Barrierefreier Aufenthalt für Menschen mit Asperger-Syndrom im Krankenhaus. Eine Anleitung für Pfleger


Hausarbeit, 2014
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Methode der Literaturrecherche

3 Autismus
3.1 Autismus-Spektrum-Störungen
3.2 Asperger-Syndrom
3.2.1 Charakteristische Merkmale
3.2.1.1 Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
3.2.1.2 Beeinträchtigung der Kommunikation
3.2.1.3 Beschränkte repetitive und stereotype Verhaltensmuster

4 Der stationäre Aufenthalt
4.1 Barrierefreiheit
4.2 Die pflegerische Gestaltung der Versorgung eines Menschen mit

Asperger-Syndrom

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Zusammenfassung

Bei Menschen mit Asperger-Syndrom (AS), die in Krankenhäusern betreut wer- den, bleiben krankheitsspezifische Problemstellungen meist unberücksichtigt. Dadurch steigt die Gefahr der sich ergebenden Barrieren, die bei Menschen mit AS und den sie versorgenden Pflegekräften zu Problemen führen kann. In die- ser Hausarbeit wird diese mögliche Barriere untersucht und es werden Vor- schläge für Pflegekräfte abgeleitet, die es ermöglichen, den stationären Aufent- halt barrierefrei gestalten. Als Quelle wurde die von der betreuenden Professo- rin bereitgestellte Literatur verwendet und es wurde Literatur in einschlägigen Büchern und Zeitschriften zum Thema Autismus und Asperger-Syndrom sowie die Ergebnisse der ForseA e.V.-Kampagne gewählt. Der Umgang mit autisti- schen Menschen erfordert Geduld und viel Verständnis und ein Maß an Basis- wissen, das an der pflegerischen Basis im Krankenhaus nicht ausreichend ver- breitet gegeben scheint. Politische Rahmenbedingungen könnten Barrieren ab- bauen.

Abstract

The disease-specific problems from people with Asperger's syndrome who are cared for in hospitals, usually are not considered. This increases the risk of bar- riers which cause problems for people with AS and the staff who cares for these people in hospitals. The present paper deals with the investigation of potential barriers and proposals for nurses were derived, which enables the inpatient treatment accessible. Literature source was at one hand the literature from the supervising professor and at the other hand other relevant literature was found in books and magazines on the subject of Autism and Asperger's syndrome as well as the results of ForseA e.V. campaign was chosen. Dealing with autistic people requires patience and a lot of understanding and a measure of basic knowledge which seems not given sufficiently disseminated to the nursing base in the hospital. The creation of political framework conditions could break down these barriers.

„ Das Geheimnis mit allen Menschen in Frieden zu leben, besteht in der Kunst, jeden seiner Individualit ä t nach zu verstehen. “

Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) Deutscher Pädagoge

1 Einleitung

Das Asperger-Syndrom stellt eine leichte Form des Autismus dar und wird dem Spektrum autistischer Störungen zugeordnet. „Menschen im AutismusSpektrum brauchen einen möglichst barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem, denn sie leiden häufiger als die Durchschnittsbevölkerung zusätzlich an psychischen oder körperlichen Krankheiten.“ (Sappok 2011, A2326) In dieser Hausarbeit soll die Fragestellung: „ Wie k ö nnen professionell Pflegende im Set ting Krankenhaus, einem Menschen mit Asperger-Syndrom den station ä ren Aufenthalt barrierefrei gestalten? “ bearbeitet werden.

Zielsetzung der Arbeit

Diese Hausarbeit beleuchtet die spezielle Situation von Menschen mit AS im Setting Krankenhaus. Insbesondere die inneren und äußeren isolierenden Be- dingungen im Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion von AS- Betroffenen werden dargestellt. Sie werden in der vorliegenden Arbeit mit Hilfe der theoretischen Grundlagen zu Autismus-Spektrum-Störungen aufgezeigt. Anhand dieser Erkenntnisse werden die wichtigsten Problemfelder abgeleitet, die sich in der pflegerischen Begleitung eines Krankenhausaufenthaltes erge- ben können. Es sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, welche das Pflegeper- sonal ergreifen kann, um die Situation im Setting Krankenhaus für alle Beteilig- ten optimal zu gestalten. Speziell, um dem Patienten einen stressfreien, seinem Krankheitsbild gerecht werdenden Aufenthalt zu ermöglichen, aber auch, um der UN-Behindertenrechtskonvention mit ihrer Forderung nach Barrierefreiheit Rechnung zu tragen.

