Die Stadt Breslau in der Hanse. Gründungsgeschichte und Stadtaufbau


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mittelalterliche Breslau
2.1 Die Gründungsgeschichte
2.2 Charakteristik mittelalterlicher Städte
2.3 Der Stadtaufbau Breslaus

3. Breslau in der Hanse

4. Die Hanse im heutigen Breslau

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die „Hanse ist Vorbild für europäische Einigung“[1]. Mit diesem Zitat aus der Welt am Sonntag vom 07.04.2002 zu den Kaufleuten aus dem 13. Jahrhundert zeigt offensiv, welche Bedeutung die Hanse in der europäischen Geschichte ausmacht. Im Folgenden soll jedoch nicht auf eben diese Bedeutung eingegangen werden. Klar ist jedoch, dass die Hanse auch heute noch von großer Bedeutung ist.

Die Hanse als Organisation bestand aus niederdeutschen Kaufleuten, die in 70 größeren und bis zu 130 kleinen Städten ein Bürgerrecht hatten. Als Kernziel ist die Verbesserung des Fernhandels zu nennen. Damit hatte die Hanse politische, allen voran jedoch wirtschaftliche Interessen.[2]

Die genannten Städte sind auch heute noch in weiten Teilen zu erkennen. Meist werden diese Städte, so zum Beispiel Hamburg oder Rostock, in einem Atemzug mit dem Begriff der Hansestadt genannt. Dies ist jedoch nicht bei allen Städten der Fall, sodass beispielsweise Orte außerhalb des heutigen Deutschlands nicht mehr mit der Hanse verbunden werden. Die Hansestadt Breslau sei hier zu nennen. Folglich ist die Frage von Interesse, wie sich die Mitgliedschaft der Stadt Breslau in der Hanse dargestellt hat und warum sie heute mit dem Begriff Hansestadt vermeintlich wenig gemein hat.

Zur Beantwortung eben dieser Frage, ist es nötig einen Blick auf die Stadt im Mittelalter zu werfen. Die Gründungsgeschichte und der Aufbau seien hier von Interesse. Darauf aufbauend wird die Mitgliedschaft in der Hanse dargestellt und ein Blick auf den Gedanken der Hanse in der heutigen Zeit geworfen.

2. Das mittelalterliche Breslau

2.1 Die Gründungsgeschichte

Die Geschichte Breslaus stellt sich als schwierig rekonstruierbar dar. Sicher ist, dass im zehnten Jahrhundert eine Burg auf der Dominsel erbaut wurde. Eben diese ist als Kern der Gründung zu sehen. In diesem Zeitraum wurde hier auch ein Dom erbaut, welcher der Insel ihren Namen gab.[3] Eine eigentliche Gründung der Stadt Breslau ist nicht überliefert. Hierbei werden auch in mehreren Quellen verschiedene Ansätze beschrieben. Erstens wird davon ausgegangen, dass die Gründung und der Name Wroclaw, ins Deutsche übersetzt Breslau, auf den böhmischen Fürsten Wratislaw zurückgeht. Zweitens findet sich die Aussage, dass die ersten Bewohner der Gegend die Stadt nach den dort wachsenden Wurzeln als Wurzelau benannten und dieser Name durch die Slaven in Wrozlau umgeformt wurde.[4]

Aufgrund des Stadtwappens kann die zweite Theorie vernachlässigt werden. Abbildung 1 zeigt das ab 1530 eingeführte Wappen, welches, mit einer Unterbrechung in der Zeit des Nationalsozialismus, auch heute noch aktuell ist. Es wurde am 10. Juli 1530 durch Kaiser Karl V. per Wappenbrief verliehen. Das Wappen ist viergeteilt, in der linken oberen Position findet sich der böhmische Löwe. Rechts oben ist der schlesische Adler abgebildet. Die untere Zeile zeigt links das große W. Dieses ist zum einen auf den Namen Wratislavia, Breslau in lateinischer Sprache, zurückzuführen, zum anderen, und dies bestätigt die oben genannte Aussage zur Namensgebung Breslaus, ist es auf Wratislaw als Stadtgründer zu beziehen. Rechts schließt das Wappen mit einem Abbild Johannes‘ des Evangelisten. Genannte Bestandteile des Wappens umrahmen den Kopf von Johannes des Täufers.[5]

