Die dependente Persönlichkeitsstörung. Ist die Verhaltenstherapie das richtige Behandlungsverfahren?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Persönlichkeitsstörungen - ein Überblick
2.1. Definition und Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen
2.2. Abgrenzung zu den klinischen Störungen
2.3. Kategoriale Klassifikation der einzelnen Persönlichkeitsstörungen

3. Die dependente/asthenische Persönlichkeitsstörung
3.1. Kurzbeschreibung und Diagnosekriterien
3.2 Ätiologie
3.2.1. Biologischer und genetischer Ansatz
3.2.2. Psychoanalytischer Ansatz
3.2.3. Ansatz der sozialen Lerntheorie
3.2.4. Kognitiver Ansatz

4. Therapie der dependenten Persönlichkeitsstörung
4.1. Grundannahmen der Verhaltenstherapie damals und heute
4.2. Ziele und Vorgehen in der Verhaltenstherapie
4.3. Ablauf einer Verhaltenstherapie in Bezug auf die dependente Persönlichkeitsstörung
4.3.1 Problembeschreibung
4.3.2. Problemanalyse
4.3.3. Zielanalyse
4.3.4. Veränderungsplanung
4.3.5. Verhaltenstherapeutische Intervention
4.4. Wichtige Methoden der Verhaltenstherapie und deren Anwendung auf die dependente Persönlichkeitsstörung
4.4.1. Operante Verfahren:
4.4.2. Methoden der Reizkonfrontation:
4.4.3. Verfahren der Selbststeuerung bzw. Selbstkontrolle
4.4.4. Das Rollenspiel
4.4.5. Therapiekontrolle

5. Kritik und Bewertung der Verhaltenstherapie
5.1. Symptomverschiebung
5.2. Manipulation und Steuerung des Menschen durch seine Umwelt
5.3. Einsatz von Bestrafungstechniken
5.4. Überforderung des Patienten

6. Zusammenfassung und Fazit
6.1. Zusammenfassung
6.2. Fazit

Quellenangaben

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Meine Facharbeit handelt von der dependenten Persönlichkeitsstörung.

Ich möchte dabei zunächst auf Persönlichkeitsstörungen im Allgemeinen eingehen und beginne deshalb mit einer kurzen Beschreibung von Persönlichkeitsstörungen und deren Klassifikation nach den Kriterien des DSM-IV und der ICD-10.

Auf dieser Grundlage nenne ich die Hauptkriterien von Persönlichkeitsstörungen und grenze sie von den klinischen Störungen ab. Danach gebe ich einen kurzen Überblick über die kategoriale Klassifikation der einzelnen Persönlichkeitsstörungen.

Im weiteren Verlauf beschreibe ich die dependente Persönlichkeitsstörung. Hier erläutere ich zuerst die Diagnosekriterien nach DSM-IV.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf den verschiedenen ätiologischen Ansätzen und schließlich auf den entsprechenden Therapieverfahren. Ich stelle den biologischen, den psychoanalytischen sowie den lerntheoretischen und den kognitiven ätiologischen Ansatz vor.

Bei den Therapieverfahren habe ich mich auf die Verhaltenstherapie beschränkt. Im Abschnitt „Therapie der dependenten Persönlichkeitsstörung“ gebe ich einen Überblick über den möglichen Ablauf einer Verhaltenstherapie und stelle einige ausgewählte Standartmethoden der Verhaltenstherapie dar.

Abschließend werde ich den verhaltenstherapeutischen Ansatz bewerten und auf einige häufige Kritikpunkte eingehen. Ich ende mit einem Fazit, indem schließlich auchdie Leitfrage meiner Arbeit beantwortet wird.

2. Persönlichkeitsstörungen - ein Überblick

2.1. Definition und Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen

Als Persönlichkeitsstörung bezeichnet man ein Muster von innerem Erleben und Verhalten, das merklich von den Erwartungen der Gesellschaft abweicht. Daraus resultieren primär interpersoneller Konflikte, da das abweichende Verhalten der betroffenen Person von der Umgebung nicht akzeptiert wird.

Die Persönlichkeitsstörungen werden zum einen nach dem amerikanischen DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) und zum anderen nach dem europäischen Klassifikationssystem ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) diagnostiziert. Innerhalb des multiaxialen Ansatzes werden Persönlichkeitsstörungen als Achse II-Störungen dargestellt und somit z.B. von den klinischen Störungen (Achse I), den allgemeinen medizinischen Zustandsbildern (Achse III) und den psychosozialen Faktoren (Achse IV) abgegrenzt.

