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Die Gruppenentscheidungen und der Einfluss von Frames

Title: Die Gruppenentscheidungen und der Einfluss von Frames

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 17 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Nino Iaseshvili (Author)

Social Studies (General)
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Summary Excerpt Details

In der sozialen Welt, die sich durch Komplexität und dynamische Änderungen charakterisiert, sehen sich die Menschen jeweils mit einer wachsenden Anzahl an Entscheidungsalternativen konfrontiert. Die Frage, wie sie eine Entscheidungsalternative erhalten, ist für Soziologen, Psychologen oder Wirtschaftswissenschaftler höchst relevant. Die Antworten fallen dementsprechend unterschiedlich aus. Aufgrund ihrer ontologischen Annahme über die Rationalität der menschlichen Natur entwickelt die Rational-Choice-Theorie (RCT) eine handlungstheoretische Perspektive, nach der die handelnden Personen bzw. die Entscheidungsträger bei den Entscheidungen ihren Erwartungswert maximieren. Anders formuliert, setzen die Personen ihre Handlungen so ein, dass ihr Nutzen am größten ist, d. h., sie handeln ausschließlich zweckrational. Die Rationalität ist laut der Rational-Choice-Theorie unabhängig von der gegebenen Situation oder einer zu lösenden Aufgabe. Im Fokus der modernen Forschungsprojekte steht indes die Überlegung, inwieweit oder ob die Menschen bei den Entscheidungen in der Tat ausschließlich rational vorgehen. Die neue Erwartungstheorie von Daniel Kahneman und Amos Tversky (vgl. Kahneman/Tversky 1979) modifiziert dieses strikt rationale Modell durch eine psychologische Erklärung, in der die Rationalität durch die mentalen Verzerrungen beschränkt wird, abgesehen von der Frage, ob die Entscheider über die notwendigen Information verfügen oder nicht. Nach diesem Modell beziehen sich die Menschen bei den Entscheidungen normalerweise auf die Beschreibungen der Realität und ganz selten auf die Realität selbst. Solche Beschreibungen bzw. Formulierungen (frames) der Sachverhalte beeinflussen die Entscheidungspräferenzen der Individuen (framing effekt) (vgl. Kahneman 1990: 448). Je nachdem, wie der Sachverhalt veranschaulicht wird, entscheiden die Menschen in unterschiedlicher Art und Weise. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsabgrenzung: Handeln vs. soziales Handeln

2.1 Idealtypen des sozialen Handelns

3. Theoretische Rahmen: Prospekttheorie vs. Rational-Choice-Theorie

3.1 Anomalie

3.2 Die Erklärung der Anomalie von Kahneman & Tversky

4. Einfluss von Frames auf Gruppenentscheidungen

4.1 Neutralisierungs- und Polarisierungseffekte

5. Hypothesentest

5.1 Empirische Studien zum Entscheidungsverfahren bei den Gruppen

5.2 Auswertung der Ergebnisse

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit psychologische Framing-Effekte, die auf individueller Ebene zu inkohärenten Entscheidungen führen können, auf die kollektive Ebene von Gruppenentscheidungen übertragbar sind und durch welche Mechanismen diese Prozesse beeinflusst werden.

  • Vergleich von Rational-Choice-Theorie und Prospekttheorie
  • Analyse des Einflusses von positiven und negativen Frames auf die Risikobereitschaft
  • Untersuchung von Polarisierungs- und Neutralisierungseffekten in Gruppen
  • Gegenüberstellung von homogenen und heterogenen Gruppenstrukturen

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Erklärung der Anomalie von Kahneman & Tversky

Diese Anomalie wird dadurch erklärt, dass die Menschen tatsächlich nicht immer in der Lage sind, komplexe Informationen bestmöglich zu verarbeiten. Mithin werden die komplexen Entscheidungen durch die Heuristik vereinfacht und abgekürzt oder durch kognitive Faktoren (Emotionen etc.) verzerrt. Die emotionalen Framing-Effekte sind im menschlichen Gehirn mit den in der Amygdala laufenden neurologischen Aktivitäten verbunden, die ,,[…] sehr schnell auf die emotionalen Reize […]‘‘ (Kahneman 1990: 451) reagieren. Aus diesem Grund waren die Testpersonen in diesem Experiment in ihren Bewertungen und Entscheidungen unbewusst von emotionalen Wörtern beeinflusst: sterben wurde als negativ bewertet und gerettet als positiv. Demzufolge hängen die menschlichen Entscheidungen nach Kahneman & Tversky vielmehr von der Formulierung und der Wortwahl ab als von den realen Verhältnissen. Die Menschen akzeptieren die emotional begründeten Präferenzen, ohne sie zu überprüfen, weshalb ihre Entscheidungen meistens inkonsistent, d. h. irrational, sind. Ein rationaler Akteur müsse demgegenüber logisch konsequente Optionen stets gleich einschätzen und, wie bereits oben erwähnt, unter den Einfluss der Beschreibungen bzw. Formulierungen geraten.

