Ahmadiyya, eine Sonderform des Islams


Hausarbeit, 2004

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Ahmadiyya-Bewegung
2.1. Der Gründer – Hazrat Mirzā Ġhulam Ahmad
2.2. Die Entstehung und Geschichte der Ahmadiyya
2.3. Die Teilung der Ahmadiyya
2.4. Ziele und Lehre der Ahmadiyya

III. Die Häresieeinstufung

IV. Die Ahmadiyya und das Christentum

V. Ahmadiyya in Deutschland
5.1. Die Entwicklung in Deutschland
5.2. Gegenströme in Deutschland

VI. Schlusswort

VII. Literaturverzeichnis

VIII. Abbildungen

I. Einleitung

Der Islam ist heute eine der größten Religionen. Die Diskussion über den Islam und die islamischen Staaten war selten zuvor so aktuell wie im vergangenen Jahr. Es existieren bei den meisten Menschen gewisse Assoziationen über das Thema Islam, die nicht immer mit der Realität bzw. der eigentlichen Aussage des Glaubens übereinstimmen. Was jedoch weniger bekannt ist, sind die Abspaltungen des Islams. Die vorliegende Arbeit hat die Absicht eine dieser Abspaltungen dazustellen. Die Ahmadiyya-Bewegung des Islams. Sie soll Aufschluss über diese Be-wegung, ihren Problemen, ihre Andersartigkeit, Einzigartigkeit und ihren heutige Situation geben. Allerdings ist es nicht möglich jede Feinheit dieser Bewegung mit einzubeziehen.

II. Die Ahmadiyya-Bewegung

2.1. Der Gründer - Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad (Abb.1)

Der Gründer der Ahmadiyya wurde am 13.02.1835 in Quādiān, eine nordindischen Provinz Pandschabs, in eine wohlhabende Grundbesitzer-Moghulfamilie geboren. Er wuchs dort unter Um-ständen auf, die ihn dazu brachten ein auf Gott gerichtetes Le-ben zu führen. Diese Umstände, Unsicherheit und irdische Ver-gänglichkeit, lebten ihm sein Vater, Mirzā Ġhulām Murtza, und sein älterer Bruder vor. Sie versuchten ihr leben lang die Besitz-tümer ihrer Vorfahren wieder zu erlangen.[1] Nach der Grundaus-bildung bei Privatlehrern, erhielt er Unterricht bei einem religiösen Lehrer. Hier wurde er mit der Lehre der Ahl-i-Ηadit[2] bekannt.[3] So verbrachte Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad seine

Jugend im Gedenken Gottes und im Studium der Theologie.[4] Er

diente für vier Jahre beim Gericht in der Kolonialverwaltung. Hier lernte er die christliche Missionierung kennen. Er ent-schloss sich den Islam mit Schriftentum gegen fremde Einflüsse zu unterstützen.[5] In dieser Zeit soll er, mit fast 40 Jahren, seine erste Offenbarung von Gott erhalten haben. In dieser Offen-barung befahl ihm Gott als der Messias die Welt zu Gott zu bekehren.[6] In Folge dessen schrieb er 1880 – 1883 sein Buch: „Barāhin-i Ahmadiya“, welches in jährlichen Bänden ver-öffentlicht wurde und eine Apologetik[7] für den Islam enthält. Schon hier hatte er eine Anzahl von Anhängern, die stetig wuchs. Ebenso bezeichnete er sich auch schon zu dieser Zeit als Muhaddit und Muğadidd[8]. Gleichzeitig veröffentlichte er seine Visionen und Offenbarungen, die eine wichtige Botschaft enthielten, nämlich jene das nur der Islam im Stande ist eine lebendige Verbindung zu Gott zu schaffen. Er veröffentlichte auch eine Reihe von Voraussagungen. Bis jetzt bekam er nur Wohlwollen der Muslime, doch als er sich nun als der erwartete Mahdi[9] bezeichnete, stieß er auf Widerspruch.

