Einführung
1.1 Einführung in das Thema
Die Raumentwicklung in Deutschland wird seit Jahrzehnten durch Suburbanisierung und Siedlungsdispersion in entscheidendem Maße geprägt. Dabei waren es quantitativ seit Anfang der 60er Jahre vor allem Stadt-Umland-Wanderungen der Wohnbevölkerung, die das Umland immer stärker suburbanisierte und verdichtete. Die Wachstumsraten der Städte lagen zwischen 1961 und 1970 bei lediglich 1,1 %, während das Umland Steigerungsraten von bis zu 22,3 % aufwies
(Häußermann 1987: 25). Die Suburbanisierung des Einzelhandels und der Industrie wird dabei als Folgeentwicklung der Bevölkerungs-suburbanisierung interpretiert.
Als Resultat der Dekonzentrationsprozesse können in den Stadtregionen die Ausweitung der Siedlungsfläche, die sozioökonomische Entmischung der Bevölkerung und die Zunahme von
Pendlerbewegungen, ausgelöst durch die räumliche Trennung der Funktionen Wohnen und Arbeiten sowie Versorgen (vgl. Burdack 1998: 26f) ausgemacht werden.
Die dynamische Bevölkerungsbewegungen seit den 60er und 70er Jahren im Umland der Kernstädte wurde in der Fo rschungsliteratur eingehend thematisiert. Entsprechende Gründe für die Bevölkerungsbewegungen aus den Städten in das Umland wurden herausgearbeitet (vgl. hierzu
Burdack 1998: 26 und Heuer 1978: 31). Zu nennen sind hier
- der ökonomische Konzentrationsprozess und die damit einhergehenden Verdichtungsformen mit entsprechenden Konsequenzen hinsichtlich der Umweltqualität in den Städten und Verdrängungsprozessen von Wohnbevölkerung
- gewachsener Wohlstand und gestiegene Einkommen der Haushalte, worauf der Wunsch nach größerem und besser ausgestattetem Wohnraum in entsprechendem Wohnumfeld folgte, der für einen Teil der Bevölkerung in Form von „Einfamilienhäusern im Grünen“ finanzierbar wurde,
- in diesem Zusammenhang ist der (damals) unzureichende und mangelhafte Wohnraumbestand (Altbaubestand) in den Städten anzuführen sowie
- der angestiegene Motorisierungsgrad der Bevölkerung. Mit dem wachsenden Einkommen ging eine zunehmende Motorisierung der Bevölkerung einher, die den Fortzug in das Umland begünstigte. Der Ausbau des ÖPNV und des Straßennetzes trugen ebenfalls hierzu bei.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Problemstellung
2 Erklärungsansätze für Stadt-Umland-Wanderungen
2.1 Makroansätze
2.2 Verhaltenstheoretische Ansätze
2.3 Synthese der Ansätze und Bedeutung für die empirische Untersuchung
2.4 Allgemeine erkenntnisleitende Hypothesen
3 Eine allgemeine Standortbestimmung: Wanderungen in die und aus den Oberzentren seit Ende der 80er Jahre
4 Bevölkerungsentwicklung Duisburgs 1989-1999
4.1 Gesamtentwicklung des Einwohnerbestandes
4.2 Natürliche Bevölkerungsentwicklung
4.3 Wanderungen
4.4 Herkunft und Ziele der Wandernden
4.4.1 Wanderungen nach Strukturmerkmalen
4.5 Einwohnerentwicklung und Wanderungsbilanzen in den Duisburger Stadtbezirken
4.6 Zusammenfassung
4.7 Abgrenzung des Duisburger Umlands
5 Konzeption der Befragung
5.1 Forschungsleitende Hypothesen
5.2 Auswahl des Erhebungsinstruments
5.3 Konzeption des Messinstruments und Operationalisierungen
5.4 Pretests und Durchführung der Befragung
