Die Auseinandersetzung mit Auschwitz durch das Medium Film im Religionsunterricht. Eine Filmanalyse zu "Die Welle"


Hausarbeit, 2013

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problematik nach Auschwitz
2.1. Die Erziehung nach Auschwitz
2.2. Generationen nach Auschwitz
2.3. Die Frage nach der Schuld
2.4. Gedenken an das Geschehene

3. Theoretische Auseinandersetzung
3.1. Elementarisierung an den Grenzen
3.2. Erziehung nach Auschwitz
3.2.1. Elementarisierungsmodelle
3.2.2. Leitlinien einer religiösen Erziehung und Religionspädagogik

4. Medium Film im Schulunterricht
4.1. Tradierung von Film auf eigene Geschichte
4.2. Filmdidaktik – Worauf muss die Lehrkraft achten?
4.3. Filme im Religionsunterricht
4.4. Gründe für den Film „Die Welle“ im Religionsunterricht

5. Filmanalyse „Die Welle“
5.1. Charaktere
5.1.1. Auswahl der Charaktere
5.1.2. Rolle und Entwicklung der Charaktere
5.2. Interaktion der Charaktere
5.3. Vergleich zum Nationalsozialismus
5.4. Täter-Opfer-Situation

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

60 Jahre sind seid Auschwitz vergangen. Dies ist eine sehr lange Zeit und bedeutet, dass nur noch vereinzelte Menschen am Leben sind, die dies live miterlebt haben. Mehrere Generationen existieren bereits seitdem und im deutschen Unterricht wird das Thema Nationalsozialismus (NS) in verschiedenen Schuljahren mit dem Schwerpunkt der Prävention unter anderem in den Fächern Geschichte, Politik und Religion behandelt. In der heutigen Gesellschaft tritt das Thema Fremdenfeindlichkeit immer wieder auf. Aktuell demonstriert die PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) gegen eine Islamisierung der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich gab es einen Anschlag auf Charlie Hebdo, ein islamkritisches Satiremagazin, welches Karikaturen über den Propheten Mahammed veröffentlicht hatte und damit provozierte.

Fremdenhass war einer der zentralen Punkte unter dem Regime von Adolf Hitler. Er gründete das dritte Reich und zusammen mit seiner Partei NSDAP betrieb er eine Verfolgung des Judentums, was es in dieser Form noch nie gegeben hat und es bis zum heutigen Tag nicht wieder gegeben hat, weder gegen die jüdische Religion noch gegen eine sonstige Religion, Kultur oder Bevölkerung. Der Antisemitismus fand seinen Höhepunkt in den verschiedenen Konzentrationslagern und den Ermordungen in darin.

In unserer heutigen Gesellschaft gibt es an verschiedenen Stellen immer wieder Denkmäler bzw. Erinnerungstafeln auf denen an dieses Ereignis erinnert wird. In Berlin gab es sehr viele Diskussionen über den Bau des Holocaust-Mahnmales in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor. Der Stelenbau und das Museum, das unterhalb der Stelen errichtet worden ist, erinnern an dieses unvorstellbare Geschehen im zweiten Weltkrieg. Wer zwischen den Stelen hindurch wandert, bekommt das Gefühl des Eingeschlossenseins und einer Bedrohung durch eine Anonymität, die durch die gleichaussehenden Betonstelen erzeugt wird. Im Museum erfährt der Besucher durch verschiedene Räume bspw. wer die Opfer waren und wie das Leben von ihnen gewesen ist.

Die heutige Gesellschaft versucht sich außerdem über verschiedene Medien mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sei es in Büchern oder Filmen. Der Autor Morton Rhue greift das Thema des Nationalsozialmus auf, indem er auf eine Begebenheit an einer amerikanischen Highschool eingeht, in der ein Lehrer mit seiner Klasse ein Experiment durchführt. In diesem Experiment geht es darum, dass die Schüler erfahren und erleben, was es bedeutet, wenn in der Gesellschaft der Faschismus vorhanden ist. Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel verfilmte dieses Buch zu einem Film. Filme über den Nationalsozialimus, seien es Dokumentationen oder Spielfilme, gibt es viele, es gibt aber nur sehr wenige Filme, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob so etwas in der heutigen Zeit noch möglich wäre. Ein solcher Gedankengang ist auch eine Möglichkeit, sich mit dem Lernen nach Auschwitz auseinanderzusetzen.

