Wie werden Jugendliche von Daily Soaps im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beeinflusst?

Gezeigt an einer Folge der Daily Soap "Verbotene Liebe" der ARD


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Entstehung und Merkmale von Daily Soaps
2.2. Szenenanalyse und der Einfluss auf Jugendliche
2.3. Diskussion

3. Zusammenfassung und Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Daily Soaps haben im alltäglichen Fernsehprogramm einen festen Platz eingenommen. Sie haben viele, überwiegend weibliche Fans, die die Geschichten der „Soap Stars“ seit Jahren tagtäglich mitverfolgen. Im Rahmen des Seminars „Öffentlich- rechtliches Fernsehen: Programmangebote im Kontext des Grundversorgungsauftrag“ haben wir uns unter anderem mit diesem Thema auseinandergesetzt. Zunächst haben wir uns theoretisch mit den Strukturen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens beschäftigt und besonders die Programmstrukturen und die Rundfunkpolitischen Rahmenbedingungen betrachtet. Dazu kamen die Finanzierung und die Gesetzesgrundlage des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die im Rundfunkstaatsvertrag festgelegt sind. Danach haben wir die einzelnen Formate im speziellen Hinblick auf dem im Rundfunkstaatsvertrag festgehaltenen Bildungsauftrag, sowie den Unterhaltungs- und Informationswert ausgewertet und analysiert. In meiner Arbeit werde ich mich mit dem Format der Daily Soap im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beschäftigen. Mein Ziel ist es herauszuarbeiten wie die Wirkung und der Einfluss von Daily Soaps auf Jugendliche im Pubertätsalter ist, am speziellen Beispiel einer Folge der Daily Soap „Verbotene Liebe“ die werktäglich auf der ARD ausgestrahlt wird. Doch zunächst gebe ich eine kurze allgemeine Charakteristik der Entwicklung der Daily Soap. Darauf folgt die Vertiefung in dem ich eine Folge aus „Verbotene Liebe“ inhaltlich analysiere. Danach werde ich diskutieren, wie und inwiefern das Format der Daily Soap im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dem Rundfunkauftrag gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag gerecht wird. Am Schluss fasse ich meine Erkenntnisse zusammen, setze sie miteinander in Verbindung und gebe einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der Daily Soap. Für meine Arbeit werde ich mich an verschiedenen Quellen und Literatur bedienen. Besonders habe ich mich mit dem Werk „Alles Seifenblase? Die Bedeutung von Daily Soaps im Alltag von Kindern und Jugendlichen von Maya Götz beschäftigt. Des Weiteren bediene ich mich mit dem Werk „Pickel, Küsse und Kulissen. Soap Operas im Fernsehen“, von Claudia Cippitelli von, sowie einem Artikel aus dem aktuellen KulturSpiegel von Daniel Sander.

