Einleitung
In der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung wird in den letzten Jahren zunehmend der Frage nachgegangen, ob, wie schnell und unter welchen Voraussetzungen Länder beziehungsweise Regionen unterschiedlichen Entwicklungsstandes konvergieren. Doch diese entwicklungspolitische Debatte hat nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine politische Bedeutung.
Im Zuge der gegenwärtigen Diskussion über die Globalisierung, wird einerseits befürchtet, dass ganze Gruppen von Ländern wegen der zunehmenden Integration von Wirtschaftsräumen dauerhaft in Armut verharren und andererseits wird das Gegenteil behauptet, das heißt, dass die Globalisierung als Voraussetzung wirtschaftlicher Chancengleichheit dargestellt wird. Die Fragen zur Konvergenz werden auf Grundlage der traditionellen neoklassischen Wachstumstheorie und der "neuen" Wachstumstheorie diskutiert und in jüngster Zeit zunehmend auch empirisch überprüft. Nach der neoklassischen Theorie des wirtschaftlichen Wachstums gibt es einen automatischen Mechanismus, der zu Konvergenz der Pro-Kopf-Einkommen zwischen armen und reichen Ländern bzw. Regionen führt. Aber weder international noch zwischen den Regionen der Bundesrepublik Deutschland entspricht die tatsächliche Entwicklung unbedingt den Vorhersagen dieses Modells. So bestehen nach wie vor große Einkommensdisparitäten, die nur sehr langsam abnehmen. In empirischen Untersuchungen zur Konvergenz wurde festgestellt, dass die Einkommensunterschiede zwischen manchen Ländern abgenommen, zwischen anderen sich aber sogar noch vergrößert haben. Allerdings muss der Widerspruch zwischen den empirischen Fakten und dem theoretischen Modell nicht bedeuten, dass die grundlegenden Vorhersagen des neoklassischen Wachstumsmodells falsch sind. Innerhalb der Diskussion um die Konvergenz ist die Hypothese der Klubkonvergenz gut empirisch belegt worden. Nur in Regionen, die demselben Konvergenzklub angehören – die eine ähnliche Faktorausstattung und vergleichbaren technologischen Entwicklungsstand aufweisen – gleichen sich die Pro-Kopf-Einkommen langfristig an. Innerhalb eines Konvergenzklubs lässt sich absolute Konvergenz beobachten. Die Wohlstandsunterschiede verschwinden somit. Gehören die Regionen zu unterschiedlichen Konvergenzklubs, kommt es zu bedingter Konvergenz.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konvergenzhypothese
2.1 Die absolute Konvergenz-Hypothese
2.2 Die bedingte Konvergenz-Hypothese
2.3 Die Klubkonvergenz-Hypothese
3. Die Klubkonvergenz in Standardmodellen
3.1 Klubkonvergenz im neoklassischem Wachstumsmodell
3.2 Klubkonvergenz im Modell überlappender Generationen
4. Klubkonvergenz in erweiterten Wachstumsmodellen
4.1 Klubkonvergenz und Humankapital
4.2 Klubkonvergenz und Einkommensverteilung
4.3 Klubkonvergenz und endogen modellierte Fruchtbarkeit
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Klubkonvergenz-Hypothese theoretisch durch neoklassische und erweiterte Wachstumsmodelle gestützt werden kann, um das Phänomen persistenter Wohlstandsunterschiede zwischen Regionen oder Ländern zu erklären.
- Analyse der klassischen Konvergenzkonzepte (absolut vs. bedingt).
- Untersuchung der Entstehung multipler Steady-States in Standardmodellen.
- Einfluss des Humankapitals auf die langfristige Entwicklung.
- Rolle der Einkommensverteilung und endogener Fruchtbarkeitsraten bei der Konvergenz.