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Abbildung 1

2.2 Charakteristik mittelalterlicher Städte

Im Folgenden soll, in Vorbereitung auf die wichtigen mittelalterlichen Gebäude Breslaus, der typische Aufbau einer mittelalterlichen Stadt aufgezeigt werden. Als die wichtigsten Gebäude und Bauten sind die Stadtbefestigung, das Rathaus, Gotteshäuser, der Marktplatz und ein Hospital zu nennen.[6]

Idealerweise befand sich der Marktplatz mit dem Rathaus im Zentrum der Stadt. Oftmals gab es mehr als ein Gotteshaus, wobei, sofern vorhanden, der Dom das kirchliche Zentrum der Stadt bildete. Eingefasst waren die Gebäude von der Stadtbefestigung. Diese bestand oft aus einer Mauer und hatte als Hauptgebäude eine Burg. In vielen Städten gehörte zur Befestigung ein Burg- oder Stadtgraben.[7]

2.3 Der Stadtaufbau Breslaus

Wie vorangegangen beschrieben, soll im Folgenden die Stadt Breslau mit den typischen für das Mittelalter vorhandenen Gebäude beschrieben werden.. Abbildung 2 zeigt die Stadt Breslau im Mittelalter.

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Abbildung 2

Eines der wichtigsten Gebäude von Breslau ist der Dom. In Abbildung 2 ist dieser mit Nummer 1 gekennzeichnet. Dieser wurde im Jahr 1000 auf der Dominsel in Verbindung mit dem Akt von Gnesen errichtet. Die Namensgebung folgte seinem Schutzpatron folgend, der Dom heißt Kathedrale Johannes der Täufer. Daher kommt auch das Bildnis auf dem Breslauer Stadtwappen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte veränderte sich das Bild des Doms mannigfaltig. Die Abbildung 3 zeigt das heutige Aussehen. Bis in die Jahre um 1500 wurden durch mehrere Bischöfe diverse Um- und Anbauten durchgeführt. So bekam der Dom zwischen 1244 und 1272 einen Hochchor.[8] Am 19. Juli 1540 zerstörte ein Brand einen der Türme. Dieser wurde bis 1555 wieder aufgebaut und in diesem Jahr mit einer neuen Spitze versehen. In den Folgejahren wurde der Dom durch weitere Brände immer wieder zerstört und, immer der aktuellen Kunstepoche folgend, rekonstruiert.[9]

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Abbildung 3

Wie in Abbildung 2, mit der Zahl 2 gekennzeichnet, ersichtlich wird, ist der Siedlungsraum der Stadt von einem Graben umringt. Dieser Stadtgraben, größtenteils natürlich durch die Oder und ihren Zulauf Ohlau entstanden, bildete den Hauptbestandteil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. An diesem wurden erst Wälle aufgeschüttet und diese später zu Mauern mit „eine[r] zahllose[n] Menge hoher Definitionstürme“[10] erweitert. Genanntes wurde im 13. Jahrhundert realisiert. Über die folgenden Jahrhunderte waren Erweiterungen der Befestigung immer wieder geplant, jedoch nur in Ansätzen verwirklicht worden. Größtenteils verließen sich die Herrscher auf die natürliche Schutzfunktion des Stadtgrabens.[11]

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Abbildung 4

Der in Breslau zentral gelegene Platz ist der große Ring und umschließt das Rathaus. In Abbildung ist es mit 3 beschrieben. Die Erbauung fand im 13. Jahrhundert statt, im 14. Und 15. Jahrhundert wurde es immer wieder erweitert und umgestaltet. Zwischen 1470 und 1510 entstand die heute noch, in Abbildung 4 ersichtliche Form des Gebäudes.[12] Besonderes Augenmerk erhält die 1580 an der Ostfassade angebrachte astronomische Uhr. Im Keller des Rathauses wurde bereits während des Baus eine Bierwirtschaft eingerichtet. Urkundlich erwähnt wurde diese 1303. Der Schweidnitzer Keller gilt damit als Polens ältestes Restaurant. Interessant stellt sich die Tatsache dar, dass 1520 gegenüber des Rathauses eine Brauerei errichtet und eine Tunnelverbindung direkt in den Schweidnitzer Keller eingerichtet wurde.[13]

Der erwähnte große Ring um das Rathaus ist als Marktplatz zu bezeichnen. „[M]it einer Größe von etwa 175 mal 200 Meter[n]“[14] bildete er das Zentrum des Handels in Breslau. Angelegt wurde dieser Platz etwa 1220 bis 1230.[15]