5.5 Grundgesamtheit, Stichprobe und Rücklaufquote
6 Wanderungsmotive ehemaliger Duisburger
6.1 Vorbemerkungen zur Statistischen Analyse des erhobenen Datenmaterials
6.2 Strukturelle Merkmale der fortgezogenen Haushalte
6.2.1 Altersstruktur
6.2.2 Typen fortgezogener Haushalte
6.2.3 Einkommen der Haushalte
6.3 Ziele und Herkunft der Gewanderten
6.3.1 Zielortpräferenzen der Haushalte – Überblick
6.3.2 Zielregion in Abhängigkeit vom Alter
6.3.3 Zielregion in Abhängigkeit vom Haushaltstyp
6.3.4 Haushalte mit Kindern unter 18 in den Zielregionen
6.3.5 Herkunft der Haushalte nach Stadtbezirken
6.3.6 Wanderungsströme aus den Stadtbezirken in die Nachbargemeinden
6.4 Weiterhin bestehende Beziehungen der Haushalte zu Duisburg
6.5 Eigentum und Miete
6.5.1 Suche nach geeignetem Wohnraum in Duisburg
6.5.2 Mieter und Eigentümer in den Zielregionen
6.5.3 Die Bildung von Eigentum nach strukturellen Merkmalen der Haushalte
6.5.4 Bewohnte Haustypen vor und nach dem Umzug
6.6 Motive für den Fortzug
6.6.1 Zufriedenheit mit dem alten und dem neuen Wohnstandort
6.6.2 Das Hauptmotiv für den Fortzug
6.6.3 Weitere Motive für den Fortzug
6.6.4 Hauptmotive nach Herkunftsort
6.6.5 Hauptmotive nach Zielregion
6.6.6 Hauptmotive nach Haushaltstyp
6.6.7 Hauptmotive des Fortzugs der ehemaligen Duisburger Eigentümer
6.6.8 Zusätzliche Motive der Käufer von Wohneigentum
6.7 Bewertung des neuen Wohnortes im Vergleich zu Duisburg
7 Zusammenfassung wesentlicher Untersuchungsergebnisse
7.1 Räumliche Muster und Umfang der Stadt-Umland-Wanderungen im Raum Duisburg, soziostrukturelle Merkmale der Migranten
7.2 Motive des Fortzugs
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die aktuellen Prozesse der Stadt-Umland-Wanderung im Raum Duisburg, um die Beweggründe der abwandernden Haushalte zu identifizieren und stadtplanerische Handlungsempfehlungen zu ermöglichen.
- Analyse der Wanderungsmotive (Wohnung, Umfeld, soziale Faktoren)
- Untersuchung sozioökonomischer Haushaltsmerkmale
- Einfluss der Wohnsituation auf die Abwanderungsentscheidung
- Bedeutung von Wohneigentumsbildung im Umland
- Rolle der Lebenszyklusphasen für die Standortwahl
Auszug aus dem Buch
2.2 Verhaltenstheoretische Ansätze
Die zur Erklärung von Wanderung (bzw. Wohnortwechseln) entwickelten Mikroansätze haben den Akteur und seine Wahrnehmung, Vorstellungen sowie das Verhalten im Blickfeld des Interesses. Einzelne Merkmale der Persönlichkeit werden hierbei als Erklärungsfaktoren angesehen; es handelt sich um eine verhaltenstheoretische Perspektive, die Wünsche, Bedürfnisse, Meinungen und Motive der mobilen Individuen untersucht und interpretiert.
Hiernach analysiert eine Person (oder Haushalt) zunächst den gegenwärtigen „Wohnzustand“ (Ist-Zustand), der sowohl die Wohnung als auch die Wohnumgebung betreffende Aspekte beinhaltet. Neben diesen Aspekten können jedoch auch Faktoren von Bedeutung sein, die nicht in Zusammenhang mit der Wohnung oder dem Wohnumfeld stehen. Vor allem sind hier die Bereiche Ausbildung – Arbeit, Freizeit und das Familienleben anzuführen. Als Messlatte gelten jeweils die aktuellen bzw. zukünftigen Wohnbedürfnisse der jeweiligen Person.
