In dieser Arbeit wird die Geschichte des État Indépendant du Congo von seiner Entstehung und Gründung im Jahre 1885 bis zu seiner Übernahme durch den belgischen Staat 1908 dargestellt. Während dieser Zeit war Leopold II., König der Belgier, der unumschränkte Machthaber über die von ihm gegründete Kolonie. Gerade dieses Machtverhältnis weckte mein Interesse am Freistaat Kongo. Leopold II. war die einzige Person, die über eine Privatkolonie verfügte, die zudem um ein vieles größer war als sein eigenes Königreich. Ich möchte klären, wie es Leopold II. möglich war ein derart großes und reiches Gebiet wie den Kongo an sich zu reißen. Deshalb werde ich zunächst auf seine Bemühungen um die Herrschaft über das Kongogebiet bis zu der Gründung seines Kongo- Freistaates eingehen. Anschließend werde ich anhand der Verwaltungsform und Ausbeutungsmethoden die Besonderheit des Leopoldschen Systems erklären und erläutern wieso diese Kolonie seinen Besitzer zu einem der reichsten Männer der Erde machte. Abschließend beschreibe ich die Entstehung der Congo Reform Association und des weltweiten Protests gegen Leopolds Herrschaft über den Kongo, der schließlich die Übertragung der Ein-Mann-Kolonie an den belgischen Staat zur Folge hatte. Ein Hindernis bei der Verwirklichung der Arbeit bildete die unbefriedigende Quellenlage. Gerade in der deutschen Sprache sind die meisten Texte über Leopolds Herrschaft im Kongo in allgemeinen Büchern über den Kolonialismus zu finden und füllen dort auch nur wenige Seiten. Leopolds Herrschaft über den Kongo wird in den Kapiteln zum belgischen Kolonialismus weitestgehend als eine Art Fußnote behandelt. So diente mir das meiner Meinung nach einzige Buch, dass in deutscher Sprache die Geschichte des Kongos unter der Herrschaft Leopolds zusammenhängend erklärt, ´Schatten über dem Kongo – Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen´ von Adam Hochschild1, als wichtigste Quelle. Schon der Titel verrät, dass es mit dem Bewusstsein über die Herrschaft des Königs der Belgier im Kongo nicht weit her ist. Exemplarisch ist der Autor dann auch ein Amerikaner. Im Französischen gibt es zwar einige wenige Werke, die das Thema behandeln, doch sind diese schwer zugänglich. 1 Vgl. Hochschild, Adam: Schatten über dem Kongo, Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen, Stuttgart 2000.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorgeschichte
3 Leopolds Bemühungen um den Kongo
4 Berliner Konferenz 1884
5 Freistaat Kongo
5.1 Die koloniale Trinität
5.1.1 Der Staat
5.1.1.1 Die Force Publique
5.1.2 Die Kirche
5.1.3 Die Wirtschaftsunternehmen
5.2 Ausbeutung und Verbrechen an der Menschheit
5.2.1 Elfenbein
5.2.2 Kautschuk
6 Die Congo Reform Association
7 Das Ende der Herrschaft Leopold II. über den Kongo
8 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte des Freistaats Kongo unter der Herrschaft von König Leopold II. von Belgien zwischen 1885 und 1908. Ziel ist es, die Mechanismen der privaten Machtausübung, die systematische Ausbeutung der lokalen Bevölkerung und den internationalen Prozess zu beleuchten, der schließlich zur Übertragung der Kolonie an den belgischen Staat führte.
- Ursprung und Etablierung des Leopoldschen Herrschaftssystems im Kongobecken
- Die Rolle der sogenannten "kolonialen Trinität" (Staat, Kirche, Wirtschaftsunternehmen)
- Systematische Zwangsarbeit und Gräueltaten bei der Gewinnung von Elfenbein und Kautschuk
- Die Entstehung der internationalen Protestbewegung durch die Congo Reform Association
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Kautschuk
In der Frühphase der Kolonialisierung bestand Leopolds Herrschaft über einen großen Teil des Kongo nur formal.
