Die sakramentale Existenz der Christen. Aufgezeigt an der Taufe


Bachelorarbeit, 2014

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Gliederung und Vorgehensweise in der Arbeit

2. Die Wortbedeutung des Sakraments

3. Der Sinn der Sakramente
3.1 Die anthropologische Basis der Sakramente
3.2 Die christologische Basis der Sakramente- Jesus Christus als Ursakrament
3.3 Die ekklesiologische Basis der Sakramente

4. Die Hauptwirkungen der Sakramente
4.1 Die Heiligung des Menschen durch die Sakramente
4.2 Die spezielle sakramentale Gnade
4.2.1 Die Taufe
4.2.2 Die Firmung
4.2.3 Die Eucharistie
4.2.4 Die Buße
4.2.5 Die Krankensalbung
4.2.6 Die Priesterweihe
4.2.7 Die Ehe
4.3 Der sakramentale Charakter
4.4 Die objektive Wirksamkeit der Sakramente („ex opere operato“)

5. Die Wurzeln, die Siebenzahl und die Abfolge der Sakramente
5.1 Die Wurzeln der Sakramente
5.2 Die Siebenzahl der Sakramente
5.3 Die Abfolge der Sakramente

6. Spender und Empfänger der Sakramente
6.1 Spender der Sakramente
6.2 Empfänger der Sakramente

7. Die Sakramentalien

8. Die Wortbedeutung der Taufe und ihre Etymologie
8.1 Die Taufe auf den Namen Jesu
8.2 Die Gabe des Geistes
8.3 Die Materie der Taufe
8.4 Arten der Taufspendung

9. Die Wirkungen der Taufe
9.1 Die Wirkungen für den Einzelnen
9.2 Rechtfertigung- Vergebung der Sünden
9.3 Teilhabe am Mysterium Christi

10. Spender der Taufe
10.1 Der Ketzertaufstreit

11. Empfänger der Taufe
11.1 Das Katechumenat

12. Die Kindertaufe
12.1 Geschichtlicher Hintergrund der Kindertaufe
12.2 Die Problematik der Kindertaufe

13. Beispiel der Durchführung einer Kindertaufe der Gegenwart

14. Schlussbetrachtung

15. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Dinge in der uns umgebenden Welt sprechen zu uns, teilen uns etwas mit. Menschen tun dies mithilfe sichtbarer Zeichen, wie etwa dem Hände schütteln, dem gesprochenen oder geschriebenen Wort oder der Gestik und Mimik. Diese sichtbaren Zeichen sind aber nicht nur Appell, sondern bewirken auch das, was sie symbolisieren: Eine rote Rose kann dem Gegenüber Liebe und Zuneigung vermitteln. Im selben Zug kann sie dieselben Empfindungen auch dort erwecken oder zurückgeben. Ebenso kann eine Faust auch Wut und Ärger ausdrücken, eine Umarmung dagegen Versöhnung und Wohlwollen.

Einige dieser Gesten, Worte oder Zeichen sind schon so alltäglich und selbstverständlich geworden, dass die eigentliche Intention verloren gegangen ist. Andere Zeichen jedoch hinterlassen ihre Spuren in uns. Etwas Unergründliches, nicht in Worten Fassbares kann das menschliche Herz und die Seele berühren und ergreifen. Gesten, Worte oder Zeichen sind Symbole, die dem Menschen Begeisterung, aber auch Trostlosigkeit vor Augen führen: Leben und Sterblichkeit, Vertrauen und Misstrauen, Begeisterung und Leid, Frieden und Krieg. Innerhalb dieser antithetischen Pole ist Gott stets gegenwärtig, wenn auch schwer fassbar und oft schwer zu begreifen.

Bei bedeutenden Lebensabschnitten eines Menschen, sind es die Sakramente, in denen der Mensch Gott begegnet. Gott macht ihm deutlich, wie wertvoll er für ihn ist und in den Sakramenten geben wir Gott Antwort auf seine Mitteilung. Dadurch wird sowohl die Beziehung zu Gott gefestigt, wie auch die Verbindung zur christlichen Gemeinschaft. Sakramente können nicht nur über den menschlichen Verstand wahrgenommen werden, sondern auch über die Sinnesorgane.

