Seit Ende des zweiten Weltkrieges hat die BRD eine enorm ethnisch-kulturelle Pluralisierung der Bevölkerung erfahren. Deutschland zählt seitdem zu den Industrieländern, die die höchste Einwanderungsquote aufweisen. Während der 60er Jahre wurden ArbeiterInnen aus den süd- und südosteuropäischen Ländern von der BRD angeworben. Die Politik, Gesellschaft sowie auch Institutionen sahen über die Herausforderungen, die durch die Einwanderung der „Gastarbeiter“ entstanden, hinweg. Die GastarbeiterInnen waren zum größten Teil jung, meist ledig oder ließen ihre Familie in der Heimat zurück. Die GastarbeiterInnen, aber auch staatliche Instanzen und Betriebe gingen von einem auf eine absehbare Zeit befristeten Aufenthalt in der BRD aus.1 Da die Anzahl der schulpflichtigen Kinder aus den Gastarbeiter-Familien nicht groß war, sah die Schulverwaltung noch keine Notwendigkeit besonderer Maßnahmen für die Integration dieser Kinder in der Schule. Erst zu Beginn der 70er Jahre wurde das Problem seitens der Wissenschaft reflektiert.2 In meiner Hausarbeit möchte ich den Schwerpunkt auf die Entwicklung von der Ausländerpädagogik hin zur interkulturellen Pädagogik legen. Zunächst werde ich die Gründe dieser Entwicklung näher betrachten und anschließend sowohl die Merkmale der Ausländerpädagogik als auch die der interkulturellen Pädagogik beschreiben. Zuletzt präsentiere ich Beispiele von verschiedenen Autoren wie und ob die interkulturelle Erziehung heute verwirklicht wird. Anbei möchte ich hinzufügen, dass ich in der Hausarbeit die neue Rechtschreibregelung anwende und zur Vereinfachung die männliche und weibliche Form bei Personen immer mit dem Anhängsel „-Innen“ zusammenfasse. Beispielsweise verbinde ich „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ zu dem einen Begriff „GastarbeiterInnen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Erziehung
2.1 Drei Phasen der Theoriebildung
3. Die Ausländerpädagogik
3.1 Zielsetzungen der Bildungskonzepte
3.2 Muddling Through
3.3 Kritik an der Ausländerpädagogik
4. Die interkulturelle Pädagogik
4.1 Zielsetzungen der interkulturellen Erziehung
4.2 Grundprinzipien der interkulturellen Erziehung im Elementarbereich
5. Praxisbeispiele
5.1 Beispielhafte Ansätze für interkulturelle Erziehung
5.2 Geringe Realisierung interkultureller Aspekte in der Schule
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und theoretischen Wandel von der kompensatorischen Ausländerpädagogik hin zur heutigen interkulturellen Erziehung, wobei ein besonderer Fokus auf den praktischen Herausforderungen im deutschen Schulsystem liegt.
- Historische Entwicklung der Ausländerpädagogik
- Theoretische Phasen der interkulturellen Pädagogik
- Ziele und Grundprinzipien interkultureller Erziehung
- Praktische Umsetzung in Grundschulen
- Kritische Analyse der schulischen Realisierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Muddling Through
„Ausländerpädagogik“ ist eine Einheitsvorstellung für eine Vielzahl von schulischen Praktiken, die auf eine neue und als problematisch wahrgenommene Klientel reagierte. Es musste auf die Migrantenkinder reagiert werden, man musste pädagogische Maßnahmen treffen. Es fehlte allerdings an Erfahrung und dennoch musste schnell reagiert werden. Daher wählte die Ausländerpädagogik „administrativ- organisatorische Ad- hoc Lösungen. Ein Hindernis, richtig auf die Migrantenkinder eingehen zu können, waren die widersprüchlichen Vorgaben seitens der Politik, die zum einen die soziale Integration als auch die Rückkehroption gewährleisten wollte, denn es galt das Gastarbeiter- und Rotationsmodell.
