zu sein.

Durch die Kombination der verschiedenen Präsentationsarten soll vor allem eine hohe Authentizität erreicht werden. Weitere wichtige Faktoren für die Gestaltung der Nachrichten sind eine verständliche und an den Rezipienten angepasste Sprache. Aufgrund der geringen Verweildauer (siehe Kapitel 2.1) werden morgens häufiger Nachrichten gesendet, als am Vor- oder Nachmittag. „ Um der kürzeren Hördauer während der Frühsendung gerecht zu werden - sie liegt häufig nur bei 15-20 Minuten - senden einige Stationen während dieser Zeit neben den Nachrichten um :00 Schlagzeilen um :20 und :40. “ 28

Zusammen mit den Nachrichten um voll bzw. auch um halb strahlen die meisten Radiosender den so genannten Service-Block aus. Dieser beinhaltet aktuelle Verkehrund Wetterinformationen.

Der Wetterblock übersteigt dabei nie die Dauer von einer Minute. Er beinhaltet die Wetterlage in einer kurzen Zusammenfassung durch den Moderator oder den Wetterexperten im Studio. Inzwischen greifen dabei nur noch wenige Sender auf ausgebildete Meteorologen zurück. Vielmehr wird der Wetterbericht von einer Agentur zugeliefert und von Sprechern im Sender präsentiert.

Die Länge der Verkehrsnachrichten richtet sich nach der Situation auf den Straßen. Die Ausstrahlung der Verkehrsnachrichten ist historisch bedingt: Als zwischen 1950 und 1960 die Zahl der Verkehrsteilnehmer anstiegt, forderten unter anderem Politiker und Verkehrsexperten, dass der Hörfunk in Deutschland dabei behilflich ist, den Verkehrsfluss regelmäßig an die Autofahrer mitzuteilen. Diese Idee beruhte auf dem Hintergrund, dass jedes Auto mit einem Autoradio ausgestattet war und die Information so schnell an die Fahrer weitergetragen werden konnte. Heute wird der Verkehr oft durch einen Verkehrssprecher präsentiert. Dies soll beim Hörer den Eindruck erwecken, dass sich eine einzelne Person ausschließlich mit der Lage auf den Straßen beschäftigt und diese dann kompetent an die Hörer weitergibt.29

2.1.4.3 Werbung

Eine wichtige Einnahmequelle der Radiosender in Deutschland ist das Senden von Werbung. Bedingt durch die Gesetzeslage im dualen Rundfunksystem sind private Rundfunkanbieter stärker, öffentlich-rechtliche Sender weniger stark von diesen Einnahmen abhängig. Werbespots sind nötig, können aber für einen Radiosender zu einem Problem werden, wenn die Konkurrenten versuchen, in Werbezeiträumen zappende Hörer durch andere Angebote abzuwerben.30 Deshalb bedarf es gründlicher Überlegungen, zu welchen Zeiten wie viel Werbung ausgestrahlt wird.31

2.1.4.4 Verpackungselemente

Unter Verpackungselementen fasst man allgemein „ kurze musikalische oder gesprochene Produktionselemente, die das Erscheinungsbild eines Senders oder seiner Inhalte unverwechselbar machen “ 32 zusammen. Damit soll dem Sender ein verwechselbares Image - sozusagen das Corporate Design einer Radiostation on air - geschaffen werden. Die Elemente hierbei sind vielfältig. Stellvertretend werden hier zwei vorgestellt.

- Jingles, sind Programmelemente, die musikalisch untermalt, verschiedene Verpackungszwecke übernehmen. Sie sind meist nur drei bis fünf Sekunden lang und dienen zum Beispiel dazu Musikstücke miteinander zu verbinden.33 - Im Vergleich dazu ist der Drop ein ohne Musik, trocken gesprochenes Programmelement, welches über das instrumentelle Intro oder Outro eines Musikstücks gelegt wird.

2.1.5 Analysierte Radiosender

Bei der Auswahl der untersuchten Sender gelten drei Voraussetzungen:

- Der analysierte Sender stellt ein Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland dar. Die drei Sender sind Teil des Westdeutschen Rundfunkfunks, Südwestrundfunks und des Bayerischen Rundfunks. Allesamt sind sie unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland (ARD).
- Zweites Kriterium war eine über mindestens zwei Jahre konstant erfolgreiche Morningshow. Hierbei wurden die Hörerzahlen aus der Media-Analyse Radio seit März 2012 aufgegriffen und über zwei Jahre verfolgt.

[...]


1 Vgl. Schmitz-Borchert, H.-P. (1992), S. 10ff.

2 Vgl. Vogelsberg, D. (2006), S. 360ff.

3 Vgl. o.V. (2014a), http://www.agma-mmc.de/nachrichten/aktuelles/detail/artikel/ma-2014-radio-i- pressemitteilung-mit-eckdaten-und-icharts-1.html (Abruf: 01.08.2014).

4 Vgl. o.V. (2014b), http://reichweiten.de (Abruf: 01.08.2014).

5 Seibel-Müller, I. (2011), http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/hoerfunker/74249/morgens-im- radio (Abruf: 10.08.2014).

6 Goldhammer, K. (1995) S. 212.

7 Vgl. Rubens, A. (2006), S. 5ff.

8 Datenquelle: o.V. (2014c), http://www.radioszene.de/70081/media-analyse-2014.html (Abruf: 01.08.2014).

9 Vgl. Gegner, R. (1994), S. 8.

10 Vgl. Goldhammer, K. (1995) S. 212ff.

11 Vgl. Lynen, P. (2006) S. 72.

12 o.V. (2014d) http://www.reichweiten.de/index.php?mainSel=def (Abruf: 01.08.2014).

13 Vgl. Christ, J. (1994), S. 175.

14 Vgl. o.V. (2014e), http://de.statista.com/statistik/daten/studie/36329/umfrage/radiosender-anzahl- oeffentlich-rechtliche-und-private-seit-1987 (Abruf: 01.08.2014).

15 Vgl. o.V. (2013a), S. 9.

16 Vgl. Rössler, P. (2010), S.13ff.

17 Früh, W. (2011), S. 19.

18 Berelson, B. (1952), S. 18.

19 Vgl. Früh, W. (2011), S. 20ff.

20 Vgl. Rössler, P. (2010), S. 95ff.

21 Vgl. Krug, H.-J. (2010), S. 47ff.

22 Vgl. Prüfig, K. (1993), S. 96f.

23 Vgl. Prüfig, K. (1993), S. 53.

24 Vgl. Goldhammer, K. (1995), S. 206ff.

25 Vgl. Schmid, H.-H. (1991), S. 27ff.

26 Pfaller, P. (1994), S. 3.

27 Vgl. Schröter, D.; Wagner, H. (1992), S. 107ff.

28 Haas, M.H.; Frigge, U.; Zimmer, G. (1991), S.173.

29 Vgl. o.V. (2013b), S. 27.

30 Vgl. Prüfig, K. (1993), S. 84ff.

31 Vgl. Pringle, P.K.; Starr, M. F.; McCavitt, W. E. (1991), S. 123.

32 Prüfig, K. (1993), S. 61f.

33 Goldhammer, K. (1995), S. 214.

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Erfolgsfaktoren von Morningshows im Radio. Analyse der Sender 1LIVE, Bayern3 und SWR3
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
53
Katalognummer
V289148
ISBN (eBook)
9783656894285
ISBN (Buch)
9783656894292
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Morningshow, Morgen, Radio, Bayern3, SWR3, 1LIVE, Erfolgreich, Media-Analyse, Hörgewohnheiten, Inhaltsanalyse, Wortanteil, Musikanteil, Radioprogramm, Radiomacher, Inhaltsanylse, Aufstehen, Primetime, Untersuchung, Hören
Arbeit zitieren
Sebastian Frisch (Autor), 2014, Erfolgsfaktoren von Morningshows im Radio. Analyse der Sender 1LIVE, Bayern3 und SWR3, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289148

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