Charakterzeichnung und Figurenkonstellationen in Plautus' "Pseudolus"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Plautus‘ Pseudolus, Exposition des Problems

2. Methodologische Vorüberlegungen

3. Figuren und Figurenpaare im Pseudolus
3.1. Das Paar Pseudolus/Simia
3.2. Pseudolus als metadramatische Figur
3.3. Das Paar Calidorus/Charinus
3.4. Das Paar Simo/Callipho
3.5. Ballio und der Koch
3.6. Ballio und Simo

4. Paarige Figuren in der griechisch-römischen Komödie

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Plautus‘ Pseudolus, Exposition des Problems

Der Pseudolus, uraufgeführt 191 v. Chr. aus Anlaß der megalesischen Spiele, mit denen der eben fertiggestellte Tempel der Magna Mater eingeweiht wurde und schon in der Antike bis in die frühe Kaiserzeit beliebt und viel gelesen,[1] hat in der gelehrten Rezeption und Exegese nicht nur breitgestreute Aufmerksamkeit, sondern in der Regel auch großen Beifall gefunden.[2] Die überwältigende Mehrheit der Autoren befaßt sich seit dem Einsetzen der Forschung mit Ladewigs Pionierarbeit Mitte des 19. Jahrhunderts[3] mit Gusto mit den „Diskontinuitäten“, der fehlenden οἰκονομία und dramaturgischen Folgerichtigkeit des Stücks sowie mit dem Verhältnis zu der oder den unbekannten griechischen Vorlage(n). Besonders breit diskutiert wurde die Frage, ob der Pseudolus aus mehreren Stücken der Neuen (ggf. auch der Mittleren) Komödie kontaminiert sei.[4] Es hat sich in den zurückliegenden 150 Jahren eine regelrechte philologische Subdisziplin entwickelt, deren Geschäft darin besteht, unter Rekonstruktion der Vorlage(n) dramaturgische Widersprüche und Mängel im Pseudolus aufzudecken oder aber dieselben wegzuerklären.[5]

Ungewöhnlich wenig Aufmerksamkeit hat dagegen trotz dieser Karriere des Pseudolus als „Lieblingsstück“ der Plautus-Forscher bisher die Figurenökonomie und Charaktergestaltung in dieser Komödie erfahren, sieht man von den Ausnahmen des eponymen Protagonisten sowie seines Haupt-Gegenspielers Ballio ab. Erst in jüngerer Zeit hat man überhaupt begonnen, das Stück als ein Ganzes zu behandeln und es als prima facie geschlossenes literarisches Werk, das von Leitmotiven und inneren Querverweisen durchzogen wird, zu analysieren.[6]

Ziel dieser Arbeit ist es, die künstlerische Gestaltung und dramaturgische Konstellation der im Pseudolus auftretenden Figuren in übersichtlicher Form darzustellen. Sie soll damit zur Gewinnung einer möglichst objektiven Grundlage für (durchaus auch divergierende) Interpretationsansätze beitragen, selbst also keine Gesamtinterpretation oder gar Bewertung des Stückes geben. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die paarig auftretenden Figuren.

Drei Hauptfiguren des Stückes, nämlich der servus callidus Pseudolus, der iuvenis Calidorus sowie der senex Simo treten faktisch verdoppelt auf, indem ihnen ein Sklave, ein Jüngling und ein Alter beigeordnet sind, die im plot eine ihrem jeweiligen Partner deutlich untergeordnete Rolle spielen. Zusätzlich zur Bereitstellung einiger objektiver Fakten wie des relativen Redeanteils der jeweiligen Figur, der Deutung ihres Namens und des Anlasses ihres Auftretens wird zu prüfen sein, aus welchem Grund und zu welchem Zweck Plautus diese Paare gebildet hat. Bloß am Rande werden dagegen die unpaarigen Figuren des Stückes zur Sprache kommen. Ein gesondertes Kapitel gibt eine kurze Übersicht über sonstige Werke der griechisch-römischen Komödie, in denen paarige Figuren auftreten.

2. Methodologische Vorüberlegungen

Die ursprüngliche Konzeption dieser Arbeit hatte vorgesehen, die paarigen Figuren des Pseudolus auf die Frage näherhin zu untersuchen, ob in diesem auf den ersten Blick auffälligen Griff der Dramaturgie ein gestalterisches Prinzip des Autors sich bekundet, das vielleicht nur in dieser Komödie anzutreffen und auf seine Relevanz für die Gesamtdeutung des Werkes zu befragen wäre.

