In der vorliegenden Arbeit soll jedoch eine ökopsychologische Perspektive der Spielforschung dargestellt und diskutiert werden, die in der Literatur bislang selten zu finden ist. Im Spiel wird nämlich auch die Fähigkeit sichtbar, sich nicht nur von der Wirklichkeit vereinnahmen zu lassen, sondern selbst zu dieser Wirklichkeit Stellung zu nehmen und eigene Spielwirklichkeiten zu entwerfen (Heimlich 2001, S. 60). Der Fokus liegt in dieser Arbeit daher weniger auf dem Einfluss der Umwelt auf das Spiel, viel mehr geht es um jene ökopsychologischen Aspekte des Spiels, die von der Erfahrung und Aneignung der Umwelt durch das Spiel und letztlich von einer interaktiven Auseinandersetzung des spielenden Kindes mit seiner Umwelt gekennzeichnet sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Spieltheorien
2.1 Der entwicklungstheoretische Ansatz von Piaget
2.2 Der handlungstheoretische Ansatz von Oerter
2.3 Ökologische Ansätze: Einsiedler, Schäfer, Heimlich
3 Der Prozess der Umweltaneignung: Entwicklungspsychologie vs. Ökopsychologie
3.1 Umwelterfahrung und Umweltaneignung
3.2 Imitation: Umweltaneignung durch Verinnerlichung
3.3 Spiel als Beitrag zur ökologischen Sozialisation
4 Spiel und Imitation als Auseinandersetzung mit der Umwelt
4.1 Spielumwelt, Spielräume und Spielsituation
4.2 Erfahrung der Umwelt im Spiel
4.2.1 Erfahrung als aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt
4.2.2 Das Erleben im Spiel
4.2.3 Empirisches Beispiel: Spielen mit Wasser
4.3 Aneignung der Umwelt im Spiel
4.3.1 Exploration, Erkundung, Erforschung
4.3.2 Umweltaneignung durch gestalterisches Spiel
4.3.3 Umweltaneignung und -gestaltung mittels Spielzeug
4.3.4 Empirisches Beispiel: Spielen mit Plastilin
5 Spielen und Kreativität
5.1 Der Gestaltungsraum der Fantasie
5.2 Exkurs: Spielen und Erzählen als Verbindung von Innen und Außen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Prozess der kindlichen Umwelterfahrung und Umweltaneignung durch das Spiel und die Imitation aus einer dezidiert ökopsychologischen Perspektive. Dabei wird analysiert, wie Kinder durch aktive Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, den Einsatz von Fantasie und gestalterische Tätigkeit ihre Wirklichkeit konstruieren und sich diese aneignen.
- Die Verbindung von entwicklungspsychologischen und ökopsychologischen Spieltheorien.
- Die Bedeutung von Imitation als Prozess der Umweltaneignung durch Verinnerlichung.
- Die Rolle der Spielumwelt, Spielräume und Spielsituationen für die kindliche Entwicklung.
- Der Einfluss gestalterischer Prozesse und der Spielfantasie auf die Umweltaneignung.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Das Erleben im Spiel
Spielen geht mit einem beträchtlichen Erlebniswert einher, und häufig trägt die eigene Spieltätigkeit zu einer Erlebniserweiterung bei. Die persönliche Bedeutsamkeit der vom Kind erfahrenen Ereignisse und Einflüsse ist dabei nur die eine Seite des Erlebniswertes. Eine weitere, mindestens genauso wichtige Seite ist durch die spielerische Gestaltbarkeit der erlebten Einflüsse (Erfahrungen) gegeben. Der Erlebniswert erschöpft sich also keineswegs in den Erfahrungen bestimmter Ereignisse und Einflüsse. Diese bilden höchstens die Voraussetzungen dafür, das Erlebte spielerisch zu gestalten, also im Spiel konstruktiv auszuleben. Mogel (1994) hat in Feldexperimenten nachgewiesen, dass sich der persönliche Sinn von Erfahrungen vor allem daraus ergibt, was man mit ihnen machen kann. Dabei geht es darum, wie man diese Erfahrungen durch aktives Spielverhalten in Handlung, Ereignisse und Selbstgestaltung umsetzen kann. Mogel (1994) spricht in diesem Zusammenhang von Erlebniserweiterung und meint damit die „kindliche Fähigkeit, den Erlebniswert der gemachten Erfahrungen selbstgestaltend in Spielhandlungen zu transformieren, so dass sie individuell erzeugte Spielereignisse darstellen“ (Mogel 1994, S. 86). In dem Maße, in dem das Kind sein eigenes Selbst in sein Spiel einbringt, werden das weitere Erleben, die weiteren Erfahrungen und der Sinn des Spielgeschehens zu einer Sache des kindlichen Individuums. Das Kind stellt sich auf seine eigene Wirklichkeit ein, indem es sie selbst herstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit führt in die ökopsychologische Perspektive des kindlichen Spiels ein und definiert den Fokus auf die interaktive Aneignung der Umwelt.