Aufbau der Arbeit

Nach der Einleitung wird das methodische Vorgehen zu der Erstellung dieser Hausarbeit beschrieben. Anschließend erfolgt ein Einblick in die Grundlagen der Autismus-Spektrum-Störungen und einer speziellen Form, dem AS. Es wird dargestellt, welche Personengruppe als AS diagnostiziert wird, welche Bedeu- tung ihre andersartige Wahrnehmung für sie darstellt und welche Bedingungen sich daraus in ihrer Interaktion mit der Umwelt ergeben. Das vierte Kapitel be- schreibt zunächst was unter Barrierefreiheit zu verstehen ist, um dann die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Auswirkungen für die Pflege im Setting Krankenhaus abzuleiten. Schließlich sollen Maßnahmen für die praktische Arbeit mit Patienten, die mit dem AS leben, im Krankenhaus vorgeschlagen werden. Das darauffolgende letzte Kapitel ist ein Resümee.

2 Methode der Literaturrecherche

Der Schwerpunkt der Literaturrecherche lag auf der Suche nach Fachbüchern und Zeitschriftenartikel, die sich mit dem Themenkomplex der Autismus- Spektrum-Störungen und speziell dem AS befassen. Zur Bearbeitung dieser Hausarbeit wurde die, von der betreuenden Professorin in Moodle bereitgestell- te Literatur verwendet. Außerdem erfolgte die Literaturrecherche in elektroni- schen Datenbanken wie dem Online-Katalog (OPAC) der Fachhochschule Frankfurt am Main und in der Deutschen Nationalbibliothek. Zusätzlich erfolgte eine Onlinerecherche über die Suchmaschine "Google", sowie auf den Seiten von Autismus-Verbänden und auf Informationsportalen für Autisten (z.B. www.w3.autismus.de). Es wurden mit den Schlagwörtern „Autismus“, „Autis- mus-Spektrum-Erkrankung“, „Autismus-Spektrum-Störung“, „Asperger- Syndrom“ und „Barrierefreiheit“, relevante Treffer erzielt. Aufgrund der zeitlichen Beschränkung wurden Treffer aussortiert, die nicht über die Bibliothek der Fachhochschule Frankfurt am Main zugänglich waren.

3 Autismus

Das klinische Wörterbuch Pschyrembel definiert Autismus folgendermaßen: „Kontaktstörung mit Rückzug in die eigene Vorstellungs- und Gedankenwelt und Isolation von der Umwelt; Vork. z.B. bei Schizophrenie, Neurose oder bestehenden Persönlichkeitsstörungen. Vgl. Autismus, frühkindlicher; AspergerSyndrom; Denken, autistisches.“ (Pschyrembel et al. 2014) Diese Definition impliziert bereits, dass es verschiedene Formen gibt, die unter diesem Oberbegriff subsumiert sind. Das folgende Kapitel soll das verdeutlichen.

3.1 Autismus-Spektrum-Störungen

„Bezeichnet eine bestimmte Auffassung zur Ätiologie autistischer Störungen, wonach sich diese auf einem kontinuierlichen Spektrum mit fließenden Über- gängen bewegen und häufig nicht als eigene Entitäten voneinander abgegrenzt werden können.“ (Remschmidt, Kamp-Becker 2006, 238) In einem 2007 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Artikel beschreiben Remschmidt und Kamp-Becker Autismus-Spektrum-Störungen als Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems („neurodevelopmental disorders“), die mit Beeinträch- tigungen basaler Hirnfunktionen assoziiert sind und die Kontaktfähigkeit beein- flussen (Remschmidt, Kamp-Becker 2007, A873). Die wichtigsten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen nach der International Statistical Classification of Dise- ases and Related Health Problems (ICD-10), die von der WHO herausgegeben wird und dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) von der Amerikanischen Psychiatriegesellschaft, sind der frühkindlicher Autis- mus (Kanner-Syndrom), der atypische Autismus und das Asperger-Syndrom. Remschmidt et al. (2007, A837) weißen darauf hin, dass in einer weitergehen- den Definition alle weiteren tiefgreifenden Entwicklungsstörungen unter den benannten subsumiert werden. Wing und Gould (1979) kamen zu dem Schluss, dass der Begriff der tiefgreifenden Entwicklungsstörung als zu unspezifisch zu erachten ist, da nicht alle unterschiedlichen damit verbundenen Zustände ab- gedeckt waren. Das machte die Begrifflichkeit unzureichend für das Gesamtbild des Krankheit-Spektrums. Daher führten sie 1979 die Bezeichnung Autismus- Spektrum-Störung ein (Wing, Gould 1979, 23 ff.). Hiermit wird der Definition, wie sie in den beiden international gebräuchlichen Klassifikationssystemen (ICD-10 und DSM-IV) verwand wird, Rechnung getragen (Dodd 2011, 147).

Der frühkindliche Autismus stellt eine tiefgreifende Entwicklungsstörung dar, welche durch eine abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung definiert ist. Sowohl im ICD-10 als auch im DSM-IV werden vier Kernmerkmale herausgestellt, die die Diagnose frühkindlicher Autismus zulässt:

- Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Aktionen,
- eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster,
- qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
- Beginn vor dem dritten Lebensjahr

Prägnanteste Symptome sind das Abkapseln der Kinder gegenüber ihrer Um- welt, Sprachprobleme (ihre Stimme klingt wenig melodisch, oft abgehackt, sie erfinden Wörter) und eine beschriebene Veränderungsangst. Neben den spezi- fischen diagnostischen Merkmalen zeigen sich darüber hinaus häufig eine Viel- zahl unspezifischer Probleme, wie Phobien, Schlaf- und Essstörungen, Wut- ausbrüche und (autodestruktive) Aggression (DIMDI 2014, F84; Dodd 2007, 147 ff.; Gawronski; Pfeiffer; Vogeley 2012, 17 f.; Remschmidt 2012, 16 ff.; Remschmidt et al. 2006, 18 f.; Remschmidt et al 2007, A873 f.).

Der atypische Autismus weist die gleichen Hauptkategorien und Einzelsymptome wie der frühkindliche Autismus auf. Allerdings können einzelne Kategorien, wie zum Beispiel die stereotypen Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten fehlen. Auch wird die Diagnose atypischer Autismus nur dann gestellt, wenn die Symptomatik erst nach dem 3. Lebensjahr zu beobachten ist. Atypischer Autismus tritt sehr häufig bei schwer retardierten bzw. unter einer schweren rezeptiven Störung der Sprachentwicklung leidenden Patienten auf (DIMDI 2014, F84.1; Dodd 2007, 9 f., 147 ff.; Remschmidt 2012, 67 ff.).

Aufgrund des limitierten Rahmens dieser Arbeit, muss auf eine ausführlichere Beschreibung verzichtet werden und auf weiterführende, angegebene Literatur verwiesen werden. Im nun folgenden Kapitel soll das AS eingehender beschrie- ben werden.

3.2 Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom ist ein erst spät beschriebenes und diskutiertes Krank- heitsbild. Die älteste Darstellung stammt von der russischen Kinderpsychiaterin Grunja Evimovna Ssucharewa (1891-1981), die dafür 1926 den Ausdruck „schi- zoide Psychopathie“ verwendete. Der österreichische Kinderarzt Hans Asperger (1906-1980) bezeichnete es in seiner 1944 eingereichten Habilitationsschrift als „autistische Psychopathie“. Aspergers Schrift erschien damals unabhängig von Leo Kanners (1896-1981) grundlegendem Aufsatz über den frühkindlichen Au- tismus (1943); es wird angenommen, dass beide Autoren zunächst nichts über die Arbeit des jeweils anderen wussten (Dodd 2011, 169; Gawronski et al. 2012, 16; Remschmidt et al. 2006, 2 ff.; Remschmidt 2012, 47). „Abgegrenzt werden muss der frühkindliche Autismus zunächst vom Asperger-Syndrom (au- tistische Persönlichkeitsstörung). Die Unterschiede zwischen diesen beiden autistischen Syndromen liegen vor allem im Krankheitsbeginn, im sprachlichen und intellektuellen Bereich, sowie in den motorischen Besonderheiten: Kinder mit AS lernen früher sprechen, entwickeln oft auch eine differenzierte Sprache und weisen meist gute bis durchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten auf. Sie entwickeln oft ausgeprägte Sonderinteressen, mit denen sie sich nahezu aus- schließlich beschäftigen, und zeigen, wenn sie älter sind, oft zwanghafte Ver- haltensweisen.“ (Remschmidt 2008, 24) In der Literatur wird diskutiert, ob sich das AS vom sog. „High-Functioning-Autismus“ (HFA) abgrenzen lässt, da Men- schen mit HFA eine höhere Intelligenz besitzen und ihre sozialen und kommu- nikative Fähigkeiten weniger beeinträchtigt sind, als bei Menschen mit frühkind- lichem Autismus (Gawronski et al. 2012, 20; Remschmidt 2012, 51 ff.; Rem- schmidt et al. 2006, 42 f.; Roy et al. 2009, 61). Das Alter bei Erstmanifestation des AS wird in der Literatur mit > 3 Jahren angegeben, das Geschlechterver- hältnis liegt bei 8:1 (m/w), die kognitiven Fähigkeiten sind nicht beeinträchtigt, auffällig sind spezifische Besonderheiten (Remschmidt et al. 2007, A874; Roy et al. 2009, 59f.).

3.2.1 Charakteristische Merkmale

3.2.1.1 Beeinträchtigung der sozialen Interaktion

Menschen mit AS sind sowohl in ihrer verbalen, als auch nonverbalen sozialen Interaktion beeinträchtigt. Sie sind unfähig, komplexe soziale Verhaltensregeln zu verstehen, zwanglose Beziehungen herzustellen und fallen durch ihre Unfä- higkeit empathisch zu reagieren auf. Ihr Mangel an Empathie lässt sie Ärger, Freude oder auch Trauer anderer Menschen nicht erkennen und führt somit häufig zu unangemessenen, für andere Menschen befremdlichen Reaktionen. Es kann passieren, dass ihre Reaktionen oder Äußerungen nicht in das Ge- spräch passen. Auch ist es ihnen in Gesprächen nicht möglich, den Blickkontakt stetig zu halten. Sie sind nicht in der Lage Ironie, Witze oder Metaphern zu ver- stehen. Ihre Sprache klingt monoton, gestelzt oder auch unnatürlich (Dodd 2011, 93 ff.; Gawronski et al. 2012, 19; Remschmidt 2012, 47). Das sind genau jene Kognitionen, die für einen erfolgreichen Ablauf sozialer Interaktion notwen- dig sind. Diese Symptomatik wird als Theory of Mind bezeichnet. Zusätzlich steht der Begriff für die Fähigkeit, aus dem Blickwinkel des anderen zu sehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Barrierefreier Aufenthalt für Menschen mit Asperger-Syndrom im Krankenhaus. Eine Anleitung für Pfleger
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Fachbereich 4)
Veranstaltung
Studiengang: Allgemeine Pflege mit Schwerpunkt- Management in Gesundheitseinrichtungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V293247
ISBN (eBook)
9783656908418
ISBN (Buch)
9783656908425
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Asperger-Syndrom, Barrierefrei, Krankenhaus, Autismus, Pfleger, Pflege
Arbeit zitieren
Andrea Frech (Autor), 2014, Barrierefreier Aufenthalt für Menschen mit Asperger-Syndrom im Krankenhaus. Eine Anleitung für Pfleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293247

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