Computereinsatz - Ausgewählte Übungen der Lernwerkstatt im ersten Schuljahr


Examensarbeit, 2003
56 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen zum besseren Verständnis des Computereinsatzes in der Grundschule
2.1 Veränderte Kindheit – Medienkindheit: Begründung für den Einsatz Neuer Medien
2.2 Die Position der Richtlinien, Lehrpläne und des Rahmenkonzeptes zum Computereinsatz in der Grundschule
2.3 Der Computer als Lernwerkzeug in der Grundschule
2.4 Die Medienecke im Klassenraum
2.5 Software für die Medienecke - Klassifizierung von Lernsoftware
2.5.1 Werkzeuge
2.5.2 Lernumgebungen
2.5.3 Übe- und Trainingsprogramme
2.5.3.1 Üben mit dem Computer
2.5.3.2 Kriterien für die Beurteilung von Lernprogrammen

3. Voraussetzungen für den Einsatz der Lernwerkstatt
3.1 Die Grundschule Elfenhang
3.2 Vorstellung der Lernwerkstatt von Mühlacker
3.3 Die Klasse 1a der Grundschule Elfenhang
3.3.1 Allgemeine Lernvoraussetzungen
3.3.2 Soziale, fachspezifische und arbeitsmethodische Lernvoraussetzungen
3.2.2 Computerkenntnisse als Voraussetzung

4. Ein Konzept zum Einsatz ausgewählter Übungen der Lernwerkstatt von Mühlacker in der Klasse 1a
4.1 Graphische Darstellung
4.2 Zielsetzung des Konzeptes
4.3 Die organisatorische Vorbereitung
4.4 Die Unterrichtssequenzen
4.4.1 Die Rolle der Lehrerin
4.4.2 Die Unterrichtssequenz der Zahlenmauer
4.4.3 Die Unterrichtssequenz der Rechendreiecke

5. Durchführung und Reflexion des Konzeptes
5.1 Die Einführungsphase der Lernwerkstatt
5.2 Die Unterrichtssequenz der Zahlenmauern
5.3 Fazit für die zweite Unterrichtssequenz
5.4 Die Unterrichtssequenz der Rechendreiecke

6. Abschlussreflexion

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

Das Thema „Inwieweit sind ausgewählte Übungen der Lernwerkstatt von Mühlacker im ersten Schuljahr einsetzbar?“ impliziert schon den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Inwieweit…..

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Grundlagen zum besseren Verständnis des Computereinsatzes in der Grundschule

2.1 Veränderte Kindheit – Medienkindheit: Begründung für den Einsatz Neuer Medien

„Erfahrung aus zweiter Hand“, „Fernsehgeneration“ oder „Mediatisierung[1] der Kindheit“ sind Schlagwörter, die uns zeigen, dass das Aufwachsen von Kindern heute in umfassender Weise von Medien geprägt wird.[2] Computer gehören zum Berufsalltag. Die Zahl der Haushalte, die Multimedia und Internet nutzen wächst tagtäglich. So wachsen Kinder selbstverständlich mit Computer, Fernseher und neuen Kommunikationstechnologien auf. Durch diese Medien wird das Kind quasi zum passiven Konsumverhalten gezwungen, indem Eigentätigkeit häufig bei Seite geschoben wird. Das Medium Fernseher, aber auch Computersoftware führt dazu, dass die Art und Weise der Aneignung von Realität radikal umgeformt wird.[3] Kinder machen keine Primärerfahrungen mehr. Sie erhalten „Wirklichkeit aus zweiter Hand“, in Form eines bearbeiteten, vorselektierten Ausschnitts der Wirklichkeit. Problematisch wird es immer dann, wenn Kinder diese „grandiose Täuschung“ [4] der Medienbeiträge nicht mehr erkennen. Genau hier muss eine qualifizierte Medienerziehung ansetzen.

