In den letzten Jahren wurde die Frage nach der Vereinbarkeit von Freihandel und
Umweltschutz, aufgrund der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft und der
Umweltprobleme, verstärkt diskutiert (vgl. OECD (1997b), Petschow et al.
(1998)).
Der positive Einfluss eines liberalen Handelsregimes auf das weltweite
Bruttosozialprodukt wird hierbei kaum bestritten. In einer Studie der OECD
(1993a) wurden beispielsweise die globalen langfristigen Wohlfahrtsgewinne
durch den Abschluss der Uruguay-Runde auf 274,1 Milliarden US-Dollar
geschätzt. Allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die
Wachstumseffekte des Handels zu einer Abnahme oder Zunahme von
Umweltproblemen führen.
Befürworter der „Harmoniethese“ gehen von der uneingeschränkten Vereinbarkeit
freihändlerischer und umweltschutzpolitischer Ziele aus. Sie heben insbesondere
den Beitrag des Freihandels zur Bewältigung von Umweltproblemen hervor, der
sich aus der Generierung höherer Einkommen, der Verbreitung
umweltfreundlicher Produkte und Technologien und einer verbesserten Allokation
des Faktors Umwelt ergäbe (vgl. Bhagwati (1994), S.35-39, OECD (1997a),
Gerken/Renner (1996), S.43).
Anhänger der „Konfliktthese“ gehen dagegen von einer Inkompatibilität
wirtschaftlicher Globalisierung mit ökologischen Erfordernissen aus (vgl. Daly/
Goodland (1994), S.73-75, PGA (1999), Nr.1). Zur Begründung wird im
wesentlichen angeführt, dass Freihandel die Intensität und Verbreitung
umweltschädlicher Produktions- und Konsumgüter verstärke und umweltbelastende
Transporte hervorrufe. Außerdem würden Unternehmen unter dem
internationalen Wettbewerbsdruck dazu tendieren, ihre umweltverträgliche
Produktion zu reduzieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Zusammenhang zwischen Handel und Umwelt
2.1. Die ökologische Kuznets-Kurve
2.1.1. Mögliche Ursachen
2.1.2. Empirische Belege
2.1.3. Schlussfolgerungen
2.2. Standortwettbewerb und Umweltverschmutzung
2.2.1. Die “Standortverlagerungs-Hypothese“
2.2.2. Die “Race-to-the-bottom-Hypothese“
2.3. Zwischenfazit
3. Umweltschutzmaßnahmen
3.1. Zur Legitimation der Umweltschutzpolitik
3.2. Die Notwendigkeit zur Kooperation bei globalen Umweltproblemen
3.3. Internationale Umweltabkommen
3.4. GATT/WTO und die Umweltpolitik
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Freihandel und Umweltschutz im Kontext der zunehmenden globalen wirtschaftlichen Integration. Dabei wird analysiert, ob Handelsliberalisierungen ökologische Ziele gefährden oder durch Wohlfahrtsgewinne unterstützen können, und welche Rolle internationale Institutionen wie die WTO bei der Lösung dieser Zielkonflikte spielen.
- Theoretische Grundlagen des Zusammenhangs zwischen Wachstum und Umweltzerstörung (ökologische Kuznets-Kurve).
- Analyse der Standortverlagerungs- und Race-to-the-bottom-Hypothesen im globalen Wettbewerb.
- Legitimation und Notwendigkeit staatlicher und internationaler Umweltschutzmaßnahmen.
- Rolle von GATT und WTO bei der Regulierung umweltpolitischer Handelskonflikte.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Mögliche Ursachen
Der Theorie nach überwiegen in frühen Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung die negativen Einflüsse des wirtschaftlichen Wachstums auf die Umwelt. Landwirtschaft und Industrie bedienen sich einer wachsenden Menge an Inputs aus der Natur und hinterlassen immer mehr Schadstoffe. Außerdem fördert Armut unter gewissen Bedingungen umweltschädliche Verhaltensweisen. Häufig nehmen Entwicklungsländer, zur Förderung ihres wirtschaftlichen Wachstums, Umweltschäden in Kauf (vgl. Brander (1990), S.121).
Im fortschreitenden Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung treten andere Faktoren in den Vordergrund, bei denen die Wirkung in die umgekehrte Richtung geht: mehr Einkommen bewirkt jetzt weniger Umweltverschmutzung. Ein wichtiger Grund ist, dass eine saubere Umwelt offenbar ein Luxusgut ist, das von Gesellschaften erst dann nachgefragt wird, wenn andere – oft grundlegendere – Bedürfnisse gestillt sind. Die Präferenzen, d.h. die Wertschätzung, die der Umwelt von der Bevölkerung zugemessen wird, verschieben sich somit. Des weiteren investieren reichere Gesellschaften zunehmend in Forschung und Entwicklung. Die daraus hervorgehenden neuen Technologien sind meist “sauberer“ als alte und senken die Emissionen aus den Produktionsprozessen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Debatte um die Vereinbarkeit von Freihandel und Umweltschutz unter Berücksichtigung von Harmoniethese und Konfliktthese.
2. Theoretischer Zusammenhang zwischen Handel und Umwelt: Untersuchung der ökologischen Kuznets-Kurve sowie der Auswirkungen des Standortwettbewerbs auf die Umweltpolitik.
3. Umweltschutzmaßnahmen: Analyse der Notwendigkeit staatlicher Eingriffe aufgrund von Marktversagen und Bewertung internationaler Umweltabkommen sowie der Rolle der WTO.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Freihandel und Umweltschutz politisch gesteuert werden müssen, um Zielkonflikte zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Freihandel, Umweltschutz, Globalisierung, ökologische Kuznets-Kurve, Standortwettbewerb, GATT, WTO, Umweltpolitik, Marktversagen, internationale Umweltabkommen, Nachhaltigkeit, externe Effekte, Industrialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die wechselseitigen Beziehungen zwischen liberalisiertem Welthandel und der ökologischen Nachhaltigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die ökonomische Theorie des Wachstums, den internationalen Standortwettbewerb sowie die Rolle von Umweltstandards in internationalen Handelsabkommen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Handelsliberalisierung und ein hohes Umweltschutzniveau komplementäre oder konkurrierende Ziele darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene ökonomische Hypothesen und empirische Befunde zur Umweltpolitik und zum internationalen Handel diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsmodelle (wie die Kuznets-Kurve), die Problematik des Standortwettbewerbs und die Rolle der WTO bei der Regelung von Umwelt-Handels-Konflikten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Freihandel, Umweltschutz, Standortwettbewerb, Marktversagen und die Rolle der Welthandelsorganisation geprägt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der WTO bei Umweltfragen?
Die Autorin stellt fest, dass die WTO ihre Bestimmungen reformieren muss, da sie derzeit keine ausreichend akzeptable Lösung für grenzüberschreitende Umweltkonflikte bietet.
Was besagt die Standortverlagerungs-Hypothese konkret?
Die Hypothese besagt, dass umweltsensible Industrien in Länder mit niedrigeren Umweltstandards abwandern, um Produktionskosten zu senken, was jedoch empirisch bisher kaum zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.
- Quote paper
- Daniela Angelini (Author), 2003, Die Vereinbarkeit von Handel und Umweltschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29185