In Anbetracht dieser Tatsache kann man die Ausländerpädagogik mit der organisationssoziologisch anerkannten Strategie, der Praxis des „muddling through“ (dt.: Durchwursteln) beschreiben, die in Situationen, in denen die Perspektive ungewiss ist und die Ziele sich häufig ändern oder gar widersprüchlich sind, Erfolg verspricht. Es war notwendig, diese Strategie anzuwenden, da die Anwerbe- und Ausländerpolitik auf der einen Seite die Rotation der Gastarbeiter oder aber auf der anderen Seite die vollständige Assimilation erwartete. Die Familien und Kinder der ausländischen Arbeiter waren in dieser Politik allerdings nicht oder zu wenig bedacht worden, sodass man nun mit einer unerwarteten Situation umgehen musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Einwanderungssituation in der BRD und definiert das Ziel, die Entwicklung von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Pädagogik nachzuzeichnen.
2. Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Erziehung: Dieses Kapitel strukturiert den Wandel der Pädagogik durch eine von W. Nieke entwickelte Drei-Phasen-Theorie der Theoriebildung.
3. Die Ausländerpädagogik: Hier werden die Zielsetzungen der frühen Bildungskonzepte sowie das als „Muddling Through“ bezeichnete methodische Vorgehen und dessen Kritikpunkte analysiert.
4. Die interkulturelle Pädagogik: Das Kapitel definiert die Ziele der interkulturellen Erziehung im Kontrast zur alten Ausländerpädagogik und benennt Kernkompetenzen für den Elementarbereich.
5. Praxisbeispiele: Abschließend wird die Umsetzung anhand einer konkreten Grundschule beleuchtet sowie ein Forschungsprojekt zu den Schwierigkeiten von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem vorgestellt.
Schlüsselwörter
Ausländerpädagogik, interkulturelle Erziehung, Migrantenkinder, Integration, Bildungskonzepte, Muddling Through, Sprachförderung, Assimilation, Schulerfolg, Multikulturelle Gesellschaft, Grundschule, Identitätsförderung, Elternarbeit, Sozialisation, Pädagogik der Vielfalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem pädagogischen Umgang mit Kindern aus Migrantenfamilien in Deutschland und der historischen Transformation von segregierenden Konzepten hin zu integrativen, interkulturellen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretische Fundierung der Ausländerpädagogik, die Kritik an deren Praxis sowie die Zielsetzungen und Prinzipien einer modernen interkulturellen Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die pädagogische Entwicklung aufzuzeigen und durch Beispiele darzulegen, wie und ob interkulturelle Erziehung im heutigen Schulalltag tatsächlich realisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die sich auf Literaturanalysen und die Zusammenfassung von Forschungsprojekten stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ausländerpädagogik mit ihren drei Phasen, deren kritische Reflexion und die Erörterung der Grundprinzipien interkultureller Pädagogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Ausländerpädagogik, interkulturelle Erziehung, Integration, Assimilation und pädagogische Praxis.
Wie wird das Konzept des „Muddling Through“ in der Pädagogik erklärt?
Es beschreibt eine Strategie des „Durchwurstelns“, bei der angesichts widersprüchlicher politischer Vorgaben und fehlender Erfahrung ad-hoc Lösungen getroffen werden müssen, um auf eine unerwartete Situation zu reagieren.
Welche Ergebnisse lieferte das Forschungsprojekt von Dietrich und Abele?
Die Interviews zeigten, dass viele zugewanderte Eltern das deutsche Schulsystem als wenig sensibel empfinden und ihre Kinder unter der Doppelbelastung von Regelunterricht und muttersprachlichem Ergänzungsunterricht leiden.
- Quote paper
- Susanne Kucharski (Author), 2003, Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Erziehung. Entwicklung, Darstellung und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28937