Marrakesch ist die viertgrößte Stadt und zugleich Namensgeber für das Land Marokko. Die Stadt liegt ca. 300 km südlich von der Hauptstadt Rabat. Marrakesch befindet sich am Fuße des über 4000 Meter aufragenden Atlas Gebirges und weißt saharische bzw. subsaharische Klimaverhältnisse auf. Die Geschichte der Stadt ist von diversen islamischen Dynastien geprägt, welche wesentlichen Einfluss auf das heutige Stadtbild der Medina nahmen. Des Weiteren ist die Stadtlandschaft von Marrakech geprägt durch die – von der Proktetoratsmacht angelegte – Neustadt Hueliz, die suburbanisierten Dörfer und zahlreiche neue Siedlungserweiterungen.
Vor diesem Hintergrund befasst sich diese Arbeit zunächst mit einem kurzen historischen Hintergrund. Im Anschluss werden ausgewählte Stadtmodelle der islamisch-orientalischen Stadt erläutert. Dabei wird auf mehrere Modelle Bezug genommen, um die Charakteristika der islamisch-orientalischen Stadt zu verdeutlichen. Weiterhin wird das Modell der islamisch-orientalischen Stadt unter westlich modernem Einfluss erläutert. Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit der Medina, der Ville Nouvelle, sowie mit Stadtentwicklungsprozessen seit der Unabhängigkeit. Schließlich erfolgt eine autonome und kritische Würdigung der Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Hintergrund
3 Modelle der islamisch-orientalischen Stadt
3.1 Idealschema einer islamisch-orientalischen Stadt
3.2 Das Modell einer orientalischen Stadt unter westlich-modernem Einfluss
4 Marrakesch
4.1 Medina
4.2 Die Ville Nouvelle – Europäisches Stadtviertel
4.3 Stadtentwicklung seit der Unabhängigkeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung Marrakeschs im Kontext der islamisch-orientalischen Stadtgeschichte und analysiert die transformativen Prozesse, die durch den französischen Einfluss und die moderne Gentrifizierung ausgelöst wurden.
- Historische Genese und Einfluss der islamischen Dynastien auf das Stadtbild.
- Anwendung theoretischer Stadtmodelle (Dettmann, Seger, Ehlers) auf das Beispiel Marrakesch.
- Strukturelle Analyse der Medina und der kolonialzeitlichen Ville Nouvelle.
- Untersuchung der Auswirkungen von Tourismus und Gentrifizierung auf die Altstadt.
Auszug aus dem Buch
4.1 Medina
Die Altstadt von Marrakesch und generell die Altstädte in Marokko heben sich von denen ihrer Nachbarländer deutlich ab. Aufgrund der kolonialzeitlichen Stadtplanungspolitik unter Führung des Generalpräsidenten Marschall Louis H.G. Lyautey (1912-1924), blieben die Altstädte Marokkos räumlich und sozial isoliert. Diese Isolierung führte zu einer gewissen Konservierung der Altstädte Marokkos und demnach auch Marrakeschs (ESCHER, PETERMANN, CLOS 2001: 24, ESCHER 2001: 28).
EHLERS konstatiert, dass Marrakesch im 19. Jahrhundert über fast all jene Einrichtungen und Strukturen verfügte, die die Medina von Marrakesch bis in die Gegenwart prägen (1984: 192). Des Weiteren ist feststellbar, dass v.a. die Königsstädte1 Marokkos, im Grund- und Aufrissbild der Stadtanlage, in der jeweiligen funktionalen Organisation sowie auch in ihrer sozialen Zusammensetzung in ganz charakteristischer Weise gegliedert sind. „Im wesentlichen entsprechen die Elemente der traditionellen marokkanischen Stadt voll dem, was als Kennzeichen der islamisch-orientalischen Stadt bekannt ist“ (HOHENSTEIN & POPP 1990: 127).