Nun erwies sich allerdings, daß die paarige Verwendung von Figuren zum basalen Standardrepertoire der griechisch-römischen Komödie gehört. Dies hat insbesondere Henry Prescott in seinem grundgelehrten Aufsatz aus dem Jahr 1920 herausgearbeitet.[7] Auch Arnulf Dieterle kommt (wenngleich nur randständig) auf Paarigkeit als dramaturgisches Kompositionsprinzip zu sprechen.[8] Prescott und Dieterle betonen die Herkunft dieses Kompositionsprinzips aus der griechischen Neuen Komödie. Es hat zunächst den Anschein, als sei dieses Prinzip von Plautus unreflektiert übernommen worden. Bezeichnenderweise sah sich etwa Fraenkel in seiner tiefschürfenden Gesamtexegese des Plautus[9] nicht einmal genötigt, das Thema Figurenkonstellation bzw. Anzahl der Figuren auch nur zu berühren. Offenbar war er der Meinung, hier sei nichts spezifisch Plautinisches zu holen. Ob eine so einfache Auffassung des Problems der Sachlage gerecht wird, wird uns in den folgenden Einzelanalysen der Figurenpaare und schließlich in der Zusammenfassung beschäftigen. Eine abschließende Antwort auf diese Frage kann im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht erteilt werden, weil dazu die systematische Einbeziehung aller überlieferten Plautus-Komödien sowie die Analyse des Verhältnisses zu ihren jeweiligen Vorbildern vonnöten wäre.

Das Auftreten von zwei senes, zwei iuvenes und die Verdopplung des Intriganten im Pseudolus verleiht– dies wird man festhalten dürfen – unserem Stück jedenfalls keine Sonderstellung, sondern stellt beim ersten Hinsehen ein dramaturgisches Strickmuster dar, das Gesichtspunkte der Figurenökonomie und –symmetrie motiviert haben mögen.[10] Es ist daher vorderhand schwierig, die Bedeutung dieses Aspekts als eines der Faktoren zu bestimmen, die für eine Gesamtdeutung unseres konkreten Stückes zu berücksichtigen wären.

Daraus ergab sich folgende Adjustierung der ursprünglichen Fragestellung: Die Untersuchung der Paare Simo/Callipho und Calidorus/Charinus tritt in den Hintergrund; an ihrer Stelle wird dem interessanten Fall des Paares Pseudolus/Simia deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet. In diesem Falle scheint nämlich, um meine These vorweg zu nehmen, keine (bloß) topische Paarung vorzuliegen; auch nicht bloß die von Dieterle als Strukturprinzip der griechisch-römische Komödie identifizierte Verdoppelung des Intrigensklaven.[11] Die Sonderstellung des Paares Pseudolus/Simia ist maßgeblich durch die Sonderstellung der Pseudolus-Figur selbst begründet, die, wie die jüngere Forschung aufgewiesen hat, eigentümliche metadramatische Züge bzw. Dimensionen besitzt. Diese machen eine zusätzliche Analyse der Pseudolus-Figur in einem eigenen Unterkapitel erforderlich.

Nicht oder doch nur ganz randständig Thema der vorliegenden Arbeit kann das Verhältnis des plautinischen Pseudolus zu seiner verlorenen griechischen Vorlage sein.[12] Die Mehrheit zumindest jener Exegeten, die eine einheitliche Vorlage annehmen, geht (oftmals implizit) davon aus, daß zumindest die Anzahl der Hauptfiguren im griechischen Pseudolus gleich war. Freilich können die Figuren in ganz anderen Beziehungen zueinander gestanden und auch ganz andere Charaktere besessen haben als im plautinischen Stück.[13] Die Analyse der Figurenkonstellation, wie sie in der vorliegenden Arbeit vorgenommen wird, kann sich, in Ermangelung des griechischen Textes, trivialerweise nur mit dem plautinischen Text befassen und nur für diesen Gültigkeit beanspruchen. Einzelne Hinweise auf die Verhältnisse der Vorlage können nur in Fußnoten gegeben werden.

