Transatlantische Zusammenarbeit der Starkstromindustrie in der Zwischenkriegszeit


Seminararbeit, 2001

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung

2. Die Starkstromindustrie vor dem Ersten Weltkrieg
2.1. Die „Big Four“
2.2. Nationale Zusammenarbeit
2.3. Internationale Zusammenarbeit

3. Die Situation nach Ende des Ersten Weltkrieges

4. Die Unternehmensstrategien nach Ende des Ersten Welkrieges
4.1. Die Strategie der deutschen Firmen
4.2. Die Strategie von GE

5. Internationale Zusammenarbeit in der Zwischenkriegszeit
5.1. Das Wiederaufleben der transatlantischen Beziehungen
5.2. Die Kartellierung des internationalen Marktes für Glühlampen
5.2.1. Die Situation der Glühlampenindustrie
5.2.2. Phoebus
5.3. Verstärkte internationale Zusammenarbeit

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Konzentration und Kartellierung gelten als zwei wichtige Merkmale der Entwicklung der Industrie in der Weimarer Republik. Aufgrund der rechtlichen Lage hatte die deutsche Wirtschaft eine besonders aktive Rolle bei der Gründung von Kartellen, von lockeren Absprachen bis hin zu umfangreichen Marktregulierungen. Diese Formen der Zusammenarbeit gab es auf nationaler ebenso wie auf internationaler Ebene.

Im folgenden sollen insbesondere Absprachen zwischen deutschen und US-amerikanischen Unternehmen der Starkstromindustrie untersucht werden. In den Bereich des Starkstromsektors fallen alle Produkte von der Stromerzeugung und –übertragung bis hin zu Haushaltsgeräten und Lampen. Nachrichtentechnik, also Rundfunk, Fernschreib- und Telefontechnik wird vom Schwachstromsektor hergestellt Für den Umfang dieser Arbeit bot sich eine derartige Fokussierung an. Die wichtigsten Absprachen fanden zwischen den vier ¸global players´ dieser Zeit statt, sodaß die einzelnen Beziehungen untereinander gut herauszuarbeiten sind. Ein Teilmarkt des Starkstrommarktes ist der Glühlampenmarkt, auf dessen Kartellierung besonders eingegangen wird.

Es soll aufgezeigt werden, wie, mit welchen Absichten und aus welchen Positionen heraus die Unternehmen der Starkstromindustrie in der Zwischenkriegszeit auf internationaler Ebene zusammenarbeiteten. Da bereits vor dem Ersten Weltkrieg Verbindungen bestanden ist es für den Zusammenhang sinnvoll auch auf diese Zeit kurz einzugehen.

2. Die Starkstromindustrie vor dem Ersten Weltkrieg

2.1. Die „Big Four“

Der internationale Markt für Elektrotechnik wurde vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich von vier international operierenden Unternehmen bestimmt. Auf amerikanischer Seite hielt die General Electric Co. Of America (GE), die 1892 aus dem Zusammenschluß von Edison General Electric und Thomson–Houston entstand, die führende Marktposition vor der Westinghouse Electric & Manufacturing Co. (Westinghouse).[1]

Der deutsche Markt wurde seit der Konjunkturkrise 1901/03 weitgehend von der Allgemeinen Electricitäts Gesellschaft (AEG) und Siemens & Halske (S&H) beherrscht, die auf einigen Teilmärkten in heftiger Konkurrenz zueinander standen, auf anderen hingegen zu weitgehenden Absprachen und gemeinsamen Firmengründungen gelangt waren.[2]

Mit der Gründung der Siemens – Schuckertwerke GmbH (SSW) 1903 war Siemens als einzige von den bisher genannten Firmen sowohl im Schwachstrom- als auch im Starkstrombereich aktiv. SSW und S&H blieben zwar rechtlich selbständige Unternehmen, hatten aber eine gemeinsame Geschäftsleitung.[3]

2.2. Nationale Zusammenarbeit

Bis 1900 wurde die Expansion in ausländische Märkte bei den „Big Four“ vor allem durch die Gründungen von Tochtergesellschaften vorangetrieben, wobei der Wettbewerb nach der Jahrhundertwende moderater wurde: Westinghouse und GE schlossen bereits 1896 ein Abkommen über den Austausch von Patenten,[4] AEG und Siemens waren seit 1901 Mitglieder in einem Kartell für Starkstromkabel und schlossen zusammen mit Felten & Guilleaume - Lahmeyer im Oktober 1903 ein Abkommen – die „Vertrauliche Convention“ – um den Konkurrenzkampf zu kontrollieren.[5] Kartellierung hatte wegen der großen Bandbreite von elektrotechnischen Produkten und der rasanten Entwicklung nur bei homogenen Produktgruppen Aussicht auf Erfolg. So verschaffte z. B. die „Verkaufsstelle Vereinigter Glühlampen – Fabriken GmbH“, gegründet 1903, den beteiligten Firmen „a suitable profit“[6] durch Verkaufsquoten. Bereits im Mai 1903 gründeten Siemens und die AEG die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, besser bekannt als Telefunken[7], dies war allerdings eine Kooperation im Schwachstrombereich.

