Im Rahmen zunehmender Globalisierung und Flexibilisierung der Finanzmärkte und entsprechend großem Wettbewerb um die zur Kapitalbeschaffung benötigten Mittel steigt der Anspruch nach einer nachhaltigen und professionalisierten Beziehungspflege zu potenziellen oder möglichen Kapitalgebern, Investoren und Analysten sowie den Finanzmedien (sog. Financial Community). Aber auch aus Sicht der Kapitalgeber ergeben sich aufgrund der wirtschaftlichen Internationalisierung umfangreichere Investitionsmöglichkeiten und damit zusammenhängend ein Bedarf an durchschaubaren Informationmöglichkeiten. Transparenzschaffende Informationspolitik der Institutionen kann daher die möglichen Finanzierungs- bzw. Investitionsentscheidung positiv beeinflussen. So kann durch ein erfolgreiches Investor-Relations-Management ein Wettbewerbsvorteil für das jeweilige Unternehmen entstehen, indem es die Kapitalbeschaffung ermöglicht oder erleichtert und die Kosten hierfür senkt.
Die Wichtigkeit einer solchen Finanzkommunikation betonte der RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther in einem Vortrag auf der 17. Konferenz des Deutschen Investor Relations Verband (DIRK): „Investor Relations ist für uns deutlich mehr als Kapitalmarktkommunikation. Investor-Relations-Verantwortliche können mit gewisser innerer Distanz die externe Sicht als kritische Stimme des Kapitalmarkts in die Diskussion hineintragen.“ Weiter hob der Manager die Bedeutung dieser Form der Kommunikation auch in problematischen Umfeld hervor. Denn das Unternehmen, das im vergangenen Jahr das erste Mal seit mehr als 60 Jahren Verlust ausweisen musste, habe sich zu keiner Zeit aus der Kommunikation mit den Investoren ausgeklinkt und keine Roadshow abgesagt. Dies habe sich auch ausbezahlt. So konnte der Konzern auch im Jahr von Fukushima frisches Kapital in Form einer Kapitalerhöhung beschaffen.
Man erkennt, dass Investor Relations eine essentielle Funktion bei der Kapitalbeschaffung einnimmt und diese auch in turbulenten Unternehmensphasen unterstützt und ermöglicht. Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit soll ein grundlegender und wissenschaftlich basierter Überblick des Themenbereichs Investor Relations im Zusammenhang mit der Kapitalbeschaffung gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Aktueller Bezug und Abgrenzung der Thematik
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition des Begriffs Investor Relations
2.2 Möglichkeiten und Instrumente der Kapitalbeschaffung
2.2.1 Beteiligungsfinanzierung
2.2.2 Kreditfinanzierung
3 Die Rolle des Investor Relations bei der Kapitalbeschaffung
3.1 Die Situation vor dem Börsengang
3.2 Investor Relations nach dem Börsengang
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung von Investor Relations (IR) für Unternehmen im Kontext der Kapitalbeschaffung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine professionelle Finanzkommunikation den Erfolg bei der Kapitalakquise in verschiedenen Phasen des Unternehmenslebenszyklus – insbesondere vor und nach einem Börsengang – maßgeblich beeinflussen und unterstützen kann.
- Grundlegende Definitionen und Konzepte des Investor-Relations-Managements
- Systematik und Instrumente der Beteiligungs- und Kreditfinanzierung
- Strategische Rolle der Finanzkommunikation bei der Vorbereitung eines Börsengangs
- Aufgaben und Erfolgsfaktoren des IR nach erfolgreicher Börseneinführung
- Einfluss von IR-Maßnahmen auf das Vertrauen der Investoren und die Volatilität der Aktie
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Situation vor dem Börsengang
Bereits der Zeitraum vor dem Börsengang ist im Kontext des IR von grundlegender Bedeutung. Denn eine professionelle Investor Relations-Arbeit sollte ein Börsengang stets unterstützen. Dies ergibt sich insbesondere aus dem Sachverhalt, dass dadurch der Emissionserfolgt auf dem Kapitalmarkt deutlich beeinflusst werden kann. Somit kann durch ein effizientes IR bereits vor dem Börsengang eine wichtige Basis für die zukünftige Behauptung des Unternehmens am Kapitalmarkt geschaffen werden. Dabei hat das IR die Aufgabe, die bald am Aktienmarkt notierte Aktie schon vor der ersten Notierung bekannt zu machen und außerdem die Finanzkommunikation so zu gestalten, dass die Anforderungen zukünftiger Investoren berücksichtigt werden.