Nach den allgemeinen diagnostischen Kriterien für Persönlichkeitsstörungen im DSM-IV äußert sich das unangepasste Verhaltensmuster der Achse II-Störungen in mindestens zwei der folgenden Bereiche: Kognition, Affektivität, Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und Impulskontrolle.

Es handelt sich dabei um ein langanhaltendes Verhaltensmuster, das unflexibel und tief greifend in persönlichen und sozialen Situationen auftritt. Dabei können in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen eintreten, ohne dass diese in der direkten körperlichen Wirkung einer Substanz, in einem medizinischen Krankheitsbild oder einer anderen psychischen Störung begründet sind.

Eine Persönlichkeitsstörung wird nur dann diagnostiziert, wenn die betroffene Person selbst einen Leidensdruck verspürt oder erhebliche soziale Konsequenzen vorliegen.

2.2. Abgrenzung zu den klinischen Störungen

Üblicherweise werden für die Persönlichkeitsstörungen sechs Merkmale beschrieben, die sie von den klinischen Störungen abgrenzen (Barnow, 2008, zitiert nach American Psychiatric Association). Dies beginnt bei der Beständigkeit der Symptomatik. Diese ist im Vergleich zu anderen psychischen Störungen eher stabil. Das zweite Merkmal stellt das vergleichsweise geringe Alter des Störungsbeginns dar. Überdies zeigen sich bei Persönlichkeitsstörungen eher geringe Therapieeffekte, das heißt die Therapieresponsibilität ist niedrig. Es besteht zudem eine geringe Einsicht in die Erkrankung, da sich verstärkt eine Ich-Syntonie zeigt, das heißt das eigene Erleben und Verhalten wird von den Betroffenen häufig nicht als abweichend bewertet, sondern als zu sich selbst gehörend empfunden. Die Komorbidität bei Persönlichkeitsstörungen ist hoch, ebenso wie die Symptomspezifität. Häufig treten dementsprechend als Folgeerscheinung weitere psychische Störungen, wie affektive Störungen, Phobien oder generalisierte Angststörungen auf.

Die Symptome sind für die einzelnen Persönlichkeitsstörungen recht spezifisch und gut von anderen Störungen, wie beispielsweise den psychotischen Störungen abgrenzbar.

Was die Ätiologie betrifft, so spielen eher umweltbedingte Ursachen eine Rolle für die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung.

2.3. Kategoriale Klassifikation der einzelnen Persönlichkeitsstörungen

Nach dem DSM-IV werden zehn verschiedene Persönlichkeitsstörungen beschrieben. Diese sind außerdem in die drei Cluster A, B und C eingeteilt, die auch Barnow (2008, S.28) genauer beschreibt. Cluster A beinhaltet dabei die „Exzentrischen Persönlichkeitsstörungen“, wie die paranoide, die schizoide und die schizotypische Persönlichkeitsstörung. Cluster B enthält die antisoziale, die Borderline-, die histrionische und die narzistische Persönlichkeitsstörung. Patienten dieses Clusters weisen oft dramatisches, emotionales oder unberechenbares Verhalten auf.

In Cluster C werden die selbstunsichere, die dependente und die zwanghafte Persönlichkeitsstörung zusammengefasst, die sich durch ängstlich-abhängiges und furchtsames Verhalten auszeichnen.

3. Die dependente/asthenische Persönlichkeitsstörung

3.1. Kurzbeschreibung und Diagnosekriterien

Als Hauptmerkmale der dependenten Persönlichkeitsstörung, im Folgenden auch kurz als DPS bezeichnet (ICD-10: F60.7, DSM-IV 301-6), sind die übertriebene Abhängigkeit von relevanten Bezugspersonen sowie das starke Bedürfnis, versorgt zu werden, wesentlich. Dieses Bedürfnis führt zu unterwürfigem, klammernden Verhalten. Die Betroffenen weisen häufig ein geringes Selbstbewusstsein sowie ein mangelndes Durchsetzungsvermögen auf. Sie ergreifen kaum die Initiative, fühlen sich schwach, hilflos oder inkompetent. Aus diesem Grund fällt es ihnen schwer, eigenständig Entscheidungen zu treffen, weshalb sie dies häufig ihren Mitmenschen überlassen. Dependente Persönlichkeiten leiden außerdem unter starken Trennungsängsten. Ihre eigene Meinung äußern sie oft nicht, aus Angst, verlassen zu werden. Sie erscheinen daher passiv und sehr anhänglich. Häufig ist ihnen eine depressive Grundstimmung zu eigen. Eine Trennung oder ein Betrug durch den Partner kann entweder zu Selbstmitlied, Depression und Suizidalität, jedoch auch zu Wutausbrüchen führen.