In dieser Arbeit soll es um das Erinnern an Auschwitz gehen und wie sich in der heutigen Gesellschaft mit diesem Thema auseinandergesetzt wird. In einem ersten Schritt wird auf die Problematik eingegangen, die seit Auschwitz besteht und wie sich mit dieser theoretisch auseinandergesetzt wird. Die Schule wird dabei mit einbezogen und es werden mögliche Ansätze für eine Auseinandersetzung von Seiten der Schüler aufgezeigt (siehe 2 und 3). In einem nächsten Schritt soll gezeigt werden, weshalb das Medium Film im Schulunterricht eingebunden werden sollte und warum dieser Film für den Unterricht von Interesse ist (siehe 4 und 5). Der Film wird anhand der Täter-Opfer-Rolle mit drei verschiedenen Charakteren analysiert. Die drei Charaktere Tim (Frederick Lau), Karo (Jennifer Ulrich) und Rainer Wenger (Jürgen Vogel) werden dargestellt und eine Entwicklung von Ihnen wird gezeigt. Zuvor wird begründet, warum diese drei Charaktere bearbeitet werden. Die Entwicklung soll dem Leser verdeutlichen, wie sich unterschiedliche Charaktere in verschiedenen Rollen verhalten, wenn sie in die jeweilige Position gelangen und was geschieht, wenn es sich in diese Richtung entwickelt. Dies bildet zugleich den Schwerpunkt dieser Arbeit (siehe 6). In einem abschließenden Fazit und Ausblick soll noch einmal aufgegriffen werden, wie ein Erinnerungsdenken im heutigen Schulunterricht gelingen kann, wie dieser Film im Unterricht eingebunden werden kann und welche weiteren Schwerpunkte möglich sind. Hierbei wird auf aktuelle Unterrichtsmaterialien verwiesen (siehe 7).

2. Problematik nach Auschwitz

Die eigenen Grenzen werden bei dem Thema Holocuast/Shoah erfahren. Diese Begegnung ist allerdings mit dem Thema Schuld und Verlust sehr eng verbunden und lässt die eigenen Grenzen schmerzhaft erfahren. Historisch gesehen ist seitdem viel geschehen: Es gibt mehrere Generationen und 1989 gab es die deutsche Wiedervereinigung. Das Holocaust Mahnmal in Berlin ist entstanden und um dieses gab es viele Diskussionen. Ein Umgang mit der Vergangenheit und der Normalität zeigen Schwierigkeiten auf, die bedacht werden müssen (vgl. Schweitzer, 2013a, S. 71).

2.1. Die Erziehung nach Auschwitz

Auschwitz dürfe nicht noch einmal passieren. Diese Forderung ist jedem anderen Erziehungsauftrag vorangestellt und muss, aufgrund des Geschehenen, nicht begründet werden. Es ist der erste und wichtigste Auftrag in der Erziehung nach Auschwitz. Eine allgemeine Aufklärung und eine kritische Selbstreflexion müssen Ziel dieser Erziehung sein, denn nur so können die Kinder und Jugendlichen zu mündigen Erwachsenen erzogen werden (vgl. Schweitzer, 2013a, S. 72 f.).

2.2. Generationen nach Auschwitz

Die Gefahr, dass das Vergessen wächst, ist gegeben, da die Augenzeugen kaum noch am Leben sind und damit sind sowohl Täter wie Opfer gemeint. Auschwitz ist für die Schüler des Schuljahres 2003/2004 nur noch über die Großeltern erfahrbar. Aber selbst dies muss nicht der Fall sein, da sie noch zu jung gewesen sind, um etwas davon mitzuerleben, und es lediglich Kindheitserinnerungen sein könnten. Der zeitliche Abstand zeigt das Problem der Generationen an, da es verschiedene Auffassungen über das Geschehene gibt. Die erste Generation nach dem Nationasozialismus ist unfähig zu trauern und verdrängt das Geschehene. Die zweite Generation versucht ein Verständnis für die eigenen Eltern aufzubringen. In der dritten Generation ist dies aber anders: Hier entstehen Vorwürfe entstehen gegenüber den Großeltern, da sie nicht verstehen, warum diese so gehandelt haben und es zu diesem grausamen Ereignis kommen konnte. Ein Konfliktpotenzial ist damit vorhanden und ein reflektierender Weg ermöglicht ein teleskopartiges Ineinandergreifen der verschiedenen Generationen. Zu diesem Konfliktpotenzial gesellt sich die multikulturelle Gesellschaft. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass eine Multiperspektivität geschaffen wird, mit der sich Menschen verschiedener Herkunft identifizieren können und sich kritisch mit dieser auseinandersetzen (vgl. Schweitzer, 2013a, S. 73 – 77).

