Thematisierung des Unheimlichen nach Sigmund Freud in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Unheimliche nach Sigmund Freud

3. Elemente des Übernatürlichen und der Aberglaube im Schimmelreiter

4. Die Naturdarstellung im Schimmelreiter

5. Die Person Hauke Haien und sein Kampf gegen die Natur

6. Resümee

7. Verzeichnis der Primärliteratur

8. Verzeichnis der Sekundärliteratur

9. Schriftliche Versicherung der selbstständigen Anfertigung

1. Einleitung

Um auf das Unheimliche in der Literatur schließen zu können, muss es zunächst einmal erst definiert werden. Eine solche Definition wird durch die Betrachtung der Erkennt­nisse von Sigmund Freud möglich.

Sigmund Freud beschreibt das Unheimliche als etwas Schreckhaftes, was für den Men­schen Angst und Grauen erregend wirkt. Eigentlich ist es das Gegenteil von heimlich, heimisch und vertraut, jedoch lässt sich genau aus dieser Vertrautheit das Unheimliche erschließen. Denn etwas, was für den Menschen neu ist oder er sich nicht erklären kann, lässt in ihm die Angst vor dem Unheimlichen wachsen. Freud sieht das Unheimliche in dem Fremden, in Dingen in denen wir uns nicht auskennen oder die uns nicht bekannt sind und für die uns das intellektuelle Verständnis fehlt.[1]

Vor allem der Tod und die Wiederkehrung der Toten in Form von Geistern und Ge­spenstern ist es, was den Menschen unheimlich erscheint. Zwar ist der Tod etwas ver­trautes, denn er ist der ständige Begleiter in unserer Gesellschaft, jedoch fehlt uns fürihn das Verständnis. Die Menschen können ihn sich trotz seiner ständigen Anwesenheit nicht erklären und fürchten ihn deshalb.[2]

Wie jedoch kann es gelingen, das Unheimliche in der Literatur so darzustellen, dass es auch für den Leser als etwas Angst erregendes wirkt. Schließlich handelt es sich um fiktives Erzählen. Es ist nichts, was wir selbst erlebt haben und auch nicht die Erzählung von jemandem aus unserem nächsten Umfeld.

Theodor Storm schafft es dennoch in seiner Novelle „Der Schimmelreiter“ uns durch die Verwendung von übernatürlichen Elementen, welche eng an den Aberglauben der Gesellschaft gebunden sind, die Darstellung der lebensfeindlichen Naturgewalten und den Kampf des Hauke Haiens gegen die unheilvolle Macht des Meeres, eine beängsti­gende Atmosphäre zu schaffen und auch den eigentlich unbeteiligten Leser in ein Ge­fühl von etwas Unheimlichem zu versetzten.

2. Das Unheimliche nach Sigmund Freud

Sigmund Freud sieht die Bedeutung des Wortes Unheimlich im Zusammenhang mit dem Angst erregenden. Für ihn weißen diese beiden Wörter eine gewisse Übereinstim­mung auf, was dazu führt, dass das Unheimliche zu dem schreckhaften und Grauen er­regenden zählt. Jedoch gibt er auch zu bedenken, dass das Unheimliche für jeden Men­schen eine unterschiedliche Auffassung beinhaltet und von daher nicht für jeden Men­schen gleichermaßen angewendet und festgelegt werden kann. Für Freud ergeben sich aus dieser Problematik zwei Möglichkeiten, um eine Definition des Unheimlichen zu geben. Zum einen das Recherchieren über die Sprachentwicklung des Wortes unheim­lich und zum anderen das Zusammentragen von Personen, Dingen, Sinneseindrücken, Erlebnissen und Situationen welche den Eindruck des Unheimlichen in uns wachrufen. Seiner Meinung nach, lässt sich die Erschließung des Unheimlichen nur durch eine

Verknüpfung beider Varianten erzielen.[3] Freund beschreibt das Unheimliche, aufgrund seiner Recherche durch beide genannten Möglichkeiten, als „ jene Art des Schreckhaf­ten, welche durch das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht.“[4]

