"Positive Psychologie". Die Frage nach einer guten Lebensführung


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Grundzüge der Positiven Psychologie
1.1. Kritische Reflexion zur Grundidee der Positiven Psychologie

2. Konzepte in der Positiven Psychologie
2.1. Das Konzepts des Optimismus
2.1.1 Optimismus und Positive Psychologie
2.2 Das Konzept des Vertrauens
2.2.1 Vertrauen und Positive Psychologie

3. Positive Psychologie in der Praxis
3.1. Übertragung der Konzepte der Positiven Psychologie auf einen Arbeitskontext Sozialer Arbeit: Durch Optimismus und Vertrauen die Stärken der Mitarbeiter fördern

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Grundzüge der Positiven Psychologie

Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit der Lebensführung des Menschen. Wie erlebt dieser seine Umwelt, oder sich als Mensch und Individuum und wie verhält er sich den diversen Lebenssituationen (Brendtro, Steinebach, 2012, S. 18)?

Die Positive Psychologie forscht als erste Wissenschaft nach den Faktoren, die den Menschen glücklich machen. Der Fokus richtet sich auf die Fragestellung, wie eine gute Lebensführung eigentlich aussieht und wie man die Zufriedenheit am Leben halten und steigern könnte (Leimon, McMahon, 2011, S. 23).

In der Vergangenheit wurden Menschen, welche eine positive Lebenseinstellung vertraten und ebenso optimistisch waren, eher einfältig betrachtet und galten sogar als naiv. Die Positive Psychologie spricht gegen solche Vorurteile, indem sie mit zahlreichen Studien aufzeigt, dass eine positive Grundhaltung ein konstruktives Verhalten ist. Dieses bringt Wohlbefinden, Erfolg und somit Zufriedenheit mit sich (Leimon, McMahon, 2011, S. 25). Durch den ausgerichteten Blickwinkel hinsichtlich Werte, Tugend, Bedürfnisse und Stärken gelingt es ihr vernachlässigte Fragen aufgreifen und beantworten zu können (Brendtro, Steinebach, 2012, S. 20).

Zusammengefasst handelt es sich also um die Erforschung zu allem, was die Lebensqualität steigert. Es geht um positive Erfahrungen, die den Menschen in seinem Leben prägen, ebenso um die positiven Charakterzüge seinerseits, aber auch die seiner Umwelt, denn diese tragen entscheidend zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei (Leimon, McMahon, 2011, S. 25f).

Einer der bekanntesten Forscher der Positiven Psychologie ist Martin Seligman. Er war Präsident der American Psychological Association. Seligman entwickelte bezüglich dieses Themas viele Theorien, forschte und führte zahlreiche Studien durch. Er widmete sich dem „optimalen menschlichen Funktionierens“ (zit. in. Leimon, McMahon, 2012, S. 25).

Durch den zweiten Weltkrieg stieg unteranderem der Bedarf an Heilungsbehandlungen. Demnach richtete sich die Aufmerksamkeit vieler Psychologen eher auf den Faktor was im Leben dieser Menschen schief gelaufen sein könnte, anstatt das vorhandene Potential zu steigern bzw. zu erweitern, wie es sinnvoller wäre. So gehörte Martin Seligmann mit zu den ersten Forschern, die sich mit der Nutzung und Maximierung dieser vorhandenen Potentiale beschäftigte (Leimon, McMahon, 2011, S. 26f).

Dennoch weicht die Positive Psychologie nicht völlig von den Konzepten, Traditionen, Forschungsinteressen und Denkweisen ab. Sie gilt als Plattform mit Abspaltung von wissenschaftstheoretischen Positionen des Positivismus, also der strikten Trennung zwischen Tatsachen und Werten. Viele Konzepte, Definitionen und Begriffe sind in der Positiven Psychologie nämlich mit diversen Wertungen verbunden (Brendtro, Steinebach, 2012, S. 19f).

Sie gilt als Wissenschaft, die den Standard der wissenschaftlichen Psychologie achtet, aber ebenfalls die Alltagssprache der Menschen spricht, die sich nicht mit dieser Wissenschaft beschäftigen. Der Blick der Positiven Psychologie richtet sich eher auf Alltagserfahrungen, ebenso auch auf die Missstände im Leben des Menschen.

In der heutigen Zeit haben Forscher nun die Chance sich an der Vorarbeit der Positive Psychologie bezüglich einer stärken- und bedürfnisorientierten Psychologie zu orientieren, zusätzlich ergänzt die Positive Psychologie bereits bestehende und bedeutende Erkenntnisse im Kontext zu gesellschaftlichen Problemen und Stärkeorientierung (Brendtro, Steinebach, 2012, S. 21).