1889 wurde ihm die Bay´a, die Huldigung, der formale Vorgang der Initiation, von seinen Anhängern entgegen gebracht. Die Ahmadiyya–Bewegung, eine religiöse Organisation, wurde gegründet.[10] Gleichzeitig gab Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad bekannt, dass er im Namen des verheißenden Messias bekannt,

dass er im Namen des verheißenden Messias gekommen sei. 1901 ließ Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad die Ahmadiyya als eigenständige islamische Sekte eintragen. Trotz aller Gegenwehr die ihm entgegengebracht wurde, hat er es geschafft, dass seine Vorstellungen des reinen Islams Fuß fassten und gedeihen sollten. Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad starb am 27. Mai 1908.[11]

2.2. Die Entstehung und Geschichte der Ahmadiyya

Die Ahmadiyya-Bewegung ist also nun eine aus dem Islam hervorgegangene Gruppierung. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts in dem damals britischen Indien. In mitten von neuen sich regenden Bildungsbestrebungen und Erneuerungs-bewegungen in verschiedenen Kreisen der Islamwelt entsteht die Gruppierung.[12] In dieser Zeit bestand auf dem indio-pakis-tanischen Kontinent eine christlich-islamische Kontroverse zwischen den islamischen Gelehrten und den christlichen Missionaren. Zwei weitere wichtige Faktoren trugen zur neuen Bewegung bei. Zum einen war es die große innerislamische theologische Diskussion in Indien und da Indien ja britische Kolonie war, herrschte dort Religionsfreiheit.[13] Aus diesen Geschehnissen heraus, konnte Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad die Ahmadiyya-Bewegung gründen. Schon ab 1866 debattierte er mit muslimischen Gelehrten und christlichen Missionaren über den Tod Christi.[14] 1874 erhebt er erstmals den Anspruch Offenbarungen von Gott zu erhalten und erklärt sich zunächst als Reformer des Islams. Durch die Veröffentlichung

und Verbreitung seiner Schriften in „Barāhin-і Ahmadiya“[15] wuchs die Zahl seiner Anhänger. In dem Gründungsjahr der Ahmadiyya-Bewegung verkündigte er öffentlich das er von Gott Offenbarungen erhalten habe. Zwei Jahre später bezeichnete er sich erstmals als Messias. Ab diesem Punkt erhob sich auf muslimischer Seite Widerstand gegen ihn, welcher unter Muslimen, Hindus und Christen bis zu seinem Tode 1908 ständig zunahm. Ebenso schien auch sein Verlangen nach Anerkennung und Gefolgschaft zu steigen. Er behauptete, Vorherwissen zu besitzen und Wunder zu vollbringen. Unter diesen Wundern sollen auch Totenauferweckungen und Verursachung von Todesfällen durch sein Gebet gehört haben. Ab 1904 behauptete er ein Avatar[16] von Krishna, sowie der zur Erde wiedergekehrte Jesus, der Mahdi, und eine Wieder-erscheinung Muhammads zu sein.[17]

Schließlich bezeichnete er sich auch als einen Propheten. Dies war eine Behauptung, welche eine der wichtigsten Überzeugungen im Glauben der Muslime untergräbt, wonach Muhammad der letzte Prophet war. Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad vertrat die Meinung das Muhammad zwar der letzte gesetzgebende Prophet war, es allerdings weiterhin Propheten aus der Muslimgemeinschaft geben werde. Dadurch und durch die Aussage das alle die sich seiner Bewegung gegenüber feindlich verhielten Ungläubige waren, geriet die Ahmadiyya-Bewegung mehr und mehr in die Isolation. Nach dem Tod Ahmads 1908 entbrannte unter den Anhängern Ahmads die Diskussion um die Nachfolge. Bis es schließlich 1914 zur Teilung der Ahmadiyya-Bewegung führte.[18]

2.3. Die Teilung der Ahmadiyya

Wie gesagt, entstand nach dem Tod Ahmads die Diskussion um die Nachfolge. Sie stritten sich darum, ob die Organisation als Ganzes oder eine einzelne Person als Nachfolger eingesetzt werden sollte. Eine kleinere Gruppe wollte keine einzelne Person als Nachfolger anerkennen, sondern die Leitung der Organisation übertragen. Sie distanzierten sich von Ahmads Anspruch als Prophet und sahen in Ahmad lediglich einen Reformer und Erneuerer. Diese kleine Gruppe zog sich nach Lahore zurück und wird als Lahore-Gruppe bezeichnet.

Die größere Gruppe siedelte sich in der Stadt Quādiyān an. Sie betrachteten ihren Gründer Hazrat Mirzā Ġhulām Ahmad weiterhin als Propheten. So wählten sie dessen Sohn Mirzā Bašir ad-Dīn Mahmūd Ahmad zum zweiten Kalifen. Nach der Teilung Indiens 1947 siedelte die Quādiyān-Gruppe nach Pakistan um. Später verlegten sie ihren Sitz noch einmal, aufgrund von heftigen Verfolgungen, nach London.[19]

2.4. Ziele und Lehre der Ahmadiyya

Die Ahmadiyya unterscheidet sich zunächst kaum vom traditionellen Islam. Sich selbst bezeichnet die Ahmadiyya-Bewegung als tolerante und friedfertige Reformgemeinde.[20] Sie sieht sich also als Reformbewegung, welche den Islam von falschen Interpretationen reinigen will, d.h. den Urislam im Sinne von Mohammad wieder herzustellen.[21] Der Gründer war der Meinung das der Islam durch Korruption, unzulässige

[...]