2 Spieltheorien: Es werden zentrale theoretische Ansätze, insbesondere von Piaget, Oerter sowie Einsiedler, Schäfer und Heimlich, vorgestellt.
3 Der Prozess der Umweltaneignung: Entwicklungspsychologie vs. Ökopsychologie: Dieses Kapitel verknüpft entwicklungs- und ökopsychologische Erkenntnisse, beleuchtet Imitation als Verinnerlichungsprozess und führt das Modell der ökologischen Sozialisation ein.
4 Spiel und Imitation als Auseinandersetzung mit der Umwelt: Der Hauptteil analysiert die Bedeutung von Spielumwelten, die aktive Erfahrung durch Exploration und Gestaltung sowie die Rolle von Spielzeug anhand empirischer Beispiele.
5 Spielen und Kreativität: Dieses Kapitel thematisiert die Gestaltungskraft der Spielfantasie und die Verbindung zwischen Spielen und Erzählen als Mittel zur Verknüpfung von Innen- und Außenwelt.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit unterstreicht den Wert des Spiels für die kindliche Selbstentfaltung und plädiert für eine Spielförderung, die sich auf die Offenheit der Beziehung zwischen Kind und Umwelt richtet.
Schlüsselwörter
Ökopsychologie, Kinderspiel, Umweltaneignung, Umwelterfahrung, Imitation, Spielumwelt, Spielfantasie, Entwicklungspsychologie, Konstruktionsspiel, Symbolspiel, Gegenstandsbezug, Interaktion, Erlebniserweiterung, ökologische Sozialisation, Gestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökopsychologischen Perspektive auf das kindliche Spiel und untersucht, wie Kinder ihre Umwelt durch spielerische Auseinandersetzung erfahren und sich diese aneignen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Spieltheorien, der Prozess der Umweltaneignung, die Bedeutung von Spielumwelten und Spielzeug sowie die Rolle von Kreativität und Fantasie im Kinderspiel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den interaktiven Charakter des Spiels aufzuzeigen, bei dem das Kind nicht nur auf die Umwelt reagiert, sondern durch aktives Gestalten seine eigene Wirklichkeit konstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Diskussion verschiedener psychologischer Spieltheorien sowie die Analyse empirischer Beispiele aus der Spielforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Bedingungen von Spielumwelten, verschiedene Formen der Erfahrung und Aneignung der Umwelt im Spiel (wie Exploration und Konstruktion) sowie die Rolle der Spielfantasie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ökopsychologie, Umweltaneignung, Spielfantasie, kindliche Entwicklung, Spielumwelt und interaktive Auseinandersetzung.
Was versteht man unter dem Begriff "Oikopoiese" im Kontext des Spiels?
Der Begriff beschreibt den Prozess, dass Kinder ihre Spielsituationen gemeinsam mit anderen im direkten Bezug auf ihre sozial-räumliche und natürliche Umwelt hervorbringen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Symbolspiel und Explorationsspiel?
Während das Symbolspiel primär der Subjektivierung dient und Wirklichkeit an subjektives Wissen assimiliert, ist das Explorationsspiel durch Objektivierung gekennzeichnet und dient der Erkundung der Umwelt.
- Citar trabajo
- Reinhold Stumpf (Autor), 2004, Umwelterfahrung und Umweltaneignung durch spielerische Auseinandersetzung und Imitation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29031