Das Hospital im Mittelalter war ein durch die Johanniter betriebenes Kirchengebäude. Die Kirche wurde als Corpus Christi bezeichnet, das Spital an sich als Heiliger Leichnam. Die Abbildung 2 zeigt die Position mit der Zahl 4. Erbaut wurde das Gebäude 1330. 1377 übernahm der Stadtrat einen Teil des Besitzes. 1492 wurde das Hospital wieder aufgebaut. In der Folge der Vertreibung der Johanniter überging der Besitz dieses Hospitals 1548 vollends an den Stadtrat.[16]

Breslau besitzt also alle für eine mittelalterliche Stadt charakteristischen Gebäude. Mit Hilfe dieser Informationen soll folgend auf Breslaus Mitgliedschaft in der wichtigsten Handelsvereinigung des Mittelalters eingegangen werden.

3. Breslau in der Hanse

Bekanntlich genossen die Mitgliedsstädte der Hanse viele Privilegien und konnten eben dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren. Auch Breslau war ein Mitglied der Hanse.

Aus Sicht der Hanse galt Breslau als „das Tor nach Kleinpolen, der Ukraine, Oberungarn [und] Böhmen“[17] und hat durch seine Lage an der Oder eine Handelsanbindung von Ostrau über Frankfurt an der Oder bis zur Ostsee. Wenngleich der Großteil des Handels über den Landweg durchgeführt wurde, so war diese Lage von Vorteil. Geschuldet waren die Probleme bei der Schifffahrt auf der Oder um 1300 zum einen den natürlichen Hindernissen, die der Fluss inhärent hatte, zum anderen den stark verbreiteten Wehren der Müller, die an der Oder angesiedelt waren. Die Lage Breslaus an der Via Regia, eine Handelsstraße von der heutigen Ukraine durch Europa bis ins heutige Spanien, ist als weiterer, förderlicher Faktor zu sehen.[18] Gestärkt wurde die Position weiter durch das Niederlagerecht von 1274, da dies aufgrund des Zwangs zur Niederlage der Handelswaren innerhalb der Stadt einen Aufschwung im regionalen und überregionalen Handel bedeutete. Besonderer Geltung des Handels in Breslau kam dem Transport von Lebendfisch zugute. Vor allem waren dies Welse, Hechte und Lachse. Durch spezielle Wagenkonstruktionen konnten diese auch über Land transportiert werden. Weiterhin galt der Handel von Salz, Wein und Textilien im Handelsverbund der Hanse in Breslau als wichtig.[19]

Breslau wurde 1387 Mitglied in der Hanse.[20] Die Hansetage als zentraler Treffpunkt der Mitgliedsstädte besuchten Abgesandte aus Breslau jedoch nur selten. Sporadische Einladungen zu diesen Tagen sind hier als Grund wahrscheinlich. 1418 war Breslau, neben Frankfurt an der Oder, Krakau und Stettin, erstmalig mit einer eigenen Abstellung an einem Hansetag beteiligt. Bereits fünf Jahre später, 1423 erhielt Breslau durch in Lübeck zum Hansetag vertretene Städte eine Mitteilung hinsichtlich vermeintlicher Verfehlungen.[21] Es wurde verlangt, dass „nach dem Willen des gemeinen Kaufmanns […] die Breslauer sich in ihrer Rechtsausübung begrenzen und die alten Rechte schützen und beschirmen“[22] sollen. Geschuldet war diese Mitteilung der Tatsache, dass Breslau den Jahrmarkt genau acht Tage vorher und acht Tage danach für nicht ortsansässige Kaufleute öffnete und sich diese daraufhin bei der Hanse beschwerten. Als Reaktion darauf gab Breslau den anderen Städten gegenüber kund, dass „ihm […] von Beschwerungen des Kaufmanns nichts bekannt“[23] sei und dass es sich bei dem Vorgehen um ältere, jedoch bestätigte Gesetze handele und man diesen Geboten folgen müsse.[24] Eben diese Problematik hatte bereits Köln im Jahre 1423 erkannt und wandte sich mit einem Brief an Breslau. Hier forderte die Stadt Köln Breslau als „merklich Glied der deutschen Hanse“[25] auf, die Neuerungen wieder abzuschaffen. Hier zeigt sich bereits eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Stadt Breslau und den anderen Hansestädten.