Der Beginn der Störung liegt im frühen Erwachsenenalter und äußert sich in verschiedenen Lebensbereichen.

In Anlehnung an die DSM-IV- Diagnosekriterien (Barnow, 2008, zitiert nach American Psychiatric Association, 1994) möchte ich hier die acht Merkmale nennen, von denen mindestens fünf auftreten müssen, um eine dependente Persönlichkeitsstörung diagnostizieren zu können:

Die betroffene Person ist unfähig, alltägliche Entscheidungen zu treffen und benötigt dafür den Rat oder die Bestätigung anderer.

Sie lässt andere die Verantwortung für verschiedene eigene Lebensbereiche übernehmen, wie z.B. die Entscheidung über den Wohnort, den Partner oder die ausgeübte Tätigkeit.

Die eigene Meinung wird aus Angst vor Ablehnung oder Verlust der Unterstützung anderer gegenüber den Mitmenschen nicht vertreten.

Betroffene zeigen stark eingeschränkte Eigenaktivitäten aufgrund von mangelndem Vertrauen in die eigene Urteilskraft bzw. in die eigenen Fähigkeiten. Die fehlende Motivation oder Tatkraft spielt hier eine untergeordnete Rolle.

Es wird alles Erdenkliche unternommen, um die Versorgung und Zuwendung anderer zu sichern und zu erhalten. Dabei werden häufig persönlich unangenehme oder erniedrigende Tätigkeiten übernommen.

Weiterhin vermeiden es Personen mit DPS nach Möglichkeit allein zu sein, da sie sich dann unwohl und hilflos fühlen, aus Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können.

Das Gefühl der Hilflosigkeit tritt verstärkt auf, wenn enge Beziehungen enden. Personen mit DPS suchen danach dringend nach einer neuen Beziehung als Quelle der Fürsorge und Unterstützung.

Sie sind außerdem im unrealistischen Ausmaß von Ängsten eingenommen, verlassen zu werden oder für sich selbst sorgen zu müssen.

3.2 Ätiologie

Es gibt unterschiedliche Theorien über die Entstehung der dependenten Persönlichkeitsstörung.

Ich möchte hier die genetischen, psychoanalytischen und kognitiven ätiologischen Konzepte sowie den Ansatz der sozialen Lerntheorie vorstellen. Diese werden von Barnow (2008, S. 276-279) sehr genau abgehandelt und durch Studien belegt.

3.2.1. Biologischer und genetischer Ansatz

Der Einfluss der Genetik auf die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen wurde in mehreren Zwillings- und Familienstudien untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen bestimmten angeborenen biologischen Faktoren und der Entwicklung der Störung besteht. Monozygote Zwillinge wiesen in den Ergebnissen eine mittlere bis hohe Korrelation hinsichtlich der DPS auf (Torgersen, 2000 in Barnow, 2008, S. 276), was für eine Vererbung der DPS spricht. Familienstudien konnten darüber hinaus nachweisen, dass die DPS familiär gehäuft auftritt.

Diese Studien geben jedoch keine Auskunft darüber, inwieweit die familiäre Häufung durch Umweltfaktoren oder genetische Dispositionen beeinflusst ist. Zusammenfassend ist zwar von einem genetischen Einfluss bei der Entstehung der DPS auszugehen; die Angaben der einzelnen Studien variieren jedoch teilweise erheblich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die dependente Persönlichkeitsstörung. Ist die Verhaltenstherapie das richtige Behandlungsverfahren?
Hochschule
BEST-Sabel-Bildungszentrum GmbH
Veranstaltung
Psychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V292764
ISBN (eBook)
9783656898481
ISBN (Buch)
9783656898498
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitsstörung, dependente Persönlichkeitsstörung, Verhaltenstherapie
Arbeit zitieren
Susan Modes (Autor), 2013, Die dependente Persönlichkeitsstörung. Ist die Verhaltenstherapie das richtige Behandlungsverfahren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292764

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