1.1 Problemstellung

Viele Themen der Sakramententheologie drehen sich um die Frage nach ihrer Wirksamkeit. Wann und wie wirken die Sakramente überhaupt? Eine häufige Antwort ist die, dass der Glaube allein für die Wirksamkeit verantwortlich sei. Wenn dem so wäre, so muss im gleichen Zug die Frage nach der Wirksamkeit der Kindertaufe gestellt werden. Ein Kind ist zu einem aufrichtigen Glauben an Gott noch nicht in der Lage. Bedeutet dies also, dass eine Kindertaufe nicht wirksam ist und sich die Gnadenwirkung der Taufe bei Kindern nicht entfalten kann?

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst den Sinn und die Wirkungen der Sakramente im Allgemeinen herauszustellen, um in einem zweiten Schritt speziell auf das Sakrament der Taufe einzugehen. Hier soll der Ursprung und die Einsetzung der christlichen Taufe geklärt werden, bevor die Problematik und Legitimation der Kindertaufe betrachtet werden.

1.3 Gliederung und Vorgehensweise in der Arbeit

Zunächst ist es wichtig, sich überhaupt zu vergegenwärtigen, welche unterschiedlichen Bedeutungen dem Wort „Sakrament“ im Alten und Neuen Testament zukommen und wie Kirchenväter und Apostel diese Bezeichnung verwendeten. Dies wird in Kapitel zwei veranschaulicht.

Im dritten Kapitel wird auf den Sinn der Sakramente eingegangen. Hier wird besonders der Begriff des „Realsymbols“ thematisiert. Der Sinn der Sakramente wird auf verschiedenen Ebenen, der anthropologischen, christologischen und ekklesiologischen Basis gedeutet.

Die Wirkungen der Sakramente werden besonders in Bezug auf die thomanische Theologie im vierten Kapitel betrachtet. Die einzelnen Sakramente und deren Wirkweise werden in einem Überblick vorgestellt. Besonders der im Anschluss daran thematisierte sakramentale Charakter und die objektive Wirksamkeit nehmen eine herausragende Stellung ein, da sie für einige Sakramente wichtige Merkmale darstellen.

Das fünfte Kapitel unter der Überschrift „Wurzeln der Sakramente“ behandelt die Frage nach der Einsetzung der Sakramente durch Jesus Christus und in der Kirchengeschichte aufgezeigte Lösungsmöglichkeiten. Des Weiteren wird betrachtet, welche historischen Überlegungen dazu führten, dass die katholische Kirche die Zahl der Sakramente auf sieben festlegte.

Welche Personen die Sakramente überhaupt spenden dürfen und welche Voraussetzungen für einen gültigen und wirksamen Empfang gelten, wird in Kapitel sechs dargelegt. Im selben Zug wird auch darüber berichtet, wer Empfänger der Sakramente sein kann, was der Unterschied zwischen einem „gültigen“ und „würdigen“ Empfang ist und welche Konsequenzen daraus resultieren, wenn ein Sakrament „unwürdig“ empfangen wird. Dies ist besonders im Hinblick auf die Problematik der Kindertaufe von großer Relevanz.

In Kapitel sieben wird genauer auf die Sakramentalien eingegangen und sowohl Trennendes, wie auch Verbindendes zwischen Sakramenten und Sakramentalien aufgezeigt.

Der sich im Folgenden anschließende zweite Teil der Arbeit wird der Thematik der Taufe gewidmet. Zunächst müssen die Wortbedeutung der Taufe, sowie ihre Etymologie geklärt werden. Die Bedeutung des Wassers bei der Taufe und die damit verbundenen Vorstellungen über dessen Wirkung werden als erstes betrachtet. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob Jesus selbst taufte, welche Rolle der Johannestaufe bei dieser Fragestellung zukommt und welchen Einfluss das Ostergeschehen auf die frühchristliche Taufpraxis ausübte.