Die Grundschule leistet in dieser Beziehung „eine Orientierungshilfe zur kritischen Einschätzung der Medien und der durch sie vermittelten Inhalte“ und trägt dazu bei, „dass die Kinder Medieninhalte sinnvoll nutzen lernen“ (Richtlinien 1985, S. 9). Medieninhalte sinnvoll nutzen lernen ist Teil einer angestrebten Medienkompetenz, die auch schon in der Grundschule angebahnt und entwickelt werden kann. Medienkompetenz bedeutet:

Kompetenz im Umgang mit Medien

- bei der praktischen Arbeit (Funktionen der Medien kennen lernen, Bedienung lernen)
- bei der inhaltlichen Arbeit (Sprache der Medien verstehen lernen, Medien zum Lernen nutzen, Inhalte einschätzen lernen: wahr?, warum?, wie wirkt das?)
- bei der kreativen Arbeit (selbst etwas erstellen, eigene Projekte herstellen und verbreiten)[5]

Die Schule muss die Rolle der Medien im Leben der Kinder berücksichtigen, wenn sie ihre Lebenswirklichkeit im Unterricht mit einbeziehen will.[6]

Ein weiteres Argument für den Einsatz neuer Medien schon in der Grundschule ist, dass Kinder viel vorbehaltloser, neugieriger und weniger ängstlich im Umgang mit neuen Medien als Erwachsene sind. Sie lernen viel leichter, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Medienkompetenz zu den selbstverständlichen Schlüsselqualifikationen zählt.[7] Schule sollte sich das zu Nutze machen, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden will, die Kinder auf das Leben in der Informationsgesellschaft vorzubereiten.[8]

Des Weiteren hat die Grundschule eine noch nicht „ausgelesene“ Schülerschaft. Hier müssen auch die Schüler die Möglichkeit der Nutzung neuer Medien lernen können, für die es zu Hause finanziell, sozial oder aus anderen Gründen nicht möglich ist.[9] „Den Umgang mit dem Computer in die weiterführenden Schulen zu verlagern hätte zur Folge, dass die Lernerfahrungen und die Kompetenzen bis dahin noch weiter auseinanderdriften würden.“[10]

Es wird ersichtlich, dass Kinder heute mehr als früher die Wirklichkeit aus den Medien empfangen. Auf diese Situation muss die Schule reagieren, indem sie die Medien zum Unterrichtsgegenstand macht und eine Medienkompetenz anbahnt.

2.2 Die Position der Richtlinien, Lehrpläne und des Rahmenkonzeptes zum Computereinsatz in der Grundschule

Das „Rahmenkonzept zur kommunikations- und informationstechnischen Bildung“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsforschung und Forschungsförderung (BLK) von 1987 ist bis heute noch aktuell, wurde jedoch im Jahr 1995 durch den Orientierungsrahmen „Medienerziehung in der Schule“ ergänzt. In den Vorgaben von 1985 wurde die Grundschule weitestgehend ausgeschlossen. Hier heißt es: „In den meisten Ländern der Bundesrepublik Deutschland ist bisher eine Festlegung dahingehend getroffen, dass die Grundschule zumindest vorerst von einer systematischen Einführung in die informationstechnische Bildung ausgenommen werden soll.“[11]

Die meisten Grundschulen richteten sich nach diesen Vorgaben und so blieb der Computer den Grundschulen fern. Das erste Symposium zum „Computereinsatz in der Grundschule“ in NRW fand 1989 in Soest statt. Ab diesem Zeitpunkt wurde sich dem Thema geöffnet. 1995 erweiterte die BLK ihr Konzept. „In diesen Empfehlungen wird auf die Durchdringung der Lebenswelt der Kinder mit elektronischen Medien und deren Einfluss auf ihr Aufwachsen aufmerksam gemacht“[12]

Auch das Ministerium fordert den Beginn des Lernens mit neuen Medien in der Grundschule: „Das nordrhein-westfälische Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung (MSWWF) hat am 3. März 1999 eine Initiative zur Ausstattung der Grundschulen mit Computern angekündigt und fordert so die Notwendigkeit, das Lernen mit Neuen Medien auch in den Grundschulen zum Thema zu machen.“[13]

In den derzeit gültigen Richtlinien und Lehrplänen des Landes NRW lassen sich vereinzelt Stellen finden, in denen das Thema Medien bzw. Computer angesprochen wird:

Die Grundschule erklärt in den Richtlinien 1985, dass sie ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag nur erfülle, „wenn sie ihre Schülerinnen und Schüler als Kinder ernst nimmt und ihre jeweiligen Lebensbedingungen berücksichtigt.“[14] Hiermit wird ersichtlich, dass die Schule den Computer als ein zeitgemäßes Medium nicht einfach ignorieren kann, sondern ihn als einen Teil der Lebenswirklichkeit der Kinder akzeptieren muss und ihn im Unterricht integrieren sollte.