Geht man von einem Wohngleichgewicht, also einem Zustand ausreichender Befriedigung der Wohnbedürfnisse aus, so stellt sich bei negativer Bewertung der Wohnsituation bzw. bei mangelnder Bedürfnisbefriedigung ein Ungleichgewicht ein, was sich schließlich in Wohnunzufriedenheit äußert und impliziert die Vorstellung von einem Soll-Zustand, der den Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Grundsätzlich hat der Akteur mehrere Möglichkeiten, dieser Unzufriedenheit zu begegnen und einen akzeptablen (Soll-) Zustand herzustellen. Zu nennen sind hier vor allem:
- die Herabsetzung des Ziel- und Bedürfnisniveaus,
- die Möglichkeit, negativen Faktoren entgegenzuwirken und
- die Realisierung eines Wohnortwechsels.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Thema Suburbanisierung und Darstellung der aktuellen Relevanz von Stadt-Umland-Wanderungen.
2 Erklärungsansätze für Stadt-Umland-Wanderungen: Theoretische Fundierung durch Gegenüberstellung von Makro- und Mikroansätzen sowie Ableitung erkenntnisleitender Hypothesen.
3 Eine allgemeine Standortbestimmung: Wanderungen in die und aus den Oberzentren seit Ende der 80er Jahre: Überblick über bundesweite Wanderungstrends und die aktuelle Bedeutung des Stadt-Umland-Phänomens.
4 Bevölkerungsentwicklung Duisburgs 1989-1999: Analyse der demografischen Daten und Wanderungssalden im Untersuchungsgebiet Duisburg.
5 Konzeption der Befragung: Methodische Erläuterung der Primärdatenerhebung und Definition der Variablen und Hypothesen.
6 Wanderungsmotive ehemaliger Duisburger: Detaillierte statistische Auswertung der Befragungsergebnisse zu Motiven, Strukturen und Zielorten.
7 Zusammenfassung wesentlicher Untersuchungsergebnisse: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zur soziostrukturellen Selektivität der Wanderungen.
Schlüsselwörter
Stadt-Umland-Wanderung, Suburbanisierung, Wanderungsmotive, Wohnmobilität, Duisburg, Demografie, Haushaltstypen, Lebenszyklus, Wohneigentum, Wohnzufriedenheit, Mikroansätze, Bevölkerungsentwicklung, Standortwahl, Erhebungsdesign, empirische Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Prozesse und insbesondere die Hintergründe der Abwanderung von Einwohnern aus der Kernstadt Duisburg in das Umland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Wanderungsmotiven, der sozioökonomischen Struktur der abwandernden Haushalte und den stadtplanerischen Konsequenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die individuellen Entscheidungsgründe für den Umzug zu verstehen und aufzuzeigen, welche Rolle dabei wohnungsbezogene und wohnumfeldbezogene Faktoren spielen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine retrospektive Befragung der fortgezogenen Haushalte mittels computerunterstützter Telefoninterviews (CATI) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung, eine statistische Analyse der Bevölkerungsdaten und eine detaillierte Auswertung der erhobenen Motiv- und Haushaltsdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Suburbanisierung, Wanderungsmotive, Wohnmobilität, Duisburg und Wohneigentumsbildung.
Welche Rolle spielt die Bildung von Wohneigentum für die Abwanderung?
Die Studie zeigt, dass der Wunsch nach Wohneigentum ein zentrales Motiv ist, wobei die preislichen Vorteile im Umland gegenüber der Kernstadt eine entscheidende Rolle spielen.
Wie bewerten die Fortgezogenen ihren neuen Wohnort im Vergleich zu Duisburg?
Die Mehrheit berichtet von einer Steigerung der Wohnzufriedenheit, insbesondere durch eine ruhigere Umgebung und eine bessere Eignung für Familien, trotz teilweise weiterer Arbeitswege.
- Quote paper
- Markus Jeschke (Author), 2001, Prozesse und Motive von Stadt-Umland-Wanderungen untersucht am Beispiel von Duisburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/290