Im neunten Kapitel wird herausgearbeitet, welche Bedeutung die Taufe für das Individuum aufweist. Die Wirkungen der Taufe werden mit Hilfe einschlägiger Bibelstellen, Sichtweisen einiger Kirchenväter und kirchlichen Lehrentscheidungen belegt.

Die sich anschließenden zwei Kapitel gehen noch einmal dezidiert auf die Spender und Empfänger der Taufe ein.

Die Kindertaufe wird im zwölften Kapitel diskutiert. Wie wurden die ersten Kindertaufen durchgeführt? Wurde damals bereits die Problematik der Kindertaufe gesehen? Welche Argumente sprechen für und welche gegen eine Legitimation der Kindertaufe? Dies sind nur einige der Fragen, die hier behandelt werden.

Um eine Vorstellung davon zu erhalten, wie eine katholische Taufe in unserer heutigen Zeit gestaltet werden kann, wird anhand eines Beispiels der Ablauf, aber auch die darin enthaltene Symbolik der rituellen Handlungen in Kapitel dreizehn aufgezeigt.

Die Schlussbetrachtung fasst noch einmal die wichtigsten gewonnenen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick über die zu erwartende Tendenz in Bezug auf die Annahme der Sakramente durch die christliche Gemeinschaft und besonders der Taufe.

2. Die Wortbedeutung des Sakraments

In der Bibel wird an einigen Stellen von sieben Heilsriten gesprochen, die heute unter dem theologischen Begriff „Sakramente“ bekannt sind. Die Heilige Schrift verwendet im Neuen Testament weder für einen einzelnen Ritus, noch für alle zusammen den lateinischen Ausdruck „Sakrament“, sondern das griechische Wort „mysterion“ (μυστήριον).1 Dieses „mysterion“ wird als Geheimnis verstanden, in dem sich Gott in der Geschichte mit den Menschen offenbart, simultan dazu jedoch auch unsichtbar bleibt.2 Die Gemeinschaft von Gott und Mensch wird am deutlichsten sichtbar in Jesus Christus, so das Verständnis des hl. Paulus.3

In Eph 5,324 wird mit dem griechischen Wort „mysterion“ („μυστήριον“) ein Bezug zur Ehe hergestellt. In diesem Zusammenhang erhält es jedoch die Bedeutung des „Glaubensgeheimnisses“ zwischen Christus und der Kirche.5

Im Sinne des hl. Paulus deutete auch der Apostolische Kirchenvater Ignatius von Antiochien das Wort „mysterion“. Jedoch wurde bereits seit dem 3. Jhd. das „μυστήριον“ in der griechischen Ostkirche als „Terminus für heilige Lehren und Dienste, heilige Sachen und Riten in der Kirche und damit auch der Sakramente“6 verstanden.

Das griechische „μυστήριον“ wird in den ältesten lateinischen Übersetzungen (Italia) als „sacramentum“ präsentiert. Dort bezieht es sich auf „Initialriten und Mysterienfeiern der Götter, [für] Götter, Zeichen und Vorzeichen im Kult, [für] Glaube und Glaubenslehren, [...].“7

Nach Vorgrimler8 setzt es sich aus den beiden Worten „sacrum“ und „sacrare“ zusammen und bildet so im Verständnis der römisch- heidnischen Religion eine „rechtsgültige Übereignung einer Person oder Sache in den Bereich [...] des Heiligen, [...] in dem besondere, von den Göttern gesetzte Rechte und Pflichten gelten.“9

Tertullian, welcher die lateinische Kirchensprache maßgeblich beeinflusste, verwendet das Wort „sacramentum“ in einem weiteren Zusammenhang. Es steht bei Tertullian für eine Eidesformel, die einen Militäranwärter in die „heilige Armee“10 aufnimmt und er dadurch gewissen ethischen Grundsätzen verpflichtet ist.

