Ein Komponist, der im Kaiserreich der Donaumonarchie geboren ist und auch noch in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts aktiv war, bietet sehr viel Stoff, – auch für Anekdotisches und kaum Haltbares. Und dies noch mehr, wenn er nur mit einem sehr kleinen Teil seines künstlerischen Gesamtschaffens präsent ist. Manch Hinterfragenswertes rund um das Werk von Oscar Straus hat sich durch die letzten zwei Jahrhunderte mitgeschleppt und wurde vielfach ungeprüft rezipiert.
Angesichts der 224-seitigen Straus-Biographie von Bernard Grun, „Prince of Vienna“ fällt das Kapitel, das die Komponisten Eysler, Fall und Straus in der „Kulturgeschichte der Operette“ desselben Autors zusammenfasst, eher dürftig aus.
Inhaltsverzeichnis
Überbrettl
Die lustigen Nibelungen
Hugdietrichs Brautfahrt
Die Perlen der Cleopatra
Fassungen
Anhang: „Die Perlen der Cleopatra“, Handlung und Musik in der Nummernfolge der Berliner Fassung (1924)
Nr. 1 Introduktion
Nr. 2 Auftrittslied
Nr. 3 Chor und Auftrittslied
Nr. 4 Duett
Nr. 5 Duett
Nr. 6 Szene und Duett
Nr. 7 Terzett
Nr. 7a Bühnenmusik
Nr. 8 Finale (Duett)
2. Akt
Nr. 9 Introduktion
Nr. 10 Chor, Ariette und Ensemble
Nr. 11 Ägyptischer Marsch
Nr. 12 Duett
Nr. 13 Ensemble
Nr. 13a Arie
Nr. 14
Nr. 15 Couplet
Nr. 16 Finale
3. Akt
Nr. 17 Musikalische Szene
Nr. 18 Reminiszenz und Melodram
Nr. 19 Marsch
Nr. 20. Buffo Duett
Nr. 21 Bühnenmusik und Finaletto
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das künstlerische Wirken des Komponisten Oscar Straus, insbesondere seine Positionierung im Spannungsfeld zwischen großer Oper und Kabarett sowie seinen Einfluss durch Jacques Offenbach. Dabei wird analysiert, wie Straus politische Satire und musikalische Travestie in seinen Bühnenwerken einsetzte, um gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und die Entwicklung des Musiktheaters seiner Zeit maßgeblich zu beeinflussen.
- Die ästhetische und künstlerische Auseinandersetzung mit Jacques Offenbach.
- Die Entwicklung und Bedeutung des Kabaretts "Überbrettl" für Straus' musikalische Handschrift.
- Analyse der burlesken Operetten "Die lustigen Nibelungen", "Hugdietrichs Brautfahrt" und "Die Perlen der Cleopatra".
- Das Spannungsfeld zwischen der Metropolen-Kultur in Wien und Berlin.
- Die Problematik der Überlieferung und wechselnden Fassungen von Operettenpartituren des frühen 20. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
Die lustigen Nibelungen
Klassische Mittel von Offenbachs Travestien, zur Erzeugung von Reibung und Humor bekannte Handlungen in andere Zeit und Kostümierung zu verlagern, führten bei Rideamus’ Adaption des „Nibelungen“-Stoffes zu Antizipationen des Regietheaters. Lange vor den Regisseuren im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts, die in Wagners „Ring“-Zyklus szenisch der Frage nachgingen, ob sich hinter dem Mythos nicht ein Abgesang auf das damals gerade aufblühende Industriezeitalter verberge, hatte Rideamus die Geschichte aus grauer Vorzeit in die Gegenwart verlegt. Wenn Siegfried in der Brautnacht anstelle Gunthers Brünnhilde niederringt, so tut er dies in den der Operette „Die lustigen Nibelungen“ mangels einer Tarnkappe mit Hilfe des elektrischen Lichts, das zu diesem Zweck in der Spielhandlung einfach ausgeschaltet wird. Und die heute viel diskutierte Frage, ob Richard Wagners Antisemitismus auch Eingang in seine Werke gefunden hat, erfährt – zumindest was die Rezeption um die Jahrhundertwende angeht – durch das Autorenkollektiv Rideamus und Straus durchaus Bestätigung:
Siegfried, das ist laut Straus und Oliven ein Fabrikant, der vom Kapital erschlagener Drachen lebt. Unmissverständlich wird deutlich, wer mit den erschlagenen Drachen gemeint ist: reiche, zumeist ausländische Kaufleute. Und die darf ein germanischer Recke doch wohl erschlagen. „So war's bei den Germanen seit Alters Brauch!“
Straus und Rideamus hatten die politische Entwicklung, die sich auch gegen ihre Operette richtete, nicht nur klar vorhergesehen, sondern auch überdeutlich in ihr Spiel vom deutschen Helden integriert: „Kein Tisch bleibt ganz, kein Stuhl, kein Spind, so oft Germanen gemütlich sind“, singen die Straus’schen Germanen, und sie berufen sich dabei auf Tacitus und den von ihm beschriebenen „Furor teutonicus“.