Weiter wird der Einfluss der Medien auf die Kinder vermerkt. „Ein großer Teil der Wirklichkeit wird ihnen durch Medien vermittelt, besonders durch das Fernsehen.(…) Zugleich muss sie (die Grundschule) Orientierungshilfe zur kritischen Einschätzung der Medien und der durch sie vermittelten Gehalte geben und so dazu beitragen, dass die Kinder die Medienangebote sinnvoll nutzen lernen“[15] Auch hier hat sich die Grundschule die Aufgabe gestellt, als Orientierung zu fungieren. Speziell auf den Computer wird jedoch nicht eingegangen.

Die einzig explizite Erwähnung findet der Computer im Lehrplan Mathematik[16]: „Im Bereich Mathematik finden elektronische informationsverarbeitende Medien als Problemlösungsinstrumente und vielseitig einsetzbare Werkzeuge in zunehmendem Maße Verwendung.(…) In der Grundschule können sie dann verwendet werden, wenn bei ihrem Einsatz die didaktischen Prinzipien des Mathematikunterrichts beachtet werden. Die Kinder können so im Unterricht erste Erfahrungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und –grenzen dieser Medien machen.“[17] Neben den didaktischen Leitprinzipien des entdeckenden und sozialen Lernens sind für diese Arbeit die Prinzipien der Anwendungs- und Strukturorientierung, das Prinzip der (natürlichen) Differenzierung sowie des produktiven Übens von zentraler Bedeutung.

Das Zitat aus dem Lehrplan Mathematik stützt auch die Forderung des Rahmenkonzepts zur Medienerziehung, „dass die Vermittlung von Medienkompetenz stets durch eine integrative Medienpädagogik vermittelt werden soll. D.h., es soll kein neues Unterrichtsfach geschaffen werden, sondern Medien sind Bestandteil des alltäglichen Unterrichts.“ [18]

Diese Meinung wird auch im neuen Lehrplan Mathematik vertreten, in denen ein neuer Teilbereich zum Thema „Medien“ verfasst wurde. Hier wird ausdrücklich auf die Informations- und Kommunikationstechnologien verwiesen, die wie traditionelle Medien gleichzeitig Hilfsmittel des Lernens und Gegenstand des Unterrichts sind.[19]

2.3 Der Computer als Lernwerkzeug in der Grundschule

Der Einsatz des Computers im Unterricht kann nach zwei Gesichtspunkten unterteilt werden:

1. Der Computer selbst kann zum Lerngegenstand werden. Das Kind lernt etwas über den Computer.
2. Der Computer wird zum Werkzeug. Das Kind lernt mit Hilfe des Computers.[20]

Im ersten Fall wird der Computer selbst ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Unterrichtsthemen können z.B. die technischen Grundlagen des Computers, das Erlernen verschiedener Anwendungsprogramme oder auch der Erwerb von Programmierkenntnissen sein.[21]

Im zweiten Fall wird der Computer zur Unterstützung von Lernprozessen verwendet. Hierbei kann es sich um die Vermittlung einfacher Fakten (z.B. Hauptstädte), komplexer Sachverhalte (z.B. das Ökosystem eines Binnensees) oder praktischer Fertigkeiten (z.B. Lesen, Schreiben, Rechen) handeln.[22]

Unabhängig des „Lernens über den Computer“ oder des „Lernens mit dem Computer“ muss entschieden werden, wie intensiv das neue Medium in den Unterricht integriert werden soll. Nach HOELSCHER werden drei Stufen unterteilt:

1. Computerangereicherte Unterricht: Der Computer wird nur sporadisch und in einem zeitlich geringen Ausmaß im herkömmlichen Unterricht vorkommen.
2. Computerunterstützter Unterricht: Der Computer wird gezielt in den normalen Unterricht integriert. Hierbei kann es um die individuelle Förderung einzelner Kinder oder aber um den Einsatz des Computers in der ganzen Klasse als zusätzliche Vermittlungsform gehen. (diese Form des Unterrichts ist nur in einer Medienecke zu realisieren)
3. Computergestützter Unterricht: Hier erarbeiten sich ganze Lerngruppen selbstständig mit Hilfe entsprechender Computerprogramme in sich abgeschlossene Stoffgebiete. Gelegentlich wird auf einen begleitenden Unterricht gänzlich verzichtet.[23] (diese Form des Unterrichts ist hauptsächlich in Computerräumen möglich)