Sein Verständnis von „sacramentum“ prägte die Tauftheologie und weist Parallelen zu der Verpflichtung eines Militärrekruten auf. Mit dieser Terminologie war der Grundstein für den Begriff des „Sakramentes“ im heutigen Verständnis gelegt.

Vorgrimler macht jedoch deutlich darauf aufmerksam, dass nicht von Sakramenten im Allgemeinen, sondern nur von den einzelnen Sakramenten gesprochen werden kann und es deshalb keinen allgemein gültigen Begriff des Sakraments gibt.11

3. Der Sinn der Sakramente

3.1 Die anthropologische Basis der Sakramente

Die Geschehnisse um den Menschen herum werden durch die Sinnesorgane aufgenommen, jedoch wird seine Identität erst dann konstituiert, wenn er die Bedeutung der Geschehnisse für sich selbst wahrnimmt und in sich aufnimmt. Geschehnisse erscheinen wie Bilder oder Zeichen und verweisen also immer über sich selbst hinaus und helfen dem Menschen sich selbst zu erkennen und zu reflektieren.

In diesem Zusammenhang wird oftmals das Wort des „Symbols“ (σύμβολον) gewählt. Der Begriff, der in der Theologie und vor allem in der Sakramententheologie verwendet wird, erhält dort die Bedeutung eines „Erkennungszeichen[s], das eine innere Verpflichtung, einen Vertrag, eine bestimmte Weise der Begegnung und Gemeinschaft“12 darstellt.

Symbole stellen allerdings nicht nur gedankliche Beziehungen zwischen den Dingen der Welt dar. Sie stiften Gemeinschaft sowie zwischenmenschliche Beziehungen, wodurch der Mensch erst zu einer Identität findet.13

Karl Rahner sieht in einem Symbol im theologischen Verständnis immer ein „Realsymbol“14. Der Leib des Menschen an sich ist ein Grundsymbol. Der Mensch ist Ausdruck seiner menschlichen Identität und verwirklicht sich in seinem Körper. Sein Handeln, Denken, sein Ich spiegeln sich in seinem Leib wieder.15 Damit wird der formale Aspekt der „sakramentalen Realität“ angesprochen.16

Ein Realsymbol informiert demnach nicht nur über einen Sachverhalt, sondern vollzieht sich in der Realisierung des Zeichens.17

Auf diese Weise können auch die Sakramente gedacht werden: Sie sind realisierende Zeichen. Die Kirche beispielsweise kann mit einem Sakrament die Aufnahme neuer Mitglieder bestätigen und realisieren. Die neuen Mitglieder werden sich im selben Zug ihrer Zugehörigkeit und dem Glauben an Jesus Christus bewusst und tun dies kund.

Dieser Glaube des Einzelnen ist jedoch nicht auf die Initiative des Individuums zurückzuführen. In die Gemeinschaft mit Gott einzutreten ist vielmehr eine Antwort auf die Initiative Gottes selbst. Die Sakramente sind dann im Sinne eines Realsymbols als Innewohnen Gottes im Menschen zu verstehen.18 In dieser Sichtweise spiegeln sich die von Schneider dargestellten inhaltlichen Aspekte der sakramentalen Realität wieder.19

Des Weiteren ist anzumerken, dass in der Geschichte Gottes mit den Menschen bereits vor Jesus Christus Sakramente existierten. Diese sogenannten „Natursakramente“20, waren dort beschränkt auf institutionalisierte Riten und Materialien.21 Sie hatten zum Ziel, den Menschen von der Erbschuld zu befreien und ihn mit Gott zu versöhnen. Anlehnend an Thomas von Aquin, benennen Auer und Ratzinger22 vier Gruppen von alttestamentalischen Sakramenten:

„1. Die Beschneidung (Taufe),
2. das Essen des Osterlammes (Ex 12,26) [...],
3. verschiedene Reinigungs- und Sühneriten (Lv 12 f; Num 19 f [Buße], vgl. Hebr 8,5),
4. Weiheriten für den Priester (Ex 29, Lv 8), die jedoch nur an Aaron und seinen Söhnen vollzogen wurden (Priestertum).“23

