Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, einen eigenen Standpunkt in der (musikalischen) Diskussion um den Begriff der Postmoderne zu entwickeln, um diesen schließlich anhand eines exemplarischen Werkes John Zorns ("Snagglepuss") zu überprüfen.
Dabei soll eine Etikettierung vermieden werden und stattdessen die Frage im Zentrum stehen, inwiefern Denkmodelle der philosophisch-ästhetischen Postmodernen-Diskussion dem Verständnis von John Zorns Werk dienen. Hierbei soll sowohl eine kritische Analyse des Werkes selbst, als auch eine Betrachtung der Ursprünge und Einflüsse des Künstlers erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Postmoderne-Diskussion
2.1 Grundzüge der Postmoderne
2.2 Das postmoderne Kunstwerk
2.3 Musikalische Postmoderne
3 John Zorn
3.1 Hintergrund und Rezeption
3.2 Werkbetrachtung: 'Snagglepuss'
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit philosophisch-ästhetischer Theorien der Postmoderne auf das musikalische Werk von John Zorn, ohne dabei einer vorschnellen Etikettierung zu verfallen. Im Zentrum steht die Analyse, wie sich Denkmodelle über die Postmoderne in Zorns Kompositionstechnik widerspiegeln und ob diese zur wissenschaftlichen Erschließung seines Schaffens beitragen können.
- Grundlagen der philosophisch-ästhetischen Postmoderne-Diskussion
- Charakteristika des postmodernen Kunstwerks (Pluralität, Fragmentierung)
- Rezeption und künstlerische Einflüsse bei John Zorn
- Kritische Analyse des Werkes 'Snagglepuss'
- Verhältnis zwischen U- und E-Musik sowie die Rolle des Zuhörers
Auszug aus dem Buch
3.2 Werkbetrachtung: 'Snagglepuss'
'Snagglepuss' ist ein Stück auf dem Debutalbum von 'Naked City' Es beginnt mit einer lauten, schrillen Grindcore-Fläche, begleitet von einem Crashwirbel und Zorns Altsaxophon. Nahtlos schließt sich ein 80er Funk-Rhythmus mit Lead Gitarre und Synthesizerbegleitung an. Durch das überraschende Einsetzen des Funk-Grooves mit seiner veralteten Soundauswahl und Spielweise, wirkt er seltsam deplatziert. Dem Zuhörer wird klar, dass ein Spiel beginnt, bei dem es nicht um die Vermittlung einer eigenständigen musikalischen Identität geht, sondern um die „Deformation von kulturellen Genres“, das „Klischee und Spiel mit dem Plagiat“.
Mit dem grellen Einsetzen des Saxophons verschwindet nach exakt vier Takten der lineare Rhythmus, die Gitarre gerät ins Wanken, das Saxophon stottert immer tiefer. Die Einheit wird dekonstruiert, stattdessen sind Fragmentfetzen aus den unterschiedlichsten musikalischer Welten zu hören: Ein Gitarrenglissando, ein kurzer Klavierakkord, ein quäkendes Saxophonmundstück - nun scheint ein Schlagzeug-Rhythmus einzusetzen, der jedoch von einem Bassgitarren-Akkord unterbrochen wird. Immer wieder geschieht das Unvorhersehbare, jeder musikalische Gedanke wird zugleich relativiert, in dem er durch einen anderen abgelöst wird. Der Kontext verändert sich ständig. Jetzt wirbelt das Schlagzeug über Rock-Gitarrenriffs, die jedoch zugleich in ein atonales Klavier-Solo münden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit definiert das Ziel, den Begriff der Postmoderne theoretisch zu durchdringen und anhand eines exemplarischen Werkes von John Zorn zu prüfen.
2 Die Postmoderne-Diskussion: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Postmoderne, insbesondere die Abkehr von totalitären Modernitätskonzepten und die Merkmale wie Diversität, Fragmentierung und den Tod des Autors.
3 John Zorn: Der Hauptteil beleuchtet Zorns Hintergrund, seine Einflüsse und analysiert detailliert das Stück 'Snagglepuss' als Beispiel für ein offenes, performatives Spiel mit Stilen.
4 Schluss: Das Fazit stellt fest, dass postmoderne Kategorien zwar zum Verständnis von Zorns Werk beitragen, jedoch stets der Blick auf seine spezifischen Wurzeln und Kontextbedingungen gewahrt bleiben muss.
Schlüsselwörter
Postmoderne, John Zorn, Musikwissenschaft, Snagglepuss, Pluralität, Fragmentierung, Dekonstruktion, Musik, Jazz, Neue Musik, Stilmix, Collage, Ästhetik, Performanz, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das musikalische Werk von John Zorn mit den theoretischen Konzepten der philosophischen und musikwissenschaftlichen Postmoderne-Diskussion in Einklang gebracht werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die Arbeit verknüpft philosophische Debatten um die Postmoderne – wie sie etwa bei Lyotard, Eco oder Welsch zu finden sind – mit konkreten musikalischen Analysemethoden und dem Werk des Komponisten John Zorn.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen eigenen Standpunkt in der Diskussion um den Begriff der Postmoderne zu entwickeln und diesen durch eine kritische Werkanalyse von John Zorn empirisch zu untermauern, ohne den Künstler vorschnell zu kategorisieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor verbindet eine theoretische Literaturanalyse der Postmoderne-Debatte mit einer deskriptiven und analytischen Untersuchung eines spezifischen musikalischen Werkbeispiels ('Snagglepuss').
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Postmoderne als Geisteshaltung in der Kunst und eine anschließende Werkbetrachtung, die Zorns Umgang mit Stilen, Zitaten und Fragmentierung untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Postmoderne, Pluralität, Collage, Dekonstruktion, Performanz und die Überbrückung zwischen U- und E-Musik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die 'technology-saturated world' für das Verständnis von Zorns Musik?
Der Autor führt an, dass Zorn als 'Simulator' fungiert, der die alltägliche Informationsflut und das 'Channel-Switching' in seine Musik überträgt, was zu der für sein Werk typischen Diskontinuität führt.
Warum wird 'Snagglepuss' als Beispiel für ein postmoderneres Werk herangezogen?
Es dient als exemplarischer Fall für die bewusste Dekonstruktion von Genres, bei dem das Zusammenprallen disparater Stilebenen den Zuhörer zwingt, Sinn und Struktur selbst zu stiften.
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- Ludwig Berger (Author), 2008, Das Spiel des John Zorn. Ein Komponist im Blickfeld der Postmodernen-Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293503