Einführung in die Akquise und Bearbeitung von Aufträgen am Beispiel eines Personaldienstleistungsunternehmens

Ein Lehr- und Arbeitsbuch mit mehr als 70 Aufgaben und Lösungen


Fachbuch, 2017
93 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Vorwort ... 1

1 Kundenakquise ... 2
1.1 Kundenbesuch ... 6
1.1.1 Fragetypen ... 9
1.1.2 Einwandbehandlung ... 10
1.2 Telefonakquise und Mailing ... 12

2 Angebotserstellung ... 13
2.1 Inhalte eines Angebots ... 13
2.2 Allgemeine Geschäftsbedingungen ... 16

3 Vertragsabschluss ... 20
3.1 Rechts- und Geschäftsfähigkeit, Willenserklärung ... 20
3.2 Arbeitsvertrag ... 22
3.3 Kündigungsschutz ... 24
3.4 Werkvertrag ... 30
3.5 Rahmenvertrag und Mastervertrag ... 31

4 Rechnungserstellung ... 33

5 Störung bei der Vertragserfüllung ... 35
5.1 Rechte bei Schlechtleistung ... 37
5.2 Schuldnerverzug ... 39
5.3 Mahnwesen ... 45
5.3.1 Außergerichtliches Mahnverfahren ... 45
5.3.2 Gerichtliches Mahnverfahren ... 47

6 Literaturverzeichnis ... 51

7 Lösungen ... 52

0 Vorwort

Das Buch gibt eine Einführung in die Akquise und Auftragsbearbeitung eines Personaldienstleistungsunternehmens. Das Buch orientiert sich an Lernfeld 9 („Aufträge akquirieren und bearbeiten“) des Bildungsplans für Personaldienstleistungskaufleute in Baden-Württemberg sowie der Handreichung zur Umsetzung des LernfeldLehrplans für Personaldienstleistungskaufleute, ist jedoch auch für andere kaufmännische Ausbildungsberufe geeignet.

Das Buch ist als Lehr- und Arbeitsbuch konzipiert und beinhaltet zahlreiche Aufgaben, die zur Einübung und Vertiefung der theoretischen Inhalte und Vorbereitung auf die Abschlussprüfung gedacht sind. Als Modellunternehmen dient die Blau-Weiß GmbH, ein im Großraum Karlsruhe tätiges Personaldienstleistungsunternehmen. Darüber hinaus wird regelmäßig Bezug auf das reale Ausbildungsunternehmen genommen, um die theoretischen Inhalte unmittelbar anhand praxisnaher Situationen „greifbarer“ zu machen.

Im Hinblick auf die Abschlussprüfung werden bei den Problemstellungen auch Inhalte der beiden vorangegangenen Ausbildungsjahre, d.h. der Lernfelder 1 bis 8, herangezogen. Hierdurch werden zum einen bereits behandelte Themen aufgefrischt sowie zum anderen die Komplexität der Problemstellungen gesteigert und somit der realen Arbeitswelt angepasst.

Waldbronn, August 2016
Sven Wettach

1 Kundenakquise

Nach dem erfolgreichen Abschluss Ihrer Ausbildung arbeiten Sie als Personaldisponent/-in für die Blau-Weiß GmbH, einem regional tätigen Personaldienstleistungsunternehmen. Das Unternehmen beschäftigt verteilt auf fünf Niederlassungen in Karlsruhe, Ettlingen, Baden-Baden, Pforzheim und Rastatt ca. 500 Zeitarbeitnehmer, sowohl im Helfer- als auch im Angestelltenbereich. Im Jahresmittel erwirtschaftet das Unternehmen mit der Überlassung von Arbeitnehmern pro Monat einen Umsatz von 1 Mio. €. Über die Überlassung hinaus ist das Unternehmen auch in der Vermittlung von Arbeitskräften tätig. Schwerpunkt hierbei ist die Vermittlung von nichtakademischen Fachkräften. Mit der Vermittlung dieser Fachkräfte wird ein jährlicher Umsatz von 2 Mio. € erwirtschaftet.

Gegenwärtig sind Sie der Niederlassung in Karlsruhe eingesetzt und dort auch maßgeblich für die Betreuung und Ausbildung einer Auszubildenden verantwortlich. Ein Tagesordnungspunkt der anstehenden Teamsitzung Ihrer Niederlassung ist die aktuelle wirtschaftliche Situation, über die Sie berichten sollen. Hierzu haben Sie aus dem Controlling diverse Angaben für die Niederlassung Karlsruhe erhalten.