Folgende Kriterien sind m.E. anzusetzen, um von Plautus bewußt konstruierte Figurenpaare zu identifizieren:[14]

- Die paarigen Figuren gehören demselben Figurenregister an, haben also innerhalb der dramatischen Fiktion die gleiche soziale Stellung. (Deshalb bilden Simo und Ballio trotz zweier Szenen, in der sie gleichgerichtet agieren, kein Paar, vgl. unten 3.5.)
- Sie sind in etwa gleichaltrig.
- Sie üben im Prinzip identische (bzw. funktional sehr ähnliche) dramaturgische Funktionen aus.

Diese Kriterien sind erfüllt im Falle der Paare Pseudolus/Simia, Calidorus/Charinus sowie Simo/Callipho. Zwischen den Angehörigen dieser drei Paare bestehen allenfalls charakterliche Unterschiede. Einen eigens zu behandelnden Grenzfall bildet das mögliche Paar Ballio/der Koch (vgl. unten 3.5.). Ihrem sozialen Status nach stehen beide einander nicht fern.[15] Ob sie derselben Alterskohorte angehören, ist unentscheidbar: Ballio ist, wie es sich für den leno gehört, ein Greis, der Koch unbestimmten Alters. Auch ihre dramaturgische Funktion ist unterschiedlich: der eine ist gewissermaßen der zweite Protagonist des Stücks, der andere eine Randfigur.[16]

Die Grenzen der hier angestellten Untersuchung werden schließlich durch das dramaturgische Gewicht und die Vielschichtigkeit der Pseudolus-Figur gezogen. Sehr weitgehende Deutungsansätze haben in letzter Zeit ihre Funktion neu zu bestimmten gesucht: So hat man versucht, Pseudolus als Inbegriff des (für die damaligen Römer) zeitgenössischen Griechen aufzufassen, der überdies Protagonist und Urheber des Stücks zugleich sei und sich gleichsam aus demselben (d.h. aus der dramatischen Fiktion in die Realität) herausspiele.[17] Womöglich muß man ihn sogar als alter ego des Dichters Plautus selbst betrachten.[18] Wenngleich durch solche Erwägungen die Pseudolus-Figur größeres Gewicht gewinnt als je zuvor, machen sie doch eine Untersuchung der übrigen Figuren des Stückes, gerade in ihrem Verhältnis zum Protagonisten, nicht überflüssig.

3. Figuren und Figurenpaare im Pseudolus

3.1. Das Paar Pseudolus/Simia

Als eponymer Protagonist des Stückes tritt Pseudolus zum ersten Mal in Szene I,1 auf. Sein summierter Redeanteil, der größte von allen Figuren des Stückes, umfaßt ca. 480 Verse.[19] Gegenüber seinem Partner Simia, der lediglich etwa 62 Verse spricht bzw. singt, ergibt das einen Redeanteil des Pseudolus von 88,5% – ein frappantes Ungleichgewicht. Hinzu kommt, daß Simia außerordentlich spät, nämlich erst in Szene IV,1, ins Geschehen eintritt, nachdem er zuvor angefordert und angekündigt worden war.[20]

Von Karl Schmidt ist der Name Pseudolus (Ψευδύλος) als gut griechische Bildung analysiert worden,[21] die freilich aus den Fragmenten der griechischen Komödie nicht zu belegen sei.[22] Die ursprüngliche Form müsse Pseudulus gelautet haben, da griech. υ bekanntlich durch altlat. u oder i vertreten ist. Die Grundbedeutung des von Plautus konstruierten griechischen Namens lautet ‚Lügner, Betrüger‘[23], während der o-Vokalismus der in den Mss. überlieferten Namensform selbstverständlich durch volksetymologische Ausdeutung zu dolus hin zu erklären ist.[24] Simia ist ein gängiger griechischer und auch in den Fragmenten der Νέα belegter Personenname (nämlich Σιμίας, Σιμμίας). Dieser Name, im Griechischen von nicht zu bestimmender Bedeutung, muß Plautus als ein Göttergeschenk erschienen sein, weil er vom volksetymologisierenden Publikum ohne weiteres als lat. simia ‚Affe‘ verstanden wurde, womit die dramatische Funktion der Figur sogleich hervorragend umrissen ist.[25]

