Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sind einer der Grundpfeiler deutscher Außenpolitik. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wandelte sich die Rolle Amerikas von der Besatzungsmacht zur Schutzmacht, die während des Kalten Krieges die Sicherheit Westeuropas garantierte. Das wirtschaftliche und politische Gewicht der Bundesrepublik ließen sie zum „Juniorpartner der Weltmacht“1 werden, dem Präsident Bush 1989 sogar eine Mitführungsrolle anbot, was aber die Möglichkeiten Deutschlands zu diesem Zeitpunkt überstieg. Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und der deutschen Wiedervereinigung änderten sich die weltpolitischen Bedingungen der deutschen Außenpolitik und damit die der deutsch-amerikanischen Beziehungen.2 Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen nun zunächst die Veränderungen bei den Interessen und Möglichkeiten deutscher und amerikanischer Außenpolitik in den neunziger Jahren aufgezeigt werden, und zwar unter Berücksichtigung des Golfkrieges und der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Im Hauptteil der Arbeit wird dann die Rolle der deutsch-amerikanischen Beziehungen bei der NATO-Osterweiterung und dem Aufbau einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) in der Europäischen Union untersucht. Diese Fokussierung berücksichtigt die Integration Deutschlands in NATO, EU und WEU und soll eine Antwort auf die Frage ermöglichen, ob die Bundesrepublik die Rolle als Juniorpartner hinter sich lassen konnte.
1 Haftendorn, Helga, Der gütige Hegemon und die unsichere Mittelmacht: deutsch-amerikanische Beziehungen im Wandel, in: AusPuZ, 29-30/99, S. 4.
2 Vgl. ebd., S. 3f.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Deutsche und amerikanische Außenpolitik im Wandel
2.1. Grundzüge der deutschen Außenpolitk in den 90ern – Die Beendigung der Sonderrolle
2.1.1. Deutschland nach der Wiedervereinigung
2.1.2. Die deutsche Rolle im Golfkrieg
2.1.3. Der Krieg in Jugoslawien
2.2. Grundzüge der amerikanischen Außenpolitik – Von der neuen Weltordnung zur eingeschränkten Hegemonie
2.2.1.Die Regierung Bush
2.2.2. Die Regierung Clinton
3. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Rahmen der NATO
3.1. Das wiedervereinigte Deutschland als Juniorpartner der USA
3.2. Das gemeinsame Ziel der Osterweiterung
3.3. Die Durchführung der NATO-Osterweiterung
4. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen im EU-Kontext
4.1. Deutschland zwischen transatlantischer und europäischer Verpflichtung
4.2.Clinton und das CJTF-Konzept
4.3. ESVP und NATO
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation der deutsch-amerikanischen Beziehungen in den 1990er Jahren unter dem Einfluss der veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung ihre traditionelle Rolle als Juniorpartner der USA hinter sich lassen konnte, während sie gleichzeitig ihre Integration in NATO und EU intensivierte.
- Wandel der deutschen Außenpolitik und das Ende der Sonderrolle nach 1990
- Die amerikanische Außenpolitik zwischen globalem Führungsanspruch und eingeschränkter Hegemonie
- Der Einfluss der NATO-Osterweiterung auf das transatlantische Bündnisgefüge
- Die Rolle Deutschlands beim Aufbau einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU
Auszug aus dem Buch
2.1.3. Der Krieg in Jugoslawien
Slowenien und Kroatien, die sich am 25. Juni 1991 für unabhängig erklärt hatten, wurden am 15. Januar von den EG-Staaten völkerrechtlich anerkannt. Dies geschah auf massiven Druck der Regierung Kohl/Genscher und widersprach der Position von UN und USA. Es schien als hätte Europa seine politische Führungsmacht gefunden. Aber erstens läßt sich dieses entgegenkommen von Franzosen und Briten bei der Anerkennung als Reaktion auf weitreichende Zugeständnisse Deutschlands bei der europäischen Währungspolitik erklären, und zweitens wurde schnell klar, daß Deutschland bei weiterer Eskalation auf dem Balkan keine Führung übernehmen wollte. Auch wurde die Teilnahme eigener Streitkräfte an einer Friedenstruppe ausgeschlossen. Die völkerrechtliche Anerkennung war, ohne glaubhaft zu machen, daß man auch mit Waffengewalt für die Unabhängigkeit der beiden Staaten eintreten würde, ein fataler Fehler. Die Westeuropäer nahmen die Ausweitung des Angriffskriegs der Serben ohne Reaktion hin. Es wurde offenbar, daß eine Außenpolitik des „guten Beispiels“, die sich nur auf diplomatische Mittel verließ, eine militärische Aktion aber ausschloß, keine Aussicht auf Erfolg haben konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Definition des Untersuchungsgegenstands und Klärung der Forschungsfrage hinsichtlich der deutschen Rolle als Juniorpartner nach dem Kalten Krieg.
2. Deutsche und amerikanische Außenpolitik im Wandel: Analyse der sich ändernden außenpolitischen Interessen Deutschlands und der USA nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konflikts.
3. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Rahmen der NATO: Untersuchung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, insbesondere im Kontext der NATO-Osterweiterung und der deutschen Einbindung.
4. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen im EU-Kontext: Beleuchtung der Herausforderungen zwischen europäischer Identität und transatlantischer Bindung im Rahmen der ESVP.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung der Bundesrepublik zu einem wichtigen, aber weiterhin in Institutionen eingebundenen Partner der USA.
Schlüsselwörter
Außenpolitik, Deutschland, USA, transatlantische Beziehungen, NATO, Europäische Union, Wiedervereinigung, Juniorpartner, Sicherheitspolitik, Krisenmanagement, NATO-Osterweiterung, GASP, ESVP, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen in den 1990er Jahren, geprägt durch die deutsche Wiedervereinigung und den Zusammenbruch des bipolaren Weltbildes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Außenpolitik Deutschlands und der USA, die Rolle der NATO in Europa sowie die Bemühungen um eine europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob Deutschland im Laufe der 1990er Jahre seine Rolle als "Juniorpartner" der USA überwinden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Literatur- und Dokumentenanalyse der außenpolitischen Strategien beider Staaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Reaktionen auf den Golfkrieg und Jugoslawien-Krieg, der NATO-Osterweiterung sowie der Etablierung europäischer Sicherheitsstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Juniorpartner", "neue Weltordnung", "transatlantische Beziehungen" und "Krisenmanagement".
Warum war die Scheckbuchdiplomatie der 90er Jahre problematisch?
Sie führte besonders nach der Wiedervereinigung zu Verbitterung bei den amerikanischen Partnern, da von Deutschland aufgrund seiner ökonomischen Stärke zunehmend eine aktive militärische Beteiligung erwartet wurde.
Welchen Einfluss hatte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1994?
Das Urteil ermöglichte "out-of-area-Einsätze" der Bundeswehr, was das Ende der deutschen "Trittbrettfahrer-Mentalität" einleitete und den Weg zur Teilnahme an internationalen Missionen ebnete.
- Quote paper
- Daniel Daimer (Author), 2001, Die transatlantischen Beziehungen in den Neunzigern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29281