[...]


[1] Verheugen, Günter (2002): „Hanse ist Vorbild für europäische Einigung“. http://www.welt.de/print-wams/article602242/Hanse-ist-Vorbild-fuer-europaeische-Einigung.html. Abgerufen am: 02.11.2014

[2] vgl. Hammel-Kiesow, Rolf (2008): „Die Hanse“. München: C.H. Beck. S. 10

[3] vgl. Philipp, Eduard (1831): „Geschichte der Stadt Breslau“. Breslau: Schulz. S. 8-9

[4] vgl. ebd. S. 9-10

[5] vgl. Höcker, Egon (2006): „Geschichte von Breslau – Stadtwappen“. http://www.breslau-wroclaw.de/de/breslau/history/?source=wappen. Abgerufen am: 27.10.2014

[6] vgl. Isenmann, Eberhard (2014): „Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550:Stadtgestalt, Recht, Verfassung, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft“. Köln,Weimar: Böhlau Verlag. S. 96

[7] vgl. ebd. S. 96-124

[8] vgl. Höcker, Egon (2004): „Geschichte von Breslau - Kathedralekirche zum hl. Johannen Baptistam – Dom“. http://www.breslau-wroclaw.de/de/breslau/history/kk_dom/.Abgerufen am 27.10.2014

[9] vgl. Menzel, Karl August (1808): „Topographische Chronik von Breslau“. Bände 1-5.Breslau. S. 256 - 257

[10] ebd. S. 44

[11] vgl. ebd. S. 44-46

[12] vgl. Dmitrieva , Marina; Lambrecht, Karen (2000): „Krakau, Prag und Wien: Funktionenvon Metropolen im frühmodernen Staat“. Stuttgart: Franz Steiner Verlag. S. 49

[13] vgl. Höcker, Egon (2004): „Geschichte von Breslau – Der Schweidnitzer Keller“. http://www.breslau-wroclaw.de/de/breslau/history/schweidnitzerkeller/. Abgerufen am:29.10.2014

[14] Schich, Winfried; Neumeister, Peter (2007): „Wirtschaft und Kulturlandschaft: gesammelte Beiträge 1977 bis 1999 zur Geschichte der Zisterzienser und der "Germania Slavica"“. Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH. S. 384

[15] vgl. Mühle, Eduard (2014): „Breslau und Krakau im Hoch- und Spätmittelalter: Stadtgestalt - Wohnraum - Lebensstil“. Köln, Weimar: Böhlau Verlag. S. 51

[16] vgl. Nösselt, Friedrich August (1833): „Breslau und dessen Umgebungen: Beschreibung alles Wissenswürdigsten für Einheimische und Freunde“. Breslau: Wilhelm Gottlieb Korn. S. 309 - 310

[17] Schlögel, Karl; Halicka, Beata (2007): „Oder-Odra: Blicke auf einen europäischen Strom“. Bern: Peter Lang. S. 140

[18] vgl. Europäisches Kultur- und Informationszentrum in Thüringen (2013): „Geschichte der VIA REGIA (Ein Abriss)“. http://www.via-regia.org/viaregiageschichte/abriss.php. Abgerufen am: 01.11.2014

[19] vgl. ebd.

[20] vgl. Klöppel, Klaus (2014): „Breslau: Niederschlesien und seine tausendjährige Hauptstadt“. Berlin: Trescher Verlag. S. 26

[21] vgl. Schlögel, Karl; Halicka, Beata (2007): „Oder-Odra: Blicke auf einen europäischen Strom“. Bern: Peter Lang. S. 144

[22] Königliche Akademie der Wissenschaften (1893): „Hanserecesse“. Abteilung 1. Band 7. Leipzig: Duncker Humblot. Nr. 613.

[23] ebd. Nr. 616

[24] vgl. ebd.

[25] Königliche Akademie der Wissenschaften (1897): „Hanserecesse“. Abteilung 1. Band

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Stadt Breslau in der Hanse. Gründungsgeschichte und Stadtaufbau
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Geschichte der Hanse
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V292890
ISBN (eBook)
9783656900450
ISBN (Buch)
9783656900467
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadt, breslau, hanse, gründungsgeschichte, stadtaufbau
Arbeit zitieren
Silvio Haase (Autor), 2014, Die Stadt Breslau in der Hanse. Gründungsgeschichte und Stadtaufbau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292890

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