[1] Vgl. Ahmad, Sheikh Nasir: Ahmadiyya, eine Bewegung des Islams, Frankfurt/Main, Verlag der Islam 1993, S. 14

[2] Die Ahl-i-Hadit haben sich gegen die Verpflichtung gegen die Kolonialmacht einen Befreiungskrieg zu führen, ausgesprochen.

[3] Vgl. Ahmed, Munir, D.: Die Religionen der Menschheit, Band 25, Der Islam, islamische Kultur, zeitge- nössische Strömungen, Volksfrömmigkeit, Stuttgart (u. a.), Kohlhammer, 1990, S. 416

[4] Vgl. Ahmad, Sheikh Nasir: Ahmadiyya, eine Bewegung des Islams, Frankfurt/Main, Verlag der Islam, 1993, S. 15 f.

[5] Vgl. Ahmed, Munir D.: Die Religionen der Menschheit, Band 25, Der Islam, islamische Kultur, zeitge- nössische Strömungen, Volksfrömmigkeit, Stuttgart (u. a.), Kohlhammer, 1990, S. 417 f.

[6] Vgl. Ahmad, Sheikh Nasir: Ahmadiyya, eine Bewegung des Islams, Frankfurt/Main, Verlag der Islam, 1993, S. 14 f.

[7] eine wissenschaftliche Rechtfertigung von religiösen Lehrsätzen

[8] Muhaddit und Mugaddid haben beide die Bedeutung eines Erneuerers oder neuer Überlieferer

[9] Wörtlich: „der unter göttlicher Leitung Stehende“, „der Geführte“

[10] Vgl. Ahmed, Munir D.: Die Religionen der Menschheit, Band 25, Der Islam, islamische Kultur, zeitge- nössische Strömungen, Volksfrömmigkeit, Stuttgart (u. a.), Kohlhammer, 1990, S. 417 ff.

[11] Vgl. Ahmed, Munir D.: Die Religionen der Menschheit, Band 25, Der Islam, islamische Kultur, zeitge- nössische Strömungen, Volksfrömmigkeit, Stuttgart (u. a.), Kohlhammer, 1990, S. 417 ff.

[12] Goldziher, Ignaz: Vorlesungen über den Islam, 2.Aufl., Heidelberg, Carl Winter Universitätsverlag, 1963, S. 291

[13] Vgl. Ahmed, Munir D.: Die Religionen der Menschheit, Stuttgart, Kohlhammer, 1990, S. 415

[14] Vgl. Schirrmacher, Christine: Der Islam 2: Geschichte, Lehre, Unterschiede zum Christentum, Band2, Neuhausen/Stuttgart, Hänssler-Verlag, 1983, S. 87

[15] „Beweise der Ahmadiyya“

[16] eine Herabsteigung

[17] Vgl. Schirrmacher, Christine: Der Islam 2: Geschichte, Lehre, Unterschiede zum Christentum, Band 2, Neuhausen/Stuttgart, Hänssler-Verlag, 1994

[18] Vgl. Heimbach, Marfa: Die Entwicklung der islamischen Gemeinschaft in Deutschland seit 1961, Band 242, Islamische Untersuchungen, Berlin, Klaus Schwarz-Verlag, 2001, S. 36

[19] Vgl. Heimbach, Marfa: Die Entwicklung der islamischen Gemeinschaft in Deutschland seit 1961, Band 242, Islamkundliche Untersuchungen, Berlin, Klaus Schwarz-Verlag, 2001, S. 36

[20] Vgl. www.ahmadiyya.de/islam/artikel/was_ist_ahmadiyyat.html, Stand 19.04.2004

[21] Vgl. Ahmed, Munir D.: Die Religionen der Menschheit, Band 25, Der Islam, islamische Kultur, zeitge- nössische Strömungen, Volksfrömmigkeit, Stuttgart (u. a.), Kohlhammer, 1990, S. 420 ff.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Ahmadiyya, eine Sonderform des Islams
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in den Islam
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V28936
ISBN (eBook)
9783638305808
ISBN (Buch)
9783638679855
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ahmadiyya, Sonderform, Islams, Einführung, Islam
Arbeit zitieren
Kathrin Weiß (Autor), 2004, Ahmadiyya, eine Sonderform des Islams, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28936

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