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Einlass unter Vorbehalt: Sprachliche Interaktion zwischen Besuchern und Türstehern einer Diskothek

Title: Einlass unter Vorbehalt: Sprachliche Interaktion zwischen Besuchern und Türstehern einer Diskothek

Thesis (M.A.) , 2003 , 135 Pages , Grade: 2

Autor:in: Heike Schmidt (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Die Selbstcharakterisierung dieser Arbeit als der ethnomethodologischen
Konversationsanalyse verpflichtet verweist bereits auf die zugrundeliegende
Forschungstradition im Bereich der Konversationsanalyse. Darüber hinaus wird diese
Arbeit durch beobachtete Eindrücke im ethnographischen Bezugsrahmen gestützt.
Der Begriff der Ethnographie wurde Ende des vergangenen Jahrhunderts
gebräuchlich, um wissenschaftlich motivierte Beschreibungen nichtwestlicher
Kulturen von nichtwissenschaftlichen Reiseberichten abzugrenzen (vgl. Kallmeyer
1995: 16). Die Ethnographie befasst sich mit der
„Beobachtung, Dokumentation, Analyse und Darstellung der Kultur
menschlicher Gruppen, die in ihrer Besonderheit dargestellt werden unter
möglichst genauer Rekonstruktion der jeweiligen Lebensform“ (Kallmeyer
1995: 14).
Als empirisches Programm bedient sich die Ethnographie insbesondere des
klassischen Verfahrens der teilnehmenden Beobachtung, wobei in der
ethnographischen Literatur unterschiedliche Formen der Beobachtung unterschieden
werden1.
Die Ethnographie ist nicht ausschließlich deskriptiv, ihre Beobachtungen führen
selbst schon zu ersten Theorieannahmen, die sich strukturell auf die Beschreibung
auswirken können. Geertz drückt dieses Verständnis in seiner Konzeption der „thick
description“ aus: Er versteht die Disziplin als interpretierende Wissenschaft, die nach
Bedeutungen sucht. (Geertz 1983: 9)
„Sie ist deutend; das, was sie deutet, ist ein Ablauf des sozialen Diskurses; und
das Deuten besteht darin, das „Gesagte“ eines solchen Diskurses dem
vergänglichen Augenblick zu entreißen“ (Geertz 1983: 30) Seit Malinowski, der durch seine Arbeiten in den zwanziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts zum Mitbegründer der modernen Ethnographie wurde, ist es zum
Standard ethnographischen Arbeitens geworden, die Position des Beobachters zum
Untersuchungsgegenstand näher zu beleuchten, damit es möglich ist, den Umfang, in
dem der Ethnograph selbst zur Gegenstandskonstitution beigetragen hat,
nachzuvollziehen (Schmitt 1992:29). (Vgl. zur Stellung der Autorin zu vorliegendem
Untersuchungsfeld: Kapitel 2.1) [...]
1 Vgl. hierzu Spradley (1980), der zwischen „nonparticipation“, „passive participation“, „moderate
participation“, „active participation “ und „complete participation “ unterscheidet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 Forschungsüberblick und theoretische Grundlagen