2.3. Internationale Zusammenarbeit

Schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden Kontakte zwischen GE und AEG, bzw. zwischen den Vorgängerunternehmen.[8]

Die Deutsche Edison Gesellschaft, die später zur AEG wurde , war Lizenznehmer der Edison General Electric für Glühlampentechnik in Deutschland.

Nachdem die Union Electrizitäts – Gesellschaft, eine Tochterfirma der GE, in der AEG aufging, schlossen beide Unternehmen 1903 ein Abkommen über den Austausch von Patenten, Lizenzen und technischem Know–How . Außerdem teilten sie den Markt untereinander auf, so daß GE die USA und Kanada bekommen sollte und die AEG den Großteil Europas. Durch mehrere internationale Abkommen ähnlicher Art schützte GE den amerikanischen Binnenmarkt für Lampen vor Konkurrenz aus Übersee.[9]

Mit der französischen Thomson – Houston – Gesellschaft , einer GE – Tochter, gründete AEG 1904 eine gemeinsame Produktionsgesellschaft in Mailand.[10]

Nachdem GE auf Patentrechte verzichtete , die durch die Übernahme von Siemens & Halske Electric Company of America erlangt worden waren, wurden die Beziehungen zu Siemens freundlich. Andererseits begann Siemens auch mit Westinghouse auf einer weniger formalen Ebene zusammenzuarbeiten.

[...]


[1] Vgl. Alfred D. Chandler: Scale and Scope. The Dynamics of Industrial Capitalism, Cambridge London 1990, S. 213 – 215.

[2] Vgl. Wilfried Feldenkirchen: Zur Unternehmenspolitik des Hauses Siemens in der Zwischenkriegszeit, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 33 (1988 ), S.22.

[3] Vgl. Wilfried Feldenkirchen: Competition and Cooperation in the German Electrical Industry in the Home and World Markets, in: Hans Pohl (Hg.): Competition and Cooperation of Enterprises on National and International Markets (VSWG Beiheft 34), Stuttgart 1997, S. 19.

[4] Vgl. Harm G. Schröter: A typical factor of German international market strategy: agreements between the US and German electrotechnical industries up to 1939, in: Alice Teichova / Maurice Lévy-Leboyer / Helga Nussbaum (Hg.): Multinational enterprise in historical perspective, Cambridge 1989 (reprint), S. 160 f. .

[5] Vgl. Feldenkirchen, Competition (1997), S.22.

[6] Zit. nach ebenda, S.21.

[7] Ebenda, S. 25.

[8] Zur folgenden Darstellung, vgl. Chandler, Scale (1990), S. 216 f., S. 467, und: Schröter, International Market Strategy (1989), S. 161.

[9] Vgl. Leonard S. Reich: General Electric and the World Cartelization of Electric Lamps, in: Akira Kudō / Terushi Hara (Hg.): International Cartels in Business History.The International Conference on Business History 18, Tokio 1992, S. 216.

[10] Vgl. Peter Hertner: Vom Wandel einer Unternehmensstrategie. Die deutsche Elektroindustrie in Italien vor dem Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit, in: Harm G. Schröter / Clmens A. Wurm (Hg.): Politik, Wirtschaft und Internationale Beziehungen. Studien zu ihrem Verhältnis in der Zeit zwischen den Weltkriegen,

(Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz 33) Mainz 1991, S. 144.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Transatlantische Zusammenarbeit der Starkstromindustrie in der Zwischenkriegszeit
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V29282
ISBN (eBook)
9783638308410
ISBN (Buch)
9783640203178
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine wirtschaftsgeschichtliche Arbeit über die Konzentierungs- und Kartellierungsprozesse in der internationalen Starkstromindustrie zur Zeit der Weimarer Republik mit Schwerpunkt auf die "big four" (AEG, Siemens, General Electric und Westinghouse)
Schlagworte
Transatlantische, Zusammenarbeit, Starkstromindustrie, Zwischenkriegszeit
Arbeit zitieren
Daniel Daimer (Autor:in), 2001, Transatlantische Zusammenarbeit der Starkstromindustrie in der Zwischenkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29282

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