Um seine Erkenntnis zu erläutern, beschäftigt er sich zunächst mit der Sprachentwick­lung und sieht den Gegensatz zu unheimlich in heimlich, heimisch und vertraut. Daraus kommt er zu dem Schluss, dass bei Dingen, die uns neu sind und die wir uns nicht er­klären können, meist das schreckhafte in uns zum Vorschein kommt. Jedoch ist nicht gleich alles Neue für den Menschen unheimlich, es liegt vielmehr an der intellektuellen Unsicherheit. Diese lässt uns leicht ins ängstliche verfallen, da es uns so nicht möglich ist, etwas Neuartiges zu erklären. Es ist also das Neue und das fehlende Wissen darüber gemeinsam, was den Menschen dazu verleitet, das Gefühl von etwas Unheimlichem zu empfinden.[5]

Des Weiteren geht Freud auf die Doppeldeutigkeit des Heimlichen ein, neben seiner Beschreibung von dem Vertrauten und Behaglichen beinhaltet es auch das Versteckte und Verborgene. Diese Unterscheidung des Wortes heimlich, lässt für ihn noch eine weitere Deutung des Unheimlichen zu. „Unheimlich sei alles, was ein Geheimnis, im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist.“[6] Durch seine beiden gewonnen Er­kenntnisse anhand der Sprachentwicklung, lässt sich festhalten, dass das Unheimliche immer eine Art des Heimlichen beinhaltet und sich so beide Wörter im Gegensatz zuei­nander befinden. Nach seiner Erkenntnis über die Sprachentwicklung widmet er sich nachfolgend dem Zusammentragen von Personen, Dingen, Eindrücken, Vorgängen und Situationen, welche das Gefühl des Unheimlichen im Menschen hervorrufen.

Als erstes Beispiel nennt er den „Zweifel an der Beseelung eines anscheinend lebendi­n

gen Wesens und umgekehrt darüber, ob ein lebloser Gegenstand nicht etwa beseelt ist.[7] “ Diese Erkenntnis belegt Freud mit der Erzählung des Sandmanns von E. T. A. Hoff­mann, wo eben das Gefühl des Unheimlichen durch das Motiv der belebt scheinenden Puppe hervorgeht. Als eine weitere Form des Unheimlichen beschreibt er, im Zuge sei­nes Zusammentragens von Erfahrungen, „daß es nur das Moment der unbeabsichtigten Wiederholung ist, welches das sonst Harmlose unheimlich macht und uns die Idee des Verhängnisvollen, Unentrinnbaren aufdrängt, wo wir sonst nur von Zufall gesprochen hätten.[8] “ Diese Beobachtung erklärt er mit dem im Unterbewusstsein des Menschen verankerten Zwang nach Wiederholungen, durch welchen wir diesen anhaltenden Wie­derholungen eine geheime Bedeutung zuschreiben, was in uns ebenfalls das Gefühl von etwas Unheimlichem auslöst.[9]

Anhand der Untersuchungen von Freud lässt sich also festhalten, dass jegliche Art einer Gefühlsregung in uns ein ängstliches Gefühl hervorrufen kann, sobald sich in dieser emotionalen Regung eine Spur von etwas Neuem und Unbekanntem befindet. Dieses ängstliche Verhalten lässt darauf schließen, dass es sich hierbei um eine Angst vor et­was wiederkehrendem Verdrängtem handelt und so die Angst vor dem Unheimlichen in uns hervorgerufen wird.[10]

Abgesehen von den genannten Gründen für die Empfindung des Unheimlichen ist es der Tod, welcher für den Menschen im allerhöchsten Maße unheimlich erscheint, denn alles „was mit dem Tod, mit Leichen und mit der Wiederkehrung der Toten, mit Geistern und Gespenstern zusammenhängt“, ist wirklichen Angst erregend für uns.[11] Ausschlagge­bend für diese Furcht, die bereits seit jeher im Menschen besteht und wohl auch immer ein Teil des Unheimlichen sein wird, nennt Freud zwei Gründe. Zum einen sieht er in

[...]


[1] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. Aufsätze zur Literatur. London, 1941. S. 45-46

[2] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 71.

[3] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 45-46.

[4] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 46.

[5] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 47.

[6] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 51.

[7] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 53.

[8] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 66.

[9] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 67.

[10] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 70.

[11] Freud, Sigmund: Das Unheimliche. London, 1941. S. 71.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Thematisierung des Unheimlichen nach Sigmund Freud in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,7
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V293346
ISBN (eBook)
9783656907893
ISBN (Buch)
9783656907909
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
thematisierung, unheimlichen, sigmund, freud, theodor, storms, novelle, schimmelreiter
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Thematisierung des Unheimlichen nach Sigmund Freud in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293346

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