1.1 Methoden zur Beschreibung sozialer Umwelt: Ethnographie und Konversationsanalyse

1.2 Theoretische Grundlagen

1.2.1 Der Begriff des Institutionalität

1.2.2 Levinsons Konzept des Aktivitätstyps

1.2.3 Der Begriff des Kontextes

1.2.4 Interkulturelle Kommunikation

Kapitel 2 Das Untersuchungsgebiet in der Diskothek Feelings

2.1 Kontakt zum Untersuchungsgegenstand und Datenerhebung

2.2 Der Schauplatz

2.1.1 Die Diskothek

2.1.2 Der Eingangsbereich

2.3 Die Interaktanten

2.2.1 Die Türsteher

2.2.2 Die Einlasssuchenden

2.2.3 Die Institutionalität der Kontaktsituation zwischen Türsteher und Gast

Kapitel 3 Der Aktivitätstyp „Zugangsgespräch an der Diskothekentür“

3.1 Das Zugangsgespräch als Aktivitätstyp

3.1.1 Der sequentielle Ablauf des Aktivitätstyps „Zugangsgespräch“

3.1.2 Möglichkeiten der Erweiterung des Sequenztyps

3.2 Die unproblematische Einlassgewährung

3.3 Einlasssituationen mit Nachfragen des Türpersonals

3.3.1 Die Frage nach dem Ausweis

3.3.1.1 „Wie alt bist du?“ - Kein Einlass wegen Fehlen des Altersnachweises

3.3.1.2 „Die Ausweise bitte“ - Ein Versuch, den Gast kennen zu lernen

3.3.2 „Wie fit bist du noch?“ - Vermuteter Alkoholkonsum als Nachfragegrund

3.4 „Geht nicht“ - Die Einlassverweigerung als Eröffnung der Interaktion

3.5 Zusammenfassung

Kapitel 4 Interkulturelle Kommunikation an der Diskothekentür

4.1 Interkulturelle Kommunikation im institutionellen Kontext

4.2 „Wart ihr schon mal hier?“ - Das Entscheidungsfindungsgespräch zwischen Türstehern und Nicht-Muttersprachlern

4.3 „Geht nicht“ - Die Einlassverweigerung als Eröffnung der Interaktion mit Nicht-Muttersprachlern

4.4 Zusammenfassung

Kapitel 5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die sprachliche Interaktion an der Tür einer Diskothek als eine Form der institutionellen Kommunikation, bei der Türsteher als Gatekeeper fungieren, um das Ziel einer selektiven Einlassregelung zu erreichen und Konflikte zu vermeiden.

  • Institutionelle Kommunikation und Machtasymmetrien zwischen Türstehern und Gästen.
  • Die Funktion des Türstehers als "Gatekeeper" im Kontext von Einlassentscheidungen.
  • Methodische Analyse durch Konversationsanalyse und ethnographische Beobachtungen.
  • Expansion von Zugangsgesprächen durch Informationssuche und Aushandlungsprozesse.
  • Kommunikative Besonderheiten und Missverständnisse bei interkulturellen Kontaktsituationen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Zugangsgespräch als Aktivitätstyp

Als unscharfe Kategorie (vgl. auch Kap. 1.2.2) ermöglicht das Konzept des Aktivitätstyps die Beschreibung von Gesprächen, die in unterschiedlichster Erscheinungsform auftreten - anders als beispielsweise das Gattungskonzept, das von rahmengebenden strukturellen Verfestigungen ausgeht.

Als „focal member“ (Levinson 1992: 62) können die Aktivitätstypen bezeichnet werden, die sich neben einer Zielorientierung der Interaktanten auch durch Beschränkungen hinsichtlich des Settings, in dem sie anzusiedeln sind, und der Beteiligten und ihrer Beteiligungsrollen auszeichnen. Diese Faktoren sind bei dem Zugangsgespräch an der Diskothekentür gegeben. Überdies kann mit diesem Interaktionstyp ein gutes Beispiel für ein durch oftmals konfligierende Ziele der Interaktanten bedingtes Fehlen der Kooperationsbereitschaft zwischen den Gesprächspartnern gegeben werden. Insbesondere nicht-kooperative Situationen sind in Levinsons Konzept von großem Interesse, da bei diesen ein besonderes Augenmerk auf mögliche Inferenzen der Beteiligten gelenkt wird.

Der Aktivitätstyp des Zugangsgesprächs tritt in den verschiedensten Erscheinungsformen auf: Von der rein nonverbalen Handhabung sowohl der Zugangsgewährung als auch (in seltenen Fällen) der Zugangsverweigerung reicht das Spektrum von unproblematischer Einlassgewährung mit Nachfrage über unproblematische Akzeptanz der Ablehnung bis hin zu stark expandierten Diskussionen vor der Diskothekentür.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Türstehers in der Öffentlichkeit und stellt die Forschungsfrage zur sprachlichen Interaktion bei Einlassentscheidungen.