3.2 Die christologische Basis der Sakramente- Jesus Christus als Ursakrament

Die christologische Basis der Sakramente sieht den Sinn der Sakramente in Jesus Christus selbst. Dabei geht die Bezeichnung Jesu Christi als Sakrament auf die neutestamentliche Theologie des „mysterion“ zurück.24 Es dient dabei der Verwirklichung des göttlichen Heilsplans und macht in Riten das „mysterion“ Jesus Christus dem Menschen zugänglich.25

Erst durch die Menschwerdung (Inkarnation) in Gestalt von Jesus Christus verband sich Gott unwiderruflich mit seiner Kreatur und kann so in Jesus konkret erfahrbar gemacht werden.26 Die Schöpfung der Welt geschah durch das Wort (Logos), noch bevor der Sohn Gottes Mensch geworden ist. Der Sohn Gottes war jedoch bereits in seiner Schöpfung durch die „creatio continua“ anwesend:27

-Joh 1,3: „Alles ist durch das Wort geworden, / und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
-Kol 1,16: „Denn in ihm wurde alles erschaffen / im Himmel und auf Erden, / das Sichtbare und das Unsichtbare, / Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; / alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.“
-Röm 11, 36: „Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“

Das Handeln und Wirken Jesu Christi in der Welt zeigen, dass er ein Abbild der Gegenwart Gottes auf Erden war und auch in Zukunft sein wird.28 Aus diesem Grund verstand ihn Thomas von Aquin als „ [...] fundamentale[s] Sakrament, insofern seine menschliche Natur als Instrument der Gottheit das Heil wirkt.“29

Diese christologische Sicht des Sakraments lässt sich neben einem der vorbereiteten Entwürfe zur Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanums auch im christologischen Dogma von Chalkedon 451 finden.30 Hierbei kann jedoch nicht vertiefend darauf eingegangen werden, da es den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

3.3 Die ekklesiologische Basis der Sakramente

Wie bereits unter Punkt 3.1 und 3.2 erläutert, können die Sakramente im Sinne eines Realsymbols gedeutet werden, bei denen Gott im Menschen innewohnt und ihm in leibhaftiger Gestalt durch Jesus Christus zugänglich gemacht werden. Die ekklesiologische Basis führt diesen Sinn der Sakramente weiter, indem sie die Gegenwart Jesu Christi in seiner Kirche in den Blick nimmt.

Bereits das früheste Selbstbewusstsein der Kirche ist auf die Anwesenheit Jesu Christi unbedingt angewiesen und wird mithilfe des Heiligen Geistes zu einem tauglichen Instrument geformt, indem die bleibende Gegenwart von Jesus Christus gewiss ist.31 Deshalb können Sakramente als Formen angesehen werden, welche die Kirche ihr eigenes Wesen zur Erscheinung bringen lässt und sich deshalb auch – wie in Lumen gentium 132 verfasst – als Sakrament bezeichnen: „Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott, wie für die Einheit der ganzen Menschheit.“

Sakramente stellen demnach gottesdienstliche Handlungen dar, in denen die Mitglieder der kirchlichen Gemeinschaft Gott als zentrales und bedeutsamstes Wesen erkennen. Sein heilvolles Wirken wird in der Kirche selbst realisiert, indem innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft gefeiert und gebetet wird. Innerhalb dieser Formen schenkt Gott den Menschen seine Gnade.33

Wird also von den Sakramenten der Kirche gesprochen, so ist darunter das „Ereignis der Nähe Gottes in Jesus Christus“34 zu verstehen.

