Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz ist vor allem nach Ansicht von Sozialpsychologen ein zentrales Motiv des menschlichen Handelns. Seine Befriedigung oder Nichtbefriedigung beeinflusst in starkem Maße die Entwicklung des Selbstwertgefühls einer Person, wobei nachhaltige Verletzungen dieses psychischen Grundbedürfnisses entscheidend zur Ausbildung psychischer Störungen beitragen. Aus diesem Grund wird die angemessene Befriedigung dieses Bedürfnisses von Kindern und Jugendlichen als dritte zentrale elterliche Erziehungsaufgabe bestimmt.
Die meisten Menschen möchten ein positives Bild von sich selbst haben, sich als fähige Personen betrachten und von anderen geachtet, wertgeschätzt und geliebt sehen. Deshalb sind sie bestrebt, durch ihr Verhalten möglichst Wirkungen zu erzielen, die zu ihrer Selbstwerterhöhung beitragen. So versuchen sie beispielsweise, sich gegenüber für sie bedeutsamen Personen derart darzustellen, dass ihre Stärken und Vorzüge anerkennende Beachtung finden oder durch ihr Verhalten zu erreichen, dass sie von diesen Menschen gemocht werden. Sofern sie im Lebensverlauf darin hinreichend erfolgreich sind, können sie ihr Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung in ausreichendem Maße befriedigen, damit ein stabiles positives Bild von sich selbst aufbauen und erhalten und somit ihr Wohlbefinden steigern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinder selbstwertdienlich erziehen
3. Dem Kind uneingeschränkte Wertschätzung zeigen
3.1 Umkehrbare Äußerungen und Handlungen
3.2 Ermutigungen
3.3 Selbstermutigung
3.4 Allgemeine elterliche Wertschätzung reicht aber nicht aus
4. Selbstwertbedrohliche Situationen gemeinsam meistern
5. Das Selbstwertgefühl des Kindes stärken
6. Mit kindlicher Selbstüberschätzung richtig umgehen
6.1 Wie lassen sich diese positiven Wirkungen geringfügiger Selbstüberschätzungen erklären?
6.2 Wie sollten Eltern mit Selbstüberschätzungen ihrer Kinder umgehen?
7. Kinder zur angemessenen Selbstwerterhöhung erziehen
7.1 Aktivierung positiver Selbstüberzeugungen
7.2 Selbstwerterhöhende Selbstdarstellungen
7.3 Taktiken der positiven Selbstdarstellung
8. Wie Kinder und Jugendliche zu guten Selbstwertschützern werden können
8.1 Erfolgreicher Umgang mit selbstwertbedrohlichen Situationen
8.2 Situationsorientierte Bewältigung
8.3 Informationskontrolle
8.4 Einstellungsänderung
8.5 Selbstwertschützende Selbstdarstellung
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale psychische Grundbedürfnis von Kindern und Jugendlichen nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz. Ziel ist es, Eltern fundierte Erziehungsleitlinien an die Hand zu geben, um ihre Kinder darin zu unterstützen, ihr Selbstwertgefühl gesund zu entwickeln, zu stärken und in schwierigen, selbstwertbedrohlichen Situationen effektiv zu schützen.
- Grundlagen des Selbstwertgefühls und dessen Bedeutung für die psychische Gesundheit.
- Bedeutung uneingeschränkter elterlicher Wertschätzung und Ermutigung.
- Umgang mit kindlicher Selbstüberschätzung und Förderung angemessener Selbstdarstellung.
- Strategien zur gemeinsamen Bewältigung selbstwertbedrohlicher Situationen.
- Befähigung von Kindern zur eigenständigen Selbstwertregulation.
Auszug aus dem Buch
Tom braucht dringend Hilfe
Tom, ein elfjähriger Gymnasiast, leidet seit einigen Wochen unter der Art und Weise wie ein Geschichtslehrer mit ihm umgeht, der dieses Fach seit Schuljahresbeginn erstmals in seiner Klasse unterrichtet. Der Lehrer kritisiert vor den Mitschülern die mündliche Beteiligung des Jungen. Er melde sich viel zu wenig und wenn er sich einmal äußere, dann spreche er so leise und undeutlich, dass niemand ihn verstehen könne. Der Geschichtslehrer verlangt deshalb von Tom, sich künftig stärker in den Unterricht einzubringen. Außerdem solle er bei seinen Wortmeldungen jedes Mal aufstehen und dabei laut und deutlich sprechen.
In den folgenden Geschichtsstunden, auf die sich Tom besonders gut vorbereitet hat, wird er immer als erster aufgerufen. Inhaltlich gibt es an seinen Beiträgen wohl wenig auszusetzen, aber der Lehrer scheint ihn kaum zu verstehen. Der Junge wird deshalb unter dem Grinsen seiner Mitschüler mehrfach aufgefordert, seine Äußerungen zu wiederholen, bis der Lehrer schließlich mit der Lautstärke zufrieden ist und Tom sich, jedes Mal den Tränen nahe, wieder setzen darf.