Für Ihre Präsentation haben Sie die nachstehende Grafik angefertigt, die die in Karlsruhe erzielte Erlöse mit der Überlassung von Mitarbeitern an die fünf wichtigsten Kunden (A bis E) im vorangegangenen Halbjahr aufzeigt. Diese Kunden sind alle in der Metall- und Elektroindustrie (M&E) tätig.

Abbildung 1 Umsatz durch ANÜ im letzten Halbjahr, NL Karlsruhe

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt.]

Mit den weiteren Kunden F, G und H, die alle in der Logistikbranche tätig sind, erlöste Ihre Geschäftsstelle in den letzten sechs Monaten mit der Arbeitnehmerüberlassung in Summe 90.000€. Im Bereich der Personalvermittlung ist Ihre Geschäftsstelle in den letzten Monaten nicht aktiv gewesen, entsprechend wurden keine Erlöse erzielt.

Die Kosten, die Ihrer Geschäftsstelle zugerechnet wurden, beliefen sich insgesamt im selben Zeitraum auf 1,6 Mio. €, 100.000€ hiervon waren variable Kosten. Die Auslastung Ihrer externen Mitarbeiter betrug 98%.

Aufgabe 1

Aufgrund Ihrer Analyse gelangen Sie zu dem Schluss, dass es um Ihre Geschäftsstelle längst nicht so gut bestellt ist, wie die aktuellen Zahlen glauben machen. Erklären Sie Ihren Kollegen drei strukturelle ökonomische Risiken der Geschäftsstelle.

Ihre Kollegen stehen Ihren Anmerkungen kritisch gegenüber und verweisen als Beleg für die ihrer Ansicht nach ausgezeichnete wirtschaftliche Lage auf die Gewinnmarge der Geschäftsstelle, die bei 15% liegen sollte.

Aufgabe 2

Überprüfen Sie nachvollziehbar rechnerisch die Aussage zur Höhe der Gewinnmarge der Geschäftsstelle.

Die Kollegen werfen Ihnen weiterhin „Schwarzmalerei“ vor. Sie versuchen sie für die wirtschaftlichen Risiken zu sensibilisieren, indem Sie darlegen, wie sich der Gewinn der Geschäftsstelle verhält, wenn der Umsatz aufgrund einer Abkühlung der Gesamtwirtschaft um zehn Prozent rückläufig ist.

Aufgabe 3

Ermitteln Sie nachvollziehbar den Gewinn in diesem Szenario in Euro sowie die prozentuale Veränderung gegenüber der aktuellen Situation.

Mit dem Aufzeigen der Auswirkungen dieses Szenarios gelingt es Ihnen, Ihre Kollegen von Ihrer Argumentation zu überzeugen. Sie werden beauftragt, für den Jour fixe in der kommenden Woche Vorschläge auszuarbeiten, mithilfe derer die strukturellen Probleme der Geschäftsstelle verringert werden können.

Aufgabe 4

Überlegen Sie sich geeignete Lösungsvorschläge für die strukturellen Probleme der Geschäftsstelle und bereiten Sie diese grafisch in geeigneter Weise für die Teamsitzung auf. Weisen Sie in Ihrem Vortrag auch auf mögliche Umsetzungsprobleme hin (diese brauchen Sie nicht in Ihre Grafik einzuarbeiten).

Frau Schmarow, Ihre Niederlassungsleiterin, bedankt sich für Ihre Präsentation und nach Aussprache mit dem Team werden diverse Maßnahmen beschlossen. Eine dieser Maßnahmen ist die verstärkte Werbung in der Logistikbranche. Hierfür werden eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung, der regionalen Sonntagszeitung oder einer bundesweiten Fachzeitschrift sowie ein Radiospot in Erwägung gezogen. Die Recherche ergab folgende Mediadaten:

Abbildung 2 Mediadaten

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt.]

Aufgabe 5

Wählen Sie eine geeignete Methode zur Entscheidungsfindung und legen Sie begründet dar, in welchem Medium Sie die Werbung platzieren.

Seit dieser Woche betreuen Sie die neue Auszubildende, die kürzlich eine Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau begonnen hat. In der heutigen Teamsitzung fiel mehrfach der Begriff „Akquise“, über dessen Bedeutung sich die Auszubildende nicht ganz klar ist.