Das Konzept der Positiven Psychologie basiert auf drei Säulen. Seligman spricht von positiven Emotionen (z. B. Lebenszufriedenheit oder Optimismus), positivem Charakter (z. B. Tugenden, Charakterstärken) sowie positiven Strukturen (z. B. starke Familien oder Informationsfreiheit), die im Folgenden erläutert werden (Seligman, 2010, S. 100).

die Erforschung der positiven Emotionen

Solche Emotionen meinen beispielsweise den Optimismus, die Lebensfreude oder die Zufriedenheit des Menschen. Diese bringen den Menschen dazu sich zu betätigen, er entwickelt körperliche Ressourcen, die für ein gesundes und langes Leben von Vorteil sind. Dennoch erleidet der Mensch auch oftmals negative Emotionen, wie Trauer, Verlust, Angst etc., welche ihn dennoch schützen können: Angst gilt als Warnsignal gegen äußere Bedrohungen. Trauer signalisiert den Verlust. Somit werden solche negativen Emotionen als Verteidigungslinie genutzt.

Es zeigt sich, dass diese beiden Emotionen sich nicht abstoßen, es sind keine gegenseitigen Pole, welche nicht zueinander passen, allerding stehen sie auch nur in einer schwache Korrelation zueinander. Ein Mensch muss nicht ein Leben führen, In welchem er nur unglücklich ist, nur weil er in einer Periode vieler negativer Emotionen steckt (Seligman, 2010, S.103f).

Seligmann (2010, S. 23) interessiert sich in seiner Forschung für drei wichtige Fragen bzw. Faktoren. Er fragt nach der Evaluation und möchte wissen, warum diese den Menschen mit Emotionen ausgestattet hat bzw. möchte die Funktionen derer herausfinden. Außerdem gilt sein Interesse denen die diese positiven Emotionen im Überfluss besitzen und denen, den es an genau diesen mangelt. Darauf folgend stellt er sich die Frage, wie man mehr positive Emotionen im Leben einbauen könnte, die zusätzlich noch nachhaltig wirken (Seligman, 2010, S. 23).

die Erforschung des positiven Charakters

Unter positivem Charakter versteht Seligman Stärken und Tugenden, deren regelmäßige Ausübung positive Emotionen hervorbringt (Frank, 2011, S. 84). Peterson und Seligman haben einen Katalog von 24 Charakterstärken und sechs Tugenden entwickelt, der als eine Art Diagnostic Statistic Manual für positive Eigenschaften Manual of the Sanities fungieren soll. Die Psychologie hat menschliche Stärken und Tugenden offenbar in den Hintergrund der Forschung gerückt (Frank, 2011, S. 85). Demzufolge haben sich die Autoren für die Klassifikation auf verschiedene philosophische und religiöse Quellen aus unterschiedlichen Kulturen gestützt. In den verschiedenen Kulturen gibt es seit Jahrzehnten Übereinstimmungen was Tugenden und Stärken sind (Seligman, 2005). In dem Katalog wurden die Stärken und Tugenden aufgenommen, die über verschiedene Kulturen hinweg erwünschte und erstrebenswerte Eigenschaften beschreiben. Unterstützt werden diese Bemühungen durch empirische Studien zu einzelnen Stärken. Konfuzius, Aristoteles, Thomas von Aquin, der japanische Ehrenkodex der Samurai, die indische Bhagavad-Gita und andere ehrenwürdige Traditionen weichen in Details voneinander ab. Jedoch umfassen alle diese Kodizes sechs Kerntugenden (Seligman, 2010, S. 32), welche nochmals in sechs Stärken unterteilt werden können. Unter Charakterstärken verstehen die Autoren Faktoren mit denen man Tugenden erlangt. Als allgegenwärtige Tugenden gelten Mut (Tapferkeit, Beharrlichkeit und Geduld), Liebe bzw. Humanität (die Fähigkeit zu lieben, Bindungsfähigkeit, ebenso Freundlichkeit und Großzügigkeit), Weisheit und Wissen (Neugier, der Wille zu lebenslangem Lernen, Urteilskraft und Weitblick), Gerechtigkeit (Teamfähigkeit und Loyalität), Mäßigung (Vergebungsbereitschaft, Verzeihung und Gnade) sowie Spiritualität und Transzendenz (Sinn für das Schöne, Ehrfurcht und Dankbarkeit).