4. Die Hauptwirkungen der Sakramente

4.1 Die Heiligung des Menschen durch die Sakramente

In der thomanischen Theologie wird davon ausgegangen, dass Gott selbst durch die Sakramente in uns wirkt. Im Konzil von Trient wurde das Sakrament ausgehend von den Lehren des Thomas von Aquin als „Gnadenzeichen“35 verstanden, das der Heiligung des Menschen dient. So heißt es etwa bei Denzinger36: „[...] omnis vera iustitia vel incipit, vel coepta augetur, vel amissa reparatur“ ([...] fängt jede wahre Gerechtigkeit an, die angefangene Gerechtigkeit wird vermehrt, die verlorene wiederhergestellt). Die Liturgiekonstitution des 2. Vatikanums übernimmt diese Vorstellung, erweitert sie jedoch noch um einen weiteren besonderen Schritt. Die Sakramente sind nicht nur auf die Heiligung des Menschen ausgerichtet, sondern auch auf „den Aufbau des Leibes Christi und schließlich auf die Gott geschuldete Verehrung; als Zeichen haben sie die Aufgabe der Unterweisung.“37 Der Glaube gilt nicht nur als Voraussetzung der Heiligung des Menschen, sondern er muss auch genährt und gestärkt werden (z.B. durch das Wort).

Die Sakramente bewirken eine „ [...] reiche Einsicht zu erlangen und das göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist“.38 Der unbedingte Glauben an Jesus Christus ist die Voraussetzung dafür, die Sakramente empfangen zu können.

Bereits Thomas von Aquin geht davon aus, dass das Leiden des Erlösers Christus der Grund der Gnadenwirkung aller Sakramente darstellt:

„Hauptwirkursache der Gnade nun ist Gott selbst; zu Ihm verhält sich die Menschheit Christi wie ein naturverbundenes, das Sakrament aber wie ein getrenntes Werkzeug. Darum ist es notwendig, daß die heilswirkende Kraft von der Gottheit Christi her durch Seine Menschheit hindurch in die Sakramente hineingeleitet wird.“39

Die Sakramente bringen den Menschen Christus nahe: „Durch alle Sakramente der Kirche wird der Mensch Christus gleichgeschaltet, der der Urheber der Sakramente ist.“40

4.2 Die spezielle sakramentale Gnade

Die Sakramente eröffnen dem Menschen eine heiligmachende Gnade oder sie können deutlich gestärkt werden.

Die Taufe ist ihrem Wesen nach ein Sakrament, das einem Menschen gespendet wird, der noch keine Gnade empfangen hat; sie wird deshalb als „Tor ins Reich Gottes“41 bezeichnet. Die Buße dagegen ist für diejenigen Menschen bestimmt, welche die Gnade Gottes verloren haben und sündig leben42. Aber auch sie kann dem Menschen das „Tor ins Reich Gottes“ wieder eröffnen. Die beiden genannten Sakramente werden deshalb auch als „Sakramente der Toten“43 bezeichnet. Da die Gnade Gottes jedoch nicht nur an die Sakramente gebunden ist, kann die Vergebung der Sünden auch „durch das Verdienst des Leidens Christi, dessen Kraft in den Sakramenten wirkt“44, erreicht werden.

Die übrigen Sakramente können als „Sakramente der Lebendigen“45 betitelt werden. Wenn ein solches Sakrament der Lebendigen von einem Sünder empfangen wird, der sich seiner Sündhaftigkeit nicht im Klaren ist, hat es trotzdem die Wirkung der „Vergebung der Sünde“.46

Im Neuen Testament lassen sich eine Vielzahl an Handlungen Christi finden, bei denen unterschiedliche Sakramente im Sinne eines Zeichens (vgl. 3.1) auf verschiedene Lebenssituationen hin angewendet wurden. Daher besitzt jedes einzelne Sakrament nach Auer/ Ratzinger darüber hinaus noch eine Wirkung, welche eine ihm eigentümliche Gnade – hier die sogenannte sakramentale Gnade – zum Vorschein bringt. Folglich sind die einzelnen Sakramente nicht durch ein anderes zu ersetzen, da sie aufgrund der unterschiedlichen Zeichen auch unterschiedliche Wirkungen aufweisen.47

Die einzelnen Sakramente sollen nun im Folgenden hinsichtlich ihrer spezifischen Wirkungsweisen betrachtet werden.