2. Hauptteil

2.1. Entstehung und Merkmale von Daily Soaps

Im Februar 1932 erschien die erste tagsüber gesendete „Soap Opera“ im amerikanischen Radio. Sie gelten als spezielle Form der Familienserie und erhielten ihren Namen in den 1930er Jahren in den USA. Ursprünglich wurden sie im Radio abgespielt und von den damaligen Seifen- und Waschmittelkonzernen finanziert. Diese spielten als Sponsoren zwischendrin Werbespots ab. Der Begriff „Opera“ kommt daher, weil die Werbungen überwiegend gesungen wurden. Die „Daytime Serial Dramas“ gelten als Vorläufer unser heutigen Familienserien. (Vgl.: Koukoulli 1998, S. 53). Zentrale Inhalte dieser Serien sind und waren alltägliche häusliche Konflikte, Beziehungsprobleme, Freundschaft, Heirat, Intrigen, Krankheit, Familie, berufliche Probleme und Verbrechen (Vgl.: Landbeck 2002, S. 128). Die Hauptpersonen sind meistens in einem engen Beziehungsgeflecht miteinander verstrickt. Die Handlungsorte sind meist die Wohnungen der Hauptpersonen, öffentliche Plätze, Büros oder Cafés in der näheren Umgebung des Handlungsortes. (Vgl.: Cippitelli 2001, S. 12) Die Soap Operas wurden damals im Radio live gesendet und Sendezeit betrug meistes um die 15 Minuten. Der Erfolg stieg schnell an und nach einer kurzen Zeit wurden bereits jeden Nachmittag abwechselt die Soap Operas ausgestrahlt. 1940 erreichten die Ausstrahlungen im amerikanischen Radio bereits ca. 20 Millionen überwiegend weibliche Zuschauerinnen. (Vgl.: Koukoulli 1998, S. 54). Diese waren auch die Zielpersonen, denn in den 1930er Jahren war es üblich, dass die Männer tagsüber ihrer Arbeit in einer Firma nachgingen und die Frauen zuhause blieben, sich um die Kinder und den Haushalt gekümmert haben. Somit blieben ihnen die Zeit und die Möglichkeit nachmittags viel Radio zu hören und später auch Fern zu sehen. Das machte sich die Wirtschaft schnell zu ihrem Nutzen. Typische Merkmale für dieses Genre sind die Endlosigkeit ihrer Geschichten sowie der Realitätsbezug. Ziel einer Soap- Opera ist es, die Geschichten so real wie möglich darzustellen. 1970 wurde in Amerika die erste Soap- Opera im TV ausgestrahlt und verbuchte ebenfalls auf Anhieb große Erfolge. Sie eigneten sich besonders als „Einbettung ins Werbeumfeld“. Die ersten amerikanischen Serien die schließlich nach Deutschland schwappten waren Dallas und Denver-Clan, diese waren aber keine typischen Soap- Operas. Am 11. Mai 1992 startete mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) im Privatprogramm RTL (Vgl.: Göttlich et al. 2001, S. 26f.), die erste deutsch produzierte Daily Soap im Vorabendprogramm. Diese läuft noch heute erfolgreich im unveränderten Programmplatz. In allen Daily Soaps finden sich viele genrespezifische und dramaturgische Merkmale wieder. Dazu gehört, dass durch ein sehr leicht verständliches und einfaches Konfliktmuster Spannung erzeugt wird. Der harmonische Zustand in den Geschichten der Protagonisten wird durch ein gewisses Ereignis gestört. Diese Störung wird beseitigt was in den meisten Fällen in einem Happy End endet. Meistens können sich die Zuschauer mit einer der Hauptpersonen und ihrem Verhalten persönlich identifizieren und wird somit persönlich in die Lösung des Konfliktes miteingebunden. Spezifische Darstellungsmittel binden den Zuschauer an die Serie über einen längeren Zeitraum, denn durch die Zopf-Dramaturgie (Vgl.: Landbeck 2002, S. 122) werden immer mindestens drei Handlungsstränge zusammen gezeigt und deren Auflösung nimmt einige Sendungen in Anspruch. Weitere genrespezifische Mittel der Erzählweise und Dramaturgie sind der Cliff Hanger. (Vgl.: Landbeck 2002, S. 122ff.) Typischerweise endet eine Daily Soap mit einer aufgelösten Situation oder einem gewissen Spannungsmoment. Der Zuschauer beschäftigt sich oft persönlich damit möchte unbedingt wissen wie die Auslösung ist. Dieser Spannungsbogen zur nächsten Folge bindet die Zuschauer zusätzlich an die Sendung und dem täglichen einschalten. (Vgl.: Simon 2004, S. 50) Die Dialoge in einer Daily Soap sind für jeden leicht verständlich und nicht sehr anspruchsvoll. Dies ist ein Garant dafür, dass eine möglichst große Zielgruppe damit erreicht werden kann. Die Dialoge dienen dazu, ein emotionales Klima zu erschaffen. Es werden Dialoge aus einer wechselnden persönlichen Perspektive heraus geführt, und die Wünsche, Ängste und Bedürfnisse der Protagonisten geäußert. Das private und intime Gespräch ist dominant und typisch für das Genre der Soap- Opera. Über Probleme und Konflikte wird mehr geredet und diskutiert und weniger konkret gehandelt. Somit kommt es zu einer Personalisierung, Privatisierung und Intimisierung in den Inhalten einer Daily Soap. (Vgl.:Simon 2004, S. 49) Im Ganzen betrachtet können Familienserien, unter die auch die Daily Soaps fallen, in drei Bereiche eingeteilt werden: emotionaler Realismus, materielle- und ideelle Fiktion. Idealtypische Wertvorstellungen der Durchschnitts Bürger stehen im ständigen Konflikt und Bezug mit dem Alltagsleben der Protagonisten in den Daily Soaps. In den deutschen Serien geht es hauptsächlich um die Familien selbst, dazu kommen aber auch Elemente anderer Genres dazu wie zum Beispiel Krimi. Soziale Missstände werden wenig thematisiert und die Freunden und Probleme der Protagonisten sind im Vergleich zum echten Leben vergleichbar trivial. (Vgl.: Simon 2004, S. 35f.) Die Serie ist im Allgemeinen absolut Massentauglich, und das ist das vorrangigste Ziel einer Daily Soap ein möglichst großes Publikum zu erreichen.

