In dieser Arbeit geht es um die innenpolitischen Auswirkungen der Geburt Karls des Kahlen. Vor der Geburt Karls 823 hatte Kaiser Ludwig der Fromme durch die Ordinatio Imperii einen Gesetzestext ´nach dem Willen Gottes´ verabschiedet, in dem festgehalten wurde, wie das Reich nach dem Tod des Kaisers unter seine drei Söhne aus erster Ehe Lothar, Pippin und Ludwig dem Deutschen aufgeteilt werden sollte. Durch die Hochzeit mit Judith und die Geburt Karls des Kahlen stand der Kaiser in einem Zwiespalt zwischen der Einhaltung der Ordinatio Imperii und der Beteiligung Karls an seinem Reich. Dieses Problem löste Ludwig der Fromme, indem er Karl dem Kahlen zwar ein Gebiet zusprach, ihn aber nicht zum König dieses Gebietes ernannte. Somit war die Ordinatio Imperii formell nicht außer Kraft gesetzt. Die Berücksichtigung Karls bei der Reichsverteilung weckte das Misstrauen der Söhne Ludwigs aus erster Ehe und von Teilen des Adels. 830 kam es zu einer Palastrevolution der Großen unter Einbindung der Söhne und der Absetzung des Kaisers. Lothar übernahm die Rolle des Kaisers. Ludwig der Fromme wurde wenig später jedoch wieder von seinen beiden Söhnen Ludwig dem Deutschen und Pippin eingesetzt, da ihr Vater ihnen eine Vergrößerung ihrer Reichsteile versprach und sie eine Einschränkung ihrer Macht durch ihren Bruder Lothar befürchteten. Ein zweites Mal entlud sich der Ärger der Söhne gegenüber ihrem Vater und seiner wechselnden politischen Richtung im Jahr 833. Auf dem Rotfeld bei Colmar lief das Heer Ludwigs des Frommen zu dem seiner Brüder über. Der Kaiser war somit ein weiteres Mal abgesetzt worden, gelangte jedoch wieder mit Hilfe von Pippin und Ludwig dem Deutschen an die Macht. Von 833 bis 840 teilte Ludwig der Fromme sein Reich in den verschiedensten Weisen unter seinen Söhnen, immer mit der Absicht seinen letztgeborenen Sohn Karl den Kahlen so gut wie möglich auszustatten. Dies brachte immer wieder seine Söhne aus erster Ehe, nach dem Tod Pippins auch dessen Sohn Pippin II, und den Adel gegen sich auf. Auf der Wormser Reichsversammlung 839 teilte Kaiser Ludwig, als letzte von ihm beschlossene Teilung, das Reich zwischen Karl und Lothar auf. Ludwig der Deutsche erhielt nur Bayern. Kurz vor seinem Tod übersandte Ludwig der Fromme die Reichsinsignien an seinen Sohn Lothar und erhob ihn damit zum Kaiser. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ludwig und Aquitanien
2.1 Divisio Regnorum und Machtübernahme Ludwigs des Frommen
3 Kaiser des Frankenreichs
3.1 Die Ordinatio Imperii
3.2 Die Hochzeit mit Judith
4 Die Geburt Karl des Kahlen
4.1 Die loyale Palastrevolution 830
4.2 Die Wiedereinsetzung Ludwigs des Frommen
4.3 Die zweite Erhebung der Söhne aus erster Ehe
4.4 Die zweite Wiedereinsetzung Ludwigs des Frommen
4.5 Erweiterung der Gebiete Karls
4.6 Reichsteilung zwischen Lothar und Karl
5 Schluss
6 Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die innenpolitischen Auswirkungen der Geburt Karls des Kahlen im 9. Jahrhundert und analysiert, wie dieses Ereignis die bestehende karolingische Ordnung und das Verhältnis zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen aus erster Ehe nachhaltig destabilisierte.
- Die Spannungen zwischen der ursprünglichen Reichsordnung (Ordinatio Imperii) und den späteren Gebietsansprüchen Karls des Kahlen.
- Die Rolle von Palastrevolutionen und Aufständen der Söhne Ludwigs des Frommen gegen ihren Vater.
- Die wechselhafte politische Instrumentalisierung von Reichsteilungen durch den Kaiser.
- Der Einfluss kirchlicher Kreise und des Adels auf die kaiserliche Erbfolgepolitik.
Auszug aus dem Buch
4 Die Geburt Karl des Kahlen
823 brachte Judith einen Sohn zur Welt, der nach seinem Großvater Karl genannt wurde. Astronomus erwähnt die Geburt des Kaisersohnes, kommentiert sie aber nicht. Nithard berichtet, dass Lothar die Patenschaft für seinen Halbruder übernahm und als dessen Beschützer fungieren sollte. Auch bekräftigte Lothar seinen Vater, Karl mit einem Reichsteil auszustatten. Hugo und Matfried brachten ihn jedoch dazu sein Vorgehen zu bereuen.
Die Ordinatio Imperii wurde weiterhin realisiert. Lothar kehrte 825 aus Italien zurück um seine Stellung als Mitkaiser an der Seite seines Vaters einzunehmen und Ludwig wurde nach Bayern entsandt um dort seine Regierungsgeschäfte aufzunehmen.
