1808 wurde in Frankfurt das „Museum“ gegründet, eine bürgerliche Akademie, in der man durch die Verbindung von Kunst, Musik, Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften die Kultur und die allgemeine Lehre der Menschen fördern wollte. Über zwei Jahrhunderte nach der Gründung hat dieser Verein weiterhin Bestand, nennt sich „Frankfurter Museumsgesellschaft“ und veranstaltet Konzertreihen. Alles fing sehr märchenhaft an, wenn man der Geschichte von Aloys Clemens, einem der drei Gründungsmitglieder des Museums, glauben mag. [...]
Im Laufe der Jahre haben sich der Aufbau und die Konstituierung der Gesellschaft stark verändert. Die Gründe dafür sind weitreichend gesellschaftlich und politisch und haben viele Parallelen mit den Entwicklungen der Stadt Frankfurt selbst. In meiner Hausarbeit werde ich mich speziell mit den Anfangsjahren von 1808 bis 1850 beschäftigen, denn in diesem Zeitraum gab es die grundlegendsten und stärksten Entwicklungen und Veränderungen, die bis heute spürbar sind.
Ziel ist es, zu zeigen, was die Beweggründe für die Veränderungen und Entwicklungen in der Museumsgesellschaft in ihren Anfangsjahren waren, sowie die Neuerungen und Konsequenzen, die dadurch hervorgerufen wurden. Dazu werde ich folgende Fragen beantworten: Was sind konkrete Gründe für die Entwicklung? Wieso sind die hybriden Veranstaltungen des Museums gescheitert? Was sind die Veränderungen?
Im ersten Teil meiner Arbeit gebe ich eine Einführung in die Entstehung und Einflüsse der Museumsgesellschaft. Danach stelle ich das Programm und die Problematiken zu Beginn der Zeit vor, und analysiere die Orte, an denen getagt wurde. Zuletzt beleuchte ich den Übergang in die „neue Phase“ und die „Krise des Museums“. Am Schluss fasse ich meine Erkenntnisse zusammen und gebe einen Einblick in heutige ähnliche experimentelle Konzertformen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Napoleonische Einflüsse als Wiege der Gründung
2.2. Das Museum
2.3. Programmschwerpunkte
2.4. Orte und Räume
2.5. Krise und Übergang in eine neue Phase
3. Schluss und Evaluation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Beweggründe für die Wandlung der Frankfurter Museumsgesellschaft von ihrer Gründung im Jahr 1808 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei liegt der Fokus auf der Transformation von einem exklusiven, ästhetischen Herrenabend hin zu einer modernen Konzertgesellschaft, wobei insbesondere der Einfluss gesellschaftlicher und politischer Umbrüche auf Programmgestaltung, Veranstaltungsorte und die Professionalisierung der Institution analysiert wird.
- Entstehung und gesellschaftliche Einflüsse der Museumsgesellschaft
- Wandel des Konzertprogramms und der Repertoiregestaltung
- Bedeutung der Veranstaltungsorte für die institutionelle Entwicklung
- Professionalisierung des Musikbetriebs und die Krise hybrider Veranstaltungsformen
- Die Rolle des Bürgertums bei der Etablierung moderner Kulturvereine
Auszug aus dem Buch
2.1. Napoleonische Einflüsse als Wiege der Gründung
Das Museum wurde in der kurzen Periode der Regentschaft des Karl von Dahlberg in Frankfurt gegründet. Er war der erste und einzige Fürst den Frankfurt jemals hatte und die Meinungen zu Ihm sind sehr gespalten. Ohne ihn wäre aber das Museum wahrscheinlich nie gegründet worden und hätte nicht eine solche Bedeutsamkeit gewonnen. Dahlberg war getrieben von Napoleon und beeinflusste die Stadt „mit den politischen und geistigen Prinzipien des modernen Frankreich“ zu Beginn des 19. Jahrhundert, verfasst im Code Napolèon. Das gab der Entwicklung der Stadt einen Aufschwung und es begann ein wirtschaftlicher und politischer Modernisierungsprozess was für Frankfurt und weitere deutsche Städte ein Übergang „von der traditionellen zur modernen Gesellschaft, von der ständischen zur Klassengesellschaft, von den feudalen Prinzipien […] zum Primat marktbedingter Klassen.“ war. Dies lässt sich auch als Übergang vom alten zum neuen Bürgertum beschreiben. Es ist die Entstehung einer heraufziehenden, modernen bürgerlichen Gesellschaft. „Signum dieses neuen Typus von Bürger ist seine Weltläufigkeit und sein Interesse an Allem, an allgemeiner Bildung bis hin zur bildenden Kunst. Dieser Prozess wird auch als Kulturrevolution bezeichnet durch den Umbau von Staat und Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehungsgeschichte des Museums und definiert die Forschungsfragen bezüglich der Entwicklungsgründe und Veränderungen der Gesellschaft zwischen 1808 und 1850.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die Struktur, das Programm, die Räumlichkeiten sowie die Krise und Professionalisierung der Museumsgesellschaft im Kontext der sich wandelnden bürgerlichen Gesellschaft.
3. Schluss und Evaluation: Das Kapitel fasst die Wandlungsprozesse zusammen und zieht Parallelen zu heutigen experimentellen Konzertformen wie der "Sommerwerft".
Schlüsselwörter
Frankfurter Museumsgesellschaft, 19. Jahrhundert, Bildungsbürgertum, Kulturrevolution, Konzertgesellschaft, Napoleonische Ära, Professionalisierung, Programmgestaltung, Saalbau, Musikleben, Frankfurt am Main, Musikgeschmack, Hybrid-Veranstaltung, Klassisches Repertoire, Gesellschaftswandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der Frankfurter Museumsgesellschaft in den Jahren 1808 bis 1850 und deren Wandel von einem bürgerlichen Salon zu einer modernen Konzertinstitution.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Einflüsse der Napoleonischen Ära, die soziokulturelle Bedeutung des Bildungsbürgertums, die Entwicklung von Konzertprogrammen sowie die bauliche und organisatorische Professionalisierung der Institution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufzuzeigen und die Konsequenzen dieser Entwicklung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der historische Quellen und Forschungswerke zur Frankfurter Kulturgeschichte ausgewertet und in einen soziokulturellen Kontext gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Gründungsgeschichte, die inhaltlichen Programmschwerpunkte, die räumliche Entwicklung, die Krise der hybriden Veranstaltungsformen und die Transformation zum professionellen Konzertbetrieb detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Frankfurter Museumsgesellschaft", "Kulturrevolution", "Professionalisierung" und "bürgerliche Gesellschaft".
Inwiefern beeinflussten die "Gesetze des Museums" das soziale Leben der Mitglieder?
Die Gesetze legten eine Einteilung in Klassen fest und förderten den "wechselseitigen Ideenvertrieb", wobei ein Fokus auf der Qualität der Beiträge durch eine Auswahl der Mitglieder lag.
Warum kam es zu einer "Krise" innerhalb der Museumsgesellschaft?
Die Krise resultierte aus dem Spannungsfeld zwischen dem ursprünglichen hybriden Konzept der "Kunstlieber-Akademie" und dem Wunsch nach einer Spezialisierung sowie einem rein professionellen Konzertbetrieb durch ein wachsendes, passives Publikum.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2014, Vom ästhetischen Herrenabend zur modernen Konzertgesellschaft. Die Museumsgesellschaft Frankfurt von 1808 bis 1850, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293422