Die Hunold-Affäre und ihre Auswirkung auf die Marktwirtschaft


Hausarbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Was ist Marktwirtschaft?
2.1 Das europäische Modell der Sozialen Marktwirtschaft
2.2 Das amerikanisch-angelsächsische Modell der Marktwirtschaft
2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

3. Verfechter beider Richtungen
3.1 Wilhelm Röpke
3.2 Friedrich August von Hayek

4. Die Mont Pèlerin Society

5. Die „Hunold-Affäre“
5.1.Der Anfängliche Streit bis zum Bruch
5.2 Folgen und Weiterentwicklung nach Hayeks Rückzug
5.3 Der wahre Grund des Streits - unterschiedliche Marktansätze

6. Die Bedeutung der MPS für heute
6.1.Ihre Entwicklung und Einfluss
6.2.Die anhaltende Kritik und ihr heutiges „Laissez-faire Verhalten“

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Hinführung zum Thema

Die Mont Pèlerin Society ist eine 1947 gegründete Gesellschaft liberaler Ökonomen1, die das Ziel eines Austausches gleichgesinnter Wissenschaftler verfolgt. Sie führt den gemeinsamen Kampf gegen kollektivistische Tenden- zen und für ein marktorientiertes Wirtschaftssystem, das für Sie die einzige mögliche Ordnung einer freien Gesellschaft darstellt.2 Gründer der MPS wa- ren Friedrich August von Hayek und Albert Hunold. Einen wichtigen Beitrag leistete jedoch auch Wilhelm Röpke, ein enger Vertrauter Hunolds.

Die vorliegende Hausarbeit stellt den Verlauf der MPS bis zu seiner großen Krise, der sogenannten „Hunold-Affäre“, dar. War die Affäre zum größten Teil ein organisatorischer und persönlicher Streit zwischen Hayek und Hunold, so zeigt sie doch die unterschiedlichen Prioritäten innerhalb der MPS. Waren die liberalen Wissenschaftler sich prinzipiell über eine freie Wirtschaftsord- nung einig, so existierten jedoch seit Gründung zwei nebeneinander herr- schende Lager bezüglich ihrer Ausgestaltung. Auf der einen Seite stand der angelsächsische Marktansatz der amerikanischen Vertreter, dem auch Hayek angehörte, die einen möglichst freien Wettbewerb bevorzugten, auf der anderen Seite der europäische Ansatz, den Röpke und Hunold vertraten, der auf eine stabilere soziale Wirtschaftsordnung durch den Staat setzte.3

Daher werde ich im Verlauf der Arbeit zunächst, zum besseren Verständnis des Konflikts, die beiden Wissenschaftler Röpke und Hayek sowie ihre unter- schiedlichen Marktansätze vorstellen. Ich habe mich bewusst für Röpke ent- schieden, da er im Vergleich zu Hunold als wissenschaftlich bedeutender gilt, dem hauptsächlich organisatorische Aufgaben in der MPS zustanden.4 An- schließend stelle ich die MPS vor und zeige den Verlauf von ihrer Gründung bis zur „Hunold Affäre“ 1960.

Zum Abschluss gehe ich auf die Folgen der Affäre ein, die zu einem marktra dikaleren Ansatz in der MPS führte. Abschließend versuche ich ihre Bedeutung bei der Entwicklung der Marktwirtschaft herauszuarbeiten und ihren heutigen Stellenwert zu bestimmen.

2. Was ist Marktwirtschaft?

2.1 Das europäische Modell der Sozialen Marktwirtschaft

Marktwirtschaft aus einer ordnungspolitischen Sichtweise ist zu verstehen, „als eine von klassisch-liberalen Rechtsprinzipien geleitete Politik zur Herstellung und Garantie einer ‚menschenwürdigen und funktionsfähigen‘ Ordnung der Wirtschaft“.5 Ihre Aufgabe ist es, eine Ordnung zu etablieren und durchzusetzen, an die sich alle wirtschaftlichen Akteure halten müssen. Dabei muss die Politik darauf achten, dass sie sich an marktkonformen Prinzipien orientiert und nicht durch ihren Eingriff schon im Vorhinein Ergebnisse festlegt. Wichtige Aspekte sind dabei das Privateigentum, die Vertragsfreiheit, Geldwertstabilität und Offenhaltung der Märkte für Alle.6

Mit der Einbeziehung des sozialen Aspekts in die Marktwirtschaft, wird ver- sucht die Politik mit der Gesellschaft zu verknüpfen. Das Prinzip der Freiheit am Markt soll mit dem des sozialen Ausgleichs verbunden werden. Der Staat soll dann in das Marktgeschehen eingreifen, wenn er versagt oder an Wir- kungsmängeln, bei denen der Markt nicht funktioniert (z.B. durch fehelende Informationen oder bei öffentlichen Gütern).7 Er ist also Gestalter und Träger, nicht jedoch Lenker und wird lediglich als Mittel und nicht als Ziel einer ge- sellschaftlichen Ordnung benutzt.8 Die Soziale Marktwirtschaft ist also „ein Gesellschaftsentwurf, der die Elemente Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Eigenverantwortung in Einklang bringen möchte“.9 Prinzipiell sind die Haus- halte selbstständig für ihren ökonomischen Status verantwortlich. Sind sie jedoch nicht in der Lage diese Aufgabe in einem menschenwürdigen Rah- men zu bewerkstelligen, so tritt eine staatliche Umverteilung in Kraft. Eine weitere Umverteilung gilt auch für den Bereich der sozialen Absicherung.

