Gorgias. Die kritische Beurteilung der Rhetorik durch den Philosophen Platon


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichtlicher Hintergrund
1.1. Die Rhetorik in der Antike
1.2. Das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie in der Antike

2. Das Gespräch mit Gorgias
2.1. Der Gegenstand der Rhetorik
2.2. Die Rhetorik in Bezug auf Wissen
2.3. Die Rhetorik in Bezug auf Recht und Unrecht

3. Das Gespräch mit Polos
3.1. Die Endtarnung der Rhetorik als Scheinkunst
3.2. Das Problem der Macht der Rhetorik

4. Platons Stellung zur Rhetorik

5. Abschließende Bewertung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ausgehend von dem Dialog Gorgias, ist Platons kritische Beurteilung der Rhetorik das Thema dieser Hausarbeit .

Geradezu in jedem Werk Platons treffen wir auf kritische Stellungnahmen zur Rhetorik (griechisch rhetorikē, die Redekunst). In dem Dialog Gorgias (geschrieben ca. 400 v. Chr.) kommt die Stellung Platons zur Rhetorik jedoch besonders gut zum Ausdruck, denn die im Dialog dargestellte Auseinandersetzung zwischen Sokrates und Gorgias verkörpert die Auseinandersetzung zwischen Philosophie und Rhetorik und stellt das mitunter einer Rivalität ähnelnde Verhältnis dar.

An sich ist es zwar nicht sinnvoll den Dialog thematisch in zwei Teile zu trennen, da dies für die Grundintention des Dialoges problematisch ist, doch ich habe mich aus mehreren Gründen dafür entschieden, gerade den ersten Hauptteil des Dialoges zu untersuchen. Somit konzentriere ich mich mit dem Streitgespräch zwischen Sokrates und Gorgias und Sokrates und Polos hauptsächlich auf die theoretische Seite.

In diesem ersten Hauptteil fordert Sokrates den damals berühmten Redner Gorgias zu einem Gespräch über die Redekunst auf. Was zunächst aussieht wie ein Gespräch unter Freunden, ist der Auftakt zu einer Auseinandersetzung zwischen Philosophie und Rhetorik.

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszustellen, wie das Verhältnis zwischen Philosophie und sophistischer Rhetorik in dem Dialog aufgebaut ist und wie es dargestellt wir. Es soll erarbeitet werden, wie Platon durch die Figur des Sokrates seine Einstellung zur Rhetorik ausdrückt und welche Kritik er auf diesem Weg äußert.

Zur Einführung in das Thema, soll dem Leser zunächst ein kurzer geschichtlicher Hintergrund gegeben werden, um die im Dialog dargestellten Verhältnisse verstehen zu können.

1. Geschichtlicher Hintergrund

1.1. Die Rhetorik in der Antike

Die Blütezeit der Rhetorik in der Antike ist hauptsächlich auf die politischen Gegebenheiten zurückzuführen.

In Athen gab es das demokratische Staatssystem, das heißt eine direkte Demokratie. Somit wurden große Teile der Bevölkerung durch Institutionen an der Macht beteiligt und Entscheidungen von der Volksversammlung getroffen. Da jeder männliche Athener ein Stimmrecht in der Volksversammlung hatte, waren die Teilnehmer der Volksversammlung keine Berufspolitiker, sondern Laien ohne besondere Kenntnis. Zudem wurden die Vertreter der Volksgerichte unmittelbar vor den Verhandlungen durch Losentscheid bestimmt. Das Kollegium der Richter des Volksgerichts war weder juristisch ausgebildet, noch vorher über den Fall instruiert.[1]

Die Demokratie der Antike bedeutete also „eine Herrschaft besonders hervorragender Männer, welche die grosse Masse des Volkes durch die Überlegenheit ihres Geistes ihren Ansichten zu gewinnen verstehen.“[2]

Durch eine mitreißende Rede konnten die Redner die Menge leicht zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten bewegen, „denn von der Überredung der Masse hängt Politik, Macht, Rechtsprechung, Schicksal ab, sei es, daß die Volksversammlung über Verfassung, Krieg und Frieden entscheidet, sei es über Leben und Tod, indem sie zu Richtern – die ganz unberufenen Laien zu Richtern – berufen werden.“[3]

„Um nun auf die Massen des Volkes, welches überall selbst zu entscheiden verlangte, einen Einfluss zu gewinnen, war ein Mittel nöthig, mächtig genug, die großen Massen zu rühren und für sich zu stimmen, seinen Anträgen günstig zu machen.“[4] Es kam daher zu einem enormen Bedürfnis an Redekunst, da die Menschen das Bedürfnis hatten, ihre eigenen politischen Ansichten durchzusetzen und sich von der Redekunst versprachen, dass diese ihnen die Fähigkeit, vor dem Auditorium überzeugend zu wirken, vermitteln und somit Einfluss im Staate geben würde.

Die Rhetorik wurde somit in der Antike als Form der politischen Rede zur politischen Meinungsbildung eingesetzt. Mithilfe der Rhetorik als Überzeugungsmittel, konnten sich die Athener vor Gericht entweder Verurteilung oder Freispruch erkämpfen.

