Potentialanalyse des Risikomanagements in der Industrie-Haftpflichtversicherung. Auswirkungen auf die Gestaltung von Verträgen bei Offshore-Windparks


Studienarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung, Ziele und Gang der Arbeit

2 Grundlagen und Abgrenzungen
2.1 Der Begriff der Industrieversicherung
2.1 Abgrenzung von Offshore zu Onshore
2.2 Mögliche Schädiger und Geschädigte

3 Risiken von Offshore-Windparks in der Industrie-Haftpflichtversicherung
3.1 Offshore-Bedingungen
3.2 Kollision mit Schiffen
3.3 Schäden an der Biodiversität
3.4 Aus- und Einbaukosten

4 Risikomanagement und die Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung
4.1 Risikoidentifikation
4.2 Risikoanalyse und -bewertung
4.3 Risikomaßnahmen und -steuerung
4.3.1 Risikovermeidung
4.3.2 Risikoverminderung
4.3.3 Beteiligungsversicherung als Risikostreuung
4.3.4 Risikoüberwälzung
4.3.5 Risikoübernahme

5 Abschließende Betrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

1 Problemstellung, Ziele und Gang der Arbeit

Die Energiewirtschaft befindet sich weltweit im Wandel. Umwelt- und Klimaveränderungen deuten schon länger an, dass ein Umbruch in Richtung regenerativer Energien erfolgen muss. Deutschland präferiert dabei die Windenergie. An Land sind verfügbare Standorte für WEA jedoch bereits weitgehend erschöpft.1 Die Konzentration fixiert sich daher auf die Ausdehnung der OWEA, zumal gleichmäßigerer und stärkerer Wind auf hoher See höhere Potentiale als Onshore-Anlagen versprechen.2 Diesen Potentialen stehen allerdings auch neuartige Entwicklungsrisiken gegenüber. Das daraus resultierende finanzielle Risiko der Industrie könnte durch die Versicherungswirtschaft als Teil der Finanzwirtschaft abgemildert werden.

Die Versicherungswirtschaft zögert jedoch mit der Übernahme der Risiken und versucht in vielen bestehenden Verträgen der Industriehaftpflicht einen Offshore-Ausschluss zu vereinbaren. Grund hierfür sind die AHB basierten Policen, die als Allgefahrendeckungen bezeichnet werden und jegliches Risiko versichern, dass von der Unternehmensbeschreibung erfasst und nicht explizit ausgeschlossen wird.3 Die VS befürchten mitunter, durch weit gefasste Unternehmensbeschreibungen mit diesen Risiken überrannt zu werden.

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung möglicher Vertragsausgestaltungen, die dazu beitragen, das Offshore-Risiko des Kunden versichern zu können. Anhand eines ablauforientierten Risikomanagements soll erläutert werden, welche Instrumente dem VS zur Identifikation, Bewertung und Steuerung des Risikos zur Verfügung stehen. Nach Klärung des Begriffs der Industrieversicherung und einer Offshore-Definition, folgt die Darstellung exponierter Risiken und wie diese durch die Ausgestaltung von Verträgen vermieden, vermindert, gestreut oder überwälzt werden können.

2 Grundlagen und Abgrenzungen

2.1 Der Begriff der Industrieversicherung

Der Begriff der Industrieversicherung wird weder von der Versicherungswirtschaft noch der Versicherungswissenschaft einheitlich verwendet. Eine allgemein anerkannte Standarddefinition hat sich bislang nicht herauskristallisiert.4

Der Privatversicherungsmarkt kann grundlegend in das Privatkundengeschäft und das Firmenkundengeschäft unterteilt werden. Das Firmenkundengeschäft untergliedert sich weiter in das gewerbliche Geschäft und die Industrieversicherung. Jedes VU entscheidet dabei nach eigenen qualitativen und quantitativen Kriterien, wo die Grenzen verlaufen.5 Denkbare Abgrenzungskriterien sind die konsolidierte Bilanz, der Jahresumsatz, die Beschäftigtenzahl, der Wirtschaftszweig6 und teilweise die Exportaktivitäten.

Ein Ansatz, die Industrieversicherung weiter zu definieren, betrachtet die exponierten Bedürfnisse des VN. Risikoausmaß und Schadeneintrittswahrscheinlichkeit sind daher Grundlage für die Annäherung an eine allgemeingültige Definition:

„Industrieversicherung finanziert Risiken von großen und [primär] international tätigen Unternehmungen. Ihre Hauptrisiken sind durch erhöhtes Schadenpotential und eher kleine Schadeneintrittsfrequenzen charakterisiert. Die Versicherer bieten diesen Industrieunternehmungen spezielle, individualisierbare Produkte und Dienstleistungen an.“7

2.1 Abgrenzung von Offshore zu Onshore

Eine räumliche Ansammlung von mindestens drei WEA wird als Windpark bezeichnet.8 Interessenkonflikte mit der Schifffahrt und dem Naturschutz verhindern dabei, dass Projekte auch im Küstenmeer, das völkerrechtlich zu den Hoheitsgewässern zählt, genehmigt werden.9 Im Einklang mit Teil II Abschn. 1 Art. 3 des SRÜ ist das Küstenmeer auf eine Zwölf-Seemeilen-Zone erweitert worden. In Folge dessen beschränken sich Offshore-Projekte auf die AWZ, die sich bis maximal 200 Seemeilen ins offene Meer erstreckt.10