Als Einsatzfelder des Computers im Unterricht ergeben sich in neuerer Zeit ausschließlich schülerorientierte Unterrichts- und Sozialformen. WIEDERHOLD nennt folgende Möglichkeiten:

- Wochenplanunterricht
- Freie Arbeit
- projektorientierte Unterrichtsformen
- Übungsphasen in einem binnendifferenzierten Unterricht
- Förderunterricht.[24]

In Übungsphasen und im Förderunterricht werden meist Übungsprogramme eingesetzt, in den offenen Unterrichtsformen überwiegend zieloffene Programme, die den Kindern ihren eigenen Lernweg eröffnen.

Für die ersten „Gehversuche“ mit Computern eignen sich besonders Lernprogramme. Daran schließt sich die Arbeit mit Standardprogrammen (z.B. Word) an. Erst gegen Ende der Grundschulzeit ist es sinnvoll das Internet mit in den Unterricht einzubeziehen.[25]

In vielen Grundschulen existieren immer noch Computerräume, in denen mehrere Computer von bis zu einer ganzen Klassen gleichzeitig genutzt werden können. Im nächsten Kapitel werde ich das alternative Konzept der Medienecke erläutern.

2.4 Die Medienecke im Klassenraum

Eine Medienecke ist ein räumlicher Bereich innerhalb einer Klasse, in dem Alte Medien (Bücher, Kassettenrekorder, etc.) sowie Neue Medien (digitale Medien) zu finden sind. So wird der Computer als eine weitere Ergänzung der Medienecke verstanden - zu einer immer reicheren, aber nie fertigen Lernumgebung. Nach HEYDEN sind Medienecken besonders für offene Unterrichtsformen sinnvoll; sie werden immer dann von Schülern und Schülerinnen in Anspruch genommen, wenn Alte oder Neue Medien eine Hilfe versprechen. Die Kinder werden so angeleitet mit den Medien selbstständig und eigenverantwortlich umzugehen.

2.5 Software für die Medienecke - Klassifizierung von Lernsoftware

Unterrichts- oder Lernsoftware ist ein Sammelbegriff für in ihrer Art recht unterschiedliche Lernprogramme. Schon seit Ende der 60er Jahre wird unterschieden in: Übungsprogramme, tutorielle Programme, Simulationsprogramme, interaktives Programmieren und lerngesteuerte Programme. Seit die Datenbank SODIS[26] Unterrichtssoftware dokumentiert, wurde diese Einteilung auf weitere Typen wie z.B. Werkzeuge zum Schreiben, Rechnen und Kommunizieren sowie themenbezogene Datenbanken ergänzt.[27] Trennscharf können solche Einteilungen allerdings nicht sein, weil sich viele Programme nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen lassen.

Medien erhalten ihre Bedeutung zudem immer erst durch den sinnvollen Einsatz im Unterricht. Aus diesem Grund muss eine vom unterrichtlichen Einsatz ausgehende Klassifizierung als Orientierungshilfe vorgenommen werden.[28] Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung unterscheidet dabei Werkzeuge, Lernumgebungen und Übe - und Trainingsprogramme.[29] Im Weiteren werde ich alle drei Typen von Software kurz vorstellen, da diese Einteilung für die vorliegende Arbeit, sowie grundsätzlich für Unterricht, von besonderer Bedeutung ist.

2.5.1 Werkzeuge

Werkzeuge zum Schreiben, Rechnen, Gestalten und Kommunizieren sind inhaltsneutral und übergeordnet. Diese sind Anwenderprogramme zur Textverarbeitung (z.B. Word), Webgestaltung (z.B. Power Point), Graphikprogramme (z.B. Excel) und Konstruktions- und Rechenwerkzeuge (z.B. Paint, Rechner). „Diese Werkzeuge sollten zu jeder Grundausstattung von Medienecken gehören, da sie in allen Fächern (…) genutzt werden können und ein fachübergreifendes Lernen unterstützen.“[30]

Für Grundschulkinder sind eine einfache Handhabung, eindeutige Symbole auf der Menüleiste und eine einfache und überschaubare Dateiverwaltung von großer Bedeutung.

