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Hannah Arendts Politikbegriff als Ergänzung zum Weberschen „Mainstream“ im Gemeinschaftskundeunterricht der Sekundarstufe II

Warum legitime Macht nicht aus Gewehrläufen kommt

Title: Hannah Arendts Politikbegriff als Ergänzung zum Weberschen „Mainstream“ im Gemeinschaftskundeunterricht der Sekundarstufe II

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 16 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Ulrich Schaeffer (Author)

Didactics - Politics, Political Education
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Hannah Arendt geht von einem völlig unterschiedlichen Politik- und Machtbegriff aus, als das bei Max Weber der Fall ist. Leider wird dieser Tatsache im Politikunterricht an Gymnasien kaum Beachtung geschenkt, was potenziell problematisch ist, denn einerseits ist gemäß des Beutelsbacher Konsenses in Wissenschaft und Gesellschaft Kontroverses auch so im Politikunterricht abzubilden und andererseits bietet sich der Webersche Mainstream für die kategoriale Anwendung nicht in allen politisch-historischen Kontexten an.
Der vorliegende Text diskutiert zunächst die beiden divergierenden Macht- und Politikverständnisse Webers und Arendts, um anschließend die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf das praxistaugliche Beispiel der "Friedlichen Revolution" von 1989 anzuwenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Warum die ausschließliche Thematisierung des Weberschen Politikbegriffs dem Anspruch des Gemeinschaftskundeunterrichts nicht gerecht wird

2. Der Webersche Politikbegriff im Vergleich zum Politikverständnis Hannah Arendts

3. Die Hintergründe der „Friedlichen Revolution“ 1989

4. Über die Anwendbarkeit der beiden Politikkonzepte auf die „Friedliche Revolution“

5. Schlussbetrachtung: Über die moralische Botschaft Hannah Arendts im Sinne demokratischer Beteiligung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern eine ausschließliche Fokussierung auf den Weberschen Politikbegriff im Gemeinschaftskundeunterricht der Sekundarstufe II zu einer Verengung der politischen Analysefähigkeit führt. Ziel ist es, durch die Einbeziehung des bürgerzentrierten Politikverständnisses von Hannah Arendt eine multiperspektivische Betrachtung zu ermöglichen, insbesondere am Beispiel der „Friedlichen Revolution“ 1989.

  • Kritische Analyse des dominierten Weberschen Politik- und Machtbegriffs im Schulunterricht.
  • Kontrastierung der staatszentrierten Machttheorie Webers mit dem bürgerzentrierten Ansatz Arendts.
  • Analyse der „Friedlichen Revolution“ 1989 als politisches Ereignis unter theoretischen Gesichtspunkten.
  • Plädoyer für eine Stärkung der demokratischen Urteilskompetenz durch Multiperspektivität.
  • Moralischer Appell zur aktiven demokratischen Beteiligung der Bürger.

Auszug aus dem Buch

Der Webersche Politikbegriff im Vergleich zum Politikverständnis Hannah Arendts

Sowohl Max Weber als auch Hannah Arendt gehen von machtbasierten Politikbegriffen aus. Hier endet die Gemeinsamkeit allerdings bereits, denn das Politikverständnis Arendts könnte vom Weberschen Politikbegriff unterschiedlicher nicht sein. Macht ist im Weberschen Sinne: „[...] jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber 1964: 38). Webers Machtbegriff ist folglich asymmetrisch – ego zwingt alter seinen Willen auf – als auch soziologisch amorph, da die Möglichkeiten der konkreten Ausgestaltung von Machtverhältnissen quasi unerschöpflich sind.

Völlig anders stellt sich das Politikverständnis Hannah Arendts dar. Dieses bringt Arendt in Macht und Gewalt durch ihr Unverständnis über die weitverbreitete Meinung zum Ausdruck, dass es sich bei Gewalt lediglich um eine Manifestation der Macht handle (vgl. Arendt 1970: 36). Laut Arendt entspricht Macht: „[...] der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln und etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln“ (1970: 45). Das impliziert, dass Macht nur innerhalb einer Gruppe von Menschen existiert, die sich aus freien Stücken zusammengeschlossen haben, um im Sinne eines übergeordneten Ziels gemeinsam zu handeln, wodurch Arendts Machtbegriff gerade nicht durch Asymmetrie gekennzeichnet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Warum die ausschließliche Thematisierung des Weberschen Politikbegriffs dem Anspruch des Gemeinschaftskundeunterrichts nicht gerecht wird: Das Kapitel legt dar, dass die exklusive Verwendung des Weberschen Machtbegriffs den Anforderungen des Beutelsbacher Konsenses widerspricht und notwendige Perspektiven auf gesellschaftliche Phänomene verengt.