Pseudolus‘ Äußeres wird im Stück selbst explizit beschrieben: „Rufus quidam, ventriosus, crassis suris, subniger, / magno capite, acutis oculis, ore rubicundo admodum, / magnis pedibus.” (V. 1218ff., Harpax in den Mund gelegt.) Seinen Charakter offenbaren am ehesten seine großen Monologe, weniger die expliziten Charakterisierungen durch Simo und andere Figuren.[26] Pseudolus‘ Charakter ist, wie im Grunde sämtliche Aspekte des Stückes, unterschiedlich beurteilt worden. Mit dem ihm eigenen Pathos faßt Lorenz die äußerlichen und innerlichen Merkmale des Protagonisten zusammen:

„Unter einem Aeusseren von abschreckender Hässlichkeit ... verbirgt er eine Begabung, die ihn hoch über seine Lebensstellung erhebt, ja ihn zum wahren Gebieter derjenigen macht, denen ihn die Laune des Schicksals unterordnete … überall sehen wir den geistig klaren und willensstarken Menschen, der, sich seiner Vorzüge wohl bewusst, mit genialer Ueberlegenheit auf die kleinlichen Leidenschaften Anderer herabblickt, und mit der Freude des Meisters der Vorführung seines verwickelten Gaukelspiels entgegenschaut.“[27]

Andere Interpreten haben diese angeblich von Beginn an bestehende Überlegenheit des Sklaven in Zweifel gezogen. Bei mehreren Gelegenheiten rühmt sich der noch völlig planlose Pseudolus, seinem jungen Herrn unbedingt zum Ziel seiner Wünsche zu verhelfen, auch wenn er gar nicht wisse, wie das überhaupt geschehen soll.[28] Derartige Stellen haben nicht nur (oft kontaminationstheoretisch motivierte) Plautus-Kritik provoziert, sondern sind auch zum Anlaß genommen worden, in Pseudolus nicht viel mehr als einen Prahlhans zu sehen, dem gut komödienhaft im rechten Augenblick Fortuna zu Hilfe komme.[29] In der Tat ist es bemerkenswert, daß Pseudolus mit ungewöhnlichem, situativ nicht zu erwartendem Selbstbewußtsein seine Täuschungsabsichten gegenüber seinem Herren Simo, den er im Rahmen einer Wette[30] um 20 Minen zu prellen gedenkt, offen bekundet.[31] Man sollte sich freilich angesichts der vom Autor offenbar als durchgängig positiv intendierten Charakterzeichnung der Pseudolus-Figur[32] vor der Auffassung hüten, daß diese Gesichtspunkte eine negative moralische Wertung der Figur durch ihren Autor implizierten.[33] Zudem ist der übermäßig selbstbewußte, auch seinem Herrn gegenüber souverän auftretende Sklave ein Grundbestandteil des plautinischen corpus.[34] Daß das Herr-Sklave-Verhältnis im Pseudolus, um mit Lefèvre zu sprechen, besonders „saturnalienhaft“[35] geraten ist, mag ein Grund für die große und langandauernde Popularität des Stücks gewesen sein.[36] Zur weiteren Erklärung von Pseudolus‘ auffälligen Charakterzügen wird auch das folgende Kapitel beitragen.

[...]


[1] Vgl. etwa Lorenz, Pseudolus, 1f.

[2] Williams, Some Problems in the Construction of Plautus‘ Pseudolus, 424 spricht von „probably Plautus’ greatest play“; Lorenz, a.a.O., vii nennt ihn „das Meisterwerk des Plautus“; Görler, Plautinisches im Pseudolus, 90 ein „ganz prächtiges Theaterstück“. Gurlitt, Die Komödien des Plautus, 145 resümiert zum unserer Komödie: „Sie ist nach meinem Urteil ein Meisterwerk, vielleicht das größte, das uns aus der römischen Komödie erhalten ist, groß vor allem durch Frische, Kraft, Natürlichkeit, Lebendigkeit, durch die Sicherheit der Führung und Charakterzeichnung.“ Barsby, Plautus’ Pseudolus as Improvisatory Drama, 60 formuliert die These: “we might suppose … that it enshrined after years of experiment and development Plautus’ final synthesis of Greek and Roman elements.” Diese Anerkennung der werkbiographischen Wichtigkeit des Pseudolus ist der kleinste gemeinsame Nenner, den die (ebenso durchaus vorhandenen) Kritiker des Stücks mit seinen Lobrednern teilen.