2.5.2 Lernumgebungen

Lernumgebungen geben den Kindern eine besondere Möglichkeit des Wissenserwerbs. Aus verschiedenen multimedialen Lernumgebungen zu bestimmten Themen können sich Kinder eigenständig Informationen beschaffen, Anregungen einholen, Werke aus der Musik kennen lernen, usw. Ein Beispiel wäre die CD-Rom Löwenzahn.

2.5.3 Übe- und Trainingsprogramme

Übe- und Trainingsprogramme wiederholen und vertiefen bekannte Lerninhalte. Weiter dienen sie dem individuellen Trainieren von Fertigkeiten. Der Computer fungiert hier als Tutor.

2.5.3.1 Üben mit dem Computer

Übung und Wiederholung haben in der Grundschule gemäß den Aussagen der Richtlinien und Lehrpläne von 1985, des Entwurfs von 2002, sowie des Projektes „Mathe 2000“ und verschiedener Autoren der Mathematikdidaktik einen hohen Stellenwert und sind somit unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts.[31]

Lernen und Üben wird in der neueren Didaktik nicht mehr getrennt voneinander gesehen. Üben ist hier keine „nachträgliche“, das neue mathematische Wissen festigende Aktivität, also das bloße Trainieren vorgegebener Fertigkeiten. Vielmehr wird in der aktuellen „Theorie der Übung“[32] diese als integraler Bestandteil eines aktiven Lernprozesses gesehen und mit dem Begriff des produktiven Übens vermerkt. Die Übung steht im Kontext des aktiv-entdeckenden Lernens.[33] Es wird „entdeckend geübt“ und „übend entdeckt“.[34]

Was jedoch bedeutet produktives Üben? Es gibt unstrukturierte und strukturierte Übungsserien. Bei unstrukturierten Übungen (z.B. “graue Päckchen“) steht jede Aufgabe für sich allein, wird isoliert von den anderen berechnet. Bei strukturierten Übungen stehen die einzelnen Übungen in einer Beziehung zueinander –eine Beziehung, die man entdecken kann.[35]

Des Weiteren gibt es drei Arten der Strukturierung. „Wittmann/Müller (1992) unterscheiden zwischen problem-, operativ- oder sachstrukturierten Aufgaben.“ [36]

Dabei können mathematische Sachverhalte auf verschiedenen Ebenen dargestellt werden:

- in Handlungen (enaktive Ebene)
- in Bildern (ikonische Ebene)
- in Symbolen (symbolische Ebene)

Wenn sich die Lösung einer Übung auf Handlungen mit Material oder auf bildliche Darstellungen stützt, spricht man vom gestützten Üben. Werden die Übungen auf der symbolischen Ebene erarbeitet, spricht man vom formalen Üben.

„Beim produktiven Üben sind alle Formen des Übens integriert: Vom gestützten, strukturierten Üben bis zum rein formalen, unstrukturierten Üben“.[37]

Des Weiteren ist produktives Üben Lernen und Üben in Sinnzusammenhängen. Die Kinder sind herausgefordert eigene Denkleistungen zu erbringen, indem die Lehrerin ganzheitliche, komplexe Lernsituationen, in denen Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus anfallen, schafft. Die Kinder differenzieren dabei selbst (natürliche Differenzierung). Nicht alle Kinder müssen Entdeckungen machen, aber alle haben die Chance dazu.[38]

Der Entwurf des Lehrplans Mathematik 2002 greift das entdeckende Lernen und das produktive Üben als zentrale fachspezifische Lernformen auf. Hier sollen „Übungen möglichst problemorientiert, operativ oder anwendungsbezogen angelegt sein“. [39]

Ferner muss das Üben einen adäquaten Platz innerhalb des Lernprozesses erhalten und durch geeignete Übungsmittel, die auf die Individualität der Kinder abzustimmen ist, Unterstützung erfahren.[40] Es ist eine positive Einstellung der Kinder zum Üben anzustreben, auch wenn diese Anstrengung erfordert.[41]

Ebenso wichtig ist es, die Kinder zu einsichtigem und selbstständigem Üben zu führen. Organisationsformen wie der Wochenplan, die Freie Arbeit oder das Lernen an Stationen bieten besondere Möglichkeiten dafür. Hier kann der Computer als Übungsmedium eine sinnvolle, effektive und produktive Verwendung finden.[42] Durch geeignete Übungsprogramme kann das Förderangebot grundsätzlich erweitert und bereichert werden. Dabei sind computergestützte Übungen nie isoliert, sondern immer im Gesamtkontext eines aktiven Lernkonzeptes und im Zusammenhang mit anderen Arbeits-, Förder- und Lernspielmaterialien zu sehen. Zusammen mit diesen bilden sie ein Angebot, aus dem die Kinder auswählen können.

