Die Bekämpfung des Hungers in der Welt ist schon seit Jahrzehnten ein viel diskutiertes Thema in der internationalen Politik. Trotz zahlreicher Versprechungen, Zielvorgaben und Kampagnen, die allesamt nicht den gewünschten Erfolg verbuchen konnten, bleibt dieses Thema auch vorerst ein globales Problem, welches künftig eine wichtige und vor allem ernsthafte Rolle bei internationalen Verhandlungen über Entwicklung, Freihandel etc. spielen sollte.
Warum das Hungerproblem bis heute nicht gelöst werden konnte, hat vielfältige und aufgrund der Heterogenität der betroffenen Länder sehr unterschiedliche Ursachen. Eine vollständige Analyse des Problems, inklusive der Vorstellung verschiedener Lösungsansätze, erscheint im Rahmen dieser Arbeit wenig sinnvoll und kaum möglich. Deswegen wird im Folgenden das Hauptaugenmerk auf der Diskussion zu Freihandel und Protektionismus im Agrarbereich liegen. Ganz besonders soll dabei die EU-Agrarpolitik mit ihren Auswirkungen auf die Entwicklungsländer beleuchtet werden. Die EU betreibt seit der Einführung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bei vielen landwirtschaftlichen Produkten Protektionismus, um den eigenen Markt vor billiger ausländischer Konkurrenz zu schützen und darüber hinaus durch Exportsubventionen eigene Waren zu günstigen Preisen auf dem Weltmarkt abzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung des Agrarsektors
2.1 Der Agrarsektor in Industrieländern
2.2 Der Agrarsektor in Entwicklungsländern
3. Das Ricardo-Modell der komparativen Kostenvorteile
4. Der EU-Agrarprotektionismus
4.1 Ziele und Entwicklung der GAP
4.2 Instrumente protektionistischer Maßnahmen
4.3 Reformen der GAP
5. Auswirkungen des EU-Agrarprotektionismus auf Entwicklungsländer
5.1 Fallstudie: Sambias und Ugandas Milchbauern
5.2 Fallstudie: Der Hühner- und Tomatenmarkt in Ghana
6. Liberalisierungsabsichten der Doha-Runde
6.1 Chancen und Gefahren für Entwicklungsländer
6.2 Ernährungssouveränität als Strategie gegen den Hunger
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des EU-Agrarprotektionismus auf Entwicklungsländer und analysiert, ob eine Handelsliberalisierung im Agrarsektor zur Armutsbekämpfung beitragen kann oder ob alternative Konzepte wie die Ernährungssouveränität zielführender sind.
- Analyse des EU-Agrarprotektionismus und dessen Instrumente
- Untersuchung der Folgen für Entwicklungsländer (u.a. Sambia, Uganda, Ghana)
- Diskussion des Ricardo-Modells im Kontext des internationalen Handels
- Evaluation der Doha-Runde und ihrer Liberalisierungsabsichten
- Kontrastierung von Freihandel und Ernährungssouveränität
Auszug aus dem Buch
2. Die Bedeutung des Agrarsektors
In den Wirtschaftssystemen der meisten Länder nimmt die Landwirtschaft eine ordnungspolitische Sonderstellung ein. Anders als bspw. der sekundäre oder tertiäre Sektor wird der Agrarsektor sogar in den Marktwirtschaften der westlichen Industriestaaten nicht der Selbststeuerung des freien Marktes ausgesetzt, sondern häufig durch staatlich protektionistische Eingriffe geschützt.
Um die Ausnahmestellung des Agrarsektors besser begründen zu können, bedarf es eines kurzen historischen Rückblicks, der die besonderen Merkmale der Landwirtschaft beleuchtert und daraus die Ursachen für die erwähnte Sonderstellung ableitet. Der primäre Sektor gehört zu den ältesten Wirtschaftszweigen der Menschheit. Vor ca. 12000 Jahren ist er durch die kultivierende Bodennutzung entstanden.
Seither ist die Landwirtschaft für den Menschen von fundamentaler Bedeutung. Denn sowohl der Ackerbau als auch die Domestizierung von Tieren bildeten die Grundlage, um ausreichend Lebensmittel zu produzieren und damit das eigene Überleben zu sichern. Diese Schlüsselfunktion der Landwirtschaft, die Menschen mit Grundbedürfnisprodukten zu versorgen, ist bis heute erhalten geblieben und durch keinen anderen Wirtschaftssektor ersetzbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die anhaltende globale Hungerproblematik und skizziert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang zwischen EU-Agrarpolitik und deren Auswirkungen auf Entwicklungsländer zu untersuchen.
2. Die Bedeutung des Agrarsektors: Das Kapitel erläutert die ökonomische und ordnungspolitische Sonderstellung der Landwirtschaft sowie ihre fundamentale Bedeutung für die Versorgungssicherung.
3. Das Ricardo-Modell der komparativen Kostenvorteile: Hier wird die klassische Theorie der Außenwirtschaft als theoretische Legitimierung für Freihandel dargestellt.
4. Der EU-Agrarprotektionismus: Dieses Kapitel analysiert die Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), deren historische Entwicklung und die eingesetzten protektionistischen Instrumente.
5. Auswirkungen des EU-Agrarprotektionismus auf Entwicklungsländer: Anhand von Fallstudien zu Sambia, Uganda und Ghana werden die negativen Folgen der EU-Exportsubventionen und Handelsverzerrungen für lokale Märkte aufgezeigt.
6. Liberalisierungsabsichten der Doha-Runde: Die Debatte um die Handelsliberalisierung durch die WTO wird hier mit dem Gegenkonzept der Ernährungssouveränität kontrastiert.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Potenziale sowie Risiken einer weiteren Liberalisierung des Agrarhandels.
Schlüsselwörter
EU-Agrarpolitik, GAP, Protektionismus, Entwicklungsländer, Welternährung, Freihandel, Doha-Runde, Ernährungssouveränität, Exportsubventionen, Ricardo-Modell, Agrarhandel, Dumping, Armutsbekämpfung, Handelsliberalisierung, LDCs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des europäischen Agrarprotektionismus auf Entwicklungsländer.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die Theorie der komparativen Kostenvorteile, die Folgen von Dumping auf lokale Märkte sowie die Debatte über die Doha-Runde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob eine Handelsliberalisierung die Hunger- und Armutssituation in Entwicklungsländern verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse agrarökonomischer Grundlagen und einer empirischen Fallstudienanalyse anhand ausgewählter Länderbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Instrumente der EU-Agrarpolitik sowie deren direkte Folgen für Bauern in Sambia, Uganda und Ghana.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wesentliche Begriffe sind Agrarprotektionismus, Ernährungssouveränität, Handelsverzerrung und Entwicklungshilfe.
Warum sind gerade Milchbauern in Sambia und Uganda ein Beispiel für die Problematik?
Sie dienen als Beispiel, da sie trotz Aufbau einer eigenen Kooperative durch billiges, subventioniertes Milchpulver aus der EU in ihrer Existenz bedroht werden.
Was versteht man in der Arbeit unter dem Prinzip der Ernährungssouveränität?
Es bezeichnet das Recht von Nationen, ihre Nahrungsmittel autark zu produzieren und sich vor schädlichen Importen zu schützen, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen.
- Citation du texte
- Alexander Gajewski (Auteur), 2011, Die Auswirkungen des EU-Agrarprotektionismus auf Entwicklungsländer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292907