Kapitel 1 Forschungsüberblick und theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel führt in die methodischen Grundlagen der Ethnographie und Konversationsanalyse ein und erläutert zentrale Konzepte wie Institutionalität und Aktivitätstyp.

Kapitel 2 Das Untersuchungsgebiet in der Diskothek Feelings: Hier wird der Schauplatz der Untersuchung, die Diskothek Feelings, beschrieben sowie die Datenerhebung und die beteiligten Akteure, Türsteher und Gäste, charakterisiert.

Kapitel 3 Der Aktivitätstyp „Zugangsgespräch an der Diskothekentür“: Dieses Kapitel analysiert das Zugangsgespräch als Aktivitätstyp, inklusive des sequentiellen Ablaufs, der Einlassgewährung und der verschiedenen Formen der Einlassverweigerung.

Kapitel 4 Interkulturelle Kommunikation an der Diskothekentür: Das Kapitel überträgt die Analyse auf den institutionellen Kontext der interkulturellen Kommunikation und beleuchtet die spezifischen Verständigungsprobleme bei Nicht-Muttersprachlern.

Kapitel 5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Rolle von Machtasymmetrien sowie die Schwierigkeit der Einlassentscheidung für das Türpersonal.

Schlüsselwörter

Konversationsanalyse, Ethnographie, Diskothek, Türsteher, Einlasskontrolle, Institutionelle Kommunikation, Gatekeeping, Machtasymmetrie, Aktivitätstyp, Interkulturelle Kommunikation, Sprachkompetenz, Diskursstrategie, Einlassverweigerung, Konfliktvermeidung, Kontextualisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sprachlichen Interaktionsmuster zwischen Türstehern und Gästen an der Eingangstür einer Diskothek unter konversationsanalytischen Gesichtspunkten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen institutionelle Kommunikation, Machtasymmetrien zwischen professionellen Türstehern und laienhaften Gästen, Einlassrituale und die Rolle der Sprachkompetenz in interkulturellen Kontexten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Einlassentscheidungen sprachlich gestaltet werden, wann Interaktionen expandieren und welche Phasen, Schemata und Wendungen in dieser kommunikativen Situation vorkommen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Konversationsanalyse, eingebettet in einen ethnographischen Bezugsrahmen, um natürliche Gesprächsdaten mikroanalytisch zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Beschreibung des Untersuchungsgebiets, die Analyse des Aktivitätstyps „Zugangsgespräch“ bei deutschsprachigen Gästen und die Analyse der Interaktion mit Nicht-Muttersprachlern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Konversationsanalyse, Gatekeeping, institutionelle Kommunikation, Einlassverweigerung und interkulturelle Kommunikation charakterisiert.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „Du“ und „Sie“ im Diskothekenkontext relevant?

Die Wahl des Anredepronomens dient oft als Kontextualisierungshinweis, wobei die asymmetrische Nutzung durch den Türsteher die Machtasymmetrie unterstreicht und bei Nicht-Muttersprachlern zu Missverständnissen bezüglich des gebotenen Respekts führen kann.

Welche Rolle spielt die „hidden agenda“ bei Einlassentscheidungen?

Die „hidden agenda“ bezeichnet den für Gäste unzugänglichen Kriterienkatalog des Türpersonals, der hinter standardisierten Begründungen verborgen bleibt und zu einer Wissensasymmetrie führt, die für den Gast das Verständnis der Ablehnung erschwert.

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Details

Title
Einlass unter Vorbehalt: Sprachliche Interaktion zwischen Besuchern und Türstehern einer Diskothek
College
University of Freiburg
Grade
2
Author
Heike Schmidt (Author)
Publication Year
2003
Pages
135
Catalog Number
V29148
ISBN (eBook)
9783638307376
Language
German
Tags
Einlass Vorbehalt Sprachliche Interaktion Besuchern Türstehern Diskothek
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heike Schmidt (Author), 2003, Einlass unter Vorbehalt: Sprachliche Interaktion zwischen Besuchern und Türstehern einer Diskothek, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29148
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