Die Rhetorik und die Sophistik traten aus diesen Gründen als geistige Strömungen in den Vordergrund und die Sophisten gründeten vermehrt Schulen. In diesen Schulen wollten die Sophisten als Lehrer ihren Schülern Wissen und Fähigkeiten vermitteln, die ihnen Erfolg im politischen und gesellschaftlichen Leben ermöglichten.

1.2. Das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie in der Antike

Ungefähr ein Jahrhundert lang, in der Zeit von 430-330 v. Chr., war der Antagonismus von Rhetorik/Sophistik und Philosophie die bewegende Kraft der griechischen Bildungsgeschichte.

Somit war das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie grade zu Platons Lebzeiten (427-340 v. Chr.) ein angespanntes, denn viele Athener wandten sich von der Philosophie ab und der Rhetorik zu.

Die Philosophen standen in direkter Konkurrenz zu den Rhetorikern und Sophisten. Es gab somit auf der einen Seite die Philosophen, die umherwanderten, die Bürger in philosophische Gespräche verwickelten und dafür kein Geld verlangten. Auf der anderen Seite gab es die Rhetoriker und Sophisten, die sich in ihren Schulen den Rhetorikunterricht bezahlen ließen und von sich behaupteten, ihren Schülern eine universal anwendbare Kunst vermitteln zu können.

Einer der wichtigsten Sophisten war Gorgias von Leontini (etwa 480-380 v. Chr.), der sich selber als Meister der Redekunst bezeichnete. Er unterrichtete zahlreiche Schüler in Rhetorik und erregte durch seine Redekunst großes Aufsehen. Seine Vorträge fanden großen Beifall und Zuspruch bei vielen jungen Männern in Athen.

2. Das Gespräch mit Gorgias

Ausgangssituation des Dialoges zwischen Sokrates und Gorgias ist, dass der Philosoph Sokrates sich mit den Redekünstlern Gorgias, Polos und Kallikles zusammenfindet und diese zu einem Gespräch auffordert.

2.1. Der Gegenstand der Rhetorik

Das Gespräch mit Gorgias ist von der Frage bestimmt, was der eigentliche Gegenstand der Rhetorik ist.

Sokrates möchte das, was Gorgias tut, im Grundsatz verstehen und möchte wissen, was seine Kunst ist. Die Grundthese, die dem unterliegt, ist, dass jede Kunst etwas hat, womit sie sich beschäftigt, einen Gegenstand.

Gorgias antwortet Sokrates auf seine Frage, dass sich das Wissen der Redekunst auf Reden beziehe. Daraufhin stellt Sokrates Gorgias bloß, indem er sagt, dass alle anderen Künste sich ja auch mit Reden befassen. Gorgias kann Sokrates keine Antwort geben und muss somit zugeben, dass sich die Rhetorik auf kein bestimmtes Wissen bezieht und somit gegenstandslos ist.

Gorgias sagt daraufhin, dass die Rhetorik dazu diene, durch Worte Menschen zu überreden, vor Gericht, Ratsversammlung und Gemeinde. Es stellt sich somit heraus, dass die Hauptaufgabe der Redekunst die Überredung ist.[5]

Sokrates fragt daraufhin weiter nach, denn er möchte wissen, worauf sich die Überredung bezieht. Gorgias antwortet, dass sich die Überredung darauf beziehe, was Recht und Unrecht ist.

Sokrates weist Gorgias anschließend nach, dass er nur die Unkundigen überreden kann und Gorgias muss eingestehen, dass die Redekunst nur Glauben erwecken kann, anstatt Einsicht hervorzurufen.

Sokrates kommt zu einer ersten Definition der Rhetorik. Sie sei die „Meisterin in einer glaubenmachenden, nicht einer belehrenden Überredung in bezug auf Gerechtes und Ungerechtes.“ (455a)

[...]


[1] Vgl. Ueding, Gert; Steinbrink, Bernd: Grundriss der Rhetorik. Stuttgart/Weimar 2005, S. 13.

[2] Novak, Jan V.: Platon und die Rhetorik. In: Jahrbücher für classische Philologie. Band 13. Leipzig 1884, S. 443.

[3] Platon: Gorgias. Übers. von F. Schleiermacher. Stuttgart 1998. Nachwort, S. 141.

[4] Novak, Jan V.: Platon und die Rhetorik, S. 444.

[5] Vgl. Platon: Gorgias. Übers. von F. Schleiermacher. Stuttgart 1998. 453a. Im Folgenden gebe ich die Textstellen in Klammern an.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gorgias. Die kritische Beurteilung der Rhetorik durch den Philosophen Platon
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Platon: Gorgias
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V293477
ISBN (eBook)
9783656909224
ISBN (Buch)
9783656909231
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gorgias;, Platon, Sophisten, Sophistik, Redekunst
Arbeit zitieren
Tatjana Stuhlmann (Autor), 2009, Gorgias. Die kritische Beurteilung der Rhetorik durch den Philosophen Platon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293477

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gorgias. Die kritische Beurteilung der Rhetorik durch den Philosophen Platon



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden