Business Angels, Crowdinvesting und öffentliche Förderungsmittel. Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung zur Kapitalbeschaffung für Jungunternehmer


Akademische Arbeit, 2013
36 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beteiligungsfinanzierung
2.1 Venture Capital-Gesellschaften
2.1.1 Typen von VC-Gesellschaften
2.1.2 Der Venture Capital-Zyklus: Finanzierungsablauf
2.2 Business Angels
2.2.1 Typologie und Verhalten von Business Angels
2.2.2 Wesentliche Unterschiede zu VC-Gesellschaften
2.3 Business Inkubatoren
2.3.1 Typologie von Inkubatoren
2.3.2 Finanzierung durch Business Inkubatoren
2.4 Crowdinvesting
2.4.1 Voraussetzungen und Finanzierungsablauf
2.4.2 Vor- und Nachteile
2.5 Öffentliche Fördermittel
2.5.1 Voraussetzungen der Antragstellung
2.5.2 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften
2.5.3 ERP-Startfonds
2.5.4 High-Tech Gründerfonds

3 Chancen und Risiken der Beteiligungsfinanzierung

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

1 Einleitung

Die finanzielle Absicherung und Kapitalbeschaffung ist eine der wesentlichsten Aufgaben des Jungunternehmers. Eine optimale Finanzierung bildet die Basis für den erfolgreichen Aufbau des Unternehmens.[1] Im Wesentlichen lassen sich die Finanzierungsmöglichkeiten in die Innen- und Außenfinanzierung einteilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Finanzierungsmöglichkeiten nach der Mittelherkunft[2]

Laut dem Phasenmodell der Finanzierung fallen in der Frühphase der Unternehmens-entwicklung regelmäßige operative Verluste an, sodass eine Innenfinanzierung, also die Finanzierung durch Thesaurierung erwirtschafteter Gewinne, ausgeschlossen ist. Schlussfolgernd ergibt sich ein hoher Bedarf an Außenfinanzierung. Im Rahmen der Außenfinanzierung können Gründungs-, Aufbau- und Wachstumsinvestitionen mit Beteiligungskapital finanziert werden (Beteiligungsfinanzierung), ferner komplettiert die Kreditfinanzierung das Spektrum der möglichen Wege zur Kapitalbeschaffung. Dabei ist die Beteiligungsfinanzierung von besonderer Relevanz, da sie als Bestandteil des Eigenkapitals eine Haftungsfunktion erfüllt.[3] Es ist zu beachten, dass die Möglichkeit der Fremdkapitalausstattung durch Banken von einer ausreichenden Finanzierung mit Eigenkapital abhängig ist.[4] Weiterhin stellt die Mezzanine-Finanzierung eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar.

Die Finanzierungsarten Eigen- und Fremdkapital können anhand der mit einem Finanzierungstitel verbundenen Rechten und Pflichten, welche mit der Bereitstellung des Kapitals verknüpft sind, typologisiert werden.[5] Abbildung 2 zeigt die wesentlichen idealtypischen Unterscheidungen von EK und FK.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Unterschiede Eigen- und Fremdkapital[6]

2 Beteiligungsfinanzierung

„Unter Beteiligungskapital wird der Teil des Eigenkapitals verstanden, der durch Kapitaleinlagen von alten oder neu hinzukommenden Gesellschaftern erbracht wird. Beteiligungskapital sollte einen unentbehrlichen Baustein im Finanzierungskonzept einer jeden Unternehmung bilden. Neben seiner Funktion als Haftungskapital und damit als Grundlage für eine risikoentsprechende Finanzierung auch vergleichsweise riskanter Investitionsvorhaben [...] dient Beteiligungskapital als Risikopuffer für schlechtere Zeiten.“[7] Ferner beschreibt der Kapitalakquisitionseffekt die Erleichterung der Beschaffung von zusätzlichen Krediten bei einer ausreichenden Eigenkapitallage für Wachstumsinvestitionen.[8]

Nennenswert ist, dass der Beteiligungskapitalmarkt in zwei Segmente eingeteilt werden kann. Grundsätzlich kennzeichnet der informelle Beteiligungskapitalmarkt die Beteiligungs-aktivitäten von Privatpersonen und Unternehmen. Im Unterschied dazu umfasst der formelle Beteiligungskapitalmarkt Aktivitäten von Beteiligungskapitalgesellschaften, die zum Zweck der Investition in andere Unternehmen gegründet wurden.[9] Im Zuge der zunehmenden Globalisierung haben sich Finanzierungsmöglichkeiten herausgebildet, welche auf die Bedürfnisse junger Unternehmen reagieren und ihnen eine risikoentsprechende Kapitalbeschaffung ermöglichen. So zum Beispiel das Instrument Venture Capital.[10]

2.1 Venture Capital-Gesellschaften

Der aus dem Englisch stammende Begriff „Venture Capital“ wird hierzulande mit Risiko- oder Wagniskapital gleichgesetzt. Genau genommen ist diese Gleichsetzung wenig geeignet. Es stellt zu sehr auf den negativen Aspekt des Risikos ab, ohne die in dieser Form im Vordergrund stehenden Chancen für den Kapitalnehmer zu erwähnen. Demnach wird in Fachkreisen ebenfalls vom Chancenkapital gesprochen.[11]

Das Finanzierungsinstrument hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Teil des Beteiligungskapitalmarktes, auch Private Equity-Markt genannt, entwickelt, wodurch sich VC zu einer beachtlichen Determinante von Innovation und Wachstum innerhalb moderner Volkswirtschaften etabliert hat.[12] Es stellt Beteiligungskapital oder beteiligungsähnliches Kapital dar, dass für die Gründung, den Aufbau und dem Wachstum junger Unternehmen zur Verfügung gestellt wird.[13] Diese Kapitalanlage ist grundsätzlich mit Kontroll-, Informations- und Mitentscheidungsrechten sowie teilweise mit Managementunterstützung verbunden.[14]

Als Beteiligungsgesellschaften agieren Finanzintermediäre (Kapitalsammelstellen), die von Banken, Versicherungen, Unternehmen und Privatpersonen Kapital beschaffen, welches wiederum in Fonds angelegt und verwaltet wird. Dieses Kapital wird schließlich auf dem formellen Beteiligungskapitalmarkt in junge Unternehmen investiert, i.d.R. mit einer Mindestanlage von 250.000 Euro.[15]

Weitere Charakteristiken für Venture Capital, unabhängig von der Art der beteiligten VC-Gesellschaften, sind wie folgt:

- Venture Capital-Gesellschaften beteiligen sich im Normalfall in Form einer Minderheitsbeteiligung begrenzt auf fünf bis zehn Jahre.[16]
- VC-Engagements zeichnen sich durch ein besonders hohes Risiko aus, im Gegenzug erhofft man sich überdurchschnittlich hohe Rendite. Dies impliziert jedoch auch, dass für den VC-Geber kein Anspruch auf Kapitalrückzahlung, laufende Dividenden-zahlungen oder feste Verzinsung besteht.[17] Vielmehr finden die erarbeiteten Finanzmittel wieder Einsatz in der Wachstumsfinanzierung, um den Wert des Unternehmens und damit der Beteiligung zu vergrößern.[18]
- Anlagekriterien für ein Engagement sind häufig neben den enormen Erfolgsaussichten des Produktes oder der Dienstleistung, die technischen und unternehmerischen Fähigkeiten des VC-Nehmers und ein klares Marketingkonzept.[19]
- Gewinne erzielt der VC-Geber, auch Venture Capitalist genannt, idealerweise mittels eines Börsengangs oder durch den Verkauf der Beteiligung bzw. des ganzen Startups an einen unabhängigen Dritten (Trade Sale).[20]

Die Erfahrung der vergangenen Jahre lässt darauf schließen, dass mit VC finanzierte Unternehmen eine durchschnittlich höhere Exportquote, Investitionstätigkeit, das Potenzial für ein höheres Umsatzwachstum, höhere Beschäftigungsrate und schließlich höhere Renditen haben.[21]

2.1.1 Typen von VC-Gesellschaften

Bei der großen Anzahl der existierenden Venture Capital-Gesellschaften stellt sich dem Jungunternehmer die berechtigte Frage, welche Gesellschaft für ihn die passende Wahl darstellt, denn die tätigen Institutionen sind in ihren Zielen und Vorgehensweisen sehr unterschiedlich. Daher ist es für ein eigenkapitalsuchendes Unternehmen von essentieller Bedeutung, die Ziele und Geschäftspolitiken der verschiedenen Gesellschaften mit den eigenen Unternehmensvisionen und -zielen in Einklang zu stellen. Die Kenntnis über die verschiedenen Arten der Gesellschaften und das Verständnis der Vorgehensweisen wird von den Unternehmensgründern vorausgesetzt.[22]

Im Folgenden werden die wesentlichen Typen von VC-Gesellschaften beschrieben, dabei ist zu beachten, dass das Ausmaß des Engagements abhängig von der jeweiligen Anlagestrategie ist.

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften sind öffentlich-rechtliche Kapitalgeber und sogenannte Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft, deren Gesellschafter meist die Industrie- und Handelskammern, Unternehmensverbände oder Banken sind.[23]

Regional tätige Beteiligungsgesellschaften, dessen Gesellschafter aus Sparkassen und Volksbanken bestehen, finanzieren meist regional ansässige Unternehmen. Eine Beteiligung kann bereits ab 10.000 Euro erfolgen, bei einem festen Jahresentgelt von acht bis zehn Prozent der Finanzierungssumme und einer auszuhandelnden Beteiligung am Gewinn.[24]

Unternehmensbeteiligungsgesellschaften, auch Beteiligungstöchter genannt, bestehen aus privaten Geschäftsbanken und Versicherungsgesellschaften. Die Mindestbeteiligungssumme beträgt aktuell 250.000 Euro bei einer festen Verzinsung von acht bis zwölf Prozent zuzüglich einer auszuhandelnden Beteiligung am Gewinn – meist keine Verlustbeteiligung. Außerdem werden dem Unternehmen Beratungsleistungen mit angeboten.[25]

Private Universalbeteiligungsgesellschaften stellen den Grundtyp der Venture Capital-Gesellschaft dar, da diese auch das Risiko eines Verlustes ihrer Finanzierung mittragen und sich in allen Finanzierungsphasen an nicht börsennotierten Unternehmen beteiligen.[26] Sie bringen Finanzmittel durch die Beteiligung institutioneller und privater Investoren auf (Fundraising), die sich ihrerseits eine angemessene Rendite erhoffen.[27] Die Mindestbeteiligungssumme liegt oft bei einigen Millionen Euro, wobei auf Jahresentgelt und laufende Gewinnausschüttungen in der Regel verzichtet wird. Diese Gesellschaften versprechen sich ein schnelles Wachstum und hohe Gewinne durch relativ schnelle Veräußerung des Unternehmens. Außerdem verlangen sie Mitbestimmung bei der Firmenstrategie, sodass Führungskräfte mit Branchen-Know-How den Gründern zur Seite stehen.[28] Eine bestimmte Spezialisierung auf Branchen ist nicht üblich.

Bei Corporate Venture Capital Gesellschaften, auch Industrie-Beteiligungsgesellschaften genannt, handelt es sich um Großunternehmen, die jungen und innovativen Unternehmen VC und Managementunterstützung bereitstellen, im Normalfall gegen gleichzeitige Einräumung von Informations-, Kontroll- und Mitspracherechten.[29] Dabei bestehen einerseits strategische und andererseits finanzielle Ziele. Strategische Ziele sind unter anderem die Identifikation neuer Märkte und die laufende Information über neue Entwicklungen, sodass mögliche zukünftige Kooperationen offen gehalten werden. Finanzielle Ziele sind auf die Rendite des VC-Engagements ausgerichtet.[30] Nahezu alle großen Technologieunternehmen besitzen im Rahmen ihrer Technologiestrategie VC-Gesellschaften in ihrem Portfolio.[31]