[3] Theodor Ladewig: Ueber den Kanon des Volcatius Sedigitus, Neustrelitz 1842.

[4] Eine gute Übersicht über die umfangreiche Diskussion bis 1930 gibt Hough, The Composition of the Pseudolus of Plautus, 13ff.

[5] Die jüngste umfangreiche Arbeit dieses Zuschnitts ist Zwierlein, Zur Kritik und Exegese des Plautus III, 1991. Wie vor ihm Langen (Plautinische Studien, 1886/1970) geht es Zwierlein allerdings mehr um Interpolation als um Kontamination. Zum aporetischen Charakter der Kontaminationsdebatten stellte Hough schon 1931 sehr treffend fest: “ingenuity of a high calibre can find unity in any play, given that play alone over which to struggle, while believers in contaminatio can find discrepancies enough in any play to claim it as contaminated, provided they do not have to stray beyond the one text before them.” (Hough, a.a.O., 4) Diese Einsicht hinderte Hough nicht, selbst eine Kontaminationstheorie zu entwickeln. Sein Verdikt über die bisherige Forschung: “Many derive opposite arguments from the same evidence.“ (Hough, a.a.O., 44) trifft ihn selbst daher ebenso wie Önnerfors‘ Vorwurf: „Es scheint, als ob bisweilen das Mikroskop der rationalistischen Analyse den Überblick verweigern könnte.“ (Önnerfors, Ein paar Probleme im plautinischen Pseudolus, 33.) Dasselbe gilt natürlich auch für die Versuche, einzelne Verse oder gar Szenen als spätere Interpolationen zu athetieren.

[6] Paradigmatisch hierfür Görler, Plautinisches im Pseudolus, 1983; vgl. auch Wright, The Transformations of Pseudolus, 1975 und Hallett, Plautine Ingredients in the Performance of the “Pseudolus”, 1993.

[7] Prescott, Inorganic Rôles in Roman Comedy, 1920

[8] Dieterle, Die Strukturelemente der Intrige in der griechisch-römischen Komödie, 1980. Auch Duckworth spricht von einem “regular feature of Roman comedy to present balanced pairs of characters”. (Zitiert bei Önnerfors, a.a.O., 38.)

[9] Fraenkel, Plautinisches im Plautus, 1921.

[10] Selbst daß im Pseudolus gleich drei Paare auftreten, ist keine Besonderheit: dasselbe begegnet in den Bacchides und im Stichus vgl., unten Kapitel 4.

[11] Vgl. Dieterle, a.a.O., 110: „In der Regel fordert der Intrigensklave seinen Herrn auf, ihm einen geeigneten Assistenten zur Seite zu stellen.“

[12] Auf die Möglichkeit, es könnten mehrere Vorlagen von Plautus kontaminiert worden sein, habe ich oben in Kapitel 1 bereits hingewiesen. Über die literarische Qualität der mutmaßlichen Vorlage sind in der Forschungsgeschichte übrigens ebenfalls höchst gegensätzliche Urteile gefällt worden: Karsten, De Plauti Pseudolo, 156 kommt zu dem Ergebnis: „Exemplum, quod Plautus interpretatus est, optimis graecis adscribendum est dignumque habendum Menandro, cuius auctoritas tamen non constat.“ – Dagegen urteilt Lefèvre, der in der Rekonstruktion der Vorlage weiter gegangen ist als jeder Autor vor ihm: „Das Weltbild des Originals war nach allem, was noch zu erkennen ist, konventionell“ (Lefèvre, Plautus‘ Pseudolus, 101), und: „Auf das Ganze gesehen, war kein Charakter des Originals besonders originell.“ (a.a.O., 105)

[13] So gibt es beispielsweise eine umfassende Diskussion um einen möglichen „Bruch“ in Simos Charakter, der auch schon als Ergebnis von Kontamination erklärt worden ist. Ich werde unten in Kapitel 3.6. darauf zurückkommen.

[14] Vgl. auch Prescott, a.a.O., 256, der für Figurenpaare etwas wolkig „the same sex or age or social status” fordert.