2.2. Szenenanalyse und der Einfluss auf Jugendliche

Daily Soaps greifen tief in unseren Alltag ein, sie beeinflussen die Gestaltung und den Zeitablauf des Feierabends und bieten hinreichend Identifikationsmuster für das eigene Verhalten, die der Zuschauer gerne in die eigene Lebenswelt adaptiert, vor allen Dingen Jugendliche (Vgl.: Schwandebeck 2001, S. 17). Die meisten beginnen bereits im frühen Alter eine Soap zu schauen, da oft ihre Familie und Freunde, vor allem Mütter und Schwestern sie selbst schauen und sich darüber im sozialen Umfeld unterhalten wird. Etwa ein Drittel kommt zufällig durch reinschalten an die Serie. (Hofmann 2002, S. 87). Besonders daran gefallen ihnen bestimmte Schauspieler und die Geschichten unter ihnen. Durch spezielle Vermarkungsstrategien der Produzenten wird dieses Fan-Bewusstsein unter Jugendlichen nochmals verstärkt, denn parallel zu den Serien werden Poster, Magazine und etliche weitere Fanartikel zum Verkauf angeboten (Vgl.: Hofmann 2002, S. 86ff.). Die Soap Opera dient vor allem „dem Vergnügen, der Information, wird zur Selbstverortung und Bestärkung der eigenen Vorstellungen oder zur Selbstdarstellung genutzt.“ (Götz 2002, S. 365). Sie trägt zur Entwicklung von Wünschen und Fantasien bei, sowie zur Gefühlsbildung. Besonders sind die abwechslungsreichen und spannenden Handlungen, die aber auch formatbestimmte Besonderheiten haben. Demzufolge übernimmt die Daily Soap im Alltag von Kindern und Jugendlichen, die sich für dieses Genre begeistern und es regelmäßig sehen, unterschiedlichste Funktionen (Vgl.: Götz 2002, S. 365). In dem Fall von „Verbotene Liebe“ sind es die komplizierten Liebesbeziehungen die das besondere für die Zuschauer ausmachen.(Vgl.: Götz 2002, S. 365). „Die Geschichten, die erzählt werden, stehen aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen dabei immer in enger Verbindung mit den Beziehungen der Figuren und dem Interesse, wie sich die Beziehungen weiter entwickeln.“ (Götz 2002, S. 365). Das Verfolgen dieser Konflikte, sowie dem Erleben der Spannung und dem Raten wie es am nächsten Abend weitergeht, ist für die jungen Soap-Fans das besondere und bereitet ihnen Spaß. (Vgl.: Götz 2002, S. 365). Regelmäßige Daily- Soap Zuschauer im jungen Alter sehen die Geschichten oft als lehrreich und vorbildlich für ihr eigenes Handeln und Verhalten an. Dazu gehören beispielsweise der Umgang mit dem Partner in einer Beziehung oder in einem Konflikt, ein gewisser Kleidungsstil sowie die eigene Darstellung. (Vgl.: Götz 2002, S. 366). Das sind meistens Dinge, die von den Jugendlichen noch nicht selbst erlebt wurden, aber gerade in dem Alter enormes Interesse hervorrufen, denn die sind „eine Art Fester in eine Erwachsenenwelt, durch die sie sich Wissenswertes ansehen können“ (Götz 2002, S. 366). Daily Soaps sind in Deutschland, im Unterschied zu anderen Ländern, „Jugendorientierte Vorabendserien“ (Koukoulli 1998, S. 9). Ein wichtiger Grund für die Beliebtheit von Daily Soaps und Familienserien, ist die Neugier am fremden Privatleben. In den Serien ist im Gegensatz zum realen Leben alles öffentlich und das reizt die Zuschauer, da sie emotionale Teilnehmer der Geschehnisse werden, und dadurch eine Art nachbarschaftliche Beziehung zu den Serienfiguren aufbauen. (Vgl.: Koukoulli 1998, S. 73). Der Zuschauer kann die Serie durch seinen festen und Werktäglichen Sendeplatz fest mit in seinen Alltag einbetten. „Jugendlichen werden in Serien Lebensgeschichten vorgeführt, die in ihrem „emotionalen Realismus“ an ihre Erfahrungen anknüpfen. Der jugendliche Zuschauer kann einzelne Verhaltenssegmente aus dem Interaktionszusammenhang der Figuren isolieren und sie mit Verhaltensanforderungen, die er aus seinem Alltag her kennt, in Beziehung setzen. Die unterschiedliche Verhaltenssegmente sind häufig von der Serie her bereits durch ihren erzählerischen Kontext in Situationen eingebunden, die denen des Zuschaueralltags ähneln.“ (Koukoulli 1998, S. 74). Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Fernsehserien, ist der unmittelbare Bezug auf reale Gegebenheiten. (Vgl.: Koukoulli 1998, S. 75) Die Daily Soap „Verbotene Liebe“ versucht ein junges Publikum anzusprechen, jedoch ohne die älteren auszugrenzen. (Vgl.:Koukoulli 1998, S. 63). Das Konzept dieser Daily Soap beruht auf dem australischen Format „Sons and Daughters“. Im Vordergrund stehen die Beziehung zwischen dem Zwillingspaar Jan und Julia und die dazugehörigen

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Details

Titel
Wie werden Jugendliche von Daily Soaps im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beeinflusst?
Untertitel
Gezeigt an einer Folge der Daily Soap "Verbotene Liebe" der ARD
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V293423
ISBN (eBook)
9783656909019
ISBN (Buch)
9783656909026
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soap, Medien, Verbotene Liebe, Medienwissenschaften, Fernsehen, öffentlich-rechtliche, TV, Daily Soap
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Wie werden Jugendliche von Daily Soaps im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beeinflusst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293423

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