2.2 Das amerikanisch-angelsächsische Modell der Marktwirtschaft

Das angelsächsische Modell einer Wirtschaftsordnung ist ebenso an libera- len Ordnungsprinzipien ausgerichtet, die allen Marktteilnehmern den gleichen Zugang zum Markt sichern soll. Bei der Spezifizierung werden jedoch einige Unterschiede deutlich, sodass es eher einer freien Marktwirtschaft gleicht. Der Staat nimmt sich in seiner gestalterischen Aufgabe weit zurück und lässt dem Markt seinen lenkenden Spielraum. Er ist davon überzeugt, dass der Wettbewerb Probleme am besten lösen kann, da bei einem Eingriff des Staa- tes immer Annahmen über die gewünschte Zukunft gemacht werden müss- ten. Dies sei eine Form der Planwirtschaft, die entscheidend abgelehnt wird.10 Weiter wird davon ausgegangen, dass der einzelne Bürger seine Le- bensrisiken schützt und selber vorsorgt. Jedoch lehnt auch diese Wirt- schaftsordnung den Vollständigen Rückzug des Staates, im Sinne eines „Laissez-faire“ Verhaltens, ab, sondern schlägt nur einen deutlich marktradi- kaleren Kurs ein. Folgen eines solchen Kurses sind jedoch zumeist soziale Verwerfungen und das Fehlen eines Apparates bei Zusammenbruch.11

2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Vergleicht man beide Modelle miteinander, so lassen sich grundlegend viele Gemeinsamkeiten finden, jedoch werden auch einige Unterschiede deutlich. Gemeinsam haben beide Modell besonders zwei Eigenschaften. Zum einen treten beide für ein sozial gerechtes Gesellschaftsverständnis ein, mit dem klaren Bekenntnis zu einem, an christlichen Werten orientierten, Menschen- bild. Des Weiteren glauben beide an die Vorzüge einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit lediglich in ihre richtige Bahnen zu lenken sei. Beide verfolgen also einen „Dritten Weg“ zwischen einer vollkommen freien liberalistischen Ordnung und einer Planwirtschaft. Lediglich in ihrer Ausprägung unterscheiden sie sich voneinander.12

Das liegt besonders an ihrer unterschiedlichen Ausrichtung. Geht das euro- päische Modell der Sozialen Marktwirtschaft davon aus, dass der Ordnungsrahmen zuständig für die Freiheit der Bürger ist, so beantwortet das angelsächsische Modell die Frage genau anders herum. Es stellt die Freiheit des Menschen über alles, aus der sich ihre Ordnung entwickeln muss. Aufgrund dieser Annahmen werden auch die Unterschiede in der Ausgestaltung des Marktes durch den Staat deutlich.

3. Verfechter beider Richtungen

3.1 Wilhelm Röpke

Wilhelm Röpke ist ein, 1899 geborener, deutscher Ökonom und Sozialphilosoph, der bereits im Alter von 24 Jahren eine Professur an der Universität Jena erhielt. Aufgrund kritischer Äußerungen zum Hitler Regime wanderte er 1933 ins Exil nach Istanbul. Dort lernte er seinen engen Vertrauten Alexander Rüstow kennen, der ebenfalls ein Mitglied der MPS war, mit dem er seine grundlegende Haltung zur Marktwirtschaft entwickelte. Vier Jahre später folgte er einem Ruf an die Universität Genf.

Betrachtet man rückblickend seine wissenschaftliche Arbeit, so lassen sich drei zentrale Botschaften festmachen, die er auch im Kreis der MPS zu ver- mitteln versuchte. Zum einen machte er es sich zum Grundsatz, dass die Wissenschaft den Blick für das Ganze haben muss. Ein Gesamtverständnis von einer Marktordnung kann nicht durch Forschungen oder Formeln gelöst werden, sondern müssen immer auch in Verbindung mit den Ordnungszu- sammenhängen in einer Gesellschaft betrachten werden. Weiter verstand er die Wissenschaft als eine praktische Wissenschaft, die auf der einen Seite der Politik beratend zur Seite stehen soll, zum anderen die Aufgabe innehat die Öffentlichkeit aufzuklären. Zuletzt verstand Röpke die Wissenschaft auch als eine moralische Wissenschaft. Die zu betrachtende Gesellschaft muss immer vor ihrem kulturellen Hintergrund analysiert werden, in der sie ge- wachsen ist. Dies folgte insbesondere aus seinen Erfahrungen in der Ver- gangenheit, im Besonderen in Deutschland.13

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form benutzt. Es können dabei aber sowohl männliche als auch weibliche Personen ge- meint sein.

2 Vgl. Plickert (2008), S. 1.

3 Vgl. Plickert (2008), S. 186.

4 Vgl. Walpen (2004), S. 145.

5 Wohlgemuth (2012), S. 4.

6 Vgl. Wohlgemuth (2012), S. 4.

7 Vgl. Hofmann/Schuhen/Schürkmann, S. 76.

8 Vgl. Goldschmidt (2009), S. 28f.

9 Aßländer/Ulrich (2009), S. 9.

10 Vgl. Brodbeck (2009), S. 62f.

11 Vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (2009).

12 Vgl. Aßländer/Ulrich (2009), S. 13.

13 Vgl. Hennecke (2005), S. 247f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Hunold-Affäre und ihre Auswirkung auf die Marktwirtschaft
Hochschule
Universität Siegen  (Zentrum für ökonomische Bildung)
Veranstaltung
Biographische Forschung und Soziale Marktwirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V292648
ISBN (eBook)
9783656897262
ISBN (Buch)
9783656897279
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hunold-Affaire, Marktwirtschaft, soziale Marktwirtschaft, Mont Plérin Society
Arbeit zitieren
Tobias Schulte (Autor), 2014, Die Hunold-Affäre und ihre Auswirkung auf die Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292648

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