Aufgabe 6

Erklären Sie der Auszubildenden kurz den Begriff „Akquise“ im Allgemeinen und unterscheiden Sie anschließend in Kalt- und Warmakquise. Erklären Sie kurz jeweilige Vorteile.

Die Auszubildende ist verwundert, dass es in der Branche üblich ist, „auf gut Glück“ wahllos bei Unternehmen anzurufen, um die eigenen Dienstleistungen anzubieten.

Sie erwidern, dass Sie nicht „wahllos“ bei Unternehmen anrufen.

Aufgabe 7

Erklären Sie der Auszubildenden, welche Informationen Sie im Vorfeld einer Kontaktaufnahme mit einem potenziellen neuen Kunden recherchieren. Fertigen Sie hierzu eine Mindmap an.

Aufgabe 8

Nennen Sie der Auszubildenden Quellen, wo Sie die gewünschten Informationen für das Kundenprofil möglicherweise erhalten.

Aufgabe 9

Recherchieren Sie im Internet das Profil eines potenziellen Kunden und erstellen Sie ein übersichtliches Kundenprofil. Halten Sie fest, wo Sie welche Informationen gefunden haben und welche Webseiten für Sie besonders aussagekräftig waren.

1.1 Kundenbesuch

Kommunikation findet immer zwischen mindestens zwei Beteiligten statt: dem Sender und dem Empfänger. Kommunikation erfolgt nicht nur verbal, sondern auch ohne Worte (nonverbal) u.a. durch Gestik, Mimik und Körperhaltung.

Abbildung 3 Sender-Empfänger-Modell

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt.]

Ihre Auszubildende möchte konkret wissen, wie nonverbale Kommunikation bei einem Gespräch mit einem Kunden erfolgen kann.

Aufgabe 10

Beschreiben Sie kurz drei Beispiele für nonverbale Kommunikation.

Bei der Übermittlung der Nachricht kann es zu Störungen im akustischen (z.B. Lärmpegel, unklare Aussprache), inhaltlichen (z.B. Doppeldeutigkeit, Fachsprache) oder auch zwischenmenschlichen (z.B. Antipathie, Vorurteile) Bereich kommen. Um Störungen in der Kommunikation zu vermeiden, sollte der Sender sich eindeutig artikulieren, Ich-Botschaften vermitteln und kurze Erklärungen zur Verdeutlichung geben. Der Empfänger sollte bei Unklarheiten nachfragen und Äußerungen z.B. zu Problemen nicht als persönliche Schuldzuweisung auffassen.

Nach dem Kommunikationsmodell von Schulz von Thun hat eine Nachricht über die „eigentliche“ inhaltliche Ebene - die Sachebene - hinaus noch drei weitere Ebenen, die das nachstehende Schaubild aufzeigt.

Abbildung 4 Kommunikationsmodell von Schulz von Thun

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt.]

Frau Schmarow, die Niederlassungsleiterin, kommt in Ihr Büro und sagt zu Ihnen:

„Die Werbeanzeige ist noch nicht fertiggestellt!“

Aufgabe 11

Formulieren Sie Beispiele zu den vier möglichen Seiten dieser Botschaft.

Auf Ihre Anzeige hin werden Sie von einem regionalen, auf den Transport von Tiefkühlprodukten spezialisierten Logistikunternehmen, der Fresh Logistik GmbH, kontaktiert. Die Sekretärin des Geschäftsführers Herrn Senac ruft Sie in dessen Auftrag an und vereinbart einen Gesprächstermin für die kommende Woche im Gebäude des Logistikunternehmens.

Aufgabe 12

Erklären Sie Ihrer Auszubildenden, wie Sie sich auf den Besuch vorbereiten und wie ein Kundengespräch idealtypisch abläuft. Verdeutlichen Sie Ihre Erläuterungen anhand einer geeigneten Skizze zum Ablauf des Kundenbesuchs.

Die Auszubildende wird Sie zum Kunden begleiten. Für die Auszubildende ist es der erste Kundenbesuch und sie ist sich unsicher, wie sie sich verhalten und kleiden soll.

Aufgabe 13

Erklären Sie Ihr in Stichworten, wie das äußere Erscheinungsbild, die Mimik und die Sprache bei einem Kundenbesuch sein sollten. Legen Sie anschließend kurz dar, wie die Gestik bei einem persönlichen Kundengespräch nicht sein sollte.[1]

Sie weisen die Auszubildende darauf hin, dass es bei Ihren früheren Besuchen bei potenziellen Neukunden wichtig war, dem Kunden die Vorteile der Zeitarbeit für sein Unternehmen darzulegen. Sie möchten deshalb eine Liste mit Vorteilen als Argumentationshilfe für Kundenbesuche vorbereiten.