So weist auch die Medina von Marrakesch typische Elemente der islamisch-orientalischen Stadt auf. Ein bis heute auffallendes charakteristisches Merkmal ist die Stadtmauer. Das gesamte ummauerte Gebiet trägt dabei den Namen Medina (HOHENSTEIN & POPP 1990: 127). In Marrakesch umgibt die Medina eine umschließende Stadtmauer, welche sich über 9 km erstreckt. Die wenigen Zugänge durch die Stadtmauer stellten die einst 12 Stadttore dar (vgl. Abb. 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die geografischen Besonderheiten Marrakeschs ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den historischen Wurzeln bis zu den modernen Stadtentwicklungsprozessen.
2 Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung Marrakeschs von der Gründung durch die Almoraviden bis zur Protektoratszeit, wobei der Fokus auf den dynastischen Einflüssen und dem Wechsel des Herrschersitzes liegt.
3 Modelle der islamisch-orientalischen Stadt: Es werden theoretische Ansätze zur Definition der orientalischen Stadt präsentiert, insbesondere die Modelle von Dettmann, Seger und Ehlers, um funktionale und soziale Grundstrukturen zu erklären.
4 Marrakesch: Das Kapitel analysiert die spezifische Aufteilung Marrakeschs in die traditionelle Medina, die koloniale Ville Nouvelle und die neuzeitlichen Quartiere unter Berücksichtigung sozioökonomischer Veränderungen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über den Bedeutungserhalt der Medina durch Gentrifizierung und Tourismus bei gleichzeitiger Gefahr der Verdrängung der einheimischen Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Marrakesch, Medina, Ville Nouvelle, Stadtentwicklung, Islamisch-orientalische Stadt, Gentrifizierung, Tourismus, Stadtmauer, Souk, Kolonialgeschichte, Riad, Segregation, Stadtgeographie, Marokko, Stadtmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der städtebaulichen Struktur von Marrakesch, unterteilt in historische Altstadtviertel und die koloniale Neustadt, sowie deren Transformation durch moderne Einflüsse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Anwendung stadtgeographischer Modelle auf Marokko, die Bedeutung des französischen Protektorats für die räumliche Trennung von Stadtvierteln und die Auswirkungen des Tourismus auf die Medina.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifische Entwicklung Marrakeschs im Vergleich zu theoretischen Modellen der islamisch-orientalischen Stadt darzustellen und aktuelle Dynamiken wie die Gentrifizierung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich mit etablierten Stadtmodellen der Stadtgeographie, ergänzt durch die Analyse von Karten und schematischen Darstellungen der Stadtentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Medina, der Ville Nouvelle und der Stadtentwicklungsprozesse seit der Unabhängigkeit, inklusive der aktuellen Aufwertungsprozesse durch europäische Immobilienkäufer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Stadtgeographie, Medina, Gentrifizierung, Ville Nouvelle und Islamisch-orientalische Stadt charakterisiert.
Wie beeinflusste Marschall Lyautey die Struktur der Stadt?
Durch seine Stadtplanungspolitik wurde eine räumliche Trennung zwischen den traditionellen Medinen und neuen, europäischen Stadtvierteln erzwungen, was zur Konservierung der Altstädte beitrug.
Was versteht die Arbeit unter dem Begriff der Gentrifizierung in der Medina?
Damit ist der Prozess der Sanierung und Aufwertung alter Wohnbauten durch ausländische Käufer (insbesondere Europäer) gemeint, was zu steigenden Mieten und einer touristischen Belebung, aber auch zu sozialer Verdrängung führt.
Warum wird der Platz Jemaa el Fna als untypisch bezeichnet?
Im Gegensatz zu den strengen städtebaulichen Idealmodellen der orientalischen Stadt stellt der Jemaa el Fna aufgrund seiner Größe und seiner historischen Nutzung als Hinrichtungsstätte eine Besonderheit dar, die eher auf Berber-Traditionen zurückzuführen ist.
- Citation du texte
- Ahmed Yasin (Auteur), 2014, Modelle einer orientalischen Stadt. Die Stadtentwicklung von Marrakesch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292830