2. Der Webersche Politikbegriff im Vergleich zum Politikverständnis Hannah Arendts: Hier werden die asymmetrische, staatszentrierte Machttheorie Webers und der konstruktive, bürgerzentrierte Freiheitsbegriff Arendts gegenübergestellt.

3. Die Hintergründe der „Friedlichen Revolution“ 1989: Dieses Kapitel skizziert die historischen Faktoren, internen wie externen, die zum gesellschaftspolitischen Wandel und dem gewaltfreien Sturz der SED-Diktatur führten.

4. Über die Anwendbarkeit der beiden Politikkonzepte auf die „Friedliche Revolution“: Es wird analysiert, dass Webers Modell bei der Erklärung der „Friedlichen Revolution“ an Grenzen stößt, während Arendts Konzept die Bedeutung des kollektiven Handelns der Bürger treffender abbildet.

5. Schlussbetrachtung: Über die moralische Botschaft Hannah Arendts im Sinne demokratischer Beteiligung: Die Arbeit schließt mit dem Plädoyer, den Arendtschen Ansatz für den Unterricht zu nutzen, um die Schüler zur aktiven demokratischen Teilhabe zu motivieren.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Max Weber, Machtbegriff, Gemeinschaftskundeunterricht, Friedliche Revolution, Politische Urteilskompetenz, Demokratie, Bürgerzentrierung, Staatszentriertheit, Beutelsbacher Konsens, Politische Bildung, Partizipation, Herrschaft, Gewaltmonopol.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit untersucht, wie verschiedene Politik- und Machtbegriffe – namentlich die von Max Weber und Hannah Arendt – im Gemeinschaftskundeunterricht vermittelt werden und welche Auswirkungen dies auf das Verständnis politischer Ereignisse hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die Politikdidaktik, die vergleichende Politikwissenschaft (Machttheorien) sowie die historische Analyse der „Friedlichen Revolution“ von 1989.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein Plädoyer für einen multiperspektivischen Unterricht zu halten, der den Weberschen Mainstream durch das Arendtsche Politikverständnis ergänzt, um die Mündigkeit der Schüler zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die Fachliteratur sowie politikdidaktische Lehrpläne auswertet und diese auf ein historisches Fallbeispiel anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil kontrastiert Webers staatszentriertes Herrschaftsmodell mit Arendts auf Konsens und Freiheit basierender Machttheorie und wendet diese Konzepte auf die Ereignisse des Jahres 1989 in der DDR an.

Was sind die charakterisierenden Schlüsselwörter der Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Hannah Arendt, Max Weber, Machtbegriff, politische Urteilskompetenz, Friedliche Revolution und demokratische Beteiligung.

Warum hält der Autor den Weberschen Machtbegriff im Unterricht für unzureichend?

Laut Autor ist Webers Begriff zu staatszentriert und asymmetrisch; er erfasst nicht die konstruktive, bürgerschaftliche Kraft, die bei demokratischen Umbrüchen wie der „Friedlichen Revolution“ eine entscheidende Rolle spielt.

Welche Rolle spielt die „Friedliche Revolution“ als Fallbeispiel?

Sie dient als exemplarisches Unterrichtsobjekt, um aufzuzeigen, dass ein einseitiges Machtverständnis die Dynamik von Bürgerprotesten und den massiven Vertrauensverlust eines Regimes nicht hinreichend erklären kann.

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Details

Title
Hannah Arendts Politikbegriff als Ergänzung zum Weberschen „Mainstream“ im Gemeinschaftskundeunterricht der Sekundarstufe II
Subtitle
Warum legitime Macht nicht aus Gewehrläufen kommt
College
University of Leipzig
Grade
1.0
Author
Ulrich Schaeffer (Author)
Publication Year
2013
Pages
16
Catalog Number
V289349
ISBN (eBook)
9783656895855
ISBN (Book)
9783656895862
Language
German
Tags
Macht Politikbegriff Weber Arendt Gemeinschaftskunde Sekundarstufe II Fachdidaktik Politikdidaktik Didaktik der Gemeinschaftskunde Friedliche Revolution demokratische Beteiligung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrich Schaeffer (Author), 2013, Hannah Arendts Politikbegriff als Ergänzung zum Weberschen „Mainstream“ im Gemeinschaftskundeunterricht der Sekundarstufe II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289349
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