Kahneman ordnet die durch die Frames verursachten emotional gestützten Handelspräferenzen dem Idealtyp des schnellen Denkens unter, das sich als intuitives System beschreiben lässt und sich durch die automatischen, emotionalen und unbewussten Entscheidungsregeln charakterisiert. Der zweite Idealtyp – langsames Denken – wird als analytisches System veranschaulicht, das mit den bewussten, berechnenden und kalkulierbaren Denk- und Verhaltensweisen dem rationalen Menschenbild entspricht und in der realen Welt selten anzutreffen ist (vgl. Kahneman 1990).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Grenzen der Rational-Choice-Theorie und stellt das Konzept der Framing-Effekte nach Kahneman und Tversky vor.

2. Begriffsabgrenzung: Handeln vs. soziales Handeln: Dieses Kapitel differenziert nach Max Weber zwischen individuellem Handeln und sozialem Handeln im intersubjektiven Kontext.

2.1 Idealtypen des sozialen Handelns: Es werden die verschiedenen Handlungsformen nach Weber erläutert und deren Relevanz für soziale Beziehungen herausgestellt.

3. Theoretische Rahmen: Prospekttheorie vs. Rational-Choice-Theorie: Der Vergleich verdeutlicht den Übergang von einem rein rationalen Modell zu einer psychologisch fundierten Erwartungstheorie.

3.1 Anomalie: Hier wird anhand des Experiments "Asiatische Krankheit" aufgezeigt, wie Menschen bei identischen Sachverhalten aufgrund von Formulierungen inkohärent entscheiden.

3.2 Die Erklärung der Anomalie von Kahneman & Tversky: Die kognitive und neurologische Basis für Framing-Effekte wird durch das Modell von schnellem und langsamem Denken erklärt.

4. Einfluss von Frames auf Gruppenentscheidungen: Die Übertragung individueller Entscheidungsmuster auf die Gruppenebene wird theoretisch hinterfragt.

4.1 Neutralisierungs- und Polarisierungseffekte: Die Mechanismen der Polarisierung und Neutralisierung werden als Erklärungsansätze für Gruppenverhalten diskutiert.

5. Hypothesentest: In diesem Teil werden experimentelle Daten analysiert, um die aufgestellten Hypothesen zu Framing-Effekten in Gruppen zu prüfen.

5.1 Empirische Studien zum Entscheidungsverfahren bei den Gruppen: Verschiedene Fallbeispiele und Experimente zur Risikobereitschaft werden zur Untersuchung der Gruppenentscheidungen herangezogen.

5.2 Auswertung der Ergebnisse: Die experimentellen Resultate werden interpretiert und hinsichtlich ihrer Aussagekraft für die Polarisierungs- und Neutralisierungshypothesen bewertet.

6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die praktische Bedeutung für die Zusammensetzung von Entscheidungsgruppen.

Schlüsselwörter

Gruppenentscheidungen, Framing-Effekte, Rational-Choice-Theorie, Prospekttheorie, soziale Beziehungen, Polarisierung, Neutralisierung, Risikobereitschaft, schnelles Denken, langsames Denken, Entscheidungsprozesse, individuelle Ebene, Gruppenebene, kognitive Verzerrung, experimentelle Sozialforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sogenannte Framing-Effekte, also die Art der Darstellung von Informationen, die Entscheidungsfindung von Individuen und Gruppen beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von individuellem und sozialem Handeln, die Gegenüberstellung von Rational-Choice- und Prospekttheorie sowie die Analyse von Gruppenentscheidungsprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu prüfen, ob die auf individueller Ebene beobachtbaren Framing-Effekte (z.B. Risikofreudigkeit bei negativen Frames) auch bei Gruppen auftreten und wie sich diese durch Gruppendiskussionen verändern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Experimente und Studien, die das Entscheidungsverhalten in homogenen und heterogenen Gruppen untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen (Weber, Kahneman & Tversky), erläutert die Mechanismen der Polarisierung und Neutralisierung und testet Hypothesen anhand konkreter Fallstudien.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Besonders prägend sind die Begriffe Framing, Polarisierung, Neutralisierung, Gruppenentscheidung und die Unterscheidung zwischen schnellem und langsamem Denken.

Wie wirkt sich die Gruppenstruktur (homogen vs. heterogen) auf das Ergebnis aus?

Homogene Gruppen neigen eher dazu, individuelle Frames durch Polarisierung zu verstärken, während in heterogenen Gruppen durch den Austausch unterschiedlicher Perspektiven ein "Reframing" oder Neutralisierungseffekt eintreten kann.

Bestätigt das Fazit die aufgestellten Hypothesen eindeutig?

Nein, das Fazit stellt fest, dass die Hypothesen nicht universell bewiesen werden können, da vermutlich weitere Faktoren wie der kulturelle Hintergrund einen Einfluss auf die Ergebnisse haben.

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Details

Title
Die Gruppenentscheidungen und der Einfluss von Frames
College
University of Stuttgart  (Institut für Sozialwissenschaften)
Grade
1.7
Author
Nino Iaseshvili (Author)
Publication Year
2014
Pages
17
Catalog Number
V293027
ISBN (eBook)
9783656902867
ISBN (Book)
9783656902874
Language
German
Tags
Framing Daniel Kahneman Rational-Choice-Theorie soziales Handeln
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nino Iaseshvili (Author), 2014, Die Gruppenentscheidungen und der Einfluss von Frames, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293027
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