Der Tanz zur Zeit des Minnesangs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I Einleitung

II Hauptteil:
1.Tanzarten
2.Tanz und Gesang
3.Tanz und Musik
4.Wann wurde getanzt? Tanzzeiten
5.Tänze der Ritter
6.Bauerntänze
6.1 Ausblick
6.2 Der Totentanz
7. Wo wurde getanzt?
8. Wie wurde getanzt?
8.1 Ausblick

III Schlußwort

IV Literaturverzeichnis

I Einleitung

Der Tanz zur Zeit des Minnesangs - mit dieser Problematik beschäftigt sich die folgende Hausarbeit. Mein Ziel ist es dabei, einen allgemeinen Überblick über dieses Thema zu vermitteln.

Es sollen in dieser Arbeit grundlegende Fragen geklärt werden, wie zum Beispiel nach der Rolle von Gesang und Musik beim Tanz, nach den verschiedenen Tanzorten und -zeiten, sowie nach den Unterschieden zwischen den Tänzen der Ritter und der Bauern. Leider stand mir für eine umfassende Darstellung dieser Thematik nur sehr wenig Sekundärliteratur zur Verfügung. Ich konnte den Ausführungen deshalb nur zwei Haupttexte zu Grunde legen.

Der ältere der beiden Texte, der sich mit der Geschichte des Tanzes in Deutschland beschäftigt und bereits 1886 erschienen ist, stammt von Joachim Böhme. Eine neuere Veröffentlichung zu diesem Thema ist Joachim Bumkes Werk „Höfische Kultur“. Bumke weist in seinen Ausführungen darauf hin, daß wir insbesondere über die höfischen Tänze des 12. und 13. Jahrhunderts sehr schlecht unterrichtet sind. Gründe hierfür sieht Bumke einerseits in der ungünstigen Quellenlage (Lehrbücher der Tanzkunst hat es erst im 15. Jahrhundert gegeben) andererseits aber auch darin, daß die Zeugnisse, die hauptsächlich aus der höfischen Dichtung stammen, noch nicht in angemessener Weise ausgewertet wurden.[1]

In einigen Punkten ist deshalb keine umfassende Darstellung der Thematik möglich, ich habe dabei versucht, eine annähernde Vorstellung zu vermitteln, das betrifft zum Beispiel die verschiedenen Tanzarten sowie die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen getretenen und gesprungenen Tänzen.

Neben den beiden oben erwähnten Haupttexten haben ich insbesondere die im Seminar vorgetragenen Referate (Thesenpapiere) und die Diskussionen zu diesen Themen als Ergänzungen in unseren allgemeinen Überblick einbezogen.

Weiterführende Themen wie etwa der mittelalterliche Tanz als gesellschaftliches Phänomen mit Tanzverboten, Totentanz etc. werden in dieser Darstellung nicht näher analysiert, da sie den Rahmen unserer Hausarbeit sprengen würden , sie stellen aber interessante Ansatzpunkte für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik des Tanzes im Mittelalter dar.

Ich hoffe, mit meinem allgemeinen Überblick über den Tanz zur Zeit des Minnesangs einen interessanten Einstieg in dieses umfassende Thema zu geben.

II Hauptteil:

Kapitel 1: Tanzarten

Böhme unterscheidet in seiner kulturgeschichtlichen Darstellung des Tanzes zwei Hauptgattungen des Tanzes. Als erste Gattung nennt er den r eihen, wie dieser Tanz bis in das 18. Jahrhundert hinein bezeichnet wurde.[2] Die neuhochdeutsche Bezeichnung für diesen Tanz ist Reigen. Der Reigen ist eine sehr alte und volkstümliche Tanzart, die bereits zu den Opfertänzen der alten Germanen gehörte. Der mittelhochdeutsche Ausdruck reie ist wahrscheinlich erst im 12. Jahrhundert verwendet worden, da er im Althochdeutschen nicht vorkommt.