Zusammenfassung der Kapitel
Überbrettl: Analysiert die Gründung und Ausrichtung des Berliner Kabaretts unter Ernst von Wolzogen, das durch satirische und erotische Kleinkunst Straus zum Hauskomponisten machte.
Die lustigen Nibelungen: Beleuchtet die burleske Travestie des Nibelungenliedes als politisches Statement und deren kontroverse Aufnahme durch die zeitgenössische konservative Gesellschaft.
Hugdietrichs Brautfahrt: Untersucht die Verwendung von Mythen und griechischer Tragödie in Straus’ zweitem großen Bühnenwerk, das erneut durch gesellschaftskritische Untertöne und Erotik auffiel.
Die Perlen der Cleopatra: Analysiert die Dramaturgie, die politische Hellsichtigkeit und die musikalische Gestaltung dieser Operette, die Machtspiele und Intrigen als zentrale Motive behandelt.
Fassungen: Beschreibt die editorische Problematik der fehlenden gedruckten Partituren und der stetigen Veränderung von Straus’ Werken an verschiedenen Aufführungsorten.
Schlüsselwörter
Oscar Straus, Jacques Offenbach, Überbrettl, Die lustigen Nibelungen, Hugdietrichs Brautfahrt, Die Perlen der Cleopatra, Operette, Kabarett, Musiktheater, politische Satire, Travestie, Wiener Operette, Berlin, Musikgeschichte, Kompositionstechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk primär?
Das Buch analysiert das Leben und die künstlerische Entwicklung von Oscar Straus, mit einem besonderen Fokus auf die musikalische Verbindung zu Jacques Offenbach und die gesellschaftskritische Dimension seiner frühen Operetten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung der Operette im Spannungsfeld zwischen Kabarett-Tradition und großer Oper, die Rolle politischer Satire in Straus' Werk und die geographischen Unterschiede in der Rezeption zwischen Wien und Berlin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das oft unterschätzte oder falsch rezipierte Werk von Oscar Straus aufzuarbeiten, seine Verwandtschaft zu Offenbach zu ergründen und die politische Brisanz seiner burlesken Bühnenwerke zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine musikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf dem Studium von Partituren, Klavierauszügen, zeitgenössischen Kritiken und einer vergleichenden Betrachtung der unterschiedlichen Aufführungsfassungen basiert.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Analyse der drei zentralen Operetten ("Die lustigen Nibelungen", "Hugdietrichs Brautfahrt", "Die Perlen der Cleopatra") sowie der Bedeutung des "Überbrettl" für Straus' künstlerische Ausbildung.
Was charakterisiert die Arbeit in Bezug auf Keywords?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von Musikgeschichte mit politischer Zeitgeschichte aus, wobei Begriffe wie Satire, Travestie und die spezifische "Straus’sche Handschrift" im Zentrum stehen.
Warum gab es Schwierigkeiten bei der Aufführung der "Lustigen Nibelungen"?
Das Werk stieß aufgrund seiner satirischen Behandlung des deutschen Heldentums und antisemitischer Untertöne in der Operette auf erbitterten Widerstand in konservativen und rechtsgerichteten Kreisen, was teilweise zu Unruhen in den Theatern führte.
Welche Bedeutung hat die "Perlen der Cleopatra" im Kontext der politischen Entwicklung?
Die Operette antizipiert durch ihre Darstellung des machtbewussten Marc Anton eine Form von diktatorischem Prototyp, die erst in den späteren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in ihrer vollen destruktiven Tragweite durch historische Diktatoren sichtbar wurde.
- Quote paper
- Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author), 2015, Von den Nibelungen bis zu Cleopatra. Oscar Straus – Ein deutscher Offenbach?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292699