Seed Capital-Gesellschaften sind VC-Gesellschaften, die sich in der Frühphasenfinanzierung engagieren. Diese Art von Finanzierung ist mit einem besonders hohen Risiko verbunden, sodass die Vorstellung über die zu erzielende Fondsrentabilität bei 20-40% p.a. liegt.[32] Weitere Merkmale zeigt die folgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Merkmale einer Frühphasen-Beteiligungsgesellschaft[33]

2.1.2 Der Venture Capital-Zyklus: Finanzierungsablauf

Für ein Venture Capital suchendes Unternehmen kann der Zeitablauf der Zusammenarbeit mit der jeweiligen VC-Gesellschaft von essentieller Bedeutung sein. Aufgrund immer kürzer werdender Innovationszyklen sind bereits wenige Monate für den (Miss-) Erfolg eines Startups entscheidend, vor allem wenn es sich um eine stark technisch orientierte Idee handelt.[34]

Die Zusammenarbeit mit einer VC-Gesellschaft kann insgesamt in acht Phasen unterteilt werden, wobei sich der gesamte Zyklus bis zur Unterzeichnung der Verträge typischerweise in einem Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten bewegt, kann aber auch in Abhängigkeit von der Komplexität länger bzw. kürzer sein. Die Dauer der gesamten Beteiligung beträgt etwa fünf bis zehn Jahre.[35] Der folgende Zeitplan zeigt einen Standardablauf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Investment-Phasen[36]

Dabei ist zu beachten, dass dieser Phasenablauf typisch für eine Frühphasenfinanzierung der Seed- und Startup-Finanzierung ist. Der grundsätzliche Ablauf findet sich jedoch auch bei Beteiligungen in späteren Entwicklungsphasen wieder.[37]

In Phase 1 sucht das VC Management Team mögliche Beteiligungsprojekte. Hierbei spielt die Investment Strategie der jeweiligen Gesellschaft eine entscheidende Rolle. Die Erfahrungen zeigen, dass vor allem die nicht öffentlichen VC-Gesellschaften die Finanzierung von Startups, die aus dem unmittelbaren Netzwerk der Venture Capitalisten kommen, bevorzugen.[38]

In der zweiten Phase werden zunächst diejenigen Projekte aussortiert, die über keinen detaillierten Business Plan verfügen. Dann erfolgt eine kurze Durchsicht der Unterlagen nach Management-, Markt-, Technologie-, Produkt- und Rendite-Kriterien, sowie Interessenkonflikten mit anderen aktiven Investments. Üblicherweise werden in dieser Phase bereits 75 bis 80% der Anfragen abgelehnt. Die restlichen Projekte werden in einem Investment Gremium der VC-Gesellschaft besprochen. Als Ergebnis erhalten die VC suchenden Unternehmen ein Letter of Intend (Interessens- und Absichtserklärung).[39]

In der dritten Phase prüft ein Due Diligence Prozess, unter Involvierung von kompetenten Fachleuten und Beratern, das Projekt im großen Detail. In dieser Phase finden bereits regelmäßige Treffen mit den Gründern statt. Als Ergebnis dieser Phase werden i.d.R. weiterhin 10-15% der ursprünglichen Anfragen abgelehnt.[40]

„In der nächsten Phase [...] wird [...] eine mögliche, detaillierte Strukturierung eines Beteiligungsvorschlags entwickelt und ein Investment-Vorschlag an das für Investment-Entscheidungen zuständige Gremium formuliert. Nach grundsätzlicher Zustimmung durch das [...] Komitee werden die Verhandlungen mit dem VC-Nehmer aufgenommen, die dann ggf. zu einer Beteiligungsentscheidung führen (Phase 5).“[41] Phase 6 stellt schließlich durch Unterzeichnung aller vertraglich geregelten Vereinbarungen und Transfer der zugesicherten Finanzmittel den Investmentvollzug dar.[42]