Ein zentraler Aspekt der Finanzkommunikation ist dabei eine Anwendung von Best Practices und die Konzentration auf das Wesentliche, welche für Transparenz und faire Information aller Marktteilnehmer sorgt. Kapitalmarktorientierung, Gleichbehandlung, Wesentlichkeit, Nachvollziehbarkeit, Aktualität, Kontinuität und Erwartungsmanagement sind die Maßstäbe und Richtlinien für den Investor Relations Manager. Der jeweilige Investor Relations-Manager hat dabei im Zuge des Börsengangs die Möglichkeit, eine eigenständige Position in der Financial Community aufzubauen und dementsprechend auch Verbindungen bzw. einen Dialog zu wichtigen Kontakten aufzubauen. Die Kommunikation mit Analysten und Investoren beschränkt sich nicht auf eine reine Übermittlung von Informationen, sondern Rückmeldungen dieser Akteure werden in das Unternehmensgeschäft übernommen und so auf beiden Seiten ein positiver Effekt erzeugt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktueller Bezug und Abgrenzung der Thematik: Dieses Kapitel führt in die Notwendigkeit professioneller Finanzkommunikation angesichts globalisierter Finanzmärkte ein und betont deren Rolle als Wettbewerbsvorteil bei der Kapitalbeschaffung.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die theoretischen Fundamente gelegt, indem der Begriff Investor Relations definiert und die verschiedenen Instrumente der Beteiligungs- und Kreditfinanzierung systematisch erläutert werden.
3 Die Rolle des Investor Relations bei der Kapitalbeschaffung: Dieser Hauptteil analysiert die spezifischen Aufgaben und Strategien des IR-Managements in der kritischen Phase der Vorbereitung eines Börsengangs sowie in der Zeit nach der Börseneinführung.
Schlüsselwörter
Investor Relations, Kapitalbeschaffung, Börsengang, Finanzkommunikation, Finanzmärkte, Beteiligungsfinanzierung, Kreditfinanzierung, IPO, Aktionäre, Investoren, Analysten, Erwartungsmanagement, Unternehmenskommunikation, Financial Community, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die strategische Bedeutung von Investor Relations für Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf deren Kapitalbeschaffungsmaßnahmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Investor Relations, die verschiedenen Formen der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung sowie die kommunikativen Anforderungen an Unternehmen rund um einen Börsengang.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Rolle von Investor Relations als unterstützende Funktion darzustellen, die Vertrauen bei Kapitalgebern schafft und somit die Kapitalbeschaffung erleichtert und kosteneffizienter gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung einschlägiger Fachpublikationen basiert.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der IR-Anforderungen vor dem Börsengang, inklusive Due Diligence und Aktienmarketing, sowie der kontinuierlichen Finanzkommunikation nach dem Börsengang.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind neben Investor Relations vor allem Kapitalbeschaffung, Börsengang, Erwartungsmanagement, Finanzmarktkommunikation und der Aufbau von Investorenvertrauen.
Wie unterscheidet sich die IR-Arbeit vor und nach dem Börsengang?
Vor dem Börsengang liegt der Fokus auf der Vorbereitung, dem Aktienmarketing und der Zulassung; nach dem Börsengang verschiebt sich der Schwerpunkt auf eine kontinuierliche, transparente Informationspolitik zur Stärkung der Glaubwürdigkeit und Verringerung der Aktienvolatilität.
Warum ist das Erwartungsmanagement laut der Arbeit so wichtig?
Ein professionelles Erwartungsmanagement hilft, die Lage des Unternehmens am Kapitalmarkt realistisch einzuordnen, dient als Risikomanagementinstrument und schützt Aktionäre vor unnötigen Kapitalverlusten durch eine sachlichere Informationsverarbeitung.
- Citar trabajo
- Andreas Hütter (Autor), 2015, Die Rolle von Investor Relations im Zusammenhang mit der Kapitalbeschaffung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289264