2.3. Die Frage nach der Schuld

Eine Schuld für etwas, was eine Person selber nicht getan hat, kann nicht übernommen werden. Entscheidend ist im Kontext mit dem Holocaust, dass dies angenommen werden muss und die Folgen für alle bindend sind. Die Generationen danach haben die Verantwortung „für das, was in der Geschichte daraus wird“ (Schweitzer, 2013a, S. 80). Die Frage nach der Schuld hängt mit dem Begriff der Verantwortung zusammen, obwohl der Schuldbegriff ein persönliches Verhältnis zur Vergangenheit impliziert. Der Verantwortungsbegriff bezieht sich allerdings konkret auf die historische Situation des nationalsozialistischen Deutschland. Eine Kollektivschuld darf nicht akzeptiert werden, da eine moralische Schuld immer etwas persönliches ist und vom Charakter abhängt. Dies darf aber dann nicht so aussehen, dass dies als Entschuldigung für das gesamte deutsche Volk gesehen wird. Viel entscheidender ist, dass das kulturelle Erbe jedem deutschen Staatsbürger bewusst ist und dieser sich damit auseinanderzusetzen hat. Die Problematik der Kollektivschuld bleibt aber bestehen und muss weiterhin offen diskutiert werden, weil die Kinder und Jugendlichen aus Deutschland gegenüber denen, die eine andere Nationalität besitzen, mit dieser Vergangenheit aufwachsen und es fest in der deutschen Geschichte verankert ist. Ein offener Umgang mit dieser Fragestellung muss das Ziel des Unterrichtes sein (vgl. Schweitzer, 2013a, S. 78 – 84).

2.4. Gedenken an das Geschehene

Ein Gedenken an das Geschehene nimmt in der Religionspädagogik einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Das Gedenken an das Geschehene hängt mit dem Erinnern und Gedächtnis zusammen. Dieses Gedenken muss auch dann bestehen bleiben, wenn das deutsche Nationalgefühl sich nach langer Zeit wieder verstärkt und sich Christen und Juden annähern. Eine geteilte Erinnerung muss aber auch Nicht-Teilbare als das Trennende bewahren. Es bleibt aber der Grundgedanke an ein Erinnern nach Auschwitz mit dem Auftrag, dass dieses nicht noch einmal geschehen dürfe. Ein Gedenken an das Geschehene kommt dieser Forderung aber nicht nach, da sich eine deutsche Identität mit Auschwitz auseinander setzen muss. Dies ist aber in der Entwicklung nicht so einfach zu realisieren, da dies zur Folge hat, dass der deutsche Staatsbürger die Täterrolle in seine Identität aufnehmen würde und nicht wie ein israelischer Staatsbürger die Rolle des Opfers. Es ist psychologisch gesehen einfacher die Rolle des Opfers einzunehmen als die des Täters, da der Delinquent einen Massenmord begangen hat und sich niemand mit diesem identifizieren möchte (vgl. Schweitzer, 2013a, S.85 – 87).

3. Theoretische Auseinandersetzung

Die Frage nach der Wahrheit spielt in der Auseinandersetzung mit Auschwitz eine zentrale Rolle, da die Schüler sich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen müssen, „welche Schuld oder Verantwortung sie hier selber trifft oder eben nicht treffen könnte und zu welchem Gedenken sie folglich verpflichtet sind“ (Schweitzer, 2013a, S. 88). Die Themen Lebensgeschichte und Schuld spielen im Alltag der Schüler eine zentrale Rolle, da es für sie interessant ist, was an gemachten Fehlern in Zukunft revidiert werden kann und was nicht. Die eigene Familiengeschichte, damit ist der Umgang mit dem Erlebten gemeint, spielt eine Rolle in der Thematisierung dieser Zeit. Es muss sowohl darauf geachtet werden, was weiter tradiert worden ist, als auch das, was verschwiegen worden ist (vgl. Schweitzer, 2013a, S. 87 – 90).

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Details

Titel
Die Auseinandersetzung mit Auschwitz durch das Medium Film im Religionsunterricht. Eine Filmanalyse zu "Die Welle"
Hochschule
Universität Kassel
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V292972
ISBN (eBook)
9783656901464
ISBN (Buch)
9783656901471
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auseinandersetzung, auschwitz, medium, film, religionsunterricht, eine, filmanalyse, welle
Arbeit zitieren
Jan Neumann (Autor), 2013, Die Auseinandersetzung mit Auschwitz durch das Medium Film im Religionsunterricht. Eine Filmanalyse zu "Die Welle", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292972

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