Diesen Tanz muß man sich wie folgt vorstellen: Mehrere Tänzer bilden eine Kette, indem sie sich an den Händen halten. In dieser Formation bewegen sich die Tänzer im offenen oder geschlossenen Kreis oder auch in einer ausgezogenen Linie. Der Reigen wurde gesprungen, er war also ein Springtanz, was folgende Stelle aus der Carmina Burana bezeugt:

„Springen wir den reigen

nu vrouwe mîn,

vröun uns gegen den meigen,

uns kumet sîn schîn.“ [Carmina Burana 178][3]

Als zweite wesentliche Gattung des Tanzes zur Zeit des Minnesangs nennt Böhme den Tanz. Im Unterschied zum Reigen wurde der Tanz getreten, er war ein umgehender Tanz. Dies wird zum Beispiel von Neidhart beschrieben:

„Das wir treten aber ein hovetänzel nâch der gîgen.“[4]

Bumke, der sich genau 100 Jahre nach Böhme mit der Thematik des Tanzes im Mittelalter beschäftigt hat, ist hingegen der Ansicht, daß sich eine durchgehende Unterscheidung zwischen getretenem Tanz und gesprungenen Reigen aus den Überlieferungen nicht erkennen läßt.[5] Er verdeutlicht seine These am Beispiel Konrad von Würzburgs „Tanz der Tempelmädchen“, in dem getretene und gesprungene Elemente innerhalb eines Tanzes beschrieben werden.

„Da wurde ein herrlicher Tanz von ihnen aufgeführt, der gesprungen und getreten wurde, wie man es sich wünschte.“

Bumke unterscheidet zwar auch zwischen gemessenen (getretenen) und bewegten Tänzen (mit höheren Sprüngen). Er sieht aber keine strikte Trennung zwischen diesen beiden Tanzarten.[6]

Neben anderen höfischen Unterhaltungsformen wurde im Mittelalter insbesondere der Tanz zur Zielscheibe geistlicher Kritik. Dabei erregte besonders das Hochspringen beim Tanz bei den Geistlichen des Mittelalters größte Abscheu und es herrschte die weit verbreitete Vorstellung, daß die unzüchtigen Springtänze eine moderne Erfindung seien.[7] Zur Zeit des Minnesangs existierten schon seit mehreren Jahrhunderten Verbote, die es Geistlichen untersagten, an weltlichen Tanzfesten teilzunehmen.

Das Springen, als eine Bewegungsform des Tanzes ist auch als literarisches Motiv in die Lyrik der hoch- und spätmittelalterlichen Literatur eingegangen. Das Springen ist dabei eine Form spielerisch-distanzierter Werbung und Audruck erotischer Freude. So verwendet zum Beispiel Neidhart von Reuental dieses Motiv in seinen Sommerliedern. Der Tanz und dabei insbesondere das Springen stehen in diesen Liedern in enger Beziehung zu vehementem Liebesverlangen. In Neidhart von Reuentals Sommerlied Nr.1 wird dieses Motiv schon in den ersten beiden Zeilen deutlich:

„Ein altiu diu begunde springen

hohe alsam ein kitze enbor: si wolde bluomen bringen.“

Kapitel 2: Gesang und Tanz

Bereits zur Zeit des Minnesangs sind Tanz und Gesang untrennbar miteinander verbunden. Zu allen Tänzen wurde auch gesungen. Einen Hinweis darauf gibt zum Beispiel der Ausdruck tanzliet, den Reimar der Fiedler unter den damals üblichen Tanzarten mit aufzählt.[8] Schon auf dem Weg zum Tanzplatz sollen die Bauern zur Zeit des Minnesangs gesungen haben. Beim Tanz selbst sangen alle Tänzer zusammen oder es gab einen Vorsänger, der gleichzeitig auch Vortänzer war. Vorsingen und Vortanzen waren zur damaligen Zeit zwei recht angesehene Ämter. So galt zum Beispiel Herzog Leopold VII von Österreich als tüchtiger Vorsänger, denn als er 1230 starb, klagten die Wiener, daß sie den besten Vorsänger im Chor, und gleichzeitig den besten Stifter des Frühlings- und Herbstreigens an ihm verloren hätten. So beschreibt es Jansen Einenkel im Fürstenbuch von Österreich.[9]

„Wer singet uns nû vor

zu Wiene ûf dem kor,

als er vil dicke hât getân?

wer stift uns nû den reien

in dem Herbst und in dem maien?“

[...]


[1] Vgl. Bumke, Joachim (1986) S.309

[2] Vgl. Böhme, Franz (1886) S.25

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. Bumke, Joachim (1986) S.310

[6] Ebd. S.310

[7] Ebd. S.311

[8] Vgl. Böhme, Franz (1886) S.25

[9] Ebd. S. 26

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Tanz zur Zeit des Minnesangs
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Das Motiv des Tanzes in hoch- und spätmittelalterlicher Literatur
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V29317
ISBN (eBook)
9783638308649
ISBN (Buch)
9783638789325
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tanz, Zeit, Minnesangs, Motiv, Tanzes, Literatur
Arbeit zitieren
M.A. Uta Ziegler (Autor), 2003, Der Tanz zur Zeit des Minnesangs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29317

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