Dies änderte sich nachdem der Ire John Dunlop den Gummischlauch erfand. 1890 begann die Dunlop Company mit der Herstellung von Gummireifen. Die Industrie entwickelte sehr schnell eine große Nachfrage nach Gummi. Kautschukranken, aus denen Gummi gewonnen wird, bedeckten einen Großteil des Kongo. Es musste nicht investiert werden, nur Arbeitskräfte wurden benötigt. Um den Kautschuk zu sammeln, musste die Ranke mit einem Messer angeritzt und ein Topf zum Auffangen des langsam tröpfelnden Saftes darunter gehängt werden. Waren die Ranken in der Nähe des Dorfes ausgetrocknet, so mussten die Arbeiter immer weiter Fußmärsche auf sich nehmen um neue Ranken zu finden. Um die Männer, die sich gegen diese Arbeit sträubten dennoch zum Kautschuksammeln zu bringen, wurden die Frauen, Kinder und Dorfsältesten als Geiseln genommen bis die geforderte Menge an Kautschuk geliefert wurde. Die Weigerung der Männer, trotzdem kein Kautschuk zu sammeln, hatte oft den Tod der Geiseln zur Folge. Dieser war ohnehin wahrscheinlich, denn die Ernährung der Gefangenen war dürftig und die Haftbedingungen hart. Zudem wurden die Frauen häufig vergewaltigt. Die Sammler, die das Liefersoll nicht erfüllten, wurden mit der chiotte bestraft. Das gesamte System der Sammeltätigkeit unterlag einer militärischen Organisation. Garnisonen der Force Publique waren über das ganze Land verteilt; von ihnen erhielten die staatlich konzessionierten Unternehmen Hilfe. Zudem verfügte jedes Unternehmen über eine eigene Miliz. Die Gesamtgewinne aus dem Kautschukgeschäft des Kongo stiegen zwischen 1890 und 1904 um das 96fache. Um die Jahrhundertwende war der Freistaat Kongo zu der profitabelsten Kolonie Afrikas geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt den zeitlichen Rahmen der Herrschaft Leopold II. und benennt die Problematik der Quellenlage.
2 Vorgeschichte: Dieses Kapitel erläutert den europäischen Wettlauf um Afrika und die wirtschaftlichen Motive des 19. Jahrhunderts.
3 Leopolds Bemühungen um den Kongo: Hier wird beschrieben, wie Leopold II. unter dem Deckmantel humanitärer Ziele diplomatische Netzwerke zur Machtergreifung im Kongo nutzte.
4 Berliner Konferenz 1884: Dieses Kapitel analysiert die internationale Anerkennung Leopolds Herrschaftsanspruchs durch die europäischen Mächte.
5 Freistaat Kongo: Ein umfassendes Kapitel, das die repressive Verwaltungsstruktur, die Rolle der Force Publique und die brutalen Methoden der Rohstoffausbeutung darstellt.
6 Die Congo Reform Association: Der Text beschreibt den Aufbau des internationalen Widerstands und die Rolle der Publizistik bei der Entlarvung des Regimes.
7 Das Ende der Herrschaft Leopold II. über den Kongo: Die Schilderung des politischen Drucks, der 1908 zur Übergabe der Kolonie an den belgischen Staat führte.
8 Schluss: Fazit über den Charakter des Kongos als reines Finanzunternehmen und die Transformation des Ausbeutungssystems.
Schlüsselwörter
Leopold II., Freistaat Kongo, Kolonialismus, Force Publique, Kautschuk, Elfenbein, Congo Reform Association, Edmund Dene Morel, Zwangsarbeit, Berliner Konferenz, Ausbeutung, Belgischer Staat, Zentralafrika, Imperialismus, Menschenrechtsverbrechen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte des Freistaats Kongo unter der privaten Herrschaft von König Leopold II. von Belgien zwischen 1885 und 1908.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Mechanismen der kolonialen Machtergreifung, das System der Zwangsarbeit zur Rohstoffgewinnung und den internationalen Protest gegen diese Praktiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Leopold II. ein riesiges Gebiet zur privaten Kolonie machen konnte und wie er dieses durch ein System der "kolonialen Trinität" zur Gewinnmaximierung ausbeutete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur basiert, um die Zusammenhänge zwischen politischem Handeln und kolonialer Ausbeutung aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gründung des Freistaats, die Rolle von Militär, Kirche und Unternehmen bei der Verwaltung sowie die Auswirkungen des Kautschukbooms auf die kongolesische Bevölkerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Leopold II., Zwangsarbeit, koloniale Trinität, Congo Reform Association und die systemische Ausbeutung des Kongobeckens.
Wie sicherte Leopold II. seinen Anspruch auf das Gebiet diplomatisch ab?
Er nutzte das diplomatische Geschick von Mittelsmännern, taktische Versprechungen einer Freihandelszone sowie die diplomatische Unterstützung durch die USA, Frankreich und Deutschland auf der Berliner Konferenz.
Welche Bedeutung hatte der "Skandal der abgeschlagenen Hände"?
Dieser Skandal wurde zu einem zentralen Beweisstück für die brutalen Methoden der Force Publique und trug maßgeblich zur internationalen Empörung und dem Erfolg der Congo Reform Association bei.
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- Fabian Böckler (Author), 2003, Kongo unter der Herrschaft Leopold II., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29038