[15] Köche, in der entsprechende Epoche prekär beschäftigte Tagelöhner, fungieren in der griechisch-römischen Komödie als verschlagene Diebe, Betrüger, Wortklauber und Gleißner und sind als solche i.d.R. zuständig für derbe Komik. Lenones erfahren, obgleich frei und wohlhabend, aufgrund ihres Gewerbes soziale Verachtung, mit der auch Ballio im Pseudolus reichlich bedacht wird. Es gilt freilich mit Stärk, Eine plautinische Aristie, 154 zu beachten: „Bei Plautus wächst … die dramatische Hochschätzung umgekehrt proportional zur sozialen Verachtung.“

[16] Sofern man nicht mit einigen neueren Interpreten annehmen will, daß der Koch vom selben Schauspieler gegeben wurde wie Pseudolus und also mit dieser Rolle recht eng verklammert ist. Dies und die möglichen metadramatischen Funktionen der Figur des Kochs werden uns im folgenden noch beschäftigen.

[17] Vgl. Stehle, Pseudolus as Socrates, Poet and Trickster, passim, besonders 246 und 247.

[18] Hallett, a.a.O., 24: “we should identify Pseudolus with the playwright Plautus himself.”

[19] Ich weise darauf hin, daß es sich um grobe Zählungen handelt, da für diese Arbeit die Schwierigkeiten der Verszählung, die mit den metrisch hyperkomplexen Cantica verbunden sind, nicht eigens berücksichtigt werden konnten. – Die Verszählung folgt in der vorliegenden Arbeit in allen Zitaten der Ausgabe von Willcock (Plautus: Pseudolus, 1998).

[20] Die zweifache Anforderung eines entsprechenden Helfers durch Pseudolus (nämlich 385f. „ad eam rem usust homine astuto, docto, cauto et callido, / qui imperata ecfecta reddat, non qui vigilans dormiat” und 724ff.), wobei auf die erste Anforderung hin Calidorus seinen guten, aber harmlosen Freund Charinus anbringt, hat den Kontaminations- und Interpolationstheoretikern viel Kopfzerbrechen bereitet. Vgl. etwa Zwierlein, a.a.O., 38ff.

[21] „Es ist eine vom Stamme ψευδ- gebildete Kurzform auf -ύλος, wie Αἰσχύλος von αἰσχ-, Κρατύλος von κρατ-, Ἀρχύλος von ἀρχ- u. a. m.“ (Schmidt, Die griechischen Personennamen bei Plautus II, 380)

[22] Vgl. die verdienstvolle Übersicht bei Schmidt, Die griechischen Personennamen bei Plautus III, 617, die bei dieser Gelegenheit ausführlich zitiert sei. Die im Pseudolus begegnenden Namen gruppiert Schmidt folgendermaßen: I. (= aus dem Original stehengeblieben): keine. II. (= in der Komödie belegte Namen) Aeschinus (vgl. Pseudolus, 757), Ballio, Chrysis, Simia, Simo, Syrus. III. (= Namen aus der sonstigen Überlieferung) Callipho, Hedytium, Phoenicium. IV. (= der Komödie fremde, auffällige Namen) Calidorus, Polymachaeroplagides. V. (= sonstige, nicht überlieferte, aber für die Komödie mögliche Namen) Aeschrodora, Harpax, Pseudolus, Xystilis. Schmidts Fazit lautet: „Alle plautinischen Namen konnten in Griechenland vorkommen, wenn nicht in der Komödie, so im Leben, in Ernst, Scherz und Spott, und wäre es auch nur als Wandkritzelei“ (a.a.O., 610).

[23] Lakonisch Stehle, a.a.O., 246: “Pseudolus means ‚liar‘ in Greek.”

[24] Nach Schmidt ist diese Volksetymologie allerdings erst nachplautinischen Abschreibern zuzuweisen, „da Plautus bei solcher Absicht auch die Gelegenheit zu Wortspielen gefunden hätte.“ (Schmidt, Die griechischen Personennamen bei Plautus II, 381)

[25] Ein krasser lapsus unterläuft Morris, The Pseudolus of Plautus, 97, der in seiner Diskussion der Figurennamen mit Bezug auf Simia von “an ordinary Greek name without special meaning” spricht. Richtig verweist dagegen Auden, The Pseudolus of Plautus, xxvii auf die offensichtlich beabsichtigte Anlehnung an simia. Wright bezeichnet Simia a.a.O., 413 als “Pseudolus‘ appropriately named creation”.

