"Der lange Weg zum ersten Wort"- so oder in ähnlicher Form könnte die entscheidendste und wichtigste Entwicklungsaufgabe eines Kleinkindes zusammengefasst werden.
Dieser Denkspruch verdeutlicht, durch den Terminus des Weges, zum einen die Prozesshaftigkeit und zum anderen die Dauer des Spracherwerbes, da dieser über mehrere Jahre reicht.
Die Bedeutung des Erwerbs von Sprache ist darin begründet, dass Sprache uns tagtäglich in jedweden Situationen umgibt, sei es in verbaler, nonverbaler oder grafischer Form. Um an der Gesellschaft teilzuhaben, muss man die Fähigkeit, Sprache zu produzieren, erwerben.
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit sich Aussagen über den Einfluss des "baby signing" auf den Spracherwerb von Kleinkindern treffen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Der lange Weg zum ersten Wort
2 Stadien des Erstspracherwerbs von Kleinkindern
2.1 Auf dem Weg zum ersten Wort – sprachliche Entwicklungen im ersten Lebensjahr
2.2 Erste Zweiwortäußerungen – sprachliche Entwicklungen im zweiten Lebensjahr
2.3 Die Entwicklung einer einfachen, verständlichen Kindersprache – sprachliche Entwicklungen im dritten Lebensjahr
3 Die an das Kind gerichtete Sprache (KGS)
4 Theoretische Grundlagen zum baby signing
4.1 Erwerb und Struktur des baby signing
4.2 Forschungsstand zum baby signing
4.2.1 Studie von GOODWYN, ACREDOLO und BROWN (2000)
4.2.2 Studie von MÜLLER (2009)
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Deutschen Gebärdensprache
5 Ein Vorsprung durch Baby-Signing?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht wissenschaftlich, inwieweit das Konzept des „baby signing“ den natürlichen Erstspracherwerb von Kleinkindern beeinflusst und ob dadurch ein messbarer Vorsprung in der sprachlichen Entwicklung erzielt werden kann.
- Grundlagen des natürlichen Erstspracherwerbs in den ersten drei Lebensjahren.
- Analyse der Funktion der an das Kind gerichteten Sprache (KGS).
- Struktur und Anwendung der Babyzeichensprache in der Eltern-Kind-Kommunikation.
- Kritische Würdigung empirischer Studien zum Einfluss von Babyzeichen auf Wortschatz und kognitive Leistungen.
- Vergleich zwischen Babygebärden und der Deutschen Gebärdensprache (DGS).
Auszug aus dem Buch
4.1 Erwerb und Struktur des baby signing
Baby signs sind Gebärden, die von den Eltern erlernt und an das Kind weitergegeben werden. Es handelt sich hierbei nach KÖNIG um „ein wirksames Kommunikationsmittel mit einem (noch) nicht sprechenden Kind“76. Dabei handelt es sich um Gebärden, die der Deutschen Gebärdensprache entnommen sind. Sie bezeichnen sowohl Tätigkeiten als auch Eigenschaften aus der Lebenswelt des Kindes. Das Kind lernt eine Verbindung zwischen dem Zeichen und seiner Bedeutung herzustellen und nutzt dieses Zeichen schließlich zur Kommunikation mit seinen Eltern. Dadurch ist das Kind in der Lage, seine Gefühle und Gedanken ausdrücken zu können, auch wenn es dazu sprachlich noch nicht in der Lage ist.