4.2.1 Die Taufe

Die Taufe wird von jeder christlichen Kirche als der grundlegende Heilsvollzug schlechthin angesehen. Bereits die erste nachösterliche Gemeinde wurde getauft. Durch die Taufe erhält der Täufling einen neuen Zugang zur Person und zum Heilswerk Jesu Christi. Voraussetzung hierfür ist sowohl die Christus- Predigt, als auch der Christus- Glaube.48 Die Apostelgeschichte49 zeigt zudem die Wirkung der Sündenvergebung und die Vermittlung des Heiligen Geistes auf.50

4.2.2 Die Firmung

Die Entwicklung der Firmung ist auf den ursprünglichen Ritus in der Alten Kirche (Handauflegung und Salbung) zurückzuführen, wo er als Taufe bezeichnet wurde. Deshalb ist die Firmung im gemeinsamen Verständnis mit der Taufe zu betrachten.51 Der Ritus des Handauflegens und des Salbens stellt eine „Besiegelung“52 dar, die das Taufgeschehen bestätigt. Demzufolge kann die Firmung als „[...] Besiegelung, Ratifizierung, Vollendung der Taufe“53 verstanden werden.

4.2.3 Die Eucharistie

Das Sakrament der Eucharistie erhält – wie die bereits aufgeführte Taufe - unter den Sakramenten eine herausragende Stellung, indem Christus die besondere Heilsnotwendigkeit betont.54 Bei der täglichen Nahrungsaufnahme wird dem Menschen bewusst, dass der Ursprung und der Bestand seines Lebens in der Hand Gottes liegen. Das gemeinsame Essen dient dabei der Begründung, sowie der Bestärkung einer Gemeinschaft. Auch die Komponenten der Verbundenheit und des Dankes an und mit Gott werden in der Eucharistie gefeiert.55

4.2.4 Die Buße

Wie bereits in 4.2.1 erwähnt, ist mit der Taufe die erste Möglichkeit der Sündenvergebung gegeben. Die zweite Chance zur Vergebung der Sünden kann der Mensch mithilfe des Bußsakraments erhalten. Des Weiteren ist dieses Sakrament als Einladung Gottes, durch ihn versöhnt zu werden, zu verstehen.56

4.2.5 Die Krankensalbung

Die Krankensalbung ist dem Menschen insofern wirksam, als dass sie ein realisierendes Zeichen darstellt, welches dem Menschen in einer lebensbedrohenden Phase seines Lebens eine schützende, sowie stärkende Nähe Gottes vermittelt. Die Zuwendung zu einem Kranken lässt die hereinbrechende Gottesherrschaft zudem leibhaftig werden.57

4.2.6 Die Priesterweihe

Das Sakrament der Priesterweihe befähigt den Priester im Namen Christi zu handeln. Er kann von nun an das Evangelium predigen und somit den Gottesdienst feiern. Insbesondere die Eucharistie gibt dem Priester die notwendige Kraft zur Erfüllung seines Amtes.58

4.2.7 Die Ehe

Die Sakramentalität der Ehe wirkt im Bund Gottes in der Menschheit. Ausdrucksvoller als alle anderen Sakramente, verweist dieses Sakrament auf die inkarnatorische Struktur der Gnade in der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe.59

[...]


1 Vgl. Auer, Johann/ Ratzinger, Joseph: Kleine Katholische Dogmatik, Bd. VI: Das Mysterium der Eucharistie, Regensburg: Friedrich Pustet Verlag, 1974. S. 24.

2 Vgl. Scheffczyk, Leo: Katholische Glaubenswelt. Wahrheit und Gestalt. 2. Aufl. Aschaffenburg: Paul Pattloch Verlag. 1978. S. 150- 151.

3 Vgl. Auer, J./ Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 24

4 Alle im Folgenden genannten Bibelangaben beziehen sich auf: Die Bibel. Einheitsübersetzung. Altes und Neues Testament. Freiburg. 1980.