Auszug aus dem Buch
4.1 Klubkonvergenz und Humankapital
Ist das Wissen untrennbar mit der menschlichen Arbeitskraft verbunden, spricht man auch vom Humankapital. Lernen ist dabei umso einfacher, je höher das Humankapital ist. Wer zu Beginn des Studiums die Seite eines Fachbuches lesen und sie auch verstehen möchte, wird einige Zeit länger brauchen, als wenn er sie am Ende des Studiums lesen würde, wenn das Studium nicht völlig wirkungslos war. Die Frage sind dabei: Wie lange kann zusätzliches Wissen angehäuft werden? Ist das gesamte Wissen dieser Welt eigentlich beschränkt oder unbeschränkt? Wenn die Menge begrenzt ist, dann ist es wie in einem Teich voller Karpfen. Ist eine Idee gefunden, ist das Finden der nächsten Idee schwieriger, genauso wie das Fangen eines Karpfens schwieriger ist, wenn immer weniger Fische im Teich schwimmen.
Ist die Menge des Wissens allerdings unbegrenzt, dann können wir uns im Zeitablauf immer mehr Wissen aneignen. Dabei kann man sogar einen Verstärkungsprozess unterstellen. Denn sobald eine Idee gefunden ist, kann es sein, dass die nachfolgenden Erfindungen umso leichter erreicht werden können. So haben grundlegende Erfindungen, wie die der Dampfmaschine oder des Telefons rasch zu weiterführenden Erfindungen geführt. Zusammenfassend kann man sagen, dass Lerneffekte die Aussichten für die Entwicklung in der langfristigen Sicht verbessern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die ökonomische Debatte um globale Einkommensdisparitäten und die Relevanz der Klubkonvergenz-Hypothese gegenüber dem neoklassischen Modell.
2. Konvergenzhypothese: Differenzierung zwischen absoluter, bedingter und Klubkonvergenz als theoretische Grundlage für die Untersuchung von Wachstumspfaden.
3. Die Klubkonvergenz in Standardmodellen: Erörterung der Entstehung multipler Gleichgewichte im neoklassischen Wachstumsmodell sowie im OLG-Modell.
4. Klubkonvergenz in erweiterten Wachstumsmodellen: Diskussion der Faktoren Humankapital, Einkommensverteilung und Fruchtbarkeit als Treiber für die Bildung von Konvergenzklubs.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung, dass die Klubkonvergenz-Hypothese einen wesentlichen theoretischen Rahmen zur Erklärung persistenter Armut bietet.
Schlüsselwörter
Klubkonvergenz, neoklassisches Wachstumsmodell, Pro-Kopf-Einkommen, Steady-State, Humankapital, Einkommensverteilung, endogene Fruchtbarkeit, Konvergenz, Wachstumstheorie, ökonomische Disparitäten, Kapitalintensität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Erklärungsansätze für die Klubkonvergenz-Hypothese und prüft, ob diese mit neoklassischen und erweiterten Wachstumsmodellen vereinbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Mechanismen der Konvergenz, der Bedeutung von Anfangsausstattungen, dem Einfluss von Humankapital und strukturellen Faktoren auf das wirtschaftliche Wachstum.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Klubkonvergenz-Hypothese durch das neoklassische Wachstumsmodell erklärt und durch moderne Wachstumsmodelle theoretisch untermauert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die bestehende wachstumstheoretische Literatur und Modelle auswertet und synthetisiert.
Was ist das zentrale Thema des Hauptteils?
Im Hauptteil werden sowohl Standardmodelle (wie das neoklassische Modell und OLG-Modelle) als auch erweiterte Ansätze hinsichtlich ihrer Fähigkeit untersucht, multiple Steady-States und damit Konvergenzklubs zu generieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Klubkonvergenz, Steady-State, Humankapital, endogenes Wachstum und Einkommensdisparitäten.
Welchen Stellenwert nimmt die Einkommensverteilung bei der Klubkonvergenz ein?
Laut den angeführten Modellen von Galor und Zeira kann eine ungleiche Wohlstandsverteilung maßgeblich dazu beitragen, dass Volkswirtschaften zu verschiedenen langfristigen Wachstumspfaden konvergieren.
Wie beeinflusst Humankapital die Konvergenz zwischen zwei Ländern?
Unterschiedliche Anfangsausstattungen an Humankapital sowie Nichtkonvexitäten in der Produktionsfunktion können dazu führen, dass Länder in unterschiedlichen Konvergenzklubs verharren.
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- Christin Mosebach (Author), 2003, Das Konzept der Klubkonvergenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28926