Im Jahr 828 setzte Ludwig der Fromme unter anderem die Grafen Hugo und Matfried ab, denen er Versagen in der spanischen Mark vorwarf. Durch die Absetzung Matfrieds verstimmte Ludwig der Fromme diejenigen des fränkischen Reichadels, deren Interessen Matfried am kaiserlichen Hof vertreten hatte. Durch die Entmachtung Hugos verstimmte Ludwig seinen Sohn Lothar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes um die Geburt Karls des Kahlen und die daraus resultierenden Spannungen im karolingischen Herrscherhaus.
2 Ludwig und Aquitanien: Erläuterung der Etablierung Ludwigs des Frommen als Unterkönig in Aquitanien unter Karl dem Großen.
2.1 Divisio Regnorum und Machtübernahme Ludwigs des Frommen: Analyse der Nachfolgeregelung Karls des Großen und der anschließenden Machtübernahme durch Ludwig den Frommen.
3 Kaiser des Frankenreichs: Darstellung der frühen Regierungsjahre Ludwigs des Frommen und der Neubesetzung wichtiger Hofämter.
3.1 Die Ordinatio Imperii: Untersuchung des Gesetzestextes von 817, der die unteilbare Einheit des Reiches unter Lothar festschreiben sollte.
3.2 Die Hochzeit mit Judith: Beschreibung der zweiten Ehe des Kaisers und des politischen Aufstiegs des Adels um Judith.
4 Die Geburt Karl des Kahlen: Analyse der politischen Folgen der Geburt Karls des Kahlen für das Machtgefüge und die Ordinatio Imperii.
4.1 Die loyale Palastrevolution 830: Erörterung des ersten großen Aufstandes gegen die Herrschaft Ludwigs des Frommen und den Einfluss Bernhards von Septimanien.
4.2 Die Wiedereinsetzung Ludwigs des Frommen: Schilderung der Rückkehr des Kaisers an die Macht mit Unterstützung seiner Söhne.
4.3 Die zweite Erhebung der Söhne aus erster Ehe: Analyse der Ursachen für den großen Aufstand von 833 und die Rolle Lothars.
4.4 Die zweite Wiedereinsetzung Ludwigs des Frommen: Darstellung der erneuten Machtrestaurierung des Kaisers nach dem Lügenfeld von Colmar.
4.5 Erweiterung der Gebiete Karls: Untersuchung der fortlaufenden Landverteilung zugunsten Karls des Kahlen und der damit verbundenen Konflikte.
4.6 Reichsteilung zwischen Lothar und Karl: Zusammenfassung der letzten Versuche des Kaisers, das Reich zwischen seinen Söhnen zu ordnen.
5 Schluss: Fazit über das Scheitern der Reichseinheit und den Übergang in die Ära nach dem Vertrag von Verdun.
6 Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Karl der Kahle, Ludwig der Fromme, Karolinger, Reichsteilung, Ordinatio Imperii, Frankenreich, Judith, Lothar, Pippin, Ludwig der Deutsche, Palastrevolution, Erbfolge, Mittelalter, Politik, Quellenforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen, die die Geburt des jüngsten Kaisersohnes Karl des Kahlen auf die innenpolitische Stabilität des Frankenreichs und das Verhältnis zwischen Ludwig dem Frommen und seinen älteren Söhnen hatte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die karolingischen Erbfolgekonflikte, die Bedeutung der Ordinatio Imperii, die Rolle des Adels und der Kirche sowie die dynastischen Spannungen innerhalb der Karolingerfamilie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den kausalen Zusammenhang zwischen der Bevorzugung Karls des Kahlen bei der Gebietsverteilung und den daraus folgenden Palastrevolutionen und Kriegen im 9. Jahrhundert aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen wie den Reichsannalen, den Werken des Astronomus, Nithards Geschichten sowie Thegans Lebensbeschreibung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die die politische Entwicklung von der Machtübernahme Ludwigs des Frommen bis hin zu den finalen Reichsteilungen kurz vor dessen Tod nachzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Karolinger, Reichsteilung, Ordinatio Imperii, Erbfolge und die Namen der beteiligten Herrscher charakterisiert.
Warum war die Ordinatio Imperii von so großer Bedeutung?
Sie stellte einen Versuch dar, die Einheit des Kaiserreiches trotz der traditionellen fränkischen Teilungsbräuche rechtlich zu sichern, wurde jedoch durch den Wunsch des Kaisers, Karl den Kahlen abzusichern, untergraben.
Welche Rolle spielte Judith in den geschilderten Ereignissen?
Als Gemahlin Ludwigs des Frommen und Mutter Karls des Kahlen beeinflusste sie maßgeblich die Erbfolgepolitik des Kaisers, was sie zum zentralen Ziel der Kritik und der Umsturzversuche des Reichsadels und der Söhne aus erster Ehe machte.
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- Fabian Böckler (Author), 2003, Die innenpolitischen Auswirkungen der Geburt Karls des Kahlen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29037