Einleitung
In der folgenden Zusammenfassung beziehe ich mich vorrangig auf zwei Texte. Der erste Text, „Qualitative Wissensdiagnose- Methodologische Grundlagen“ (Tergan), befasst sich mit dem methodischen, theoriegeleiteten Vorgehen bei der qualitativen Wissensdiagnose. In diesem wird gezeigt, dass, um in Untersuchungen empirisch zu arbeiten, eine Orientierung an entsprechenden Wissenstheorien unbedingt notwendig ist. Tergan fordert ein hypothesengeleitetes Vorgehen, welches es gestattet, die Hypothesen empirisch zu überprüfen und so den wissenstheoretischen Erkenntnisstand zu erweitern. Im zweiten Text, „Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen“ (Kluwe), wird sich eher mit den „praktischen“ Datenerfassungsmethoden befasst. Auch Kluwe verweißt auf die Notwendigkeit von theoriegeleitetem Vorgehen. Das Vorhaben, die Texte zu verbinden, musste ich aus Gründen der Übersichtlichkeit verwerfen, habe aber entsprechende Verweise eingearbeitet. Die angeführten Beispiele habe ich, wenn möglich, nach den Kriterien Anschaulichkeit und dem Erfüllen von theoriegeleitetem Vorgehen ausgewählt. Bestimmte Begriffsklärungen (bspw. die Abgrenzung der Kategorie „qualitative Wissensdiagnose“ zu anderen wissens- diagnostischen Verfahren), waren in den Texten nicht gegeben und mussten aus Platzmangel außen vor bleiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Qualitative Wissensdiagnose- Methodologische Grundlage
2. Gegenstand qualitativer Wissensdiagnose
3. Zielsetzung qualitativer Wissensdiagnose
4. Theoretische Grundlagen qualitativer Wissensdiagnose
5. Methodologische Aspekte des diagnostischen Vorgehens
5.1. Kognitive Aufgabenanalyse
5.2 Auswahl und Anwendung eines Diagnoseverfahrens
5.3 Rekonstruktion der individuellen Wissensrepräsentation
5.4 Beschreibung und Bewertung der individuellen Wissensrepräsentation
5.5. Ein praktisches Beispiel qualitativer Wissensdiagnose
6. Probleme und Perspektiven
Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen
7. Die Methode des lauten Denkens
7.1 Beispiel für die Methode des lauten Denkens
8 Befragen
8.1 Beispiel für die Methode des Befragens
9. Kategorisieren
9.1 Beispiel für die Methode des Kategorisierens
10. Freie Reproduktion
10.1 Beispiel für die Methode der freien Reproduktion
11. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den methodischen Grundlagen der qualitativen Wissensdiagnose auseinander und untersucht verschiedene psychologische Verfahren zur Erhebung und Analyse von menschlichem Wissen. Ziel ist es, die Notwendigkeit theoriegeleiteten Vorgehens bei der Datengewinnung aufzuzeigen und die Anwendbarkeit sowie Grenzen gängiger Diagnosemethoden zu beleuchten.
- Methodologische Grundlagen und theoretische Fundierung der Wissensdiagnose
- Kognitive Aufgabenanalyse und Rekonstruktion von Wissensrepräsentationen
- Methoden der Datenerhebung: Lautes Denken, Befragen, Kategorisieren und freie Reproduktion
- Status- und prozessdiagnostische Ansätze in der psychologischen Forschung
- Vergleich und Bewertung individueller Wissensstrukturen (Laien vs. Experten)
Auszug aus dem Buch
7. Die Methode des lauten Denkens
Beim Einsatz der Methode des lauten Denkens wird ein Proband gebeten, das auszusprechen, was er gerade denkt, während er einer kognitiven Anforderungssituation ausgesetzt ist. Damit sollen Daten über das von dem Probanden aktivierte Wissen und über die Wissensveränderung im Verlauf eines Lern- und Lösungsprozesses gewonnen werden. Die Verbalisierungen des Probanden werden in Protokollen erfasst und stellen eine reichhaltige Datenquelle dar, die einer weiteren Aufbereitung bedarf. Aus den gewonnen Daten können Aussagen abgeleitet werden, die sich sowohl auf qualitative als auch auf strukturelle Aspekte des Wissen beziehen.