In diesen sechs Tugenden sehen Seligman und Peterson die grundlegenden Charakteristika, die von allen Religionen und philosophischen Traditionen anerkannt werden. Zusammengenommen bilden sie das, was unter einem gutem Charakter verstehen werden kann (Frank, 2011, S. 87). Charakterstärken sind also moralisch bewertete Eigenschaften, die auf Willenskraft beruhen. Nicht moralisch und relativ automatisch geschehen dagegen die Talente (Seligman, 2010, S. 24).

15 Stärken, die für einen Menschen charakteristisch sind werden Signatur-Stärken genannt (Frank, 2011, S. 87). Menschliches Wohlbefinden, das entsteht, wenn Signatur-Stärken eingesetzt werden, ist in der Authentizität nicht weg zu denken. In diesem Zusammenhang spricht Seligman auch von Authentic Happiness, was bedeutet, dass jeder Mensch über herausragende Stärken (Signatur-Stärken) verfügt (Frank, 2011, S. 87).

die Erforschung der positiven Strukturen

Bei der Erforschung positiver Strukturen richtet sich der Fokus auf jene Strukturen, die den positiven Charakter unterstützen, welcher wiederum positive Emotionen hervorbringt. Solche Strukturen können beispielsweise starke Familien und Gemeinden sein, außerdem zählen ökonomische Sicherheitsnetze, Demokratie oder Informationsfreiheit dazu. Sie sind als bereichsübergreifend zu verstehen und betreffen die Felder der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Anthropologie, der Wirtschaftswissenschaften und der Psychologie (Seligman, 2010).

1.1. Kritische Reflexion zur Grundidee der Positiven Psychologie

Viele Kritiker der Positiven Psychologie sehen diese nicht als eine neuartige Wissenschaft an, die die Fragestellungen endlich aufgreifen, welche die bisherige Psychologie vernachlässigt hat (Friedrich, 2012, S. 21).

Sie bezweifeln, dass es zwischen Positiven und der bisherigen Psychologie einem deutlichen und grundsätzlichen Unterschied gibt. Als Argument wird hier die klinische Psychologie genannt, welche ebenfalls über Ansätze verfügt, die sich hauptsächlich mit Lösungen und Stärken beschäftigen, wie beispielsweise die Lebensqualitätsforschung. Positive Psychologie sei für die Kritiker nur eine Verschiebung des Fokus, nämlich auf die vereinfachte Bewertung von Emotionen als positiv und negativ (Friedrich, 2012, S. 21).

Ein weiterer problematischer Kritikpunkt ist die Abwendung von der Wertneutralität. Kritiker sind der Meinung, die positive Psychologie erhebe Anspruch auf die Übernahme von Leitfunktionen, die früher allerdings von Tradition ausgeübt wurden (Friedrich, 2012, S. 21). Diese Kritik sei nicht unberechtigt, so Friedrich (2012, S. 22). Die Positive Psychologie wird die Nähe der Ressourcenorientierung, die ein Menschenbild darstellt, sehr philosophisch, was zur Gefährdung ihrer Wissenschaft führt. So sagt Gebler (2011), dass die Frage nach einem gutem Leben nur philosophisch und nicht durch wissenschaftliche Forschung beantwortet werden kann (Friedrich, 2012, S. 22).

Eine weitere Autorin, welche Kritik an der Positiven Psychologie übt, ist Barbara Ehrenreich (Person, 2010).

Auch sie ist der Meinung, dass Seligmans Forschungsprogramm im Bereich des Coachings zwar auf breite Akklamation stößt, dennoch ist es für sie in der akademischen Psychologie ebenfalls ein Umstrittenes Feld. Für Ehrenreich ist die Positive Psychologie als Wissenschaft irrelevant und ist der Auffassung, „dass sich der Erfolg der Positiven Psychologie vor allem in Dozentenstellen und Karrierechancen auf dem Coaching-Markt messen lässt: für die Positiven Psychologen selbst“ (zit. In. Person, 2010).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Positive Psychologie". Die Frage nach einer guten Lebensführung
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Positive Psychologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V293191
ISBN (eBook)
9783656903949
ISBN (Buch)
9783656903956
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
positive, psychologie, frage, lebensführung
Arbeit zitieren
B. A. Sozial- /Kulturwissenschaften Anna-Lena Tsakiris (Autor), 2014, "Positive Psychologie". Die Frage nach einer guten Lebensführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293191

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