Soziale Präsenz in der Online Kommunikation


Hausarbeit, 2010

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Betrachtung der Ausgangssituation

3 Kommunikation und CvK
3.1 Kommunikationsmedien
3.1.1 Synchrone & asynchrone Kommunikationsmedien
3.1.2 Push & Pull Kommunikationsmedien
3.2 Online vs. Face-to-Face Kommunikation

4 Soziale Präsenz in der Online Kommunikation
4.1 Welche Rolle spielt die soziale Präsenz in CvK?
4.2 Gruppenidentifikation durch optimierte Kommunikation

5 Potentiale und Grenzen der Online Kommunikation

6 Zusammenfassende Bewertung, Fazit und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„ Interpersonal communication is a transactional process in which humans negotiate the nature of their relationships with others. Through the back-and-forth exchange of interactive and interdependent behavioral messages, individuals create mental representations of themselves, o- thers, and the relationship between them “ (Palmer, 1995, S.278).

Zwischenmenschliche Kommunikation beeinflusst die Beziehungskomponente zwischen Personen. Sie meint keineswegs nur die reine Übermittlung von Nach- richten. Sie wird unter anderem bestimmt von verbalen Faktoren, akustischen As- pekten, nonverbalen Äußerungen wie Mimik und Gestik. Sie ist viel mehr als nur geschriebene oder gesprochene Wörter. Kommunikation ist sehr komplex und stark abhängig von der Art und Weise, in der die Kommunizierenden zueinander in Beziehung stehen (vgl. Gelbmann, 2001). Kommunikation beinhaltet daher stets eine soziale Komponente, die davon beeinflusst wird in welcher Beziehung die Kommunizierenden zueinander präsent sind.

Diese soziale Komponente wird fortlaufend mit dem Begriff der sozialen Präsenz (sP) gleichgesetzt. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die soziale Präsenz in der Online Kommunikation (OK).

Wenn vorausgesetzt ist, dass soziale Präsenz in computervermittelter Kommunika- tion (CvK) möglich ist, dann sind entscheidende Fragen vor allem im bildungswis- senschaftlichen Kontext zu beantworten (vgl. u.a. Batinic/Appel, 2008/Bremer, 2007/Döring, 2003/Glameyer, 2009/Köhler, 2003/Rautenstrauch, 2008). Was sind die Unterschiede zwischen „normaler“ und computermediierter Kommunikation im Bezug auf soziale Präsenz? Was leisten Medien in CvK und welche Unter- schiede gibt es? Ist die intendierte Entstehung sozialer Präsenz in CvK möglich? Falls ja, wie kann sie erzeugt werden? Welchen Einfluss hat sie auf die in der CvK vorkommende Online Kommunikation und vor allem auf mediierte lernbasierte Settings der OK im E-Learning?

Um diese Fragen zu beantworten, folgt nach der Einleitung die Betrachtung der Ausgangssituation. In Abschnitt drei werden Faktoren der Kommunikation mit dem Schwerpunkt der CvK und den dort verwendeten Medien betrachtet. Das vierte Kapitel behandelt das Thema der sozialen Präsenz in der Online Kommunikation vertieft und der fünfte Abschnitt thematisiert die Potentiale und Grenzen der Online Kommunikation. Im sechsten Kapitel folgt abschließend eine zusammenfassende Bewertung mit Fazit und Ausblick.

Weibliche und männliche Formen werden unsystematisch verwendet, wenn geschlechtsneutrale Formulierungen nicht möglich sind. Das jeweils andere Geschlecht ist stets ebenso gemeint und die Formulierung stellt keine Diskriminierung dar, sondern dient lediglich der besseren Lesbarkeit des Textes.

2 Betrachtung der Ausgangssituation

Der Prozess zwischenmenschlicher Kommunikation ist ein ständiger sich gegen- seitig beeinflussender, dynamischer Prozess, der in wechselseitige Beziehungen eingebettet ist (vgl. Palmer, 1995, S.278). Das lange Zeit in der Kommunikations- forschung geltende Kommunikationsmodell „SENDER NACHRICHT KANAL EMPFÄNGER“ welches auf den Ausführungen und Grundlagen von Shannon und Weaver basiert, wurde von Kommunikationsforschern überarbeitet und erweitert. In Shannons Kommunikationsprozess wird Kommunikation als statischer Austausch von Informationen gesehen (vgl. u.a. Batinic/Appel, 2008, S.199 ff./Köhler, 2003, S.32 ff./Rogers, 1994, S.417). Der komplexe Prozess zwischenmenschlicher Kommunikation kann in seiner Gesamtheit jedoch nicht in einem so simplifizierten Modell gesehen werden. Entscheidend ist, dass die menschliche Komponente hinzugezogen wird.