Ericsson und Simon (1984) legen ihren Annahmen über die Vorgänge beim lauten Denken ein allgemeines Modell der Informationsverarbeitung zugrunde. Darin wird davon ausgegangen, dass jene Inhalte geäußert werden, die sich gerade im Kurzeitgedächtnis befinden. Bei diesen Aussagen handelt es sich um die Information, auf die der Proband gerade achtet und die zur weiteren Verarbeitung im Kurzzeitgedächtnis ansteht. Durch die Aufforderung des Forschers zum lauten Denken wird diese Information also in Form von Verbalaussagen externalisiert. Diese Informationen sind über die sensorischen Kanäle in das Kurzzeitgedächtnis gelangt und sie werden aus dem Langzeitgedächtnis in das Kurzzeitgedächtnis zur weiteren Verarbeitung aufgerufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die zugrundeliegende Literatur von Tergan und Kluwe sowie Erläuterung der Zielsetzung dieser Zusammenfassung.
2. Gegenstand qualitativer Wissensdiagnose: Definition und Erläuterung der zentralen Begriffe wie Wissen und Wissensrepräsentation im Kontext moderner Wissenstheorien.
3. Zielsetzung qualitativer Wissensdiagnose: Analyse der diagnostischen Ziele, insbesondere der Bewertung und Beschreibung qualitativer Aspekte individuellen Wissens.
4. Theoretische Grundlagen qualitativer Wissensdiagnose: Diskussion kognitiver Modelle und Repräsentationssysteme, die als theoretisches Fundament für wissensdiagnostische Untersuchungen dienen.
5. Methodologische Aspekte des diagnostischen Vorgehens: Detaillierte Darstellung des vierstufigen diagnostischen Prozesses, von der Aufgabenanalyse bis zur Bewertung der Ergebnisse.
6. Probleme und Perspektiven: Kritische Reflexion über bestehende Defizite im wissenstheoretischen Erkenntnisstand und die Notwendigkeit besserer Integration von Theorien und Methoden.
7. Die Methode des lauten Denkens: Vorstellung der Methode des lauten Denkens als Instrument zur Externalisierung von kognitiven Prozessen und deren theoretische Einbettung.
8 Befragen: Untersuchung von Befragungsmethoden als off-line Verfahren zur Erhebung von Wissen über Sachverhalte und Fakten.
9. Kategorisieren: Erörterung der Kategorisierung als Methode, um gedächtnistheoretische Schemata bei Problemlösungsprozessen zu identifizieren.
10. Freie Reproduktion: Beschreibung der freien Reproduktion als Verfahren zur Untersuchung der Organisation gespeicherten Wissens.
11. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende persönliche Reflexion über die Problematik der Verbalisierung von Denkvorgängen und den Nutzen der gewählten methodischen Ansätze.
Schlüsselwörter
Qualitative Wissensdiagnose, Wissensrepräsentation, Kognitive Aufgabenanalyse, Lautes Denken, Befragungsmethoden, Deklaratives Wissen, Prozedurales Wissen, Mentale Modelle, Statusdiagnose, Prozessdiagnose, Informationsverarbeitung, Gedächtnisschemata, Wissensaneignung, Empirische Untersuchung, Kategorisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen der qualitativen Wissensdiagnose und psychologischen Methoden zur Datengewinnung über menschliches Wissen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die theoretische Fundierung der Wissensdiagnose, die Analyse von Wissensrepräsentationen und der Vergleich verschiedener Datenerhebungsmethoden wie lautes Denken und Befragen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen psychologischen Wissenstheorien und der praktischen Anwendung diagnostischer Verfahren aufzuzeigen sowie notwendige Kriterien für empirische Untersuchungen zu definieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet das laute Denken, Befragungen, das Kategorisieren von Problemlösungen sowie die freie Reproduktion von Informationen als Methoden der Wissensdiagnose.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen methodologisch-theoretischen Teil zum diagnostischen Vorgehen und einen angewandten Teil, der spezifische psychologische Erhebungsmethoden detailliert beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Wissensrepräsentation, qualitative Wissensdiagnose, kognitive Aufgabenanalyse, Wissensaneignung und kognitive Informationsverarbeitung.
Wie unterscheidet sich die Methode des lauten Denkens von introspektiven Verfahren?
Im Gegensatz zur retrospektiven Introspektion soll das laute Denken zeitnah zum kognitiven Prozess stattfinden, um Reflexionseffekte zu minimieren und die im Kurzzeitgedächtnis aktiven Inhalte zu erfassen.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit eines theoriegeleiteten Vorgehens?
Ohne theoretische Fundierung besteht die Gefahr, dass Datenerhebungsmethoden beliebig eingesetzt werden; eine theoretische Basis ist für die Validität und die spätere Interpretation der Ergebnisse unerlässlich.
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- Arndt Keßner (Author), 2001, Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen und qualitative Wissensdiagnose, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28978