Doch nicht nur Kinder der baby signinh-Kurse entwickeln ein visuelles Sprachsystem. Auch im ‚natürlichen‘ Spracherwerb bedienen sich Kinder dieses Hilfssystems zur Kommunikation. So konstatiert LARGO, dass Gesten bereits ein „Vorstadium der gesprochenen Sprache“77 darstellen. Die ersten Gesten werden bereits im Säuglingsalter angewendet, beispielsweise wenn das Kind seine Arme der Mutter entgegenstreckt, während sie ihn hochhebt. Dabei werden diese Gesten noch nicht absichtsvoll eingesetzt. Ähnlich verhält es sich bei einer motorischen Wiedererkennung, wenn ein Kind eine Rassel erblickt und zeitgleich die dazugehörige Bewegung ausführt, kann noch nicht von einer kommunikativen Intention gesprochen werden, auch wenn das Kind die Rassel in der Hand hält und damit rasselt.78 Diese Verknüpfung von Bewegung und Reaktion stellt eine frühe Zeichenfunktion dar, auch wenn hier noch ein echtes Kausalitätsprinzip zugrunde liegt. Ab dem ersten Lebensjahr werden Gesten jedoch zunehmend zur gestischen Kommunikation eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der lange Weg zum ersten Wort: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Spracherwerbs ein, definiert die drei Formen des Erwerbs und beleuchtet die Erwartungen der Eltern an die erste Kommunikation.
2 Stadien des Erstspracherwerbs von Kleinkindern: Hier werden die sprachlichen Entwicklungsstufen vom ersten bis zum dritten Lebensjahr detailliert unter Berücksichtigung motorischer und kognitiver Meilensteine erörtert.
3 Die an das Kind gerichtete Sprache (KGS): Dieses Kapitel analysiert die spezifische Sprechweise gegenüber Kleinkindern, ihre Funktionen und die Frage nach ihrer Notwendigkeit für den Spracherwerb.
4 Theoretische Grundlagen zum baby signing: Hier werden das Konzept des „baby signing“, seine Struktur, der Forschungsstand anhand bedeutender Studien sowie der Bezug zur Deutschen Gebärdensprache untersucht.
5 Ein Vorsprung durch Baby-Signing?: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und kritisiert die Annahme eines signifikanten Vorsprungs durch Babyzeichen, wobei die Bedeutung der emotionalen Zuwendung betont wird.
Schlüsselwörter
Baby signing, Erstspracherwerb, Kleinkinder, KGS, an das Kind gerichtete Sprache, Babygebärden, Sprachförderung, Kommunikation, Wortschatzentwicklung, Objektpermanenz, Deutsche Gebärdensprache, Mutter-Kind-Interaktion, Sprachentwicklung, visuelle Gesten, Symbolbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung, ob und wie die Einführung von „baby signing“ (Babyzeichensprache) den Erstspracherwerb bei Kleinkindern beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der natürliche Spracherwerb in den ersten drei Lebensjahren, die Rolle der an das Kind gerichteten Sprache (KGS) und die Anwendung sowie Wirksamkeit von Babyzeichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu prüfen, ob „baby signing“ tatsächlich zu einer beschleunigten Sprachentwicklung oder einem „Vorsprung“ gegenüber Kindern führt, die keine Zeichensprache nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Grundlagen aus der Psycholinguistik aufbereitet und bestehende empirische Studien zum Thema kritisch analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der normalen Sprachentwicklung, die Untersuchung der KGS als notwendiger oder unterstützender Input sowie die theoretische Fundierung und Evaluation des „baby signing“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Erstspracherwerb, Baby signing, KGS, Kommunikation und Sprachentwicklung charakterisiert.
Inwiefern ist das „baby signing“ mit der Deutschen Gebärdensprache verwandt?
Die Babyzeichensprache entlehnt einige Gebärden aus der Deutschen Gebärdensprache (DGS), vereinfacht diese jedoch stark, um sie dem motorischen und kognitiven Entwicklungsstand von Kleinkindern anzupassen.
Wie kritisch bewertet die Autorin den „Vorsprung“ durch Babyzeichen?
Die Autorin äußert Skepsis: Während Babyzeichen kurzfristig Vorteile bei der Kommunikation bieten können, relativiert sich der Vorsprung im weiteren Verlauf der Entwicklung, wobei die Qualität der elterlichen Zuwendung als entscheidender Faktor hervorgehoben wird.
- Citar trabajo
- Kristin L. (Autor), 2013, Einfluss des "baby signing" auf den Spracherwerb, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289252