Aufgabe 14

Halten Sie in Stichworten Vorteile des Einsatzes von Zeitarbeitnehmern für das Kundenunternehmen fest.

Gemeinsam mit der Auszubildenden treffen Sie sich mit dem Geschäftsführer der Fresh Logistik GmbH. Nach dem anfänglichen Small Talk äußert Herr Senac, dass er sich über die rechtliche Beziehung zwischen seinem Unternehmen, dem Arbeitnehmer und unserem Personaldienstleister im Unklaren ist.

Aufgabe 15

Fertigen Sie eine geeignete Skizze an, die die Vertragsverhältnisse zwischen den drei Beteiligten darstellt.

1.1.1 Fragetypen

Durch den Einsatz verschiedener Fragetypen (= Fragetechnik) können Gespräche in eine gewünschte Richtung gelenkt werden.[2] Generell gilt, dass Fragen in Gesprächen mit Kunden von besonderer Bedeutung sind, da sie nicht nur Interesse an den Äußerungen des Kunden signalisieren, sondern auch helfen, Unklarheiten zu beseitigen.

Offene Fragen lassen sich nicht durch ein „ja“ oder „nein“ beantworten, sondern führen dazu, dass der Gefragte umfangreich antwortet. Hierdurch erhält der Fragende viele Informationen - dies ist v.a. zu Beginn eines Gespräches sinnvoll und von großem Nutzen für den weiteren Gesprächsverlauf. Nachteile dieses Fragetyps sind darin auszumachen, dass das Gespräch vom Fragenden weniger gesteuert werden kann und der Antwortende ggf. sehr umfassende Antworten mit Informationen gibt, die vom Fragenden nicht benötigt werden und sich das Gespräch somit in die Länge zieht.

Im Unterschied zu offenen Fragen können geschlossene Fragen sinnvoll mit einem Wort beantwortet werden. Dies verkürzt die Gesprächsdauer, da der Fragende zielgerichtet Antworten erhält.

Reflektierende Fragen fassen das Gehörte zusammen. Der Fragende erhält hierdurch vom Kunden eine Rückmeldung, ob er bis dahin alle Informationen richtig aufgenommen hat. Mögliche Unklarheiten können somit schnell ausgeräumt werden. Alternativfragen eigenen sich um das Gespräch zu steuern oder um, insbesondere bei wenig entscheidungsfreudigen Gesprächspartnern, den Abschluss einzuleiten. Dem Kunden werden zwei Alternativen zur Auswahl angeboten, unter denen er eine wählt.

Aufgabe 16

Formulieren Sie zu jedem Fragetyp ein Beispiel aus einem Kundengespräch in wörtlicher Rede.

1.1.2 Einwandbehandlung

Unter einem Einwand wird der Vorbehalt eines Gesprächspartners in Bezug auf eine ihm vorgeschlagene Lösung verstanden.[3] Die Gründe für einen Einwand sind unterschiedlicher Natur.

Abbildung 5 Arten von Einwänden

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt.]

Einwände aufgrund unvollständiger oder falscher Information des Gegenübers können im Gespräch durch der Situation angepasste Erklärungen behoben werden. Durch einen taktischen Einwand eines Kunden versucht dieser den Handel zu seinen

Gunsten zu beeinflussen, signalisiert damit gleichzeitig aber auch Interesse an einem Abschluss. Liegen für den Gesprächspartner rationale Gründe vor, die gegen die angebotene Lösung sprechen, liegt ein wahrheitsgemäßer Einwand vor. Äußerst der Kunden seine Vorbehalte nicht direkt, sondern schiebt einen anderen Grund für seine ablehnende Haltung vor, wird dies als Vorwand bezeichnet.

Zur Einwandbehandlung bieten sich unterschiedliche Methoden an.[4] Nachstehend werden die Gegenfrage, die Umwandlung sowie die Präventivaussage anhand von Beispielen aus der Personaldienstleistungsbranche kurz vorgestellt.

Äußert ein Kunde beispielsweise den Einwand „Zeitarbeitnehmer sind unzuverlässig!“ ist hierauf kaum eine sinnvolle Antwort möglich. Durch das Stellen einer Gegenfrage „Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?“ übernimmt der Disponent wieder die Führung des Gesprächs und der Gegenüber wird aufgefordert, neue Informationen zu liefern, auf die der Disponent seinerseits argumentativ eingehen und Lösungen anbieten kann.