2.5.3.2 Kriterien für die Beurteilung von Lernprogrammen

Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung nennt acht Kriterien, die bei der Beurteilung von Übungssoftware Berücksichtigung finden sollten. Fünf dieser Kriterien erachte ich für diese Arbeit für besonders sinnvoll und werde sie aus diesem Grund übernehmen. Anhand dieser ausgewählten Kriterien werde ich die Lernwerkstatt im dritten Kapitel untersuchen.

- das Produkt sollte einfach zu bedienen sein
- es sollte eine übersichtliche Oberfläche haben
- unterschiedliche Schwierigkeitsstufen sollten vom Benutzer gewählt werden können
- es sollten lernerbezogene Hilfen und Rückmeldungen gegeben werden (mit Fehleranalyse und Protokollfunktion)

[...]


[1] Durchdringung der Welt mit immer mehr Medien

[2] vgl. Decker, M. 1998, S. 18

[3] vgl. ebd.

[4] ebd.

[5] vgl. Landesinstitut /Lehrerfortbildung NRW 2000, S. 1

[6] vgl. ebd.

[7] vgl. Landesinstitut /Lehrerfortbildung NRW 2000, S. 1

[8] vgl. ebd., S. 1

[9] vgl.ebd., S. 2

[10] ebd. S. 2

[11] Decker 1998, S. 122

[12] vgl. ebd.

[13] Landesinstitut für Schule und Weiterbildung 2000, S.5

[14] ebd., S. 10

[15] MSWF 1985, S.9

[16] Innerhalb der Lehrpläne möchte ich nur auf den Lehrplan Mathematik eingehen, weil die ausgewählten Übungen der Lernwerkstatt aus diesem Bereich gewählt wurden.

[17] MSWF 1985, S. 29

[18] Cottmann, u.a. 2003, S. 3

[19] Landesinstitut für Schule 2002, S. 6

[20] vgl. Hoelscher 1994 , S. 68

[21] vgl. ebd., S. 69

[22] vgl. ebd.

[23] vgl. ebd.

[24] vgl. Decker 1998, S. 165

[25] vgl. Moser, H., IN: Grundschule 1/2003, S. 20

[26] SODIS: Software Dokumentations- und Informationssystem der Beratungsstelle für Neue Technologien in Soest

[27] vgl. Künkel, K. in: Büttner, C. 1999, S. 111

[28] vgl. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung 2000, S. 71

[29] vgl. ebd.

[30] vgl. ebd.

[31] vgl. Arenhövel 1991 IN: Grundschule 1/1991, S. 44

[32] Winter/Wittmann 1992

[33] Krauthausen 2001, S. 110f

[34] vgl. ebd., S. 112

[35] vgl. Szacknys-Kurhofer 2002

[36] ebd.

[37] ebd.

[38] vgl. ebd.

[39] Landesinstitut für Schule 2002, S.4

[40] vgl. Landesinstitut 2002, S. 1

[41] vgl. MSWF 1985, S. 27

[42] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Computereinsatz - Ausgewählte Übungen der Lernwerkstatt im ersten Schuljahr
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
56
Katalognummer
V28959
ISBN (eBook)
9783638306003
ISBN (Buch)
9783656175254
Dateigröße
1506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lernwerkstatt von Mühlacker - Inwieweit sind ausgewählte Übungen der Lernwerkstatt im ersten Schuljahr einsetzbar?
Schlagworte
Computereinsatz, Ausgewählte, Lernwerkstatt, Schuljahr
Arbeit zitieren
Isabelle van Waegeningh (Autor), 2003, Computereinsatz - Ausgewählte Übungen der Lernwerkstatt im ersten Schuljahr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28959

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