Weiterhin wird in der Betreuungs- und Kontrollphase (Phase 7) einerseits das Value Adding und andererseits eine laufende Kontrolle der Beteiligung durchgeführt. Dabei erfolgt eine regelmäßige Kontrolle durch Kurzberichte, Quartals-Reportings, Soll-Ist-Vergleiche, etc.[43] Letztlich verlässt idealerweise das Gründungsunternehmen die Verlust- und tritt in die Gewinnphase über, weshalb eine anfänglich dominierende Verluststeuerplanung durch eine steuerorientierte Gewinnverwendungsplanung zu ersetzen ist.[44] Zum Value Adding gehören unter anderem die folgenden Funktionen:

- Beratung und Coaching der Gründer auf Basis der eigenen Unternehmenserfahrung
- Zurverfügungstellung eines Netzwerkes von Kontakten aus der Industrie etc.
- Unterstützung bei Marketing- und Vertriebsaktivitäten
- Aufbau von Beziehungen zu Partnern
- Unterstützung bei der Personalakquirierung
- Beratung zu weiteren Finanzierungsrunden und Vorbereitungen zum Börsengang
- Unterstützung bei Internationalisierungsstrategien[45]

Die Desinvestitionsphase (Phase 8) stellt die Abschlussphase des Venture Capital Zyklus dar. Mit dem Ausstieg aus der Unternehmung, auch Exit genannt, realisiert die Gesellschaft ihren Gewinn, aus diesem Grund ist diese Phase von außerordentlicher Bedeutung.[46] „Die Güte der Investmententscheidung und -betreuung durch die VC-Gesellschaft wird durch die Höhe des Finanzmittelrückflusses und den realisierten Internal Rate of Return unterlegt.“[47]

Die Möglichkeiten eines Ausstiegs aus einem Investment werden Exit-Kanäle genannt, die im Folgenden näher erläutert werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die Kanäle nicht auf VC-Gesellschaften beschränken, sondern auf alle Instrumente der Beteiligungs-finanzierung.[48]

Das primär angestrebte Exit-Ziel ist der Gang an die Börse, auch Initial Public Offering (IPO) genannt, da durch das spekulative Element und eine ggf. gute Börsenverfassung eine hohe Unternehmensbewertung und Rendite erzielt werden kann. Wesentliche Vorteile dieses Exits sind zum einen die Erhaltung der unternehmerischen Selbstständigkeit der Gründer (jedoch mit verschärfter öffentlicher Kontrolle) und zum anderen der unmittelbare Zugang zum organisierten, öffentlichen Kapitalmarkt. Weiterhin werden durch den IPO zahlreiche Wachstumsmöglichkeiten geschaffen.[49]

Der sogenannte „Trade Sale“ veräußert die Beteiligung oder das komplette Unternehmen an einen industriellen Käufer aus der gleichen oder verwandten Branche. Dadurch werden sich Synergiepotenziale erhofft. Der Nachteil aus Unternehmersicht ist der Verlust seiner unternehmerischen Selbstständigkeit bzw. die Angst ein Teil eines großen Unternehmens zu werden.[50]

Der Ausstieg durch „Secondary Purchase“ strebt einen Verkauf der Beteiligung an einen anderen institutionellen Investor an.[51] Dabei sind für den Verkäufer nicht die üblichen hohen Gewinne zu erzielen, wie es beim Börsengang oder Trade Sale der Fall sein kann. Der Käufer wird sich nämlich an einem möglichst niedrigen Kaufpreis orientieren, da das finanzierte Startup offensichtlich keine Chance zum Börsengang oder zu einem Trade Sale hat und schlussfolgernd kein hohes Renditepotenzial aufweist.[52]

Der Exitkanal mit dem geringsten Verkaufserlös, mit Ausnahme eines Totalverlustes durch Liquidation oder Insolvenz, ist der Buy Back durch das aktive Management. Ein Buy Back ist nur möglich wenn ein Großteil der Anteile vorher im Besitz der Beteiligungsgesellschaft war. Diese Exit-Variante kommt in der Praxis selten vor, da die Alteigentümer in den wenigsten Fällen über Finanzmittel für einen Kauf verfügen.[53]

Weiterhin bieten klassische Buy Outs, übersetzt „Aus-Käufe“, weitere Möglichkeiten. Dabei sind drei Varianten in der Praxis weit verbreitet, der Management-Buy-In (MBI), das Management-Buy-Out (MBO) sowie das Levereged-Buy-Out (LBO). Ersteres bezeichnet die Übernahme durch externe Führungskräfte. Bei einem MBO wird das Unternehmen durch das vorhandene Management übernommen. Der LBO bezeichnet den Unternehmenskauf, der hauptsächlich durch Fremdkapital finanziert wird.[54]

Abschließend bleibt festzuhalten, dass der VC-Zyklus in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel vollzogen hat, insbesondere der IPO-Markt stellt seit 2000 dramatisch höhere Anforderungen. Im Vergleich dazu ist der Secondary Purchase-Markt stark gewachsen und institutionalisiert.[55]

2.2 Business Angels

Unter Business Angels versteht man häufig vermögende, unternehmerisch denkende und handelnde Privatpersonen, die mit ihrem Privatvermögen durch direkte risikotragende Beteiligungen in junge Unternehmen investieren, ohne dabei die Mithilfe einer zwischengeschalteten Kapitalbeteiligungsgesellschaft oder andere Finanzintermediäre in Anspruch zu nehmen. Dabei erfolgt dies in Form einer entweder offenen oder stillen Minderheitsbeteiligung am Investitionsvorhaben. Business Angels gehen nur wenige Engagements ein, mit dem Ziel diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder gewinnbringend zu veräußern.[56] Von Bedeutung ist auch deren Motiv, am Aufbau eines Unternehmens mit innovativer Geschäftstätigkeit mitzuwirken, das Know-How einzubringen und die unternehmerische Tätigkeit von jungen Gründern zu unterstützen.[57]

Weiterhin beteiligen sich Business Angels insbesondere an Unternehmen in der Frühphase, öfters sogar noch vor Gründung in der Seed-Phase. Aufgrund dieses frühen Einstiegs konkurriert ein Business Angel kaum mit Venture Capital-Gesellschaften, vielmehr füllt er die Finanzierungslücke (Equity Gap), die in der Early Stage bis zur einer Anschlussfinanzierung durch beispielsweise Venture Capital-Geber entsteht.[58] Demzufolge gehen Business Angels im Normalfall risikoreiche Finanzierungen ein, die sich in einem durchschnittlichen Rahmen von 50.000 bis 100.000 Euro befinden. Jedoch sind auch Beträge weit abseits von 200.000 Euro in der Branche nicht unüblich.[59]

Der Finanzierungsablauf ist nahezu identisch mit dem des Venture Capitals und kann ebenfalls in drei Hauptphasen unterteilt werden – Entscheidungsphase, Betreuungsphase und Desinvestitionsphase. Lediglich die Kontaktaufnahme zwischen Gründer und Business Angels stellt ein großes Problem dar, da die meisten Business Angels ein hohes Interesse an Diskretion zeigen. Aufgrund dessen sind organisierte Business Angel-Netzwerke von zentraler Bedeutung, die als Innovationsdienstleister und Vermittler zugleich agieren.[60]

Vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Startups an unzureichender Finanzierung scheitern bzw. es gar nicht erst bis zur Gründungsphase schaffen, kann der Mehrwert durch Business Angels für den Beteiligungsmarkt in Deutschland nicht hoch genug eingeschätzt werden. Im Wandel der Finanzierungsanforderungen von jungen Unternehmen, die mit einem steigenden Kapitalbedarf einhergeht, hat sich in Deutschland eine wachsende Business Angels-Kultur entwickelt.[61]

2.2.1 Typologie und Verhalten von Business Angels

Alle Business Angels-Aktivitäten haben eine Sache gemeinsam, nämlich das frühzeitige Engagement für ein junges, meist innovatives, wachstumsorientiertes Unternehmen. Allerdings existieren auf Grund ihres Verhaltens und der Motivation, die dem Engagement zu Grunde liegt, erhebliche Unterschiede, insbesondere im Vergleich zu Venture Capital-Gesellschaften. Professor Koch unterscheidet die folgenden möglichen Business Angel-Typen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Mögliche Business Angel-Typen[62]

[...]


[1] vgl. Komenda 2008, S. 1

[2] Quelle: Engelmann 2000, S. 18

[3] vgl. Engelmann 2000, S. 18f.

[4] vgl. Stiller 2013a

[5] vgl. Steiner 2012, S. 454

[6] Quelle: Nathusius 2001, S.19

[7] Engelmann 2000, S. 19

[8] vgl. Engelmann 2000, S. 19f.

[9] vgl. Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 2003, S. 1

[10] vgl. Engelmann 2000, S. 20

[11] vgl. Nathusius 2001, S. 53

[12] vgl. Braun 2013, S. 2f.

[13] vgl. Fries 2003, S. 15

[14] vgl. Baier 1996, S. 116

[15] vgl. Fries 2003, S. 15

[16] vgl. Schefczyk 2004, S. 18f.

[17] vgl. Breuer 1997, S. 324f.

[18] vgl. Nathusius 2001, S. 55

[19] vgl. Betsch 2000, S. 17

[20] vgl. Nathusius 2001, S. 55

[21] vgl. Fries 2003, S. 15

[22] vgl. Nathusius 2001, S. 63

[23] vgl. Dieterle 2000, S. 409

[24] vgl. Busse 2009, S. 254

[25] vgl. Eckstaller; Huber-Jahn 2006, S. 17

[26] vgl. Betsch 2000, S. 28

[27] vgl. Engelmann 2000, S. 128

[28] vgl. Busse 2009, S. 255

[29] vgl. Löntz 2007, S. 12

[30] vgl. Eckstaller; Huber-Jahn 2006, S. 17

[31] vgl. Leibbrand; Blum 2001, S. 352

[32] vgl. Betsch 2000, S. 32

[33] Quelle: Betsch 2000, S. 33

[34] vgl. Nathusius 2001, S. 77

[35] vgl. Koch; Zacharias 2001, S. 192

[36] Quelle: Nathusius 2001, S. 78

[37] vgl. Nathusius 2001, S. 78

[38] vgl. Nathusius 2001, S. 78

[39] vgl. Nathusius 2001, S. 78

[40] vgl. Nathusius 2001, S. 78f.

[41] Nathusius 2001, S. 79

[42] vgl. Nathusius 2001, S. 79

[43] vgl. Nathusius 2001, S. 79

[44] vgl. Löntz 2007, S. 46

[45] Nathusius 2001, S. 83

[46] vgl. Nathusius 2001, S. 83

[47] Koch; Zacharias 2001, S. 194

[48] vgl. Nathusius 2001, S. 84

[49] vgl. Nathusius 2001, S. 85

[50] vgl. Nathusius 2001, S. 85

[51] vgl. Koch; Zacharias 2001, S. 195

[52] vgl. Nathusius 2001, S. 85

[53] vgl. Nathusius 2001, S. 85

[54] vgl. Betsch 2000, S. 32

[55] vgl. Deligny; Dennert 2012

[56] vgl. Engelmann 2000, S. 89

[57] vgl. Kulicke; Leimbach 2012, S. 46

[58] vgl. Weitnauer; Guth 2001, S. 6f.

[59] vgl. anon 2007, S. 100

[60] vgl. Engelmann 2000, S. 97

[61] vgl. Koch; Zacharias 2001, S. 197

[62] Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Koch; Zacharias 2001, S. 200

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Business Angels, Crowdinvesting und öffentliche Förderungsmittel. Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung zur Kapitalbeschaffung für Jungunternehmer
Hochschule
International School of Management, Standort Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
36
Katalognummer
V289172
ISBN (eBook)
9783656893325
ISBN (Buch)
9783656905394
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
business, angels, crowdinvesting, förderungsmittel, möglichkeiten, beteiligungsfinanzierung, kapitalbeschaffung, jungunternehmer
Arbeit zitieren
Jakob Schelenberg (Autor), 2013, Business Angels, Crowdinvesting und öffentliche Förderungsmittel. Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung zur Kapitalbeschaffung für Jungunternehmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289172

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