Die finanziellen Aspekte einer Unternehmensnachfolge sind meistens entscheidend für die Übernahme. Wenn heute über das Thema Finanzierung eines Unternehmens gesprochen wird, müssen auch immer die Beschlüsse von Basel II, auch wenn diese erst vorläufig sind, bedacht werden. Gemäß der alten Regelung, die in Basel I 1988 festgelegt wurde, mussten alle Banken ihre Kredite an Unternehmer pauschal mit 8 % Eigenkapital unterlegen, unabhängig von der Bonität des Unternehmens, da jedem Unternehmen eine Bonitätsgewichtung von 100 % der Kreditsumme angerechnet wurde. Mit der neuen Vereinbarung soll diese Bonitätsgewichtung flexibler gestaltet werden und in Abhängigkeit von der Ratingnote des Unternehmens gesetzt werden. Für den Unternehmer bedeutet dies, dass er bei einem hohem Rating bessere Kreditkonditionen von der Bank bekommt, da diese den Kredit mit weniger Eigenkapital unterlegen muss, zudem ist das Kreditausfallrisiko geringer, welches auch von der Unternehmensgröße abhängig gemacht wird. Bei längeren Laufzeiten würde ein Zuschlag auf die Eigenkapitalunterlegung der Banken erhoben werden, dieser kann jedoch von der nationalen Finanzaufsicht bei Krediten an Unternehmen mit einem Jahresumsatz und einer Bilanzsumme von unter 500 Millionen Euro erlassen werden, wovon die deutsche Finanzaufsicht auch Gebrauch machen will.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Finanzierung
2 Unternehmensbewertungen
2.1 Substanzwertverfahren
2.2 Ertragswertverfahren
2.3 Mittelwertverfahren
2.4 Discounted-Cashflow-Verfahren
3 Finanzierungsmodelle
3.1 Finanzierung über Fremdkapital
3.2 Finanzierung über Mezzanine-Kapital
3.3 Finanzierung über zukünftige Unternehmenserträge
3.4 Beteiligungen
4 Businessplan
4.1 Finanzplan
4.2 Rentabilitätsplan
4.3 Liquiditätsplan
5 Fördermittel
6 Absicherung des Finanzbedarfs
6.1 Absicherung des Übergebers
6.2 Absicherung des Unternehmens
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die komplexen finanziellen Aspekte einer Unternehmensnachfolge mit dem Ziel, dem Nachfolger eine strukturierte Vorgehensweise bei der Ermittlung des Finanzbedarfs und der Auswahl geeigneter Finanzierungsmodelle aufzuzeigen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Bedeutung der Unternehmensbewertung, der Erstellung eines fundierten Businessplans sowie der strategischen Einbindung von Fördermitteln.
- Methoden und Ansätze der Unternehmensbewertung im Nachfolgekontext
- Strukturierung von Finanzierungsmodellen (Fremdkapital, Mezzanine, Beteiligungen)
- Anforderungen an einen professionellen Businessplan und Finanzplan
- Überblick und Auswahlkriterien für öffentliche Förderprogramme
- Absicherung des finanziellen Bedarfs für Übergeber und Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.1 Substanzwertverfahren
Das Ergebnis des Substanzwertverfahrens wird gemeinhin auch als die Kosten für eine Errichtung des Unternehmens auf der „grünen Wiese“ bezeichnet, d. h. das Unternehmen aus dem Nichts nachzubauen. Um den Substanzwert eines Unternehmens zu ermitteln, werden alle objektiv bewertbaren Vermögensgegenstände erfasst. Was als objektiv bewertbarer Vermögensgegenstand zählt, ergibt sich aus der Bilanz, da dort alle Gegenstände aufgeführt werden müssen. Allerdings werden diese nicht mit dem bilanziellen Wert in den Substanzwert eingerechnet, sondern mit dem Verkehrswert. Die Differenz dieser beiden Werte wird als stille Reserve bezeichnet. Der Verkehrswert ist der Wert, den diese Anlage in der Wiederbeschaffung kosten würde, bzw. der tatsächlich erzielbare Marktpreis beim Verkauf der Maschine.