In zwischenmenschlicher Kommunikation ist das Individuum ständig Empfänger als auch Sender zugleich. Ein stetiges Hin und Her von Inhalt, Reaktion, Interpretation und Bedeutung wird individuell interpretiert und verarbeitet. Es ist ein komplexer, dynamischer Kommunikationsprozess, in dem Menschen mit eigenen Emotionen die Nachrichten empfangen, sowie vor allem interpretieren und damit dem wechselseitigen Nachrichtenaustausch erst ihren Sinn und ihre Bedeutung geben (vgl. Rogers, 1994/Watzlawick/Beavin/Jackson, 2000).

Die Multimodalität der Kommunikation beeinflusst somit entscheidend die Rezeptionsprozesse Kommunizierender. Dies geschieht dabei keinesfalls als stets bewusstes oder willentliches Geschehen (vgl. Krämer, 2001). Die Generierung, Deutung und Interpretation verbaler, sowie vor allem nonverbaler Signale und damit, das Entstehen von Gefühlen und Emotionen in Kommunikationskontexten, geschieht großenteils unbewusst und willkürlich.

Diese Emotionalisierungen steuern dabei jedoch die soziale Komponente der Kommunikation und sind damit unter anderem verantwortlich dafür, ob wir den Kommunikationspartner sympathisch oder unsympathisch finden, ob wir Mitei- nander oder aneinander vorbei reden (dazu u.a. Gelbmann, 2001, S.8/Glameyer, 2009, S.7-14).

Die Entstehung sozialer Präsenz in Face-to-Face Kommunikation (FtF) ist durch verbale und nonverbale Ausdrucksformen beeinflusst und erfolgt weitestgehend intuitiv. In den folgenden Abschnitten wird nun eingehender die Frage behandelt, wie sich die Situation in der computervermittelten Kommunikation darstellt.

3 Kommunikation und CvK

In der CvK findet Kommunikation trotz räumlicher Distanzen und unter artifiziel- len Umständen mit Hilfe verschiedener Kommunikationsmedien statt. Diese Art der Kommunikation unterscheidet sich erheblich von der komplexen FtF Kommu- nikation. Folgend soll der Bereich der Online Kommunikation genauer behandelt werden. Eine Betrachtung von Hardware und Software Komponenten, die zwangs- läufig in der CvK und somit auch in der OK eine Rolle spielen, wird aus Platz- gründen hier nicht weiter verfolgt. Die notwendige Soft- und Hardware wird als vorhanden vorausgesetzt.

Der Oberbegriff der CvK und der Begriff Online Kommunikation werden in dieser Arbeit zum Teil synonym verwendet, wobei letzteres immer in der CvK beinhaltet ist und ohne diese entsprechend nicht stattfinden könnte. Online Kommunikation impliziert immer die Voraussetzung des Internet („online“).

3.1 Kommunikationsmedien

Ohne Medium gibt es keine zwischenmenschliche Kommunikation. So simpel die- ser Satz formuliert ist, so essentiell ist er jedoch. Was Watzlawick (et al., 2000, S.53) in seinem ersten Kommunikationsaxiom „man kann nicht nicht kommunizie- ren“ ausdrückt, erfasst in seiner Bedeutung sehr eindrucksvoll die Stellung des Mediums.

Sprache, Schrift, Mimik, Laute und Gestik sind Beispiele von Medien. Diese Medien konservieren, übertragen und geben die von einem Kommunizierenden erzeugten Zeichen und Signale wieder. Somit kann ein anderer Kommunizierender diese Zeichen und Signale individuell wahrnehmen.

Glameyer (2009, S.44) betont, dass Medien die Möglichkeiten der Kommunikati- on durch ihre Eigenarten mitbestimmen. Auch in der CvK gibt es speichernde, übermittelnde und wiedergebende Medien, die „die zum Zwecke der Kommunika- tion erzeugten Signale übertragen, speichern und/oder aussenden“ (Glameyer, 2009, S.45).

Für die Online Kommunikation werden folgend die bedeutendsten Medien unter Bezugnahme ihrer Eigenschaften betrachtet. Im Fokus dieser Arbeit stehen die in der Online Kommunikation wichtigsten textbasierten Kommunikationsmedien. Weitere Medien werden der Vollständigkeit halber erwähnt, jedoch im Rahmen der zu Beginn formulierten Fragestellungen nicht weiter bearbeitet.