Einwände artikulieren meistens klar, was der Gegenüber nicht haben möchte. Indirekt gibt der Kunde dabei aber auch als weitere Botschaft an, was er haben möchte. „Die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern hat sich für uns nicht bewährt: Die Einarbeitungszeit für Zeitarbeitskräfte dauert zu lange!“ An der Tatsache der Dauer der Einarbeitung kann der Personaldisponent nichts ändern, die Tätigkeit, für die der Kunde Personal sucht, bedingt offensichtlich eine intensive Einarbeitung, sodass für diese Tätigkeit Personalüberlassung vermutlich keine optimale Lösung darstellt. Der Disponent kann seinem Gesprächspartner jedoch anbieten, dem Kundenunternehmen bei der Suche nach Fachkräften im Rahmen einer Personalvermittlung behilflich zu sein.

Einwände, die ein Personaldisponent im Laufe des Gesprächs ohnehin vom Kunden erwartet, können von Disponenten selbst angesprochen und hierbei unmittelbar entkräftet bzw. mit Vorteilen für den Kunden verbunden werden. Erwartet der Disponent beispielsweise, dass der Kunde die Höhe der Verrechnungspreise ansprechen und auf günstigere Konditionen von Wettbewerbern hinweisen wird, kann dieser Einwand vorweggenommen werden: „Sie wissen, dass wir nicht zu Billiganbietern in der Zeitarbeit gehören, da wir unseren externen Mitarbeitern übertarifliche Löhne bezahlen, um die Zuverlässigkeit und Zufriedenheit unserer Mitarbeiter zu erhöhen.“

Sie berichten Ihrer Auszubildenden von früheren Erstbesuchen bei möglichen Kunden. Bei diesen haben Ihre Gesprächspartner unterschiedliche Einwände in der Kontaktphase des Gesprächs vorgebracht.

- „Wir haben keinen Bedarf!“
- „Wir arbeiten bereits mit einem Wettbewerber zusammen und sind zufrieden!“
- „Wir haben mit Zeitarbeit keine guten Erfahrungen gemacht!“
- „Der Verrechnungssatz ist ja höher als der Stundenlohn eines Mitarbeiters der Stammbelegschaft!“

Aufgabe 17

Formulieren Sie in direkter Rede Möglichkeiten zur Behandlung dieser Einwände.

1.2 Telefonakquise und Mailing

Neben dem persönlichen Besuch beim Kunden stellen die Akquise per Telefon und der Versand von Anschreiben (Mailing) per Post oder Email weitere Formen des Kundenkontakts dar. Beiden ist gemein, dass im Unterschied zum Kontakt vor Ort kein Blickkontakt möglich ist und somit Mimik, Gestik oder Körpersprache vom Gesprächspartner nicht wahrgenommen werden können. Bei der schriftlich geführten Kommunikation per Brief oder Email fehlt darüber hinaus auch noch die Sprache als Kommunikationsmittel. Im Vergleich zum direkten Gespräch vor Ort sind diese beiden Medien somit unpersönlicher.

Aufgabe 18

Erklären Sie, in welchen Fällen Sie sich für einen persönlichen Besuch, für Telefongespräch oder für Mailing entscheiden und nennen Sie Vorteile des jeweiligen Kommunikationsmittels.

Aufgabe 19

Skizzieren Sie, wie ein Geschäftsbrief grundsätzlich aufgebaut ist und welche Elemente dieser enthält.

2 Angebotserstellung

2.1 Inhalte eines Angebots

Ein Angebot eines Personaldienstleistungsunternehmens sollte beinhalten:[5]

- Art der Dienstleistung (Überlassung, Vermittlung etc.) und ein Kurzprofil des Arbeitnehmers,
- Beginn und - sofern bekannt - Dauer der Überlassung,
- Stundenverrechnungssatz bzw. Vermittlungsprovision,[6]
- Bedingungen bei Übernahme des Zeitarbeitnehmers durch den Kunden,
- Verweis auf Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB).

Weitere Details, z.B. zu den Zahlungsbedingungen, der persönlichen Schutzausrüstung oder dem Erfüllungsort und dem Gerichtsstand werden üblicherweise im Arbeitnehmerüberlassungsvertrag festgehalten.

Betrifft das Angebot statt einer Dienstleistung Sachgüter, sind Angaben zur Beschaffenheit und Güte der Ware und den Lieferbedingungen in das Angebot aufzunehmen.