Zur Festsetzung dieses Betrages können Sachverständige behilflich sein. Zur Feststellung des Wertes von Grundstücken oder Gebäuden können Schätzungen von Banken oder Städten und Gemeinden als Orientierung dienen. Es sind jedoch nur die Gegenstände zu bewerten, die vom Nachfolger auch übernommen werden. Verbindlichkeiten werden in der Praxis selten übernommen, wären dann jedoch von dem ermittelten Substanzwert abzuziehen. Befindet sich Fremdkapital im Unternehmen, muss zur Ermittlung des Netto-Unternehmenswertes dieses noch vom Brutto-Unternehmenswert abgezogen werden.
Da dieses Verfahren jeglichen Erfolg des Unternehmens vernachlässigt und in keiner Weise zukunftsorientiert ist, wird dieses Verfahren zumeist als veraltet bezeichnet und nur noch selten angewandt. Für kleinere Betriebe wird dieses Bewertungsverfahren heute jedoch noch angewendet, sofern es sich nicht um Betriebe mit minimalen Betriebsausstattungen, wie Dienstleistungs- oder IT Unternehmen, handelt. Es ist das einzige objektive Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswertes. Allerdings wird die Objektivität dieses Verfahrens auch als Nachteil bewertet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Finanzierung: Einführung in die finanziellen Herausforderungen der Unternehmensnachfolge unter Berücksichtigung der neuen Basel II-Eigenkapitalvorschriften und der Bedeutung des Ratings.
2 Unternehmensbewertungen: Erläuterung verschiedener Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswertes, wobei ein Fokus auf Substanzwert-, Ertrags-, Mittelwert- und Discounted-Cashflow-Verfahren liegt.
3 Finanzierungsmodelle: Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten zur Gestaltung des Kaufpreises sowie der Finanzierung über Fremdkapital, Mezzanine-Kapital, zukünftige Erträge und Beteiligungen.
4 Businessplan: Darstellung der Notwendigkeit eines Businessplans als Richtungsweiser, mit vertiefender Betrachtung von Finanz-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplan.
5 Fördermittel: Überblick über die vielfältige Förderlandschaft (z. B. ERP-Programme) und deren Anwendungsgebiete sowie Einschränkungen bei der Unternehmensnachfolge.
6 Absicherung des Finanzbedarfs: Notwendigkeit der vorausschauenden finanziellen Planung zur Sicherung sowohl des privaten Ruhestands des Übergebers als auch der langfristigen Stabilität des Unternehmens.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Unternehmensfinanzierung, Unternehmensbewertung, Rating, Basel II, Businessplan, Fremdkapital, Mezzanine-Kapital, Eigenkapitalquote, Fördermittel, Finanzplan, Liquiditätsplan, Rentabilitätsplanung, Nachfolgeplanung, Investitionsrechnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die zentralen finanziellen Herausforderungen, mit denen sich Unternehmer und potenzielle Nachfolger bei einer Unternehmensübergabe konfrontiert sehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Hauptthemen umfassen die Unternehmensbewertung, verschiedene Finanzierungsmodelle, die Erstellung eines aussagekräftigen Businessplans sowie die Nutzung öffentlicher Förderinstrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, einen praxisorientierten Leitfaden zur Finanzierung einer Unternehmensnachfolge zu bieten, um den Übernahmeprozess finanziell fundiert zu planen und abzusichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Verfahren zur Unternehmensbewertung sowie der Aufbereitung von Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen im Mittelstand.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bewertungsmethoden, die Finanzierung über verschiedene Kapitalquellen (Fremd-, Mezzanine-, Eigenkapital), die Anforderungen an einen Businessplan und die strategische Absicherung des Finanzbedarfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unternehmensnachfolge, Rating, Finanzierungsmodelle, Businessplan und Fördermittel charakterisiert.
Warum ist das Rating bei einer Unternehmensübernahme von besonderer Bedeutung?
Durch die Basel II-Vorgaben beeinflusst das Rating maßgeblich die Kreditkonditionen der Banken; ein gutes Rating ermöglicht bessere Konditionen und erleichtert somit die Finanzierung der Nachfolge.
Worin liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem Rentabilitätsplan und einem Liquiditätsplan?
Während der Rentabilitätsplan aufwandorientiert ist und den unternehmerischen Erfolg abbildet, fokussiert der Liquiditätsplan auf zahlungswirksame Vorgänge, um die fristgerechte Begleichung aller Verbindlichkeiten sicherzustellen.
- Citar trabajo
- Matthias Blodig (Autor), 2004, Die Finanzierung der Unternehmensnachfolge, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292874