5 Vgl. Auer, J./ Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 24

6 Ebd., S. 25

7 Auer, J./ Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 25

8 Vorgrimler, Herbert: Sakramententheologie. Düsseldorf: Patmos Verlag. 1987.

9 Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 59

10 Ebd.

11 Vgl. ebd., S. 58

12 Schneider, Theodor: Zeichen der Nähe Gottes. 4. Aufl. Mainz: Matthias- Grünewald- Verlag, 1979. S. 22.

13 Wagner, Harald: Dogmatik. Bd. 18. Hg. v. Bittner, Gottfried u.a. Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH 2003, S. 273.

14 Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 21

15 Vgl. Schneider, T.: Zeichen der Nähe Gottes, S. 25

16 Vgl. ebd., S. 29

17 Vgl. Schneider, Theodor: Handbuch der Dogmatik. Bd. 2. Düsseldorf: Patmos 1992, S. 211.

18 Vgl. ebd. S. 212

19 Schneider, T: Zeichen der Nähe Gottes, S. 29

20 Vorgimler, H.: Sakramententheologie, S. 27

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 35

23 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 35

24 Vgl. Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 45

25 Vgl. Eph 1,9 f ; 2,11-3,13; Kol 1,20. 26 f; 2,2; Röm 16,25 f; vgl. auch Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 45

26 Vgl. Schneider, T.: Zeichen der Nähe Gottes, S. 36 f.

27 Vgl. Härle, Wilfried: Dogmatik. 3., überarb. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter Verlag 2007, S. 423.

28 Vgl. Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 44

29 Thomas von Aquin: summa contra Gentiles. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001- 2005, IV a. 41.

30 Vgl. Courth, Franz: Die Sakramente. Ein Lehrbuch für Studium und Praxis der Theologie. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder 1995, S. 11; sowie Denzinger, Heinrich/ Schönmetzer, Adolf: Enchiridion symbolorum. Definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. 32. Auflage. Freiburg im Breisgau: Herder 1964.

31 Vgl. Vorgrimler, H.: Sakramententheologie, S. 47

32 Lumen gentium 1. Stand 27.07.2014. URL: http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html

33 Vgl. Faber, Eva-Maria: Einführung in die katholische Sakramentenlehre. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, S. 51.

34 Ebd., S. 52

35 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S.53

36 Denzinger, Henrici: Enchiridion symbolorum, definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. Freiburg im Breisgau: Herder 1960, 843a

37 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 53.

38 Kol 2,2

39 S. Th. III q 62 a 5c

40 S. Th. III q 72 a 1 zu 4

41 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 55

42 Joh 20,23

43 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 55

44 S. Th. III q 64 zu 2

45 Auer, J./Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 55

46 S. Th. III q 72 a 7 zu 2

47 Vgl. Auer, J./ Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 56

48 Die damit verbundene Problematik der Kindertaufe erfolgt in Kapitel 12.2.

49 Apg 2,38

50 Vgl. Courth, F.: Die Sakramente, S. 75 ff.

51 Vgl. Schneider, T.: Handbuch der Dogmatik, S. 259, 265

52 Ebd., S. 265

53 Ebd.

54 Vgl. Auer, J./ Ratzinger, J.: Kleine Katholische Dogmatik, S. 56; sowie Joh 6, 53

55 Vgl. Wagner, H.: Dogmatik, S. 316; sowie Ex 24, 11

56 Vgl. Schneider, T.: Handbuch der Dogmatik, S. 306, 325; sowie 2 Kor 5,18-20

57 Vgl. ebd., S. 343, 337

58 Katechismus der katholischen Kirche. Kompendium. Nr. 328. Stand: 28. 07.2014. URL: http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html

59 Vgl. Schneider, T.: Handbuch der Dogmatik, S. 374

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Die sakramentale Existenz der Christen. Aufgezeigt an der Taufe
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
46
Katalognummer
V292846
ISBN (eBook)
9783656899891
ISBN (Buch)
9783656899907
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taufe, christliche Existenz, Sakramente
Arbeit zitieren
Victoria Theis (Autor), 2014, Die sakramentale Existenz der Christen. Aufgezeigt an der Taufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292846

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