Die rechtliche Bindung an ein Angebot erlischt nach Ablauf der Annahmefrist. Die Annahme muss unter Anwesenden oder am Telefon sofort erfolgen, bei Abwesenden bis zu dem Zeitpunkt, zu welchem der Antragende den Eingang unter regelmäßigen Umständen erwarten kann. Wie schnell eine Antwort zu erwarten ist, hängt vom gewählten Kommunikationsmittel ab: bei einer Email oder einem Fax ca. zwei Tage, bei einem Brief ca. fünf bis sieben Tage. Die verspätete oder abgeänderte Annahme eines Antrags gilt als neuer Antrag.

Durch Freizeichnungsklauseln kann die rechtliche Bindung an ein Angebot eingeschränkt werden. Beispiele hierfür sind: Preis freibleibend, unverbindlich, Lieferung solange Vorrat reicht.

Sie konnten Herrn Senac, den Geschäftsführer der Fresh Logistik GmbH, von den Vorteilen der Arbeitnehmerüberlassung überzeugen und vereinbaren, dass Sie ihm ein individuelles Angebot in den nächsten Tagen zusenden.

Der von Ihnen zu überlassende Mitarbeiter soll im Lager des Logistikunternehmens eingesetzt werden. Zu den hierbei anfallenden Tätigkeiten gehören laut dem Geschäftsführer die Beförderung von Gütern mit Flurförderfahrzeugen im Lager und die Verladung der tiefgekühlten Güter auf LKWs. Sie planen, Ihren Mitarbeiter Herrn Lizarazu an die Fresh Logistik GmbH zu überlassen. Herr Lizarazu hat sich in der Vergangenheit als zuverlässiger Mitarbeiter erwiesen und ist aktuell verfügbar.

Aufgabe 20

Erklären Sie Ihrer Auszubildenden, welche Voraussetzungen Herr Lizarazu erfüllen muss, damit er der Fresh Logistik GmbH überlassen werden kann und weshalb die Prüfung der Voraussetzungen im Vorfeld der Überlassung für Sie als Personaldienstleistungsunternehmen wichtig ist. Erklären Sie weiter, was es bei der erstmaligen Überlassung in ein neues Kundenunternehmen zu beachten gilt.

Ihre Auszubildende berichtet, dass sie bei einem Telefonat eines Kollegen mit einem Kunden gehört hat, dass der Kollege den Kunden um die Nennung eines Vergleichslohns gebeten hat.

Aufgabe 21

Erklären Sie Ihrer Auszubildenden, was ein Vergleichslohn ist und welche Bedeutung diesem für die Höhe des Verrechnungssatzes zukommt.


[1] Siehe hierzu auch die Videos von Samy Molcho zur Körpersprache im Verkaufsgespräch bei youtube.

[2] Siehe im Folgenden: Beste, J. et al.: Personaldienstleistungskaufleute. 3. Ausbildungsjahr. Köln 2013, S. 23ff.

[3] Siehe im Folgenden: Beste, J. et al.: Personaldienstleistungskaufleute. 3. Ausbildungsjahr. Köln 2013, S. 25.

[4] Siehe hierzu im Folgenden: Salesfocus.at: Einwandbehandlung. http://www.salesfocus.at/einwandbehandlung/.

[5] Siehe hierzu ausführlich: Beste, J. et al.: Personaldienstleistungskaufleute. 3. Ausbildungsjahr. Köln 2013, S. 86ff.

[6] Zur Kalkulation des Stundenverrechnungssatzes siehe: Wettach, S.: Einführung in das interne und externe Rechnungswesen am Beispiel eines Personaldienstleistungsunternehmens: Ein Lehr- und Arbeitsbuch mit mehr als 100 Aufgaben und Lösungen. Hamburg 2014.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Akquise und Bearbeitung von Aufträgen am Beispiel eines Personaldienstleistungsunternehmens
Untertitel
Ein Lehr- und Arbeitsbuch mit mehr als 70 Aufgaben und Lösungen
Autor
Jahr
2017
Seiten
93
Katalognummer
V292772
ISBN (eBook)
9783656898726
ISBN (Buch)
9783656898733
Dateigröße
1357 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personal, Zeitarbeit, Akquise, Personaldienstleistung, BWL
Arbeit zitieren
Sven Wettach (Autor), 2017, Einführung in die Akquise und Bearbeitung von Aufträgen am Beispiel eines Personaldienstleistungsunternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292772

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