Der Junge schämt sich vor seinen Klassenkameraden, fühlt sich vom Lehrer schikaniert und gedemütigt, verachtet ihn und verspürt Hassgefühle. Kein anderer seiner Lehrer hat ihn bisher darauf hingewiesen, dass er zu leise und undeutlich spreche. Tom verstärkt seine Vorbereitung auf den Geschichtsunterricht, hat aber vor den Stunden jedes Mal ein flaues Gefühl im Magen. Im Unterricht erlebt er sich als zunehmend verunsichert und kann sich immer schlechter an den mühsam erlernten Stoff erinnern, so dass der Lehrer nun auch noch seine mangelnde Vorbereitung kritisiert. Der Junge baut schließlich starke Ängste vor dem Geschichtsunterricht auf, kann am Abend vor den Stunden nur schlecht einschlafen, hofft vergeblich, dass der Lehrer ihn endlich in Ruhe lässt und sehnt die Herbstferien herbei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das psychologische Grundbedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz als zentrales Motiv menschlichen Handelns ein und definiert die Unterstützung hierbei als wichtige Erziehungsaufgabe.
2. Kinder selbstwertdienlich erziehen: Hier wird der Ansatz der selbstwertdienlichen Erziehung dargelegt, der Kinder befähigen soll, ihren Selbstwert eigenständig zu stärken und zu schützen.
3. Dem Kind uneingeschränkte Wertschätzung zeigen: Das Kapitel erläutert die Bedeutung eines wertschätzenden Beziehungsangebots durch Eltern, einschließlich konkreter Maßnahmen wie Ermutigung und Selbstermutigung.
4. Selbstwertbedrohliche Situationen gemeinsam meistern: Es wird aufgezeigt, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können, wenn diese bei der Bewältigung belastender Situationen allein überfordert sind.
5. Das Selbstwertgefühl des Kindes stärken: Dieses Kapitel vertieft, wie Eltern aktiv zur Stärkung des Selbstwertgefühls beitragen können, auch in schwierigen Lebensphasen.
6. Mit kindlicher Selbstüberschätzung richtig umgehen: Hier wird das Phänomen der gemäßigten Selbstüberschätzung als gesundheitsfördernd beleuchtet und der angemessene Umgang für Eltern daraus abgeleitet.
7. Kinder zur angemessenen Selbstwerterhöhung erziehen: Dieses Kapitel behandelt die Förderung positiver Selbstüberzeugungen und den Einsatz angemessener Taktiken der Selbstdarstellung.
8. Wie Kinder und Jugendliche zu guten Selbstwertschützern werden können: Hier werden verschiedene Bewältigungsstrategien wie Informationskontrolle und Einstellungsänderung sowie selbstwertschützende Selbstdarstellung vorgestellt.
9. Zusammenfassung: Die Kernaussagen und Erziehungsleitlinien des Buches werden hier in prägnanter Form zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Selbstwertgefühl, Selbstwerterhöhung, Selbstwertschutz, Kindererziehung, Wertschätzung, Ermutigung, Selbstermutigung, Selbstüberschätzung, Selbstdarstellung, Belastungsbewältigung, Sozialpsychologie, Erziehungsleitlinien, Identität, psychische Gesundheit, Selbstüberzeugungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Bedeutung des Selbstwertgefühls bei Kindern und Jugendlichen und zeigt auf, wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können, dieses Bedürfnis nach Erhöhung und Schutz gesund zu befriedigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Vermittlung von Wertschätzung, den Umgang mit Misserfolgen und Selbstüberschätzung, die Anleitung zur angemessenen Selbstdarstellung sowie Strategien zur Bewältigung selbstwertbedrohlicher Situationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Eltern zu befähigen, ihre Kinder durch eine stärkende Erziehung langfristig dazu zu bringen, ihren Selbstwert eigenständig und angemessen zu regulieren, um psychische Beeinträchtigungen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf sozialpsychologischen Erkenntnissen und Konzepten, die durch Einzelfallbeispiele veranschaulicht und praxisorientiert für die Erziehung nutzbar gemacht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert elterliche Haltungen, Techniken wie Ermutigung, den Umgang mit kindlicher Selbstüberschätzung sowie spezifische Strategien zur aktiven und schützenden Selbstwertregulation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstwertgefühl, Selbstwerterhöhung, Selbstwertschutz, Erziehung, Ermutigung und Belastungsbewältigung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "selbstwertdienliche Erziehung"?
Sie ist das übergeordnete Konzept, das darauf abzielt, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes durch gezielte Förderung der Selbstkompetenz zu sichern.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Bühne“ und „hinter den Kulissen“ wichtig?
Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass Selbstdarstellung kontextabhängig ist; während im privaten Raum Sicherheit durch Wertschätzung besteht, erfordert das öffentliche Auftreten eine bewusste Kontrolle der Eindrucksbildung.
- Citation du texte
- Dr. Bodo Klemenz (Auteur), 2007, Stärkenorientierte Kindererziehung. Das Bedürfnis des Kindes nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz befriedigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289238