3.1.1 Synchrone & asynchrone Kommunikationsmedien

Im Rahmen der CvK gibt es verschiedene Ansätze zur Unterscheidung von Kom- munikationsmedien. Für die Online Kommunikation im Bezug auf soziale Präsenz und E-Learning ist der Ansatz der synchronen und asynchronen Kommunikati- onsmedien von erheblicher Bedeutung. Die synchrone Kommunikation (sK) zeichnet sich durch Zeitgleichheit aus. So sind die Teilnehmer zur selben Zeit (synchron) online und kommunizieren miteinander. Diese Kommunikation ge- schieht zum Beispiel in Form von Chats. Synchrone Kommunikation hat den Vor- teil der zeitlichen Unmittelbarkeit, direkten Verfügbarkeit, Interaktion sowie Dia- logizität. Der Chat hat damit nach Dennis/Valacich (1999 in Bremer, 2007, S.10 f.) einen hohen Synchronizitätsgrad.

In der asynchronen Kommunikation (aK) geschieht Kommunikation zeitversetzt. Ein Beispiel ist die Email. Hier liegt der Vorteil darin, dass die Kommunizierenden zeitlich flexibel sind und Formulierungen zu beliebiger Zeit verfassen können. Des Weiteren haben die Botschaften, die in Medien der aK übermittelt werden, nach Döring (2003) und Whittaker (2003) einen eher abgeschlossenen, monologischen Charakter. Sie werden gespeichert und der Empfänger kann sie entsprechend zu einem individuellen Zeitpunkt abrufen. Die Email hat als Medium der aK nach Dennis/Valacich (1999 in Bremer, 2007, S.10 f.) einen niedrigen Synchronizitäts- grad, bzw. ist synchronizitätsunspezifisch und erfährt daher je nach Zeit und Wil- len des Antwortenden eine langsame oder schnelle Rückmeldung.

Nachfolgend sind die gängigsten Formen der synchronen- und asynchronen Online Kommunikationsmedien mit ihren jeweiligen Eigenschaften tabellarisch aufge- führt (vgl. u.a. Batinic/Appel, 2008/Kalz/Klamma/Specht, 2008/Andrews/Hay- thornthwaite, 2007/Bremer, 2007/Döring, 2003):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 - Online Kommunikationsmedien (n > 1 Kommunizierender)

Ein weiteres Kriterium ist die Themenparallelität (Dennis/Valacich, 1999 in Bre- mer, 2007, S.10 f.). In Foren (aK) können beispielsweise mehrere parallele Dis- kussionsstränge gleichzeitig geführt und bearbeitet werden. Chats (sK) haben da- hingegen eine niedrige Parallelität und ermöglichen kaum bzw. keine parallelen Diskussionen. Die bearbeitende E-Learning Gruppe fokussiert sich im Chat auf ein Thema zur gleichen Zeit.

Die genannten Unterscheidungskriterien kommen besonders beim unterschiedli- chen Einsatz der verschiedenen Medien zum Tragen. Nach Whittaker (2003) ist die Spontaneität ein weiterer Faktor. Er unterscheidet zwischen gleichzeitigem in- teraktivem Erleben in synchronen Medien und nicht interaktiven Ansätzen mit deutlicher Zeitverzögerung. Bei der Medienwahl in der OK und im E-Learning ist es daher entscheidend, wofür das Medium geeignet sein soll. Für Themen und Aufgaben, die schnelle Entscheidungsfindungen und direkte Rückmeldungen er- fordern, sind synchrone Kommunikationsmedien daher sicher sinnvoll. Um paral- lel mehrere Themen mit verschiedenen Personen und zu verschiedenen Zeiten be- arbeiten zu können, eignen sich asynchrone Kommunikationsmedien, wie z.B. Fo- ren, die optisch so strukturiert sind, dass mehrere Diskussionsstränge nebeneinan- der möglich sind (vgl. Bremer, 2007, S.10 f.).

3.1.2 Push & Pull Kommunikationsmedien

In Bezug auf die Planung des Medieneinsatzes in E-Learning und Online Kommunikation ist die Einteilung in Push- und Pull-Medien von Bedeutung.

Push-Medien haben die Eigenschaft direkt zum Empfänger zu gelangen, das be- deutet, der Empfänger muss nicht eigenständig besonders aktiv werden um Infor- mationen zu erlangen. Ein gutes Beispiel für ein Push-Medium ist die Email oder die SMS. Diese Medien kommen eher zum Nutzer/User und dieser kommt direkt an die Information.

Im Gegensatz dazu muss der Nutzer bei den Pull-Medien aktiv werden um an Informationen zu gelangen. Ein Beispiel ist das Forum. Möchte der Nutzer hier an Informationen gelangen, muss er eigenständig zu der entsprechenden Webadresse „surfen“, sich eventuell mit entsprechendem „Login“ identifizieren und die gewünschten Informationen suchen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Soziale Präsenz in der Online Kommunikation
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V293463
ISBN (eBook)
9783656909583
ISBN (Buch)
9783656909590
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale präsenz, online kommunikation, mediale bildung, lebenslanges lernen, medien
Arbeit zitieren
Max Hergt (Autor:in), 2010, Soziale Präsenz in der Online Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293463

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