In der AWZ kann der Küstenstaat bestimmte Hoheitsbefugnisse wahrnehmen, solange er die Rechte anderer Staaten nicht verletzt und internationale Schifffahrtswege nicht behindert werden. Ein Recht des Küstenstaates ist nach Art. 56 des SRÜ die „Energieerzeugung aus Wasser, Strömung und Wind“.11

Zwar definiert das EEG eine WEA, die mindestens drei Seemeilen entfernt zur Küste errichtet wird, als OWEA,12 aber auf Grund der Einschränkungen im Küstenmeer werden als OWEA dieser Arbeit Anlagen in der AWZ bezeichnet.

2.2 Mögliche Schädiger und Geschädigte

An einem Offshore-Projekt sind eine Vielzahl von Unternehmen beteiligt. Für die Errichtung ist in den meisten Fällen ein Hauptunternehmer oder ein Verbund von Unternehmen verantwortlich. Weitere beteiligte Unternehmen sind der Hersteller der WEA, der Netzbetreiber, der für den Netzzugang verantwortlich ist, und ein weiteres Service-Unternehmen übernimmt die laufenden Wartungsarbeiten.13 Grundsätzlich tragen besonders die jeweiligen Zulieferer durch ihre Verkettung in der Lieferkette ein exponiertes Haftpflichtrisiko.

3 Risiken von Offshore-Windparks in der Industrie-Haftpflichtversicherung

Um Maßnahmen bei der Ausgestaltung von Versicherungsverträgen vornehmen zu können, müssen die exponierten Risiken der Kunden bzw. der zu versichernden OWEA bekannt sein. Die Branche betritt komplettes Neuland und muss sich auf künftige Probleme einstellen. Alleine durch den Standort und die äußeren Bedingungen ergeben sich neuartige Risiken.

3.1 Offshore-Bedingungen

Durch die aggressive, salzhaltige Luft auf dem Meer sind wichtige Komponenten stark korrosionsgefährdet. Teilweise werden diese deshalb doppelt verbaut, mit wasserbeständigen Werkstoffen hergestellt oder es wird korrosionsbeständige Lacke verwendet.14 Auch der nachvollziehbar stärkere Wind auf dem Meer kann weitere Probleme verursachen. So können extreme Windböen vereinzelt zum Abfliegen der Rotorblätter führen oder die OWEA zum Umstürzen bringen.15 Zudem ist die Folge eines Sturms auf dem Meer ein erheblicher Wellengang, der eine Höhe von bis zu zehn Metern erreichen kann. Es ist nicht bekannt wie sich diese Faktoren von Wind und Wellengang im Zusammenspiel auf die Stabilität der OWEA auswirken.16 Auch Schneestürme führen gelegentlich zur Eisbildung auf den Rotorblättern, die im schlimmsten Fall starr weggeschleudert werden können.17

Neben den wetterbedingten Verhältnissen in der AWZ in der Nordsee bereitet die Wassertiefe von 20-40 Metern einige Probleme. Das führt zu diversen Konstruktionsvorschlägen der Fundamente.18 Eine Vielzahl von Vorschlägen birgt jedoch auch immer die Gefahr von Fehlentscheidungen und folgenden Instabilitäten.

3.2 Kollision mit Schiffen

Aber nicht nur die Offshore-Bedingungen erhöhen das Risiko einer OWEA. Auch die Schifffahrtswege bergen ein Risiko. Zwar wird dies im Rahmen des Genehmigungsverfahrens durch das BSH berücksichtigt und nur Standorte mit geringer Beeinflussung genehmigt,19 doch das Risiko ist durch die Ausdehnung der OWEA bedeutend. Als Sicherheitsmerkmal sind Nachtkennzeichnungen und automatische Schiffsidentifizierungssysteme daher Pflicht.20

Das BMVBS hat im Herbst 2009 einen Raumordnungsplan beschlossen. Mit diesem sollen in einem ersten Schritt in Nord- und Ostsee 12.000 MW Leistung erbaut werden. Das entspricht ca. 30 Windparks.21 Ausgehend von einer WEA mit fünf MW, wären das 2400 WEA. Diese Zahlen lassen das Risiko von Kollisionen zwischen Schifffahrt und OWEA nicht unwahrscheinlich erscheinen.

3.3 Schäden an der Biodiversität

Nicht auszuschließen sind darüber hinaus Schäden an der Biodiversität, wie zum Beispiel durch bau-, anlagen- und betriebsbedingte Wirkungsfaktoren ausgelöste Scheuchwirkungen auf Fische, Meeressäuger und Vögel.22 Vogelschlag, eine Verkleinerung des natürlichen Lebensraums und Habitatsveränderungen sind nur einige weitere Möglichkeiten.23 Nach dem Gesetz über die Vermeidung und Sanierung von Umweltschäden ist der Verantwortliche24 nicht nur Schadenersatzpflichtig, sondern zur preisintensiven Sanierung25 des Umweltschadens verpflichtet. Ferner sind auch Großschadenszenarien denkbar, die auf einer Kollision zwischen einem Öltanker und einer OWEA beruhen.26 Das verbindet die Schadenszenarien von Kollision und Biodiversität.

3.4 Aus- und Einbaukosten

Im Schadenfall bilden die Aus- und Einbaukosten einen zentralen Kostenfaktor. Denn für Austausch- und Reparaturarbeiten werden häufig teuer zu charternde Kranschiffe benötigt.27 Schon bei planmäßigen Wartungsarbeiten kann es dabei durch die schwierigen und witterungsabhängigen Bedingungen zu Verzögerungen kommen.28 Dadurch können die Kosten täglich enorm steigen. Bei unvorhersehbaren und unmittelbar eintretenden Schäden muss zusätzlich verhindert werden, dass lange Ausfallzeiten und Betriebseinschränkungen eintreten.29 Das treibt den Preis für Kranschiffe weiter in die Höhe und die Aus- und Einbaukosten übersteigen regelmäßig die Kosten für das defekte Bauteil.30

Zudem werden die einzelnen WEA eines Windparks häufig aus identischen Komponenten konstruiert. Ein defektes Bauteil betrifft in der Regel folglich nicht nur eine Anlage, sondern eine ganze Serie und es ergibt sich ein Kumulrisiko.

4 Risikomanagement und die Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung

Kern des Risikomanagements bildet der Risikomanagementprozess als Regelkreis.31 Im VU ist der Prozess im Vergleich zu anderen Unternehmen deutlich aufwendiger. Es müssen die übernommenen Risiken des VN eingeschätzt werden.32 Weiterhin ist davon auszugehen, dass große industrielle Unternehmen nur Risiken versichern lassen wollen, bei denen diese Unternehmen den Nutzen der Versicherung höher einschätzen, als das Prämienaufkommen.33 Um Risiken effizient vermeiden und vermindern zu können, benötigt es zu Beginn eine vollständige und systematische Identifikation der Risiken.34

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Der Risikomanagementprozess als Regelkreis35

[...]


1 Vgl. Gaul, Thomas (2008), S. 465.

2 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1297.

3 Vgl. Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Hrsg.) (2009), S. 5.

4 Vgl. Johanntoberens, Martin (2002), S. 5.

5 Vgl. Johanntoberens, Martin (2002), S. 3, Fn. 5.

6 Vgl. Farny, Dieter (2006), S. 408.

7 Brühwiler, Bruno (1994), S. 10.

8 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1297.

9 Teil II Abschn. 1 Art. 2 Abs. 1 des SRÜ der Vereinten Nationen.

10 Vgl. Söker, Holger (2003), S. 6.

11 Steinhauer, Ines (2002), S. 14.

12 Vgl. Woste, Manuel (2010), S. 66.

13 Vgl. Hille, Sven Alexander u.a. (2010), S. 586.

14 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1297.

15 Vgl. ebenda, S. 1297.

16 Vgl. Hille, Sven Alexander u.a. (2010), S. 595.

17 Vgl. Rembisz, Rick (2010), S. 185.

18 Vgl. Woste, Manuel (2010), S. 66 f.

19 Vgl. BMU (Hrsg.) (2010), S 23.

20 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1298.

21 Vgl. BMU (Hrsg.) (2010), S. 23.

22 Vgl. Steinhauer, Ines (2002), S. 109.

23 Vgl. ebenda, S. 91 ff.

24 Vgl. § 2 Nr. 3 USchadG.

25 Vgl. § 6 Nr. 2 USchadG.

26 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1298.

27 Vgl. Pohl, Elke (2010), S. 992.

28 Vgl. Steinhauer, Ines (2002), S. 20.

29 Vgl. Hille, Sven Alexander u.a. (2010), S. 595.

30 Vgl. Nebauer, Rupert / Schauer, Christian (2009), S. 1298.

31 Vgl. Diederichs, Marc (2010), S. 93.

32 Vgl. Wagner, Fred (2000), S. 97.

33 Vgl. Isik, Derya (2006), S. 205 f.

34 Vgl. KPMG (Hrsg.) (2007), S. 14.

35 In Anlehnung an Romeike, Frank / Müller-Reichart, Matthias (2008), S. 75.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Potentialanalyse des Risikomanagements in der Industrie-Haftpflichtversicherung. Auswirkungen auf die Gestaltung von Verträgen bei Offshore-Windparks
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V289199
ISBN (eBook)
9783656896470
ISBN (Buch)
9783656896487
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Risikomanagement, Industrieversicherung, Industriehaftpflichtversicherung, Offshore-Windpark
Arbeit zitieren
Kai Brunken (Autor), 2011, Potentialanalyse des Risikomanagements in der Industrie-Haftpflichtversicherung. Auswirkungen auf die Gestaltung von Verträgen bei Offshore-Windparks, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289199

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