[26] Vgl. 446, wo der jähzornige Simo seinen Sklaven als „scelerum caput“ bezeichnet. In V. 1243f. charakterisiert er ihn nach Vollendung der Intrige zusammenfassend zwar so: „nimis illic mortalis doctus, nimis vorsutus, nimis malus; / superavit dolum Troianum atque Ulixem Pseudolus“, doch selbst 1310 nennt er ihn noch „pessimus homo“. Calidorus dagegen gebraucht zur Charakterisierung seines Helfers zwar ähnliche Worte, dreht aber verständlicherweise deren Wertung um: „Nimium est mortalis graphicus, εὑρετὴς mihi est.“ (700)

[27] Lorenz, a.a.O., 4f.

[28] So 568f.: „quo id sim facturus pacto, nil etiam scio, / nisi quia futurumst.“ Bereits in I,1 sagt Pseudolus zu Calidorus: „atque id futurum undeunde dicam nescio; / nisi quia futurum est.” (106f.) Vgl. ferner 394-400.

[29] In dieser Richtung äußert sich etwa Görler, der a.a.O., 94 betont: „Pseudolus ist keineswegs ein raffinierter, alles im vornhinein [sic] kühl überblickender und planender Stratege, sondern eher ein Maulheld, der mit seinen Verheißungen der Realität immer wieder weit vorauseilt.“

[30] Um diese (Doppel-)Wette hat sich in der Forschung eine schier endlose Debatte entsponnen, zu welcher Hough, a.a.O., 69, 106 und passim; Görler, a.a.O., 99ff. sowie Lefèvre, a.a.O., bes. 23ff., die bisher umfangreichsten Beiträge geliefert haben. Vgl. ferner Önnerfors, a.a.O., 31 und Adamietz, Zum plautinischen Pseudolus, 110ff. Ich komme unten in Fn. 111 noch auf die Wette zurück.

[31] Görler, a.a.O., 92 arbeitet heraus, daß die ausdrückliche Warnung des intrigierenden Sklaven vor seinem eigenen Anschlag eine Besonderheit des Pseudolus ist.

[32] Jachmann stellt sehr richtig fest: „Plautus hat im allgemeinen alles Erdenkliche dazu getan, die Schelmengestalt seines Helden zu erhöhen …, überall fühlt man, wie seine Liebe zu dieser Person geradezu überquillt“. (Jachmann, Zum Pseudolus des Plautus, 450)

[33] Gewissermaßen eine Mittelstellung zwischen den soeben bezeichneten Extrempunkten nimmt daher Önnerfors, a.a.O., 35 ein, für den Pseudolus „trotz einer unerträglichen Situation … der Treue, der Unermüdliche und der Siegesgewisse [ist], der sogar behaupten will, er habe das Schicksal auf seiner Seite.“

[34] „Auf eine solche Steigerung nun der Allüren wie der Abenteuer seiner Sklaven war Plautus in ganz besonderem Maße bedacht ... So darf man mit Fug die ‚königlichen‘ Sklavengesten als plautinische Schmuckstücke ansehen.“ (Fraenkel, a.a.O., 195) Simo bemerkt in I,5 zu Callipho über seinen Sklaven: „statum vide hominis, Callipho, quam basilicum.“ (458)

[35] Vgl. Lefèvre, a.a.O., passim, besonders 109. – Kaum vergeßlich ist etwa die Stelle des Schlußaktes, an der der betrunkene Pseudolus seinem Herren dreist ins Gesicht rülpst, vgl. 1294f.

[36] Auch ich möchte mir an dieser Stelle das seit langem zum Grundbestand der Pseudolus-Literatur gehörende Cicero-Zitat nicht versagen: „Quam gaudebat bello suo Punico Naevius, quam Truculento Plautus, quam Pseudolo“ (Cato maior 14,50).

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Charakterzeichnung und Figurenkonstellationen in Plautus' "Pseudolus"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
HS (Dichtung) Plautus - Pseudolus
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
33
Katalognummer
V292608
ISBN (eBook)
9783656896852
ISBN (Buch)
9783656896869
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
charakterzeichnung, figurenkonstellationen, plautus, pseudolus
Arbeit zitieren
M.A. Karsten Kleber (Autor), 2013, Charakterzeichnung und Figurenkonstellationen in Plautus' "Pseudolus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292608

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Charakterzeichnung und Figurenkonstellationen in Plautus' "Pseudolus"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden