Nach der Salamanca-Erklärung zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse im Jahre 1994 fordern die Staaten der vereinten Nationen erstmals, die Erziehung behinderter Personen als festen Bestandteil des Schulsystems umzusetzen. Als Argumente dafür werden unter anderem das Menschenrecht für Alle auf Bildung, „unabhängig von individuellen Unterschieden“ und die „Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ genannt (Salamanca Erklärung, 1994).
Im Dezember 2006 wurde darauf aufbauend auf der UN-Behindertenrechts-konvention ein „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ verabschiedet, indem es nun in Art. 1 lautet: „Dass (…) Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden“ und „gleichberechtigt mit anderen in einer Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben“.
Daraufhin änderte der Stadtstaat Hamburg sein Schulgesetz und formulierte den § 12 neu, dessen Absatz 1 von nun an besagt: „Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben das Recht, allgemeine Schulen zu besuchen (...)“ (Hamburgisches Schulgesetz, 2014)
Damit war die große Debatte um die Inklusion an allgemeinbildenden Schulen erwacht.
Doch was bedeutet eigentlich Inklusion?
Welche Rolle spielt Exklusion dabei?
Können die Schulen dem Anspruch der Inklusion gerecht werden?
Findet Inklusion wirklich statt? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exklusion und Inklusion in der Gesellschaft
2.1 Die segmentäre und die stratifizierte Gesellschaft
2.2 Die funktional differenzierte Gesellschaft
2.3 Von der Exklusion zur Inklusion im Bildungssystem
3. Schulische Inklusion
3.1 Aktuelle Zahlen
3.2 Heterogenität in der Schule
3.3 Die „gute“ Schule
4. Ausblick: Voraussetzungen für inklusiven Unterricht
4.1 Die Professionalisierung des Lehrers
4.2 Pädagogische Diagnostik
4.3 Strukturelle Voraussetzungen
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Wandel der Begriffe Exklusion und Inklusion unter besonderer Berücksichtigung des schulischen Bildungssystems in Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Schulen dem gesellschaftlichen Anspruch auf Inklusion unter dem Druck zunehmender Modernisierung gerecht werden können und welche Voraussetzungen hierfür auf pädagogischer sowie struktureller Ebene notwendig sind.
- Systemtheoretische Grundlagen von Exklusion und Inklusion nach Niklas Luhmann
- Historische Entwicklung der Exklusion und Inklusion im deutschen Bildungssystem
- Analyse der aktuellen statistischen Situation und Herausforderungen an inklusiven Schulen
- Konzeptualisierung einer „guten“ Schule im Kontext von Heterogenität
- Bedeutung der Lehrerprofessionalisierung und pädagogischen Diagnostik
- Strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.2 Heterogenität in der Schule
Die Mitglieder einer Lerngruppe können sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden. So gibt es die Heterogenität der Elternhäuser, womit Lernvoraussetzungen zusammenhängen. Außerdem sind die Heterogenitäten der sozialen Umwelt und der individuellen Lebensschicksale zu nennen. Die Heterogenität der ethnischen Herkünfte und die der Wertvorstellungen sind ebenfalls Einflussfaktoren auf eine Schülerschaft. Die Vielzahl an Heterogenitäten, die nun auch noch durch die stärkere körperliche und geistige Heterogenität, wenn von behinderten Kindern die Rede ist, erweitert wird, gilt es zu bewältigen und im Unterricht unter einen Hut zu bekommen (von der Groeben, 2003: 6-8).
Annemarie von der Groeben, schreibt in einem Artikel in der Zeitschrift PÄDAGOGIK über verschiedene Möglichkeiten, Heterogenität im Unterricht sinnvoll zu fördern und sogar zu nutzen. Sie spricht davon, den Umgang mit Heterogenität „zum Kern systematischer Schulentwicklung“ werden zu lassen. Dafür sei es wichtig, dass das ganze Kollegium an einem Strang zieht und dasselbe Ziel verfolgt.
Groeben spricht sich dafür aus, den Frontalunterricht aufzulösen, offene Lernformen einzubringen und „das Verstehen nicht nur von den Schülerinnen einzufordern, sondern vor allem die eigenen Schülerinnen zu verstehen“. Damit ist verbunden, dass die Lehrperson in den Hintergrund rückt und die Schülerinnen einen individuellen Lernweg für sich finden. Sie ist der Meinung, es solle nicht mehr wichtig sein, was gelernt wird, sondern wie gelernt wird, damit unterschiedliche, heterogene Lernprozesse Raum bekommen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der Inklusionsdebatte ein und erläutert die Relevanz des Themas für das deutsche Bildungssystem sowie die Struktur der Arbeit.
2. Exklusion und Inklusion in der Gesellschaft: Dieses Kapitel erörtert die systemtheoretischen Grundlagen nach Niklas Luhmann und beleuchtet die historische Entwicklung von Exklusion und Inklusion in verschiedenen Gesellschaftsformen.
3. Schulische Inklusion: Das Kapitel analysiert die aktuelle statistische Lage der Inklusion, diskutiert den Umgang mit Heterogenität und definiert Merkmale einer „guten Schule“.
4. Ausblick: Voraussetzungen für inklusiven Unterricht: Dieser Abschnitt behandelt die notwendigen Voraussetzungen für gelingende Inklusion, fokussiert auf Lehrerprofessionalisierung, pädagogische Diagnostik und strukturelle Bedingungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert kritisch über den aktuellen Stand und die zukünftigen Herausforderungen der schulischen Inklusion.
Schlüsselwörter
Inklusion, Exklusion, Bildungssystem, Schulentwicklung, Heterogenität, Systemtheorie, Lehrerprofessionalisierung, Pädagogische Diagnostik, Ressourcenverteilung, Modernisierungsdruck, Sonderpädagogik, Schulgesetz, Teilhabe, Chancengerechtigkeit, Lernumgebungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Bildungssystems vom Ausschluss (Exklusion) hin zur Einbeziehung (Inklusion) von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in allgemeine Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind gesellschaftliche Systemtheorien, historische Entwicklungslinien der Schulpädagogik, pädagogische Diagnostik sowie die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Inklusion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Stand der Inklusion im deutschen Bildungswesen zu analysieren und aufzuzeigen, wie Schule dem Modernisierungsdruck im Hinblick auf Heterogenität und Inklusion gerecht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Auswertung bildungsstatistischer Daten und der Verknüpfung soziologischer (Systemtheorie) mit erziehungswissenschaftlichen Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse gesellschaftlicher Exklusionsmechanismen, eine Bestandsaufnahme der aktuellen schulischen Inklusionspraxis und eine Diskussion notwendiger struktureller sowie professioneller Voraussetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Inklusion, Exklusion, Heterogenität, Schulentwicklung, systemtheoretische Perspektiven und Lehrerprofessionalisierung.
Welche Rolle spielt die „Heterogenität“ in dieser Untersuchung?
Heterogenität wird nicht als Problem, sondern als konstitutives Merkmal moderner Schülerschaft begriffen, das didaktische Anpassungen und neue Formen der Lernorganisation erfordert.
Warum ist die „Pädagogische Diagnostik“ für den Inklusionserfolg entscheidend?
Die Diagnostik dient als Werkzeug, um Lernstände individuell zu erfassen und passende Fördermaßnahmen abzuleiten, was die Voraussetzung für eine gelingende Individualisierung im inklusiven Unterricht ist.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Politik bei der Inklusion?
Die Autorin betont, dass politische Rahmenbedingungen und eine zweckmäßige Ressourcenverteilung essenziell sind, da das Bildungssystem allein die Herausforderungen der Inklusion nicht ohne externe Unterstützung meistern kann.
- Citation du texte
- Sophia Rick (Auteur), 2014, Von der Exklusion zur Inklusion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293280